Mitglied inaktiv
S.g. Herr Dr. Posth, in unserer Familie herrscht Aufregung, weil mein Sohn (8 J.) ein Bild mit einem Haus gemalt hat, das kein Fenster hat (tags darauf malte er allerdings eines mit einem großen Fenster). Nun meinte meine Schwägerin, die eben die FH für Kunsttherapie abgeschlossen hat, das sei bedenklich. Das Haus wäre ein Ich-Symbol und das fehlende Fenster und die Tatsache, dass das Haus auf nur geringem Fundament direkt am Wasser stehe, ein Hinweis darauf, dass er emotionale Probleme hätte. Meine Mutter schlägt nun in die selbe Kerbe, weil Niklas ein Scheidungskind ist (verlief friedlich, sehr guter Kontakt zum Vater - auch von meiner Seite). Wie stehen Sie zur Interpretation von Kinderzeichnungen? Muss ich mir nun deswegen Sorgen machen? Mir scheint das Ganze schon etwas weit hergeholt und ich denke, es handelt sich ja auch immer nur um eine Momentaufnahme. Ich bin Ihnen sehr dankbar für Ihre Enschätzung! LG, Mona
Liebe Mona, in den richtigen Zusammenhang gestellt, halte ich sehr viel von Kinderzeichnungen. Man muß sich allerdings davor hüten, jede x-beliebige Kritzelei oder jedes mal eben so dahin gemalten Bild, tiefenpsychologisch zu interpretieren. Fachkundlich verwendet man die Interpretation von Kinderbildern in einem definierten Zusammenhang. D.h., es muß eine Fragestellung da sein, ausgelöst durch eine Krise in der kindlichen Entwicklung oder aufgekommen durch eine Verhaltensauffälligkeit oder psychische Störung. Interessant sind Kinderzeichnungen auch dann, wenn es darum geht, Traumata aufzudecken, über die sich das Kind in Worten (noch) nicht äußern kann oder äußern möchte. In der Tat gibt es sog. archtypische Bildinhalte und entschlüsselbare Symbole. Deren richtige Interpretation ist jedoch eine hohe Kunst. Und niemand darf davon ausgehen, daß er in der Interpretation unfehlbar sei. Es kann einem auch gehen, daß man kräftig daneben liegt. Viele Grüße
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