Sehr geehrter Herr Dr. Paulus, ich habe eine Frage bezüglich der Hormonersatztherapie in der Stillzeit. Bei mir besteht eine primäre Ovarialinsuffizienz im Rahmen eines Turner-Syndroms. Durch eine Eizellspende bin ich schwanger geworden. Vor der Schwangerschaft habe ich kontinuierlich Estramon 100 µg sowie Duphaston 20 mg für 14 Tage im Monat eingenommen. Aktuell nehme ich keine HRT, da die Plazenta die Hormonproduktion übernimmt. Mein Entbindungstermin ist bereits nächste Woche, und ich mache mir Gedanken darüber, wie sich das Stillen mit einer Hormonersatztherapie vereinbaren lässt. Mein Frauenarzt meinte zunächst, dass sich Estradiol nicht mit dem Stillen verträgt und ich die Therapie pausieren sollte, da sonst die Milchbildung gestört werden könne. Anschließend war ich bei meiner Endokrinologin, die eine andere Meinung vertrat: Aufgrund meiner bereits bestehenden Osteopenie solle ich die HRT nicht pausieren, sondern direkt nach der Geburt wieder in voller Dosierung beginnen. Ihrer Einschätzung nach werde die Milchbildung dadurch nicht beeinträchtigt. Eine Woche später rief sie mich erneut an und teilte mir mit, dass sie sich mit einer erfahrenen Kollegin beraten habe. Nun empfiehlt sie, während der Stillzeit eine reduzierte Dosis von 50 µg Estramon täglich sowie 10 mg Duphaston einzunehmen. Ich bin nun etwas verunsichert. Einerseits möchte ich mein Kind stillen, andererseits möchte ich nicht riskieren, dass sich meine Knochensituation verschlechtert. Daher habe ich folgende Fragen: 1. Können die oben genannten Medikamente (Estramon und Duphaston) in relevanten Mengen in die Muttermilch übergehen und möglicherweise unerwünschte Wirkungen beim Kind haben? (Ich bekomme ein Mädchen.) 2. Beeinflussen diese Medikamente tatsächlich die Milchmenge negativ? Ich überlege, die HRT in den ersten 2–6 Wochen zunächst zu pausieren, bis sich das Stillen etabliert hat, und anschließend langsam zu beginnen (z. B. Start mit 25 µg/Tag für eine Woche und Steigerung auf 50 µg, wie von der Endokrinologin empfohlen). Die Kontrolle der Blutwerte nach 3–6 Monaten ist ohnehin geplant. Halten Sie dieses Vorgehen für plausibel? Vielen Dank und schöne Ostern!