Mitglied inaktiv
Mein Sohn (2 ½) legt mit einem Male ein Verhalten an den Tag, das mich richtig ausrasten und nicht selten aggressiv werden lässt. Er versucht mich „auszutesten“ und zu „manipulieren“. Ich weiß nicht, wieso, aber es tut mir sehr weh. Er war schon immer ein „Theatraliker“ (was ich bisher lustig fand), aber jetzt steigert er sich förmlich in Schreiattacken hinein. Aus dem Nichts. Anfangen tut es z. B. so: Er spielt, vermisst sein Auto. Fragt mich, wo es ist. Ich sage ihm, dort hinter dem Karton. Er steht auf, schaut nach, setzt sich wieder hin und sagt wieder in seinem Jammerton: „Maaaaamaaa, Auto hooooolen, seufz“. Wenn ich mich weigere, steigert er sich ins Jammern rein, unterstreicht das ganze mit theatralischen Gesten wie „Ich kann nicht mehr laufen.." .... Das geht dann ins Kreischen über, bis hin zum Schluchzen, bis wir uns irgendwann – beide zermürbt - versöhnend in den Armen liegen. Ich habe das Gefühl, er weiß genau, was mich aus der Haut fahren lässt, und versucht es aber trotzdem. Er verlangt alle Aufmerksamkeit für sich. Und manchmal – urplötzlich – kann er für sich allein spielen. Ich habe nur kein Muster erkennen können, warum das so ist. Was zum Teufel steckt hinter so einem Verhalten? Manchmal habe ich den Eindruck, es ist pure Langeweile. Wenn man sich mit ihm beschäftigt, passiert so etwas auch nicht. Im Gegenteil. Es passiert ja auch nur zuhause, wenn ich nebenher mit etwas anderem beschäftigt bin. Er ist ein Fetz, ein kleiner Draufgänger, aber auch sehr lieb und einfühlsam und sehr gesellig. Ist anderen Kindern gegenüber noch nie aggressiv gewesen, spricht sie eher an und sucht den Kontakt. Wir unternehmen auch relativ viel, ich möchte ihn aber auch „gezielt“ ein bisschen der Langeweile aussetzen, damit auch mal Ruhe einkehrt. Ach, ich komme von selbst nicht drauf. Vielleicht können Sie mir einen „Wink“ geben, was solche Provokationen auslösen kann. Danke. Lucia
Liebe Lucia, unter echten Provokationen versteht man etwas anderes, etwas, daß mit offenkundiger Aggression zu tun hat. Ihr sohn befindet sich in der Trotzphase, was bedeutet, daß er sein Selbstbewußtsein entwickelt und sich behaupten will. Dabei geht es natürlich um Macht, und dieses "Spiel", das er da mit Ihnen abzieht, soll die Machtverhältnisse abklären helfen. Er will testen, wieviel Macht er inzwischen hat (s. mein Langtext über das emotionale Bewußtsein, Teil 3, link oben rechts). Gehen Sie locker damit um, sagen Sie z.B.: "ach, ich muß sowieso noch einmal in die Ecke an den Schrank, etc. und es macht mir nichts aus, das Auto gleich mitzubringen". Ein anderes Mal sind Sie aber mit anderen Dingen beschäftigt, und da haben Sie kein Zeit für solche Inszenierungen. Klar, daß er dann protestiert, aber das braucht er, um seine Niederlage zu verarbeiten. Wichtig ist, daß die Sachlage bestimmt, wie Sie reagieren, und nicht irgendein "Erziehungsprinzip", das er ncith versteht. Viele Grüße