SommerMutMama43
Sehr geehrter Herr Gagsteiger, ich wäre Ihnen sehr dankbar für eine kurze medizinische Einschätzung meines bisherigen Verlaufs. Kurz zu den bisherigen Befunden: ES+12: Erster positiver Schwangerschaftstest ES+16: hCG 81 mIU/ml ES+17 bis ES+19: Blutungen von hellrot bis dunkelrot, weiterhin gut aufgebaute Gebärmutterschleimhaut ES+18: hCG 153 mIU/ml ES+20: Nur noch braune Schmierblutung, danach keine Blutung mehr ES+21: hCG 233 mIU/ml. Im Ultraschall erstmals ein kleiner schwarzer Punkt in der Gebärmutter sichtbar. Eierstöcke unauffällig. ES+23: hCG 285 mIU/ml (Anstieg um 22 % innerhalb von 48 Stunden) Bei einer weiteren Ultraschallkontrolle zeigte sich der kleine schwarze Punkt in der Gebärmutter unverändert. Aktuell bestehen keine frischen Blutungen mehr, lediglich milchig-klarer, schleimiger Ausfluss mit weißen Schlieren Meine Frauenärztin bewertet den hCG-Anstieg als nicht ausreichend und geht aufgrund des Gesamtverlaufs (Blutungen, langsamer hCG-Anstieg und fehlende Entwicklung im Ultraschall) von einem Abort bzw. einer wahrscheinlich nicht intakten Schwangerschaft aus. Zudem teilte sie mir mit, dass sie eine Eileiterschwangerschaft aufgrund des bisherigen Verlaufs für ausgeschlossen hält. Weitere Kontrollen sind derzeit nicht vorgesehen. Daher würde ich gerne Ihre Einschätzung erfragen: Besteht nach Ihrer Erfahrung trotz der bisherigen Befunde weiterhin Anlass, an eine Eileiterschwangerschaft zu denken, oder halten Sie diese Konstellation für eher unwahrscheinlich? Sehen Sie trotz des bisherigen Verlaufs noch eine realistische Möglichkeit für eine intakte Schwangerschaft oder würden Sie die Einschätzung meiner Frauenärztin teilen? Würden Sie zu weiteren hCG-Kontrollen oder einer erneuten Ultraschallkontrolle raten Für Ihre Zeit und Ihre Einschätzung bedanke ich mich bereits jetzt sehr herzlich. besten Gruß
Nach den von Ihnen genannten Werten ist der hCG-Anstieg leider deutlich langsamer, als man es bei einer intakten frühen Schwangerschaft erwarten würde. Bei einem Ausgangswert unter 1.500 mIU/ml sollte der hCG-Wert in einer vitalen intrauterinen Schwangerschaft innerhalb von 48 Stunden in der Regel deutlich ansteigen, häufig mindestens etwa 49–63 %. Ein Anstieg von 233 auf 285 mIU/ml, also nur etwa 22 % in 48 Stunden, spricht daher leider eher für eine nicht regelrechte Frühschwangerschaft beziehungsweise einen beginnenden oder stattgehabten frühen Abort. Dass im Ultraschall ein kleiner schwarzer Punkt in der Gebärmutter gesehen wurde, ist zwar zunächst beruhigend, aber bei so niedrigen hCG-Werten noch kein sicherer Beweis für eine intakte Schwangerschaft in der Gebärmutter. In dieser sehr frühen Phase kann man eine echte Fruchthöhle oft noch nicht sicher von einer kleinen Flüssigkeitsansammlung unterscheiden. Deshalb wäre ich mit der Aussage, eine Eileiterschwangerschaft sei vollständig ausgeschlossen, vorsichtig. Meine Einschätzung wäre daher: Eine intakte Schwangerschaft ist nach diesem Verlauf leider eher unwahrscheinlich. Ganz ausschließen kann man sie theoretisch erst im weiteren Verlauf, aber die Kombination aus Blutung, sehr langsamem hCG-Anstieg und fehlender Weiterentwicklung im Ultraschall spricht deutlich gegen eine normale Entwicklung. Eine Eileiterschwangerschaft halte ich nicht für die wahrscheinlichste Erklärung, aber sie ist aus meiner Sicht noch nicht sicher ausgeschlossen. Gerade bei niedrigen, langsam steigenden oder stagnierenden hCG-Werten muss man eine sogenannte Schwangerschaft unklarer Lokalisation so lange kontrollieren, bis entweder eine sichere Schwangerschaft in der Gebärmutter nachgewiesen ist oder der hCG-Wert zuverlässig abfällt. Auch Leitlinien