Mitglied inaktiv
Hallo Herr Dr. Posth. Mein Sohn ist 4,5 Jahre alt und weist verschiedene Verhaltensweisen auf, die uns beängstigen. Er hat heftige Wutausbrüche (unabhängig von und ganz anders als die normalen Trotzphase-Ausbrüche), die ohne Ausnahme nur im familiären Rahmen stattfinden, niemals wenn Dritte dabei sind. Nach dem Kindergarten wartet er genau so lange, bis wir weg von anderen Eltern und Kindern sind und kriegt dann einen Wutausbruch. Er kann nachher selber nicht sagen warum, sagt aber manchmal später), es gäbe etwas Böses in ihm. Er benutzt in diesen Situationen auch Schimpfwörter, die er sonst nie benutzt. Die Ausbrüche können sich bis zu einer Stunde hinziehen. Auslöser können auch allerkleinste, beiläufige Zurechtweisungen sein, auf die andere Kinder gar nicht reagieren. Wie gesagt nur, wenn kein anderer anwesend ist. Oft bricht er gegen Ende eines Anfalls in bitteres Geweine aus und entschuldigt sich. Er ist auch sehr perfektionistisch, wiederholt ungerne Sachen. Dinge, bei denen er Scheitern fürchten muss, weil sie nicht ohne Wiederholungen zu erlernen sind, will er erst gar nicht machen und tut sie oft als "Babykram" ab. Er weigert sich auch AA auf der Toilette machen und zieht sich dafür eine Windel an. Was kann das sein und wer kann uns helfen? Danke, Tina
Liebe Tina, bei einem 4einhalbjährigen darf man schon von einer verlängerten Trotzphase sprechen, denn eigentlich müßte der Trotz jetzt abflauen und dem ersten Selbstbewußtsein weichen. Dem scheint bei Ihrem Sohn nicht so zu sein, was sicher mit den vergangenen Erlebnissen in der regulären Trotzphase zu tun hat. Lesen Sie dazu bitte den 3.Teil meines Langtextes über das emotionale Bewußtsein. Kein Kind sagt von sich, daß Böses in ihm sei. Das hat ihm jemand eingeredet, um ihm moralisch Druck zu machen, sich folgsamer zu verhalten. Aber das funktioniert nur, solange Fremde dabei sind. Noch, und das ist erst einmal gut so, bricht die Wut aus ihm heraus, wenn die Familie allein ist. Niederlagen kann er nicht ertragen, denn sein ohnehin schwaches Selbstbewußtsein, bekommt dann einen weiteren Knacks. So sind alle seine Reaktionen erklärbar und verständlich. Am besten wäre es vielleicht, Sie wenden sich mit Ihrem Problem an eine Beratungsstelle für Erziehungshilfe, die es sicher auch in Ihrer Stadt oder in der nächsten Kreisstadt gibt. Viele Grüße