Anna_94
Sehr geehrter Herr Dr. Paulus, ich habe vor Kurzem gelesen, dass Schwangere Kosmetika mit Parfum/Fragrance lieber meiden sollen, wegen eventuell enthaltener Phthalate. Stimmt das? Ich habe ein wenig recherchiert und herausgefunden, dass alle bedenklichen Phthalate in der EU für Kosmetika eigentlich verboten sind. Hauptsächlich DEP kann noch zum Einsatz kommen, wird aber zunehmend seltener verwendet. Parfum/Fragrance ist überall – im Duschgel, im Deo, in der Lippenpflege … Am meisten Sorgen mache ich mir darüber, dass ich eine Bodylotion mit Parfum/Fragrance ziemlich regelmäßig und recht großflächig benutzt habe (nach dem Duschen, nicht am ganzen Körper, sondern nur dort, wo ich trockene Haut hatte, geschätzt ca. 10 % der Körperoberfläche). Hoffentlich habe ich dadurch keine Schäden angerichtet … Sollte man tatsächlich darauf achten, Kosmetika nur parfumfrei zu kaufen? Es ist zum Beispiel schwierig, ein Deo ohne Parfum zu finden. Und gilt das dann auch für Babys und Kleinkinder? Vielen Dank und eine frohe Weihnachtszeit! Errechneter Entbindungstermin: 08-04-2025
Der überwiegende Teil der industriell in großen Mengen erzeugten Phthalate wird als Weichmacher für Kunststoffe wie PVC, Nitrocellulose oder synthetisches Gummi verwendet. Niedermolekulare Phthalate sind gesundheitlich bedenkliche Verbindungen, da sie im Verdacht stehen, wie Hormone zu wirken und beispielsweise Unfruchtbarkeit, Übergewicht, Diabetes und Herzkrankheiten hervorzurufen. Eine EU-Untersuchung konnte nicht ausschließen, dass niedermolekulare Phthalate unter anderem den Hormonhaushalt von männlichen Föten und Kindern stören und so zu einer Verweiblichung führen. Die Exposition im Alltag ist vielfältig und unübersichtlich. Auf Grund der weltweiten Verbreitung von Weichmachern in der Umwelt konnten Phthalate auch in der Rohmilch von Kühen nachgewiesen werden. Bei Kosmetika sind einzelne Phthalate bereits verboten. Es kommt letztlich – wie meist – auf den Umfang der Exposition an. Di-n-butylphthalat (DBP) ist z. B. ein zugelassener Hilfsstoff in Arzneimitteln und wurde auch in magensaftresistenten Bezügen von Kapseln, Filmtabletten und Dragees eingesetzt. In Tierversuchen verringerte DBP ab einer täglichen Dosis von 52 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht das Geburtsgewicht und die Anzahl lebender Nachkommen. Während Fehlbildungen der männlichen Genitalien erst bei höherer Exposition der Mütter beziehungsweise der jugendlichen Männchen selbst beobachtet wurden, scheinen nach neuen Studien bereits niedrigere Dosen eine Verringerung der Testosteronwerte zu verursachen. Jedoch lagen die bei Nagern bisher ermittelten wirksamen Dosen erheblich über den Mengen, mit denen Menschen im Alltag belastet sind, so dass die Gesundheitsgefahren umstritten waren. So beobachteten Wissenschaftler der Universität Rochester eine Korrelation zwischen der Belastung von Frauen mit DBP in der Schwangerschaft und subtilen Veränderungen im Genitalbereich ihrer männlichen Kinder (Swan et al 2005). Je höher die Konzentrationen von DBP und von Abbauprodukten dreier anderer Phthalate im Urin von 85 Schwangeren waren, desto kürzer war die Dammlänge ihrer Söhne. Mit Abnahme dieses sogenannten anogenitalen Abstands stieg bei den Knaben der Anteil derjenigen mit Hodenhochstand, kleinem und schlecht abgegrenztem Hodensack und geringerer Penisgrösse. Die Europäische Union stuft Dibutylphthalat als „fortpflanzungsgefährdend“ ein und hat für die tägliche Aufnahme ein Maximum von 10 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht festgesetzt. Da wir täglich Phthalaten unwissentlich auch über die Nahrung ausgesetzt sind, wäre ein zurückhaltender Umgang (z. B. in Zusammenhang mit Körperpflegeprodukten) sicher vorteilhaft.
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