Frage im Expertenforum Kinderernährung - Gastroenterologie an Prof. Dr. med. Michael Radke:

Gedeihstörung und Calprotectin

Frage: Gedeihstörung und Calprotectin

KatharinaRama

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Sehr geehrte Experten! Ich habe eine Frage. Meine Tochter ist 15 Monate alt und wir haben nun schon seit einiger Zeit ein paar Problemchen. Sie war schon immer ein zartes, kleineres Mädchen, aber seit sie 10 Monate alt ist, hat sie in den Wachstumskurven Größe und Gewicht jeweils einen Perzentilenknick. Sie ist mit dem Gewicht an der 3. Perzentile und mit der Größe unter der 1. Perzentile. Sie hat seit dem 10. Monat nicht mehr zugenommen und ist nicht gewachsen, daher ist sie so weit drunter. Sie wurde immer voll gestillt, mit 6 Monaten wurde mit der Beikost gestartet, das funktionierte 3 Monate gar nicht recht. Mit 9 Monaten begann sie ein bisschen zu essen, und mit 12 Monaten wurde es besser. Dann war sie 3 Wochen wegen einer Ohrenentzündung krank, und seidem ist es wieder schlechter. Mittlerweile isst sie manchmal, machmal wieder gar nicht recht. Zusätzlich wird sie gestillt, weil sie das Fläschen seit sie krank war wieder verweigert (hätten zusätzlich eine sättigendere 2er Milch eingeführt, aber mittlerweile wurde dies wieder aufgehört). Wir waren schon in der Entwicklungsambulanz weil sie motorisch etwas langsamer war und schwächer. Sie hat eine (vermutlich angeborene, benigne) Hypotonie und eine Übergelenkigkeit, so nebenbei. Bzgl. der Gedeihstörung waren wir vor einem Monat eine Nacht stationär zur Abklärung. Zöliakie negativ, kein Mangelzustand, keine Anämie. Bauchultraschall normal. Sie meinten, dass die Gedeihstörung am ehesten von der Hypotonie kommt (mehr Energiebedarf, weniger essen aufgrund von Anstrengung). Ein Stoffwechselscreening ist am Laufen, da bekommen wir die Befunde erst. Jetzt habe ich aber vor 3 Tagen einen Anruf bekommen, dass Calprotein erhöht ist bei 550µg/g (Grenzwert 50µg/g). In der Serumeiweißelektrophorese ist die alpha-2-Globulin-Fraktion erhöht. Der Calprotectin-Wert wird in 2 Wochen kontrolliert, ob er fällt oder gleich hoch bleibt/steigt. Was könnte das in der Zusammenschau bedeuten? Gibt es wirklich so early-onset-CED mit 15 Monaten? Vielen Dank und liebe Grüße, eine besorgte Mama


Prof. Dr. med. Michael Radke

Prof. Dr. med. Michael Radke

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Die häufigste Ursache einer Gedeihstörung im Säuglings- bzw. Kindesalter ist eine kalorische Unterversorgung. Es kann gut sein, daß Ihre Muttermilch nicht (mehr) ausreicht, zumal Sie auch nicht wissen, wieviel Milch Ihr Kind an der Brust trinkt. Auf jeden Fall besteht aber diagnostischer Handlungsbedarf, um die Ursache der Gedeihstörung zu klären. Versuchen Sie zwischenzeitlich schon, die Energiezufuhr zu optimieren. Die Calprotectin-Werte sind bei sehr kleinen Kindern wenig aussagekräftig, und daher zurückhaltend zu bewerten. Es gibt zwar eine early-onset CED, diese würde allerdings mit Bauchschmerzen, Durchfall, Blässe, Abgeschlagenheit etc. einhergehen. Ich halte das für unwahrscheinlich, Ihr Kind hat keine Anämie und hat offenbar keine Schmerzen oder (blutige) Durchfälle. Also: Ernährung optimieren (ggf. sollten Sie abstillen) und die Diagnostik komplettieren.  Good luck!


