Frage im Expertenforum Medikamente in der Schwangerschaft an Dr. med. Wolfgang Paulus:

Clobetasol in der Stillzeit - was tun?

Frage: Clobetasol in der Stillzeit - was tun?

alasia

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Guten Morgen Herr Dr. Paulus, ich hoffe, dass Sie eine fachlich nicht ganz einfache Frage für uns als Familie beantworten können und möchte mich vorab ganz herzlich für Ihre Zeit und Expertise bedanken. Meine Frau muss wegen einer Autoimmunerkrankung im Genitalbereich (Lichen Sclerosus) eine hochpotente Cortison Salbe (Karison Fettsalbe) über 3 Monate anwenden. Konkret sieht der Therapieplan vor, dass die Salbe über 12 Wochen 1x täglich angewendet werden soll. Soweit so schlecht. Das große Problem: Unser kleines 4 Monate junges Baby wird derzeit noch voll gestillt. Mein Interesse gilt nun vor allem der Verstoffwechslung des Wirkstoffs Clobetasolpropionat. Können Sie Aussagen darüber treffen, wie lange die Metabolisierung dauert/dauern könnte? Allgemein scheint die Evidenz zum Übergang in die Muttermilch und die damit verbundenen Auswirkungen auf den Säugling relativ mager zu sein. Methylprednisolon wird ja beispielsweise recht schnell verstoffwechselt – Clobetasol ist ja aber ein anderes Kaliber. In der Fachinfo zum Wirkstoff konnte ich nur folgende Aussage finden: „Die entsprechenden Metaboliten - u. a. drei nicht identifizierte Hauptmetaboliten - werden mit Halbwertszeiten von 2 - 4 bzw. > 30 Stunden aus dem Blut eliminiert. […] Die Gesamtausscheidung der CBP-Metaboliten beträgt bis 72 Stunden p. app. ca. 70 % der subkutan gegebenen Dosis.“ Wie ist diese Information zu interpretieren? Sprechen wir nun von 2-4 Stunden oder von über 30 Stunden Halbwertszeit? Nach max. 72 Stunden sind 70% einer einzigen Dosis ausgeschieden? Nach meinem Kenntnisstand wurde im Tierversuch ein Peak des Wirkstoffs im Blut bei 8 Stunden nach Anwendung nachgewiesen. Wissen Sie hierzu konkreteres? Hintergedanke meiner Frage ist der, dass man mit entsprechendem Timing/abpumpen/zufüttern die Stillmahlzeiten so organisieren kann, dass der Großteil des Wirkstoffs im mütterlichen Organismus verstoffwechselt ist, bis unser kleines Wunder die Muttermilch erhält. Beispiel: Pre-Mahlzeit/Abgepumpte Mahlzeit füttern bei dem erwähnten Peak von 8 Stunden nach Anwendung, um eben an diesem Punkt keine Muttermilch geben zu müssen. Diese käme dann wieder einige Stunden später. Was denken Sie über diese Strategie? Auch wenn noch keine Zusammenhänge zwischen dem Übergang von Clobetasol in die Muttermilch und etwaigen Schäden beim Säugling beschrieben wurden, würden wir nach Möglichkeit gerne vermeiden, dass ein signifikanter Anteil des Clobetasols an das Kind weitergegeben wird. Wenig wissenschaftliche Erkenntnis bedeutet ja nicht zwangsläufig wenig Gefahr. In jedem Falle würden wir uns über Ihre Einschätzung und Hilfe freuen! Verunsicherte aber herzliche Grüße


Dr. Wolfgang Paulus

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Da nur eine großflächige Anwendung der stärksten Kortikosteroide systemische Wirkungen bei der Mutter hervorrufen kann, ist es unwahrscheinlich, dass eine vorübergehende äußerliche Anwendung von Kortikosteroiden ein Risiko für den gestillten Säugling durch den Übergang in die Muttermilch darstellt. Es wäre jedoch auf längere Sicht ratsam, das am wenigsten starke Medikament auf der kleinstmöglichen Hautfläche anzuwenden. Die transdermale Resorptionsquote von Clobetasol wird nach Experimenten an Ratten für die Salbe mit 2 % innerhalb einer Expositionszeit von 96 Stunden angegeben. Die Angaben zur Halbwertszeit beziehen sich auf den Abbau in der Blutbahn. Nach ca. 5 Halbwertszeiten ist eine Substanz weitgehend aus der Blutbahn eliminiert. Die von Ihnen zitierten Angaben zu den Halbwertszeiten beziehen sich auf den Wirkstoff und die meist auch noch aktiven Abbauprodukte. Unter den angegebenen langen Zeiten nützt ein spezieller Stillrhythmus nach Applikation wenig. Es gibt andererseits auch schwächere Kortikoide, bei denen in der Stillzeit viel Erfahrung vorliegt. Prednisolon kann man sogar 20 mg oral ohne Stillpause langfristig verabreichen, entsprechend natürlich auch in hoher Konzentration äußerlich, ohne den Säugling zu gefährden.


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