Frage im Expertenforum Kinderwunsch an Dr. med. Friedrich Gagsteiger:

HCG-Anstieg

Frage: HCG-Anstieg

SB592

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Sehr geehrter Herr Dr. Gagsteiger,  nach nun leider drei Verlusten (8. SSW, 12. SSW, biochemische Schwangerschaft) bin ich nun erneut schwanger - heute bei 6+2 SSW (ES+30). Die nachgehende Diagnostik der drei vorangegangenen Verluste (Gerinnung, Chromosomenanalyse etc.) blieb ohne Befund, einzig bei dem Verlust in der 12. SSW ist klar, dass es sich um eine Trisomie 13 handelte. Sie können sich sicher vorstellen, wie aufwühlend daher die aktuelle Schwangerschaft für mich bzw. uns als werdende Eltern ist und mit welchen Sorgen sie einhergeht.  Weshalb ich mich bei Ihnen melde: Ich durfte an ES+9 bereits positiv testen (natürlicher Zyklus). Danach zeigte sich der HCG-Verlauf wie folgt:  ES+10 (Nachmittags) = 42 ES+13 (Morgens) = 119 ES+23 (Nachmittags) = 3490;  zusätzlich mit Ultraschall,  in dem die Ärztin eine Fruchthöhle (0,58) mit Dottersack (0,16) sah ES+30 (Morgens) = 7598  Leider wurde heute bei 6+2 (ES+30) kein erneuter Ultraschall gemacht, dieser ist erst für 6+6 geplant. Uns beunruhigt nun der Anstieg von ES+23 bis ES+30, da dieser sich gegenüber den vorherigen Anstiegen sehr verlangsamt hat? Kann das dennoch alles im Rahmen sein?  Ganz herzlichen Dank im Voraus für Ihre Rückmeldung! 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Sehr geehrte Patientin, nach drei Verlusten kann ich sehr gut nachvollziehen, dass Sie diesmal jeden einzelnen Wert besonders aufmerksam betrachten. Zunächst aber: Die bisherigen Befunde enthalten durchaus positive Zeichen. Insbesondere dass bei ES+23 bereits eine Fruchthöhle mit Dottersack eindeutig dargestellt werden konnte, ist wichtig. Der hCG-Anstieg von 3.490 auf 7.598 innerhalb von sieben Tagen ist tatsächlich deutlich langsamer als zu Beginn der Schwangerschaft. Das würde ich aber nicht isoliert als Beweis für eine nicht intakte Schwangerschaft werten. Mit zunehmender Schwangerschaftsdauer und höheren hCG-Werten verlangsamt sich der Anstieg physiologisch deutlich; die bekannten „Verdopplungsregeln“ aus der sehr frühen Schwangerschaft lassen sich dann nicht mehr einfach anwenden. In Ihrer jetzigen Schwangerschaftswoche ist deshalb der Ultraschall wesentlich aussagekräftiger als weitere hCG-Kontrollen. Bei 6+6 sollte man beurteilen können, ob sich Fruchthöhle und Dottersack zeitgerecht weiterentwickelt haben, ob ein Embryo darstellbar ist und – wenn die Entwicklung entsprechend weit ist – eine Herzaktion zu erkennen ist. Ich würde Ihnen deshalb trotz Ihrer verständlichen Sorge raten, den hCG-Wert jetzt nicht zu sehr zum alleinigen Maßstab zu machen. Der Ultraschall bei 6+6 wird uns erheblich mehr sagen. Der heutige Wert macht mich aufmerksam und ich würde Ihnen keine falsche Sicherheit versprechen, er erlaubt aber für sich allein auch keineswegs die Schlussfolgerung, dass diese Schwangerschaft wieder verloren geht. Dass bei einer früheren Schwangerschaft eine Trisomie 13 nachgewiesen wurde, bedeutet übrigens nicht automatisch, dass sich dies jetzt wiederholt. Gerade bei unauffälliger Chromosomendiagnostik der Eltern handelt es sich häufig um ein sporadisches Ereignis. Ich wünsche Ihnen sehr, dass Sie bei 6+6 ein kleines, zeitgerecht entwickeltes Embryo mit sichtbarer Herzaktion sehen. Bis dahin bleibt leider dieses schwierige Warten – aber Sie haben im Moment durchaus Grund, die Hoffnung nicht aufzugeben. Herzliche Grüße Dr. Gagsteiger


