Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Babysitter

Frage: Babysitter

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Lieber Herr Dr. Posth, ich möchte noch eine aktuelle Frage anschließen: Vor einigen Wochen haben wir für die gelegentliche Betreuung unseres Sohnes (fast 2) einen Babysitter eingeführt. Wir haben 3 Termine bei uns zuhause organisiert, zu denen die beiden miteinander gespielt haben, wir (mein Mann oder ich) anwesend waren, uns aber etwas im Hintergrund hielten. Nach ca. 45 Min Spielen mit dem Babysitter in seinem Zimmer kam Paul zu uns und wollte uns integrieren, was wir auch mitgemacht haben. Inzwischen haben zwei Abendtermine stattgefunden. Wir haben Paul so vorbereitet, dass wir tagsüber mit ihm besprochen haben, dass das Mädchen kommt, mit ihm spielt und wir ausgehen würden. Das scheint er sehr gut zu verstehen, denn er selbst erzählt gelegentlich "Mama Papa gehen aus, Conni kommt, Paul Bett". Er begreift also genau den Ablauf. Beim ersten Mal (mit Übergabezeit von ca. 15 Min) hat er mich ohne Weinen verabschiedet, und dann mit dem Babysitter zwar über uns gesprochen, aber nicht geweint. Beim zweiten Mal (wir halten im Moment eine Frequenz von ca. 1x/Woche zur Gewöhung ein), also 8 Tage später, fand die Übergabe zwischen Papa und Sitter statt und Paul weinte doch recht bitter beim Weggehen und wollte, das Papa dableibt. Wir sprachen anschließend mit dem Sitter und sie sagte, er hätte nach max. 4 Min. aufgehört zu weinen und gespielt, auch das Ins-Bett-Bringen war kein Problem. Er schläft gut und wacht entspannt auf. Die Verbindung - Conni kommt, Mama und Papa gehen weg - ist ihm klar und scheinbar völlig ok, er erzählt gelegentlich ganz aufgeräumt davon. Ich selbst habe als Kind sehr prägende negative Trennungserfahrungen gemacht, die ich erst im Erwachsenenalter bewältigt habe. Daher bin ich sehr aufmerksam, dass Paul solches nicht erlebt. Wenn das Weinen beim Abschied nach kurzer Zeit aufhört und Paul beim nächsten Babysitterabend aufgeschlossen ist, können wir dann davon ausgehen, dass er damit gut klar kommt? Und was halten Sie von der Frequenz (jetzt anfänglich zum Kennenlernen) von ca. 1x pro Woche? Herzlichen Dank für Ihre Antwort! Ihre Caraly


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

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Liebe Caraly, Vorbereitung des Babysittings und Frequenz sind sicher in Ordnung. Die Tatsache, daß Ihr Sohn beim zweitenmal doch geweint hat, beweist natürlich, daß er Trennungsschmerz verspürt. Wenn die Babysitterin sehr einfühlsam ist und ihn nach kurzer Zeit beruhigen kann, sorgt das sicherlich für eine Entspannung bei Ihrem Sohn. Wenn sich das aber bei den nächsten malen häuft und die Beruhigung immer schlechter ausfällt, dann müssen Sie das Manöver einstweilen wieder beenden, denn jede Form von Schreikonditionierung schwächt die Bindungssicherheit und ist ein Risiko für die weitere psychosoziale Entwicklung. Das Kind paßt sich zwar an, weil es ja gar keine andere Chance hat, aber die verdrängten Gefühle sammeln sich nach tiefenpsychologischer Vorstellung im Unterbewußtsein und stören von dort immer wieder die psychische Gesundheit. Viele Grüße


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