Mitglied inaktiv
Hallo Herr Posth, Heute brauche ich einmal Informationen und ihre Hilfe (und an dieser Stelle: schön das es im Internet ein solches Forum gibt!) Ich bin wirklich schwer zu verunsichern in Hinsicht auf die natürliche Entwicklung meiner Kinder - nun hat es meine Mutter nach langem Gerede aber doch geschafft. Es geht um meinem ältesten Sohn der eine vorliebe für Zahlen und Buchstaben hat. Momentan faszinieren ihn offensichtlich die Zahlen am stärksten, denn er hinterläßt sie im ganzen Haus. Es gibt Tage an denen er den ganzen Tag zählend mit seinem jüngeren Bruder durchs Haus tobt und hier und da Zahlen an Wände, Türen und Teppichböden schreibt (zu meinem Leid mit allem was schreiben kann). An einem solchen Tag hat meine Mutter - zu ihrer großen Begeisterung... - festgestellt, das ihr Enkelsohn sich die Zahlen/ das Zahlenverständnis (bis ca. 100) selber beigebracht hat. Meine Mutter, - Grundschullehrerin von Beruf - meint nun, wir müssten unseren Sohn "fördern", er würde hier ja verkümmern. Er kommt leider tatsächlich zu kurz zur Zeit und ich habe meinen zwei älteren Söhnen ein sehr schlechtes Gewissen gegenüber (was wahrscheinlich der Grund dafür ist warum ich im moment sehr offen für Kritik bin) Wir haben 3 Söhne in kurzen Abständen bekommen und obwohl wir bewußt so gehandelt haben, würde ich heute sagen das mehr Abstand wichtiger wäre... Ich fühle mich also sowieso schon recht unglücklich mit der Situation (zumal der Kleinste mich 180%ig fordert und einfach nie "einfach so" zufrieden ist :o( ) Und nun habe ich plötzlich noch die Verwandtschaft um die Ohren die mich freundlich "informieren" möchte über Fördermöglichkeiten. Zwar freundlich, aber doch nervend, erfahre ich das "nicht geförderte Kinder später in Sonderschulen landen"..., das sie "Aggressiv werden" etc pp. Meinem Sohn werden nun Mathehefte mitgebracht und jeder will mit zählen und am besten gleich rechnen. Und das ärgert mich sehr, da mein Sohn inzwischen selber enttäuscht darüber ist, nicht mehr normal angenommen zu werden. Keine Toberein mehr mit seinem Opa - nun soll gezählt werden. Dieses "Lernmaschinen-gehabe" ist entsetzlich. Zum Glück ist mein Sohn sehr deutlich und tut nichts was er nicht freiwillig und von sich aus tun möchte - aber wie kann ich meiner "akademischen" Familie klar machen, dass sie das wichtigste plötzlich nicht mehr fördern - nämlich die Beziehung zu ihrem Enkelsohn. Ich habe schon mehrfach versucht genau das zu sagen und ernte nur Behauptungen von Studien und wissenschaftlichen Ergebnissen. Nun endlich meine Fragen an Sie: Gibt es Studien die sich kritisch mit einer Frühförderung beschäftigen.? Ich finde im Internet so viele förderbegeisterte Eltern und so wenig kritisches - sind es nicht eher die Eltern die Förderung wollen? Sucht sich ein Kind nicht selber seinen Lernstoff und erweitert diesen? Mein Sohn hat sich die Zahlen ja auch selber beigebracht - es reicht doch eigentlich zu warten was er fragt. Würden Sie auch sagen das mein Sohn mit seinen 3,5 Jahren in Ruhe gelassen werden sollte - zumal er so gar nicht der Lerntyp ist, von dem man erwarten darf, dass er etwas tut weil andere es wollen.? Und noch eine Frage die mir besonders auf dem Herzen liegt: Mein Sohn malt Zahlen (und ein paar Buchstaben) von unten nach oben. Er hat sie zu anfang einfach abgemalt - aber natürlich nicht so, wie man das in der Schule lernt. Meine Mutter behauptet nun, dass würde Schreibschäden hinterlassen, er würde später nicht richtig schreiben können wenn man ihm jetzt nicht zeigt wie man richtig schreibt und besonders(!) wie er den Stift halten muß!!! Sie meint auch es sei immer problematisch wenn keine Schwingübungen gemacht wurden oder nicht genau auf die Schreibweisen geachtet werden würde...Diese Vernachlässigungs-Schäden hätte sie schon oft gesehen etc pp (sie war viele Jahre über Hauptschullehrerin) Ich bin nun tatsächlich so verunsichert das ich mich heute Nachmittag zu meinem Sohn gesetzt habe und ihm zeigen wollte wie er den Stift am besten/ richtig hält. Er ist natürlich sofort abgehauen. Wenn er jetzt als bis zum Schulbeginn in 3 Jahren anders schreibt, wird dann (oder vorher) keine Haltungsveränderung/ Schreibweise mehr möglich sein? Soweit ich weiß schreibt er einzig die 7 von oben - alle anderen Zahlen schreibt er von unten. Vielen Dank im voraus! Rantje und 3 kleine Jungs
Liebe Rantje, natürlich haben Sie recht, wenn Sie sagen, daß bis zur Schule noch 2;6 Jahre Zeit sind. Also bis dahin hat Ihr Sohn alle Zeit der Welt, das richtige Halten des Schreibstiftes zu erlernen. Mäßigen Sie Ihre Familie da zur Geduld. Offenbar kann er sich ja auch selbst schon ganz gut wehren. Eine Sache sollte man aber anders sehen. Kinder empfinden das, was wir als Erwachsene als lernen (müssen) bezeichnen, nicht als solches. Sie lernen aus grundsätzlichem Interesse und Spaß. Und sie lieben Herausforderungen. Ja, sie stellen sich, wenn sie begabt sind, solche Herausforderungen selber. Und genau bis dahin sollte man mitgehen. Bremst man sie, erleben sie das wie eine Kritik oder Maßregelung an sich selbst, und das mögen sie am wenigsten. Aber man sollte mit den Leistungen seiner Kinder nicht aus persönlichem Ehrgeiz eine zu frühe Verschulung einführen! Viele Grüße
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