KatharinaRama

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Vielen Dank für Ihre schnelle Rückmeldung! Das wurde uns auch schon empfohlen, dafür war auch schon eine Diätologin und eine Logopädin da, als wir stationär waren. Wir versuchen mit Nussmuse, Topfen, Öl usw. zu optimieren und die kleine Menge, die sie isst, aufzubessern. Das Problem ist einfach, dass sie so wenig isst und wenn man Pech hat, isst sie auch nur 1x täglich eine dicke Suppe z.B. Das ist natürlich zu wenig, das wissen wir, aber wir können sie ja auch nicht zwingen. Sie dreht sich dann weg oder macht den Mund nicht auf. Manchmal sind wir dann auch wieder verzweifelt weil sie nicht mehr isst, aber wir wollen die Mahlzeit auch nicht so verkrampft gestalten. Oft dauert es auch ein paar Minuten bis sie anfängt, aber dann oft auch nur ein paar Löffeln. Am liebsten isst sie Suppe, Banane oder Avocado, manchmal Topfen, manchmal selbstgemachtes Brot. Das ist immer verschieden. Obst auch, aber das ist natürlich auch nicht hochkalorisch. Ich stille gerne, aber würde schon abstillen - aber nur wenn es wirklich sein muss. Das Problem ist ja auch, dass wir nicht wissen, ob sie dann wirklich besser isst?? Als sie krank war, hat sie nur die Brust genommen. Außerdem ist die Muttermilch ja auch ein großer Vorteil für die Darmentwicklung. Sie ist ja auch nicht unzufrieden, sie hat halt einfach keinen Hunger (ich stille nur in der Nacht und 1-max. 2x am Tag, nach dem Essen). Wir haben in zwei Wochen wieder eine Kontrolle und einen Termin bei der Diätologin. Bis jetzt wurde uns das Abstillen noch nicht empfohlen. Die Kalorienerhöhung funktioniert aber auch nur minimal, wenn sie einfach nicht auf die Menge kommt. Was würden sie an Diagnostik noch weiter empfehlen? Grundsätzlich läuft gerade noch ein Stoffwechselscreening, da erwarten sich die Ärzte aber nicht mehr allzu viel (aber man weiß natürlich nie). Hängt das alles mit der Hypotonie usw. zusammen? Danke und liebe Grüße


Prof. Dr. med. Michael Radke

Prof. Dr. med. Michael Radke

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Ich habe mir nochmals Ihre ursprüngliche Frage angeschaut. Danach sieht es ja tatsächlich nach einer organisch bedingen Gedeihstörung aus (Perzentilenknicke bei Gewicht und Länge, Wachstumsstillstand seit 5 Monaten). Ich empfehle Ihnen die Vorstellung Ihres Kindes in einer profilierten Univ.-Kinderklinik in Ihrer Region. Hier kann man nach endokrinologischen, d.h. hormonbedingten Störungen (Wachstumshormonmangel?) suchen, ebenso wie nach Ursachen im Magen-Darm- oder Stoffwechselbereich. Auch die von Ihnen erwähnte Hypotonie bedarf der genauen Einordnung durch ein SPZ mit Neuropädiatrie. Sprechen Sie mit Ihren behandelnden Ärzten über Ihre Sorgen. In Anbetracht der Situation sind sie sicher berechtigt und es ist gut, daß Sie das Problem thematisieren.


Prof. Dr. med. Michael Radke

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Ich habe mir nochmals Ihre ursprüngliche Frage angeschaut. Danach sieht es ja tatsächlich nach einer organisch bedingen Gedeihstörung aus (Perzentilenknicke bei Gewicht und Länge, Wachstumsstillstand seit 5 Monaten). Ich empfehle Ihnen die Vorstellung Ihres Kindes in einer profilierten Univ.-Kinderklinik in Ihrer Region. Hier kann man nach endokrinologischen, d.h. hormonbedingten Störungen (Wachstumshormonmangel?) suchen, ebenso wie nach Ursachen im Magen-Darm- oder Stoffwechselbereich. Auch die von Ihnen erwähnte Hypotonie bedarf der genauen Einordnung durch ein SPZ mit Neuropädiatrie. Sprechen Sie mit Ihren behandelnden Ärzten über Ihre Sorgen. In Anbetracht der Situation sind sie sicher berechtigt und es ist gut, daß Sie das Problem thematisieren.


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