SB592

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger,  zunächst vielen lieben Dank für Ihre schnelle Rückmeldung und die empathische und dennoch ehrliche Erläuterung, die Hoffnung vor diesem Hintergrund noch nicht aufzugeben! Ich hatte schon überlegt, ob es legitim wäre, meinen Frauenarzt zu bitten den Termin aufgrund meiner Vorerfahrungen vorzuziehen? Mental kann ich die aktuelle Situation nur schwer aushalten und habe wiederum Sorge, dass sich diese Ängste auch negativ auswirken könnten - gefühlt ein Teufelskreis. Andersherum habe ich natürlich auch Sorge, dass der Befund heute oder morgen auch zu wenig aussagekräftig ist und es nur Sinn macht, bis Freitag (6+6) zu warten? Gibt es eine Vorgehensweise, die Sie empfehlen würden? Und eine weitere Rückfrage bzw. Verständnisfrage habe ich noch: Sie sagen, physiologisch verlangsamt sich der Verlauf, je weiter die Schwangerschaft voranschreitet. Ich habe nun im Netz viele unterschiedliche Referenzwerte gelesen, die teils noch weiter verunsichern .. daher meine Frage an Sie: Welcher prozentuale Anstieg ist denn ab der 6. Schwangerschaftswoche noch zu erwarten, damit man von einem weiterhin unauffälligem HCG-Verlauf hätte sprechen können? Ich habe etwas von min. 33% alle 48 Stunden gelesen? Ich weiß dass dies nur Referenzwerte sind, aber vielleicht können Sie als Fachmann dies noch einmal verständlich einordnen?  Hinsichtlich der Trisomie 13 sind wir aufgeklärt und soweit beruhigt, da unser elterlicher Befund wie Sie selbst schrieben unauffällig war und man daher von einem sporadischen Ereignis ausgehen kann. Eine Restsorge bleibt, denn auch beim ersten Mal denkt man rein von den statistischen Werten her nicht, dass es einen treffen könnte.  Herzlichen Dank für Ihre Bemühungen und lieben Gruß! 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Liebe Frau Roth, wenn es für Sie irgendwie möglich ist, würde ich tatsächlich bis Freitag bei 6+6 abwarten. Dann ist der Ultraschall deutlich aussagekräftiger als heute oder morgen. Zu Ihrer hCG-Frage noch einmal zur Einordnung: Die alte Faustregel „Verdopplung alle 48 Stunden“ ist zu streng. In Untersuchungen intakter Schwangerschaften wurden als sehr konservative untere Grenzen für den Anstieg innerhalb von 48 Stunden ungefähr folgende Werte beschrieben: bei hCG unter 1.500: mindestens etwa 49 % bei 1.500–3.000: etwa 40 % bei über 3.000: nur noch etwa 33 % Je höher der hCG-Wert also bereits ist, desto langsamer darf er physiologischerweise steigen. (⁠ResearchGate) Aber genau hier liegt für Sie jetzt der entscheidende Punkt: Sie können im Moment selbst nichts tun, was den weiteren Verlauf beeinflusst. Zusätzliche Tabellen, Rechner und Kurven, die man mühsam im Internet zusammensucht, bringen deshalb meist keine zusätzliche Sicherheit – häufig machen sie nur noch unruhiger. In Ihrer Schwangerschaft wird jetzt ohnehin der Ultraschall zunehmend wichtiger als das Nachrechnen einzelner hCG-Prozentwerte. Deshalb würde ich versuchen, nicht mehr jede Zahl zu analysieren und – wenn Sie es irgendwie schaffen – bis Freitag abzuwarten. Bisher gibt es weiterhin Grund zur Hoffnung. Am Freitag können wir wesentlich mehr beurteilen als heute. Ich drücke Ihnen sehr die Daumen.


SB592

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger,  herzlichen Dank für Ihr Mut machen hinsichtlich weiterer Hoffnung, aber auch die sachliche Erläuterung. Ich bin Ihrem Rat gefolgt und habe bis zum ursprünglich vereinbarten Ultraschalltermin bei 6+6 gewartet - und wurde belohnt, wir durften heute ein Embryo mit Herzaktivität sehen! Aufgrund der SSL mit 0,65cm wurden wir allerdings auf 6+4 zurückdatiert, aber laut Gynäkologe sei diese kleine Abweichung nicht bedenklich. Die Sorge und Angst vor dem weiteren Verlauf ist bei unserer Vorgeschichte natürlich immer noch vorhanden, aber gerade sind wir erstmal einfach nur unendlich dankbar für diesen Mini-Meilenstein! Dem HCG-Wert werden wir nun keine weitere Bedeutung mehr beimessen und es werden auch keine weiteren Werte abgenommen.  Herzlichen Dank noch einmal für Ihre Unterstützung in den letzten Tagen - es ist so wertvoll, dass es Foren wie diese gibt! Herzliche Grüße! 


Dr. Friedrich Gagsteiger

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Liebe Patientin, das sind wirklich sehr schöne Nachrichten – und ich freue mich sehr mit Ihnen über diesen Meilenstein! Ein Embryo mit nachweisbarer Herzaktivität bei 6+6 ist genau das Zeichen, auf das wir gehofft haben. Eine SSL von 0,65 cm mit einer rechnerischen Rückdatierung auf 6+4 würde auch mir keine Sorge bereiten. In diesem frühen Schwangerschaftsstadium können bereits kleine Unterschiede bei Eisprung, Einnistung oder Ultraschallmessung rechnerisch ein bis zwei Tage ausmachen. Und Ihr Frauenarzt hat völlig recht: Jetzt darf der Ultraschall übernehmen. Weitere HCG-Kontrollen bringen Ihnen in dieser Phase kaum noch zusätzliche Sicherheit und häufig eher neue Zahlen, über die man sich unnötig Gedanken macht. Natürlich kann Ihnen angesichts Ihrer Vorgeschichte niemand die Sorge einfach nehmen. Aber heute gibt es einen ganz konkreten Grund zur Freude: Ihr Kind ist gewachsen, es ist darstellbar und sein Herz schlägt. Mehr können und müssen Sie von diesem heutigen Termin nicht verlangen. Genießen Sie diesen kleinen Erfolg ruhig ein wenig. Nach all der Anspannung haben Sie sich diesen Moment wirklich verdient. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass aus diesem Mini-Meilenstein nun Woche für Woche viele weitere werden – und für den weiteren Schwangerschaftsverlauf alles, alles Gute! Herzliche Grüße Friedrich Gagsteiger


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