Frage im Expertenforum Babyschlaf an Dr. med. Daniela Dotzauer:

Schlafverhalten Tochter 17 Wochen

Frage: Schlafverhalten Tochter 17 Wochen

Tabea9910

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Guten Tag Frau Dr. Dotzauer, wir möchten uns gerne mit Fragen zur Schlafsituation unserer 17 Wochen alten Tochter an Sie wenden und freuen uns über Ihre fachliche Einschätzung. Nachtschlaf: Unsere Tochter wird nachts aktuell etwa alle 2 Stunden wach. Meist lässt sie sich nur durch Stillen beruhigen. Wir haben versucht, Stillabstände von mindestens 3 Stunden einzuhalten, merken jedoch, dass sie sich dann häufig schwer beruhigen lässt. Tagschlaf: Die Tagschläfchen sind oft von Weinen begleitet. Sie wird in den Schlaf gewiegt und anschließend entweder ins Bett oder in die Federwiege abgelegt. Die Schläfchen dauern meist ca. 30 Minuten, gelegentlich auch 45 Minuten. Mit Körperkontakt (Trage oder schlafend auf dem Bauch eines Elternteils) kann sie bis zu 2–2,5 Stunden schlafen. Tagsüber dunkeln wir den Raum bewusst ab, da sie sonst nicht zur Ruhe findet und das Einschlafen deutlich schwerer fällt. Einschlafen & Rituale: Abends haben wir ein längeres Einschlafritual als tagsüber etabliert. Zusätzlich wird sie abends in den Schlaf gestillt, tagsüber jedoch nicht. Wachzeiten: Da sie nur selten typische Müdigkeitsanzeichen zeigt, orientieren wir uns an der Uhr und beginnen ca. 75 Minuten, allerspätestens nach 90 Minuten mit der Einschlafroutine. Unsere Fragen: Ist dieses Schlafverhalten (kurze Tagschläfchen, häufiges nächtliches Aufwachen) in diesem Alter entwicklungsbedingt normal? Sind die aktuellen Wachzeiten für ihr Alter passend oder sollten wir diese anpassen? Wie können wir unsere Tochter tagsüber und nachts besser beim Einschlafen und Weiterschlafen unterstützen? Ist das häufige nächtliche Stillen in diesem Alter unproblematisch oder sollten wir anders vorgehen? Gibt es Empfehlungen, wie wir die Tagschläfchen verlängern oder entspannter gestalten können? Vielen Dank im Voraus für Ihre Zeit und Ihre Einschätzung. Viele Grüße


Dr. Dotzauer

Dr. Dotzauer

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Guten Tag, @aktuelle Wachzeiten: mit 4 Monaten sollte sie folgende Wachzeiten haben morgens kürzer dann länger: zwischen 1,5 std-2,5 Std über die Länge der Wachzeit entscheidet auch die Länge des Vorschläfchens und der Ausgeruhtheitsgrad des Babys. Meist sind es noch 4 Schläfchen am Tag. 11 Std. Nachtschlaf @Einschlafen tagsüber: Am 1. Tagschlaf Einschlafroutine etablieren, sodass das Kind eine positive Schlaferwartungshaltung aufbaut und schließlich schon etwas mithilft Zb in die Ellenbeuge schnuffeln, am Schnuller saugen, entspannen etc. Der Effekt der Federwiege (Schlafphasen verlängern durch kontinuierliche Bewegung) scheint nicht gegeben, denn 30 min würde das Kind auch im nicht bewegtem Bett schlafen. Das Aufwachen im Schlafphasenwechsel tags nach 30 min  und nachts zB nach 2 std. ist altersgenmäß. Die meisten Kinder bekommen zum Weiterschlafen die Brust angeboten, dies aktiviert über das Oxytocin-Dopamin-System Belohnungszentren im Gehirn und ist daher schwer veränderbar. Die Kinder schlafen zwar einfach ein, aber ihre Einschlaferinnerung bringt den starken Wunsch bei jedem Erwachen die Brust zu wollen. Hilfreich wäre es wenn Kinder auch sanftere vagale Beruhigungsformen kennenlernen würden.  Ich nenne das "Weiterschlafsprache": Sanfte Bewegung, Hand auflegen schschsch, schuckeln, Druck auf die großen Gelenke, Umlagerung von einer Seitenlage auf die andere, Popo klopfen etc. Dies beruhigt direkt das parasympathische Nervensystem und ist zum Weiterschlafen eigentlich viel geeigneter, als die Belohnungsnummer mit der Brust.  Aber es ist auch viel schwerer den Eltern, sowie den Babys zu vermitteln. Denn irgendwann können es die meisten - sie wachen auf- drehen sich um - und schlafen weiter.  Solange allerdings Babys/Kinder/Erwachsene beim Erwachen eine feste Vorstellung vom Weiterschlafen haben, die mit bestimmten Personen (Eltern) oder Angewohnheiten (Trinken) verknüpft ist, werden diese eingefordert. Das nächtliche Stillen wird meist aufgrund von Weiterschlaferfordernissen angeboten. Wenn relevant viele nächtliche Kalorien dabei konsumiert werden, und dieser Zustand länger besteht, entwickelt sich nächtlicher Hunger, denn die nächtlichen Kalorien werden dann tagsüber nicht abgerufen. So stabilisiert sich das ganze System über Monate und Jahre. @Weiterschlafen nachts: optimaler weise kennt das Kind das Weiterschlafen schon vom Tage, erkennt das wieder und lässt sich durch andere Beruhigungsformen zügig erreichen. Das kann geübt werden und hat größere Chancen, wenn Väter dies versuchen, denn jedem Baby ist klar der Papa it eher der "vagale Typ", "der hat mich noch nie gestillt". Im Laufe der Zeit kann das Kind lernen sich selbst zu helfen, es dreht sich selber um, findet seinen Schnuller oder sein Kuscheltier, schuffelt an seine Hände, etc und schläft weiter... Das ist allerdings noch Zukunftsmusik und es gibt noch viel Zeit das zu lernen.  Jetzt mit 4 Monaten wäre es schon wertvoll, wenn das Kind erfährt nicht jedes Erwachen wird mit der Brust beantwortet. Hungererwachen zieht eine Stillmahlzeit nach sich, ein Zwischenerwachen zieht Weiterschlafsprache nach sich... @häufiges Stillen nachts: wie oben erläutert wirkt es sich auf den Appetit am Tage aus, und die Verteilung der vielen kleinen Mahlzeiten über 24 Stunden ist eigenlich nicht sinnvoll, im Sinne der Tag/Nacht-Organisation des Gehirns. Sinnvoller sind richtige Mahlzeiten mit richtigem Hunger und die Verknüpfung: "aha Essen ist die Antwort auf Hunger". Weiterschlafen ist die Antwort auf Aufwachen @ Verlängerung der Schläfchen: Die Lösung heißt Weiterschlafsprache, wie oben erläutert. Das braucht Geduld und Langmut. Alles Gute dabei Daniela Dotzauer


