Frage im Expertenforum Kinderernährung - Gastroenterologie an Dr. med. Axel Enninger:

Essenverhalten

Frage: Essenverhalten

Mariam89!

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Hallo, zunächst vielen Dank für Ihre Hilfe und Unterstützung. Ich bin die Mutter einer fünfjährigen Tochter und mache mir zunehmend Sorgen wegen ihres Essverhaltens. Mit etwa sechs Monaten haben wir mit Beikost begonnen. Ich habe den Brei selbst gekocht und püriert. Anfangs hat sie diesen problemlos gegessen und später auch verschiedene Lebensmittel, Obst und Gemüse akzeptiert. Zum Beispiel hat sie Apfel gegessen und Obst auch gemischt im Brei angenommen. Ungefähr ab dem Alter von ein bis eineinhalb Jahren hat sich ihr Essverhalten jedoch zunehmend verändert. Ich weiß nicht mehr genau, ob dies eventuell mit dem Zahnen zusammenhing. Damals bekam ich den Rat, pürierte Suppen in eine Flasche zu füllen, damit sie diese trinkt. Das habe ich eine Zeit lang gemacht. Inzwischen benutzt sie natürlich längst keine Flasche mehr, aber ihr sehr eingeschränktes Essverhalten ist geblieben bzw. hat sich mit der Zeit verstärkt. Heute, mit fünf Jahren, isst sie einige Lebensmittel problemlos. Dazu gehören zum Beispiel Nudeln, Reis, Brot und Brötchen, Käse, Butter, Haferflocken sowie selbstgemachte Frikadellen. Im Kindergarten isst sie ebenfalls Nudeln, Reis und Brot. Morgens isst sie gerne gekochte Haferflocken mit Milch, Pflaumen und selbstgemachtem Apfel- oder Birnenmus. Auch selbstgebackene Muffins oder Kekse mit Banane, Apfel oder anderem Obst isst sie. Entscheidend scheint jedoch zu sein, dass sie das Obst oder Gemüse nicht als solches sehen oder in seiner ursprünglichen Konsistenz erkennen kann. Frisches Gemüse lehnt sie vollständig ab und frisches Obst fast immer. Sie möchte es häufig nicht einmal anfassen. Wenn sie beispielsweise eine Banane sieht oder anfassen soll, reagiert sie mit „bäh“ oder „eklig“. Auch probieren möchte sie nicht. Ich versuche ihr ruhig zu erklären, dass sie erst wissen kann, wie etwas schmeckt, wenn sie es probiert hat, aber sie verweigert es trotzdem. Mir fällt außerdem auf, dass sie eher feste oder knackige Lebensmittel akzeptiert und mit bestimmten weichen Konsistenzen Schwierigkeiten zu haben scheint. Cremesuppe aus Zucchini, Kartoffeln, Karotten und Kürbis biete ich ihr beispielsweise an, diese isst sie aber nur sehr ungern. Ich versuche inzwischen, sie vorsichtig an die Lebensmittel heranzuführen, zum Beispiel gemeinsam eine Banane zu schneiden oder Obst und Gemüse zusammen zuzubereiten. Ich möchte sie dabei aber auch nicht unter Druck setzen. Trotzdem mache ich mir große Sorgen, weil sich die Situation seit mehreren Jahren nicht von selbst verbessert hat. Daher möchte ich Sie gerne fragen: Ist dieses Essverhalten in diesem Alter noch im normalen Bereich, oder könnte beispielsweise eine ausgeprägte selektive Ernährung, eine sensorische Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Konsistenzen oder eine andere Ursache dahinterstecken? Wie sollten wir als Eltern damit umgehen? Sollten wir das Kind weiter ohne Druck an neue Lebensmittel heranführen, oder wäre eine professionelle Abklärung bzw. Unterstützung sinnvoll? Falls ja, an welche Fachrichtung sollten wir uns wenden. Ich habe lange gehofft, dass sich das Essverhalten mit zunehmendem Alter von selbst verbessern würde. Da sie inzwischen fünf Jahre alt ist und frisches Obst und Gemüse weiterhin so deutlich ablehnt, möchte ich lieber rechtzeitig handeln und wissen, wie wir sie sinnvoll unterstützen können. Sie ist fünf Jahre alt, über 110 cm groß und wiegt über 19 kg. Sie ist ganz normal entwickelt und altersgerecht. Vielen Dank für Ihre Einschätzung und Ihre Empfehlungen.


Dr. med. Enninger

Dr. med. Enninger

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Das klingt nicht nach einem medizinischen Problem und möglicherweise begann alles mit dem unsinnigen Rat Gemüse zu passieren und mit der Flasche zu geben. Ich fürchte Sie müssen das Rad zurückdrehen. Ihr Kind hat früh erlernt, dass es nicht kauen, beißen, abbeißen muss, da Sie diese Probleme aus dem Weg geräumt haben. Das finde ich nicht immer hilfreich, beim Essen schon gar nicht und deswegen ist es genau so, nämlich, dass feste und stückige Nahrung eher abgelehnt wird als Weiches. Sie bestimmen, was es wann und wie zu essen gibt, nicht Ihr Kind.  Sie bestimmen die Eckpunkte: Dauer der Mahlzeit, Regeln (z.B. Beendigung der Mahlzeit, wenn Ihr Kind mit Essen wirft oder Teller vom Tisch schiebt). Was Eltern diesbezüglich aushalten wollen (und können), ist individuell und Ihre Entscheidung. Vorschlag: 5 Mahlzeiten, drei Hauptmahlzeiten, zwei Zwischenmahlzeiten. Sie machen freundliche Angebote, die Ihr Kind akzeptieren kann oder nicht. Wenn es nichts ißt, ißt es nichts und bekommt freundlich zum nächsten Zeitpunkt ein erneutes Angebot. Nicht schimpfen für "schlechtes Essen", nicht loben für "gutes Essverhalten". Anfangs mag Ihr Kind irritiert sein, dass es nun ein anderes Angebot gibt, und es wird nichts essen und kurz nach Ende der Mahlzeiten Essen oder Trinken einfordern. Trinken darf es immer geben, nur Kalorien sollten im Trinken nicht enthalten sein. Essen gibt es zur nächsten Mahlzeit. Das ist erst mal mühsam und Ihr Kind wird unglücklich sein, aber am Ende meinen Sie es ja gut mit Ihrem Kind. Vielleicht brauchen Sie Hilfe von einer weiteren Person, um durch ein mögliches "Jammertal" zu gehen. Grundhaltung: liebevolle Hartnäckigkeit.  Genauso wie Sie Ihrem Kind nicht erlauben würden über die belebte Strasse zu rennen, sollten Sie das Essverhalten in eine andere Bahn lenken. Wichtig: gemeinsam Essen, Vorbild Eltern, liebevoll, aber Leitplanken nach Ihren eigenen Vorstellungen aufstellen und einhalten.


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