betonen, dass bei unklarer Lokalisation Verlaufskontrollen wichtig sind. Ich würde deshalb nicht einfach ohne weitere Kontrolle abwarten, sondern zu mindestens einer weiteren hCG-Kontrolle nach 48 Stunden raten. Entscheidend wäre jetzt, ob der Wert weiter steigt, stagniert oder zu fallen beginnt. Wenn der hCG-Wert fällt, sollte man ihn weiter kontrollieren, bis er deutlich niedrig ist. Praktisch bedeutet das häufig: bis unter etwa 10 mIU/ml oder bis der Urintest sicher negativ wird. Eine erneute Ultraschallkontrolle wäre ebenfalls sinnvoll, besonders wenn der hCG-Wert weiter steigt oder nicht eindeutig fällt. Bei zunehmenden Unterbauchschmerzen, einseitigen Schmerzen, Schulterspitzenschmerz, Kreislaufproblemen, Schwindel/Ohnmacht oder erneuter stärkerer Blutung sollte sofort eine gynäkologische Notfallabklärung erfolgen. Der milchig-klare, schleimige Ausfluss mit weißen Schlieren ist für sich allein genommen nicht typisch gefährlich und kann hormonell oder durch die Schleimhautveränderungen bedingt sein. Warnzeichen wären unangenehmer Geruch, Fieber, zunehmende Schmerzen oder Juckreiz/Brennen. Zusammengefasst: Ich teile die Einschätzung, dass die Schwangerschaft leider wahrscheinlich nicht intakt ist. Ich würde aber die Eileiterschwangerschaft erst dann als wirklich ausgeschlossen betrachten, wenn der hCG-Wert klar und zuverlässig abfällt oder im Ultraschall eine eindeutige intrauterine Schwangerschaft nachgewiesen wurde. Daher würde ich noch weitere Verlaufskontrollen empfehlen. Mit freundlichen Grüßen Dr. Friedrich Gagsteiger
SommerMutMama43
Sehr geehrter Herr Dr. Gagsteiner, vielen Dank für Ihre Einschätzung. In der aktuellen Situation ist es sehr hilfreich, eine weitere fachliche Meinung zu erhalten. Bei der Kontrolluntersuchung am Montag hat sich gezeigt, dass der hCG-Wert weiter angestiegen ist und nun bei 500 liegt. Zudem war im Ultraschall eine Fruchthöhle mit einer Größe von etwa 5 mm darstellbar. Die behandelnde Ärztin hat die Schwangerschaft inzwischen auf SSW 5+1 zurückdatiert. Vor diesem Hintergrund würde mich Ihre Einschätzung interessieren, ob Sie trotz des bislang eher langsamen hCG-Anstiegs weiterhin Anlass zur Hoffnung auf eine intakte Schwangerschaft sehen oder ob Sie die Prognose weiterhin als ungünstig einschätzen. Vielen Dank im Voraus für Ihre Rückmeldung. Viele Grüße
SommerMutMama43
Sehr geehrter Herr Dr. Gagsteiner, vielen Dank für Ihre Einschätzung. In der aktuellen Situation ist es sehr hilfreich, eine weitere fachliche Meinung zu erhalten. Bei der Kontrolluntersuchung am Montag hat sich gezeigt, dass der hCG-Wert weiter angestiegen ist und nun bei 500 liegt. Zudem war im Ultraschall eine Fruchthöhle mit einer Größe von etwa 5 mm darstellbar. Die behandelnde Ärztin hat die Schwangerschaft inzwischen auf SSW 5+1 zurückdatiert. Vor diesem Hintergrund würde mich Ihre Einschätzung interessieren, ob Sie trotz des bislang eher langsamen hCG-Anstiegs weiterhin Anlass zur Hoffnung auf eine intakte Schwangerschaft sehen oder ob Sie die Prognose weiterhin als ungünstig einschätzen. Vielen Dank im Voraus für Ihre Rückmeldung. Viele Grüße
Vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Dass der hCG-Wert weiter auf 500 angestiegen ist und im Ultraschall nun eine Fruchthöhle von etwa 5 mm in der Gebärmutter darstellbar war, ist zunächst einmal ein wichtiger und positiver Befund. Vor allem spricht der Nachweis einer intrauterinen Fruchthöhle dafür, dass die Schwangerschaft sehr wahrscheinlich in der Gebärmutter angelegt ist. Trotzdem muss man den Verlauf weiterhin vorsichtig beurteilen. Der bisher eher langsame hCG-Anstieg bleibt ein Hinweis darauf, dass die Entwicklung nicht ganz so dynamisch