Frage im Expertenforum Kompetenzzentrum für Zwillings- & Drillingseltern an Alexandra Jaeger:

Zwillinge im Kontakt zu anderen

Frage: Zwillinge im Kontakt zu anderen

Cleo1986

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Hallo, ich habe fünfjährige Zwillingsmädchen und beobachte zunehmend, dass einem Zwilling der Kontakt zu Gleichaltigen deutlich einfacher fällt. Bei Eintritt in den Kindergarten (mit drei Jahren) war dieses Zwillingsmädchen deutlich schüchterner, hat sich sehr schwer getan mit sozialen Kontakten. Im Laufe des 5. Lebensjahres änderte sich das aber schlagartig. Sie zieht mittlerweile die Aufmerksamkeit aller Kinder auf sich (auch ihrer Cousinen und Cousins), so dass meine andere Tochter im Rahmen von playdates meistens außen vor ist. Dieses Zwillingsmädchen ist an sich super empathisch, jetzt habe ich jedoch schon mehrmals beobachtet, dass sie versucht mit ihrer körperlichen Dominanz (sie ist sehr groß für ihr Alter) Aufmerksamkeit zu generieren, indem sie die anderen Kinder schubst oder beispielsweise an der Kleidung zieht. Damit erreicht sie natürlich, dass die Kinder (gar) nicht mehr mit ihr spielen wollen. Natürlich freue ich mich sehr zu sehen, wie kontaktfreudig mein eines Zwillingsmädchen geworden ist. Auf der anderen Seite fällt es mir sehr schwer zu sehen, wie das andere Zwillingsmädchen quasi hinten runterfällt.  Wenn sie zu zweit sind, verstehen sie sich sehr gut, spielen sehr schön miteinander, natürlich kommt es aber auch zu Streitigkeiten im üblichen Rahmen. Ich habe auch schon öfter versucht, meiner Tochter zu erklären, dass es für ihre Schwester nicht schön ist, wenn sie so außen vor ist. Sie versteht es dann schon, versucht sie auch einzubinden, aber oft eben nur für den Moment.  Bisher sind die beiden immer zu zweit zu anderen Kindern eingeladen worden. Ich habe schon überlegt, ob ich mal darauf hinwirken soll, dass nur eine von beiden eingeladen wird, habe dann aber Angst, dass es dann eben die kontaktfreudige ist, die eingeladen wird. Ich erhoffe mir aber eigentlich, dass mein anderes Mädchen die Chance hat zu zeigen, dass man auch mit ihr schön spielen kann.  Ich freue mich über Tipps und Erfahrungen 


Alexandra Jaeger & Team

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Deine Beobachtungen kann ich sehr gut nachvollziehen. Viele Eltern von Zwillingen erleben irgendwann den Moment, in dem sich die sozialen Rollen der Kinder auseinanderentwickeln. Das kann einerseits schön sein, weil jedes Kind seine eigene Persönlichkeit entfaltet – gleichzeitig kann es schmerzhaft sein, wenn man das Gefühl hat, eines gerät dabei ins Hintertreffen. Beim Lesen ist mir jedoch noch etwas anderes aufgefallen: Du beschreibst sehr genau, wie die kontaktfreudigere Schwester Aufmerksamkeit bekommt und wie die ruhigere danebensteht. Die entscheidende Frage wäre für mich aber: Leidet deine ruhigere Tochter selbst darunter – oder leidest vor allem du als Mutter darunter? Nicht jedes Kind möchte im Mittelpunkt stehen. Manche Kinder beobachten zunächst, wählen ihre Kontakte sehr bewusst aus und brauchen weniger soziale Bestätigung. Das ist kein Zeichen dafür, dass sie sozial benachteiligt sind. Deshalb würde ich zunächst versuchen herauszufinden, wie deine Tochter ihre Rolle tatsächlich erlebt. Dass die andere Schwester im Moment sehr präsent ist, überrascht mich in diesem Alter übrigens nicht. Fünfjährige probieren soziale Rollen aus, testen ihre Wirkung auf andere und lernen dabei erst, wie man Aufmerksamkeit gewinnt, ohne andere zu übergehen. Dass sie schubst oder an Kleidung zieht, ist natürlich etwas, das klare Grenzen braucht – aber es klingt für mich weniger nach mangelnder Empathie als nach einer noch unreifen Strategie, Kontakt herstellen zu wollen. Was ich eher vermeiden würde, ist die Verantwortung auf deine kontaktfreudigere Tochter zu übertragen. Wenn sie immer wieder hören muss: „Denk auch an deine Schwester.“, kann daraus ungewollt das Gefühl entstehen, für deren soziale Kontakte verantwortlich zu sein. Das ist eine Aufgabe, die ein fünfjähriges Kind kaum erfüllen kann. Deine Idee, die Mädchen gelegentlich getrennt zu verabreden, finde ich dagegen durchaus überlegenswert – allerdings nicht mit dem Ziel, die ruhigere Schwester “aufzuwerten”, sondern weil beide davon profitieren können. Getrennte Spielverabredungen ermöglichen jedem Zwilling, eigene Beziehungen aufzubauen und einmal ohne die Dynamik des Geschwisterpaares wahrgenommen zu werden. Das erleben viele Familien als sehr entlastend. Falls tatsächlich zunächst häufiger die kontaktfreudigere Schwester eingeladen werden sollte, würde ich das nicht als Beweis dafür sehen, dass mit der anderen etwas nicht stimmt. Freundschaften entwickeln sich unterschiedlich schnell. Manchmal braucht ein eher zurückhaltendes Kind einfach etwas mehr Zeit oder kleinere, ruhigere Begegnungen, um seine Stärken zu zeigen. Mein Rat wäre deshalb: Fördere beide Mädchen als eigenständige Persönlichkeiten, ohne ihre sozialen Fähigkeiten ständig miteinander zu vergleichen. Achte darauf, problematisches Verhalten wie Schubsen konsequent zu begleiten, aber vertraue gleichzeitig darauf, dass sich soziale Kompetenzen in diesem Alter noch enorm entwickeln. Oft entstehen die stabilsten Freundschaften nicht bei den Kindern, die am lautesten auf andere zugehen, sondern bei denen, die echte, verlässliche Beziehungen aufbauen. Sei dir ganz sicher: Du hast als Mama einen festen Grundstein gelegt auf den beide aufbauen können! Good Job! Alexandra vom Mehrlingszentrum extrakind 


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