Frage im Expertenforum Medikamente in der Schwangerschaft an Dr. med. Wolfgang Paulus:

Kontrastmittel in der Stillzeit

Frage: Kontrastmittel in der Stillzeit

2011Mama

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Grüsse Sie Herr Dr. Paulus, ich muss wegen meinem Fussgelenk in MRT, weil ich ca. vor 3 Monaten die Treppen gestürzt bin und seit 2 Monaten schmerzen habe. Ich war vor einem Monat schon mal im MRT jedoch ohne KM. Dieses mal besteht mein Orthopäde darauf, dass es mit KM gemacht wird. Jedoch habe ich einen 16 Monate alten Sohn, den ich noch 1-2 mal stille. Wenn er durchschläft dann stille ich ihn nur in der Früh zwischen 8-9 Uhr, meistens wird er aber zwischen 5-6 Uhr wach und will gestillt werden, sonst schläft er nicht weiter. Flasche nimmt er nicht. Mein Termin ist um 14 Uhr. Die bei der Radiologie haben mir gesagt, ich muss selber entscheiden, ob ich dann stille oder nicht!! Darf ich in der Stillzeit KM bekommen? Kann ich ihn am nächsten Morgen bedenkenlos stillen oder muss ich eine bestimmte Zeit einhalten? Oder erst abpumpen, verwerfen, dann stillen? Vielen Dank im Voraus LG


Dr. Wolfgang Paulus

Dr. Wolfgang Paulus

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Bei Gadotersäure (z. B. Dotarem), oft auch als Gd-DOTA bezeichnet, handelt es sich um ein Kontrastmittel, das in der Magnetresonanztomografie (MRT) verwendet wird. Gadotersäure ist eine sehr stabile Gadoliniumverbindung, weshalb sie sich theoretisch auch für die Stillzeit eignen sollte. Die verwandte Verbindung Gadolinium-DTPA (Gadopentetat-Dimeglumin) geht in kleinen Mengen in die Muttermilch über (Rofsky et al 1993, Schmiedl et al 1990, Kubik-Huch et al 2000). Messungen bei 19 stillenden Müttern ergaben, dass nach intravenöser Applikation von Gadolinium-DTPA im Mittel 0,009% (0,001% - 0,04%) der mütterlichen Dosis über 24 Stunden in die Muttermilch ausgeschieden wurden (Kubik-Huch et al 2000). Dies entspricht weniger als 1% der Dosis, die bei Kernspinaufnahmen von Säuglingen benötigt wird. Darüber hinaus wird das Kontrastmittel oral nur gering aufgenommen. Ältere Empfehlungen, nach Einsatz von Gadolinium-DTPA mit dem Stillen über 12 bis 24 Stunden zu pausieren, erscheinen daher diskussionswürdig (Webb et al 2005, American College of Radiology 2013). Gadolinium-DTPA wurde bei einigen Patienten mit Nierenfunktionsstörungen für die Entstehung einer systemischen Fibrose verantwortlich gemacht. Aus diesem Grund wird von manchen Arbeitsgruppen eine Stillpause von 24 Stunden angeraten (Webb et al 2005, European Society of Urogenital Radiology 2013). Die European Society of Uroradiology Contrast Medium Safety Committee empfahl 2013, dass Stillende nach hohen Dosen von gadoliniumhaltigen Kontrastmittel die Milch über 24 Stunden verwerfen sollten (Webb & Thomsen 2013). Nach den Leitlinien mehrerer nordamerikanischer Fachgesellschaften ist eine Stillpause nach Anwendung gadoliniumhaltiger Kontrastmittel hingegen überhaupt nicht erforderlich (American College of Radiology 2012, Chen et al 2008, Patenaude et al 2014). Da Sie Ihren 16 Monate alten Sohn nur noch teilweise stillen, ist ohnehin nicht mit einer größeren Belastung des Kindes über die Muttermilch zu rechnen.


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