verläuft, wie man es sich in einer frühen Schwangerschaft idealerweise wünschen würde. Deshalb wäre es nicht seriös, jetzt schon Entwarnung zu geben. Gleichzeitig gilt aber auch: Solange der hCG-Wert weiter steigt und sich im Ultraschall eine intrauterine Fruchthöhle zeigt, besteht weiterhin Anlass zur Hoffnung. Gerade in dieser frühen Phase kann ein einzelner Ultraschallbefund noch nicht endgültig entscheiden, ob sich die Schwangerschaft intakt weiterentwickelt. Entscheidend ist jetzt weniger der absolute hCG-Wert allein, sondern die weitere Entwicklung im Ultraschall: Wird die Fruchthöhle größer? Kommt ein Dottersack zur Darstellung? Entwickelt sich eine Embryonalanlage? Und später: zeigt sich eine Herzaktion? Ich würde die Prognose daher weiterhin als vorsichtig einschätzen, aber nicht als aussichtslos. Es gibt jetzt einen echten positiven Befund, nämlich die Fruchthöhle in der Gebärmutter. Das ist mehr als zuvor. Ob daraus eine intakte Schwangerschaft wird, kann man im Moment aber leider noch nicht sicher sagen. Sinnvoll wäre eine erneute Ultraschallkontrolle in einigen Tagen bis etwa einer Woche. Bei stärkeren Blutungen, deutlichen einseitigen Unterbauchschmerzen, Schulterschmerzen, Kreislaufproblemen oder zunehmender Verschlechterung sollten Sie sich bitte sofort ärztlich vorstellen. Ich weiß, dass diese Zwischenphase sehr belastend ist. Im Moment ist die ehrlichste Einschätzung: Es bleibt eine Risikosituation, aber es gibt weiterhin berechtigten Grund, die Entwicklung abzuwarten und zu hoffen. Mit freundlichen Grüßen Dr. Friedrich Gagsteiger
SommerMutMama43
Sehr geehrter Herr Dr. Gagsteiner, nochmals herzlichen Dank für Ihre Einschätzung und die Zeit, die Sie sich für meine Anfrage genommen haben. Ich möchte Ihnen eine kurze Rückmeldung zum weiteren Verlauf geben: Heute hat leider der Abort eingesetzt. Somit hat sich bestätigt, dass diese Schwangerschaft nicht intakt war. Auch wenn der Ausgang sehr traurig ist, haben wir nun zumindest die erhoffte Gewissheit. Vielen Dank für Ihre Unterstützung und Ihre hilfreiche Einschätzung in dieser für uns schwierigen Situation.
Vielen Dank für Ihre Rückmeldung, auch wenn es natürlich eine sehr traurige Nachricht ist. Es tut mir sehr leid, dass diese Schwangerschaft nun nicht intakt weitergegangen ist und der Abort eingesetzt hat. Auch wenn der Verlauf zuletzt leider schon Anlass zur Sorge gegeben hatte, ist es dennoch immer schmerzhaft, wenn sich die Hoffnung endgültig nicht erfüllt. Wichtig ist jetzt, dass der weitere Verlauf gut kontrolliert wird. Die Blutung sollte wieder abklingen, und auch die Schwangerschaftshormone sollten nach einem Abort korrekt und zügig abfallen. Der hCG-Wert sollte daher weiter kontrolliert werden, bis er negativ beziehungsweise zumindest unter 10 mIU/ml liegt. Das ist besonders wichtig, weil es in seltenen Fällen sogenannte Pseudofruchthöhlen geben kann. Dabei handelt es sich nicht um eine echte Fruchthöhle, sondern zum Beispiel um eine kleine Flüssigkeits- oder Blutansammlung in der Gebärmutter. Eine solche Pseudofruchthöhle kann gelegentlich eine versteckte Eileiterschwangerschaft überdecken. Deshalb sollte man sich nicht allein auf den ersten Ultraschallbefund verlassen, sondern den hCG-Verlauf bis zum sicheren Abfall kontrollieren. Bitte stellen Sie sich sofort ärztlich vor, falls stärkere einseitige Unterbauchschmerzen, Schulterschmerzen, Kreislaufprobleme, Fieber oder sehr starke Blutungen auftreten. Ich wünsche Ihnen für die nächste Zeit viel Kraft und hoffe, dass Sie körperlich und seelisch gut zur Ruhe kommen können. Mit freundlichen Grüßen Dr. Friedrich Gagsteiger
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