Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Selbstbewusstsein

Frage: Selbstbewusstsein

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Sg Dr Posth, ich hoffe Sie und die anderen Eltern verzeihen mir, wenn ich noch ein Fragenpaket formuliere. Habe Ihre Ausführungen zum Selbstbew.(SB) durchgelesen und hoffe Sie können uns folgende Fragen beantworten: A) Sind die unten angeführten Punkte Ausdruck eines fehlendes SB: * Im KiGA und anderen sozialen Situationen sehr ruhig vs. zu Hause trotzig und bestimmend. * ein Ordnungstick und Scheu vor Neuem/Ungewohntem * Sehr stark ausgeprägte Besitztümer: Das ist mein! * starker Neid -- B) Die Entwicklung des Kindes bringt ein Trotzphase mit sich. Die ist nehme ich an bei Kindern mit fehld. SB stärker ausgeprägt ? Wie reagiert man nun darauf, da ja der Trotz das SB stärken soll aber enorme Nerven kostet ? -- C) Wie lassen sich eigentlich fehlendes SB und damit zusammenhängende Scheu bzw. Angst vor Blamieren von der Angstvariante bis hin zu selektivem Mutismus abgrenzen bzw. erkennen? -- Können Sie uns ein Buch zu diesem Themenkreis empfehlen? Vielen Dank Ben


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

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Lieber Ben, das sind schon Fragen, die weit in die Theorie über die Selbstentstehung hinein reichen. Ein gutes und zugleich allgemein verständliches Buch hierzu kenne ich nicht. Wichtige theoretische Beiträge zur Selbstentstehung haben Psychoanalytiker wie Heinz Kohut und Otto Kernberg geliefert. Aber das ist trockene Fachsprache. zu A) die Verhaltensweisen und auch Charakterzüge, die Sie nennen, passen zu einem Kind, das (noch) schlecht attributiert ist. D.h. dieses Kind sucht noch nach Zeugnissen über seine positive Wertigkeit. Da es diese aus sich selbst nicht ableiten kann, versucht es sie über Bestimmungsmacht im Trotz und über Selbstaufwertung mittels Besitz zu erreichen. In der sozialen Konfrontation verhält es sich verständlicherweise noch sehr vorsichtig, zu Hause "langt es aber zu". zu B) wie man als Eltern am besten für sich und das Kind mit Trotz umgeht, erkläre ich zusammenhängend in meine Langtext, Teil 3. Sie werden es gelesen haben. Das Selbstbewußtsein entwickelt sich aber erst mit dem Trotz und steht im erfolgreichen Fall quasi an dessen Ende. Jetzt fängt die Suche nach guten Attributionen (Selbstzuschreibungen an). zu C) die von Ihnen gewünschte, klare Abgrenzung ist beinahe unmöglich. Dafür greifen diese Entwicklungsvorgänge allesamt viel zu sehr ineinander. Ein Blamieren kennt das Kind allerdings nicht. Denn die Blamage verursachen die Anderen, die Mitmenschen, die mit dem unzulänglichen Auftritt eines Menschen nicht umgehen können. Ein Kind zeigt aber auf natürlich Weise immer wieder Unzulänglichkeiten, und ich halte es für ein Versagen der Pädagogik, wenn sie es zuläßt, daß sich ein Kind damit blamiert. Viele Grüße


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