Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Abstillen und eigenes Bett

Frage: Abstillen und eigenes Bett

steffiundmimi

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Liebe Biggi Welter, meine Tochter ist nun 17 Monate alt und ich stille sie seit Tag 1. Nun möchte ich abstillen.. es gab schon ein paar Anläufe, aber sie gab mir immer wieder das Gefühl, dass sie es noch braucht und sie trinkt auch noch richtig und nuckelt nicht nur. Ich versuche es untertags zu reduzieren, das klappt so semi, denn ich biete es ihr nie an, jedoch wenn sie will, dann lasse ich es zu. Ich möchte es ihr nicht verbieten. Sie fordert es manchmal richtig und „holt sich die Brust“ aus dem Shirt. Wenn ich sie zu Bett lege, klappt es nur an der Brust, denn sie verweigert auch jegliche Schnuller, Flaschen, Milch, Wasser … Der zweite Punkt ist: sie schläft bei uns im Bett und es steht zwar noch das 70x140 Beistellbett am Elternbett dran (sie legt sich im Schlaf auch rüber), aber es wird langsam eng. Wir haben an ein Bodenbett gedacht und ich stelle mir hier die Frage, ob ich sie zuerst an das Bett gewöhnen soll oder doch zuerst abstillen. In der Kita schläft sie brav und sie isst auch dort und zuhause gut. Also… wie stille ich am besten ab, wenn sie nicht will ? Und was kommt zuerst: Bett oder Abstillen? Ich würde mich sehr über Ideen, Empfehlungen, Tipps, Tricks, etc. freuen :) Danke und liebe Grüße, Steffi


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe Steffi, ich würde schauen, was dein Kind eher verkraften kann und wahrscheinlich erst abstillen und dann das eigene Bett einführen. Du kennst dein Kind am besten und wirst schnell spüren, wie es am besten für euch ist. Wichtig ist es jetzt erst einmal, dass DU dir Klarheit verschaffst.

 Höre mal ganz genau ich dich hinein, was empfindest DU? Ist es für DICH eher schon ein Machtkampf? Fühlst DU DICH wohl?
Wenn du dich nicht mehr wohl fühlst, dann ist es dein gutes Recht etwas zu ändern. Stillen ist eine ZWEIERbeziehung und du musst dich nicht zwingen.
Vielleicht versuchst du es damit, die Stillzeiten immer weiter zu verkürzen. Damit meine ich, du stillst dein Kind eine bestimmte Zeit und dann nimmst du es sanft von der Brust und streichelst es, kuschelst mit ihm, bietest ihm zusätzlich ein Kuscheltier oder eine Schmusedecke an usw. Im Laufe der Zeit verkürzt du die Zeit an der Brust immer mehr.

 Eine Möglichkeit wäre es auch, dass du mit deinem Kind darüber sprichst, dass du das viele Stillen als unangenehm empfindest und dass du denkst, dass es nun an der Zeit ist, eure gemeinsame Stillzeit zu beenden oder zumindest das viele Stillen in der Nacht einzuschränken. Überlegt gemeinsam, wie ihr nun zu einem harmonischen Ende finden könnt. Vielleicht indem ihr auf ein bestimmtes Datum hinarbeitet oder aber auch durch ganz klare Regeln, die auch lauten können „Es wird nur noch gestillt, wenn es dunkel ist“ oder „wir stillen nur noch am Morgen“. 

 So lange DU nicht ABSOLUT sicher bist, dass du weniger stillen möchtest, wird dein Kind das spüren.
Ist die Mutter innerlich nicht davon überzeugt, dass sie ihr Kind ab- oder weniger stillen will, dann ist dieser Zweifel für das Kind sehr deutlich fühlbar und es reagiert in fast allen Fällen so, dass es eher noch häufiger gestillt werden mag. Zweifel und Unsicherheit sind für ein Kind unerträglich, Kinder brauchen Klarheit. 

 Dein Kind spürt jetzt deinen Zwiespalt und da es sich nicht hinsetzen und sagen kann „Mama, ich spüre, dass du dir nicht sicher bist, was jetzt das Richtige ist, deshalb werde ich dir jetzt bei deiner Entscheidungsfindung helfen" reagiert es auf deine Zweifel mit Unruhe, Weinen und Verunsicherung. Es hat keine anderen Ausdrucksmöglichkeiten als Weinen und (vermehrte) Anhänglichkeit. Kinder sind für „geordnete Verhältnisse", Unsicherheit und Zweifel bringen sie aus dem Gleichgewicht.
Wichtig ist nun, dass ihr zum einen wirklich miteinander redet und du deinem Kind klar erklärst und sagst, was du willst und was du nicht mehr willst. Zum anderen muss für dein Kind deutlich erkennbar sein, wo deine Grenzen gesetzt sind. Liebevolle Konsequenz ist das Zaubermittel in der Erziehung.

 Wenn sich dein Kind dann in der Nacht beschwert, dass es nicht trinken darf (und das kann es natürlich nur durch Weinen oder Schreien), dann tröste es und sprich liebevoll-beruhigend mit ihm, und gestehe es ihm auch wirklich zu, sauer zu sein, aber bleib konsequent beim "Nein", bis der vereinbarte Zeitpunkt (z.B. der Radiowecker geht an) für das Stillen gekommen ist. Dann jedoch solltest Du auch von dir aus deinem Kind die Brust anbieten - so lernt es, dass es sich auf dein Wort verlassen kann.

 Ehrlicherweise muss ich dazu sagen, dass die ersten Nächte zwangsläufig sehr unruhig sein werden. Doch in der Regel akzeptieren Kinder relativ schnell die neuen "Spielregeln", und je älter sie sind, desto einfacher. Einen "Knacks" beim Kind brauchst du nicht befürchten, wenn du ihm wirklich beistehst und es nicht "strafst" für seine natürliche Reaktion auf diese Veränderung.

 Kinder brauchen liebevolle Führung und Anleitung und ein beständiges Eingehen auf ihre Bedürfnisse. Das heißt keineswegs "laisser faire" wie es Kritiker behaupten, sondern liebevolle und verständnisvolle Konsequenz, die sich langfristig auszahlt. 

 Lieben Gruß, ich wünsche euch von Herzen alles Gute!
 Biggi


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