Frage im Expertenforum Hebamme an M. Sc. Martina Höfel:

Baby sehr anhänglich und anstrengend - bin ich schuld?

Frage: Baby sehr anhänglich und anstrengend - bin ich schuld?

BluGa21

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Liebe Frau Höfel, Ich schreibe hier, da ich Ihre Antworten immer sehr hilfreich und menschlich finde. Unser Sohn ist genau 5 Monate alt. Er war ein schreibaby die ersten drei Monate und hat aus unbekannten Gründen stundenlang jeden Tag geweint, obwohl er sonst gut drauf war und auch gut zugenommen hat(wiegt nun schon 9kg, 3.5kg bei der Geburt). Es ist mein erstes Kind. Das untröstliche Weinen ist fast vorbei, bis auf 10-30 Minuten abends. Von Anfang an wurde er viel in der Trage getragen, mehrere Stunden am Tag. Nun meine Frage: tagsüber schläft er sehr schlecht ein, obwohl er müde ist - nur im Kinderwagen, im Arm, oder in der Trage. Ablegen klappt nicht, habe viel probiert. Oft schläft er dann auch nur 30-60 Minuten. Außerdem kann er sich tagsüber maximal 5 Minuten allein beschäftigen, danach muss ich ihn hochnehmen, beschäftigen, tragen. Wippe und Co helfen nicht. Mir wurde jetzt von vielen Seiten gesagt, dass ich schuld bin am Verhalten meines Babys. Das Baby meines Bruders kann z.b. stundenlang die Waschmaschine anschauen, und schläft selbstständig ein, genau so alt. Ich würde zu schnell reagieren und zu viel machen. Das Problem ist, dass er sich vom knurren/ beschweren schnell ins schreien steigert, aber das möchte ich natürlich nicht, dann wird es erst Recht anstrengend. Ich komme zu nichts mehr, Trageberatung habe ich schon gemacht, aber langsam sind 9 Kilo stundenlang tragen trotzdem schwer. Müsste er sich nicht schon länger allein beschäftigen können? Was kann ich tun? Ich habe das Gefühl, alle finden ruhige Babys "lieb" und"brav" aber mein Baby ist sehr lebhaft und fordernd. Ist es meine Schuld, hab ich schon zu viel verwöhnt/ getragen?


Martina Höfel

Martina Höfel

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Liebe Blu Ga, SuJam und Faolana haben es exakt beschrieben. Das hätte ich nicht besser machen können! Bitte schauen Sie hier im Forum unter dem Stichwort York - dann taucht der Standardtext auf. Sie würden staunen wie sehr er dem von Faolana ähnelt. Lange Rede kurzer Sinn: Sie machen alles richtig! Ohren auf Durchzug, lächeln und sich mit dem Satz umdrehen: Danke, wenn ich Rat benötige, dann frage ich! Liebe Grüße Martina Höfel


SuJam

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Jedes Kind ist anders in Eigenschaften, Temperament,… Manche übertreiben auch gern mal in ihren Beschreibungen zum eigenen Kind ;-). Verziehen ist bei einem so kleinen Kind noch nicht möglich. Dein Bruder hat wohl einfach “Glück” in der Hinsicht. Lass dich nicht verunsichern.


Faolana

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Hey als erstes: Nein du bist nicht schuld. Niemand ist daran schuld allerhöchstens die Gesellschaft und die Medien, weil sie einem ein falsches Bild von der "richtigen Erziehung und Familie" zeigen und wie was abzulaufen hat. Und das hat auch nichts zu tun mit ob ein Baby lieb und brav ist. Es fordert nur das was es brauch und das halt evtl lauter als andere. Menschenbabys sind von Natur aus "Traglinge "(Babys bleiben nach der Geburt an der Mama/dem Papa geklammert/ werden getragen bis diese selbständig laufen können z.B. Affenarten und Menschen) und keine "Nestflüchter"(können nach der Geburt innerhalb kurzer seit laufen z.B. Pferde) oder "Nesthocker"(bleiben nach der Geburt im Nest z.B. Vögel). Es lässt sich ganz einfach erklären, wenn man mal unsere Evolution betrachtet. Wir Menschen waren vorher Nomaden und wenn zu dieser Zeit die Babys abgelegt wurden, bedeutete dies den Tod für die kleinen, weswegen der Ur-Instinkt den Babys sagt:Schrei um dein Leben um auf dich aufmerksam zu machen! Klar hören sie irgendwann dann auf wenn man nicht sofort zu ihnen hingeht, aber das ist dann auch aus dem Grund um das Überleben zu sichern, denn es könnte ja z.B. ein Raubtier aufmerksam werden. Man denkt sich zwar heutzutage passiert sowas nicht mehr, aber das wissen die kleinen nicht, denn sie leben nur nach Instinkten und Gefühlen und nach Bedürfnissen. Lass dir bloß nicht einreden, dass du dein Baby "verziehts". Du gibt's ihm nur das was es brauch. Oder würdest du es als verziehen betrachten, wenn du ihm das gibt's was es brauch(Nahrung, Liebe, Aufmerksamkeit)? In dem Alter kannst du ein Baby nicht "verziehen". Lies dir mal dazu verschiedene Berichte durch, auch Ärzte und Wissenschaftler sind der Meinung, dass Tragen und auch auf die Bedürfnisse des Babys komplett einzugehen dem Baby nur Gutes tut. Diese Kinder sind später meistens viel selbstsicherer und gesünder. Klar später musst du dann bei bestimmten Situationen durchgreifen und erziehen, aber jetzt noch nicht. Vertrau dir und deinem Baby das ist das wichtigste und führt meistens zu einem besseren "Ergebnis". Mir wurde das auch oft vorgeworfen, vor allem auch weil mein Sohn zum Beispiel die erste 10 Moante nur auf meinem Bauch geschlafen hat, ich ihn nurgetragen habe und er wollte nie in den Kinderwagen. Ich durfte mir anhören: Das wirst du nie loswerden. Er wird immer nur so schlafen wollen. BLA BLA BLA... Was kann ich dazu sagen? Nein ab dem 10 Monat konnte ich ihn nach dem Einschlafen ohne Probleme hinlegen, mit dem Tragen wurde es langsam weniger nach dem er mit ca 14 Monaten laufen konnte und ab dem 12 Monat ist er dann in unserem Bett eingeschlafen wenn ich neben ihm saß. Dein Baby weiß wann es wozu bereit ist. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo in der Entwicklung. Bis die kleinen sich länger alleine beschäftigen können dauert das auch noch eine ganze Weile. Babys sehen sich in dem Alter auch noch als ein Teil der Mama. Sie verstehen noch nicht das sie eine eigenständige Person sind. Das kommt erst viel später. Glaub mir selbst Babys die nicht getragen werden und sich scheinbar damit zufrieden geben, wären darüber froh getragen zu werden, aber manche geben sich nunmal mit weniger zufrieden. Was du tun kannst? Höre auf dein Baby und auf deine Instinkte, dann machst du alles richtig. Wie trägst du dein Baby? Vorne oder hinten? Wenn du dein Baby auf dem Rücken trägst entlastet das meistens denn dann hast du das Gewicht nicht so vorne und musst dich nicht da gegen "Stemmen".


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