Tabea9910

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Guten Tag Frau Dr. Dotzauer, vielen Dank für Ihre ausführliche und sehr hilfreiche Rückmeldung. Ich möchte gerne kurz zusammenfassen, ob ich Sie richtig verstanden habe und hätte dazu noch ein paar konkrete Rückfragen: Habe ich es richtig verstanden, dass wir zunächst den ersten Tagschlaf weiter ohne Körperkontakt üben und diesen – sobald es möglich ist – mithilfe der Weiterschlafsprache zu verlängern versuchen? Aktuell gelingt uns die Verlängerung leider noch nicht. Wie lange würden Sie empfehlen, jeweils zu versuchen, diesen Schlaf zu verlängern? Momentan probieren wir es etwa 10 Minuten, bevor wir abbrechen. Die anderen Tagschläfchen würden wir vorerst weiterhin mit Körperkontakt durchführen, bis sich der erste Tagschlaf stabil etabliert hat, und dann schrittweise auch den zweiten Tagschlaf ähnlich angehen. Habe ich das so korrekt verstanden? Für die Nächte versuchen wir weiterhin, unsere Tochter zunächst mit anderen Beruhigungsformen zu begleiten und erst dann die Brust anzubieten, wenn dies nicht zielführend ist. Das klappt ja bislang zumindest gelegentlich. Dazu hätte ich noch zwei kurze Fragen: Ist es sinnvoll, sie dabei ausschließlich im Liegen zu beruhigen, oder darf / soll man sie auch z.B. im Stehen wiegen? Halten Sie es für sinnvoll, sie vor dem Stillen zunächst in meinem oder im Arm meines Mannes mithilfe der Weiterschlafsprache weiter in den Schlaf zu begleiten? Vielen Dank nochmals für Ihre Zeit und Ihre sehr hilfreichen Erklärungen. Herzliche Grüße


Dr. Dotzauer

Dr. Dotzauer

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Guten Abend, 1. gerne kann die Einschlafroutine am ersten Tagschlaf mit Körperkontakt erfolgen. Wie soll sie sonst schlafbereit werden? 2. Weiterschlafen ist immer einen Versuch wert. Wieviele Minuten hängt von dem Verlauf ab. Wenn es ruhig abgeht gerne länger, wenn Aufregung herrscht ist eh schon schnell vorbei. 3. Die Unterscheidung mit und ohne Körperkontakt verstehe ich nicht. Aie meinen wahrscheinlich mit und ohne Trage.  Aber ja die anderen SChläfchen können Sie einfacher gestalten. 4. Nachts: gestuftes Beruhigen - ja. 5. Es muss nicht nur im Bett passieren , sie können sie auch zu sich hoch nehmen, aber erst im Sitzen und nur wenn das nicht geht kurz aufstehen. Wenn Sie sie immer sofort rauspflücken und schweben lassen, kann der Schwebewunsch auch hartnäckig werden. 6. ja anstatt des Stillens am besten - gerne im Arm begleiten. Herzliche Grüße Daniela Dotzauer


Tabea9910

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Vielen lieben Dank für Ihre erneute Rückmeldung. Ich habe mich zuvor vermutlich etwas unglücklich ausgedrückt. Ich meinte mit dem ersten Tagschlaf nicht ohne Körperkontakt, sondern vielmehr den Ablauf mit Ablegen nach der Einschlafbegleitung, während die anderen Schläfchen weiterhin in der Trage oder bei uns im Arm stattfinden – also mit dauerhaftem Körperkontakt. Ich glaube aber, Sie haben mich inhaltlich richtig verstanden 😅. Vielen Dank nochmals für Ihre Klarstellungen und Ihre hilfreichen Hinweise. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend. Herzliche Grüße


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