Liebe Frau Holtschlag, wir haben folgendes Problem. Unsere Tochter (18 Monate) kennt nur das Einschlafen an der Brust. Die Eingewöhnung in der Kita durch den Papa lief absolut problemlos bis zum Mittagsschlaf. Sie hat einen sehr starken Willen, sie weiß genau was um sie herum geschiet und die Lieblingsworte sind aktuell "Nein Nein" An Mittagsschlaf in der Kita ist nicht zu denken. Es wurde drei Tage probiert, aber die Situation wurde immer schwieriger. Nun haben wir den Versuch erstmal abgebrochen und wollen daheim versuchen, dass das Kind ohne die Brust einschläft, bevor wir einen neuen Versuch starten, in der Kita Mittagsschlaf zu machen. Erste "Fading" Versuche sind gescheitert, wenn man dem Kind die Brust im Halbschlaf entzieht, weint sie erst und holt sie sich zurück, oder steht einfach auf und geht aus dem Schlafzimmer. Gestern Abend hat mein Mann versucht das Kind ins Bett zu bringen, während ich nicht zu Hause war. Wir haben das auch mehrfach am Tag schon angekündigt. Anfangs lief die Abendroutine auch sehr entspannt, im Bett noch lange Buch angeschaut, Kind wirkte auch nicht müde, obwohl Mittagsschlaf verkürzt etc. Irgendwann wurde sie weinerlich, hat sich den Schlafanzug wieder ausgezogen und wollte auch aus dem Schlafzimmer gehen. Mein Mann hat den Schmerz des Kindes begleitet. Es steigerte sich soweit, dass sie schreiend, weinend, zitternd im Flur saß und sich versucht hat die Schuhe anzuziehen und zu dem Zeitpunkt auch keine Nähe zuließ. Irgendwann wurde Sie etwas ruhiger, ließ sich wieder hochnehmen, und schlief nach längerer Zeit, mit leichtem schuckeln und Schlaflied singen ein. Sie konnte irgendwann auch abgelegt werden und hat gut geschlafen. Wir wussten natürlich was auf uns zu kommt und dass es hart wird. Dennoch fragen wir uns, ob das wirklich der richtige Weg ist und ob man dem Kind damit nicht schadet? Und wenn ja, wie geht man am zweiten Abend vor? Gleiches Spiel, oder ist es auch ok, wenn ich am zweiten Abend wieder da bin und sie wie gewohnt ins Bett schaffe, und mein Mann das erst am dritten Abend wiederholt? Muss man es dann auch für den Mittagsschlaf schon so machen?
Guten Abend, hier ist Frau Dotzauer, da die Fragen tageweise verteilt werden, werde ich Ihnen meine Empfehlungen schildern. In diesem Alter ist das Gehirn schon gut entwickelt und alle Kinder wissen genau, wie sie ihre liebgewonnenen Gewohnheiten einfordern können. Das ist völlig normal. Aus meiner Sicht baucht es neue eigene Fähigkeiten, um zur Ruhe zu kommen, denn genau das wird ja auch in der Kita benötigt. Mir geht es um den Aspekt, dass ihr nicht nur etwas (das Saugen an der Mutterbrust) genommen werden soll, sondern dass sie stattdessen etwas Neues lernt. Eine neue Beruhigungssprache muss her. Singen und etwas tragen und körperliche Nähe, diese Sprache kann nicht nur das Kind, sondern auch beide Elternteile lernen. Wenn man etwas Neues lernen soll, ist es wichtig es häufig zu üben und vorallem es immer gleich zu Praktizieren und dann zu erwarten. Wenn mal der Papa ohne Milch und dann wieder die Mama mit Milch das Schlafen begleitet ist es unklar und das Kind braucht lange und wird immer wieder aufs neue verunsichert. Auch Mama kann den Ablauf verändern und das Stillen deutlich vom Einschlafen trennen. ZB eine halbe Stunde vor dem Einschlafen. Das würde ich mittags und Abends so praktizieren und im Anschluss im abgedunkelten Zimmer. lange Bilderbuch lesen und im Anschluss sich mit viel Nähe verbinden, singen, streicheln und eine Weile tragen. Wenn Sie sitzen bleiben oder sich hinlegen ist die Situation zu nahe an der geliebten Einschlfsituation dran und das Kind ist verwirrt und will das Gewohnte. Das kann auch beim Umhertragen passieren und es wird eine klare Botschaft brauchen, die nicht durch Worte funktionieren wird, sondern durch Handlung. Tragen, Nähe, maximal nochmal ganz kurz stillen aber nicht dabei einschlafen. Mit "Fading" habe ich keine guten Erfahrungen gemacht, da das noch unklarer ist. Der Papa kann es natürlich genauso übernehmen, aber es entbindet nicht die Mama eine neue Beruhigungssprache mit ihrer Tochter zu lernen. Ich erkläre es immer am Beispiel des kleinen Auas. Da können Sie ja bestimmt auch ihre Tochter erreichen, ohne die Brust zur Hilfe zu nehmen. Und so ähnlich brauchen wir das für die Einschlafroutine. Zusätzlich wäre es sinnvoll ein Kuscheltier tagsüber in Tröste- & Beruhigungssituationen mit emotionaler Bedeutung aufzuladen. Das kann dann auch in der Kita helfen, wenn keine Brust zur Verfügung steht und die Erzieherinnen meistens auch nicht tragen können. Zu Papas Vorgehen würde ich noch empfehlen, ziu versuchen das Kind von seiner Verweigerungshaltu ng abzulenken. Man kann ins Bad gehen und. Hände waschen, in die Küche und schauen ob es ne Banane gibt... und weitere Ablenkungsmanöver entwickeln, denn damit könnte man das eskalative Hineinschreien des ersten Anbends, vielleicht vermeiden. Ich wünsche Ihnen alles Gute dabei Herzliche Grüße Daniela Dotzauer
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