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Warum Großstädte

Warum Großstädte

fritzi3

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Ich frage mich schon die ganzen letzten Wochen folgendes: Auf den ersten Blick scheint es einleuchtend, dass die Großstädte bei den Coronazahlen immer oben stehen, weil man da eben enger zusammenlebt, auf den zweiten Blick scheint mir das nicht mehr so eindeutig. Das viel geschmähte "Partyvolk" gibt es ja nicht nur in Großstädten. Auf dem Land wird auch nicht wenig gefeiert, und auf einem Feuerwehrfest oder einer Erstkommunion in Hintertupfing treffen sich auch viele Leute auf engstem Raum. Schulen, Betriebe und Einkaufen dürften in Stadt und Land ähnlich organisiert sein. Warum also diese Unterschiede? Ich habe inzwischen vier mögliche Erklärungen, die ich alle aber nicht so überzeugend halte, dass ich meine, dass einer von ihnen diesen massiven Unterschied ausmacht: 1.) Vielleicht ist der Bewegungsradius in den Städten größer, in dem Sinn, dass man auf den verschiedenen Veranstaltungen und Aktivitäten, die man pro Woche so hat, mehr verschiedene Leute trifft, während man kleineren Dörfern vielleicht sowieso beim Landfrauenbund, beim Kegel und im Chor die gleichen Leute trifft. 2.) Vielleicht liegt es an der großen Zahl von Mehrfamilienhäusern in den Städten, wo man sich durch die Mitbenutzung des Treppenhauses oder des Aufzugs leichter gegenseitig ansteckt. Angesichts der kurzen Zeit im Treppenhaus ist das Ansteckungsrisiko laut RKI ja eher vernachlässigbar, allerdings schnaufen manche ja schon ziemlich, wenn sie ohne Lift in den 4. Stock müssen, und wenn man seinem so schnaufenden Nachbarn dann entgegenkommt, kriegt man im Zweifelsfall vielleicht doch eine größere Dosis ab? 3.) Mehr Bewohner mit Migrationshintergrund und mehr Reiche in den Städten, die durch die Reisen in Risikogebiete das Virus früher und breiter "hereinbringen". Allerdings müsste sich die Entwicklung dann mit ein paar Wochen Zeitdauer doch dann auch in ländlicheren Gebieten fortsetzen, oder? 4.) der in den Städten viel mehr genutzte ÖPNV: Gilt dem RKI zwar nicht als große Ansteckungsquelle, allerdings würde eine Groß-Ansteckung in einem U-Bahn-Waggon ja wohl kaum vom RKI als solche erkannt werden. Erscheint mir noch am ehesten plausibel. Habt ihr noch weitere Erklärungen für den großen Unterschied bei den Zahlen?


Mitglied inaktiv

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Antwort auf Beitrag von fritzi3

Nordwesten von Niedersachsen, keine "Groß" Städte, trotzdem rot. Aber die Feuerwehrfeste und Dorffeten finden zumindest hier nicht statt. Gerade die Feuerwehr ist extrem vorsichtig, um einsatzfähig zu bleiben. Vereinsleben findet hier nur zur Ausübung des Sportes statt, wenn es zulässig ist. Die Städte haben mehr Menschen in geschlossenen Räumen, sonst wären es keine Städte. Gottesdienste statt in der Kirche weil zu klein an andere Orte oder Outdoor. Outdoor haben wir auf dem Lande auch mehr Platz. Die Leute haben Gärten, Feuerschalen und dicke Jacken.


Korya

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In Japan liegt die Urbanisierung bei über 90 Prozent. Alles konzentriert sich in den großen Megastädten, das Land ist leer, die Dörfer tot, die Häuser verfallen (falls jemand wirklich billig ein Häusle auf dem Land haben wollte - kommt nach Japan!) Ergo ist hier Corona hauptsächlich ein Phänomen der Megastädte: Nagoya, Osaka, Tokyo. Ich vermute, es liegt auch an Europa am Austausch: auf dem Dorf (also dem "richtigen" Dorf, nicht Stadtrand Stuttgart) bleiben die Leute unter sich. Es kommen wenig unbekannte vorbei, und wenn, dann nicht täglich und in engem Austausch. Je verpennter ein Ort ist, desto geschützter vor Corona, einfach weil das Risiko von Clustern entsprechend niedrig ist. In der Stadt bist du ja ständig mit anderen Menschen irgendwo hin unterwegs, du triffst ununterbrochen auf dir unbekannte - in der Bahn, beim Bäcker, an der Ampel - die tägliche Durchmischung liegt einfach viel höher. Du hast mehr junge Menschen, die sich in der Regel noch mehr mischen als andere Altersgruppen, die einen festen Tagesablauf und Freundeskreis haben.


kuestenkind68

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Hier sind es aktuell aber gar nicht die Großstädte, die die höchsten Zahlen haben, sondern die etwas kleineren Städte am Rande des Ballungsraumes Ruhrgebiet, wie zB Hagen, Hamm, Remscheid und jetzt auch der Kreis Unna. *Da ist nicht viel mit ÖPNV zB..... Der funktioniert nur in den großen Städten gut... *Mehr Bewohner mit Migrationshintergrund gibt es dort allerdings. Mir kam schon der Gedanke, dass diese Bevölkerungsgruppe einfach nicht gut genug über die Maßnahmen informiert ist, weil die nicht gut genug Deutsch verstehen oder gar keine deutschen Medien nutzen sondern über Satellit ihre Heimatsender verfolgen. Man müsste vermutlich alle Warnungen und Anweisungen in mehreren Sprachen herausgeben, damit könnte man vermutlich mehr Menschen erreichen. *Mehrfamilienhäuser können ein Grund sein, wenn die Nachbarn dauernd zusammensitzen... Aber wenn man in seiner Wohnung ist und normal lebt, sehe ich da kein höheres Risiko. Man könnte vielleicht im Treppenhaus ne Maske tragen, aber sonst? * das Freizeitangebot könnte ein Faktor sein, einfach weil das Angebot riesig ist und sich alles immer weiter vermischt, wenn man viel unterwegs ist. Allerdings ist mein Eindruck, dass auf dem Land genausoviel gefeiert wird im privaten Kreis. Aber da bleiben die Kontakte vermutlich auf eine kleinere Gruppe Leute beschränkt.


IngeA

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Ich denke, wenn auf dem Land gefeiert wird und der Franz positiv ist, ruft der privat rum und informiert die Kumpel, schneller als das jedes Gesundheitsamt hinbekommt. Habe wir in der Art aktuell in einem Ort im Münchner Landkreis. Da hat der Bauamtsleiter mal eben in einer Ad-hoc-Aktion ein Testzentrum aufgebaut, ein Kinderarzt der füher in dem Ort gewohnt hat, hat die Abstriche durchgeführt und alle die irgendwie betroffen sein konnten durchgetestet. Da hatte das Gesundheitsamt gerade mal angefangen die Kontakte nachzuverfolgen... Ebenso bei kleinen Vereinen etc. Wenn man aber in München in den Disco oder Bar zum Feiern geht, weiß man außer bei den Freunden die mit einem zusammen in der Disco waren ja gar nicht, wer noch alles da war. Da müssen die Kontakte dann erst mühsam über die Gästelisten herausgefunden werden und das dauert..... LG Inge


fritzi3

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Antwort auf Beitrag von IngeA

Dass die schnellere persönlichere Reaktion auf dem Land eine Rolle spielt, erscheint mir plausibel. Manchmal sind die überschaubareren Strukturen doch von unschätzbarem Vorteil.


Silvia3

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Ich denke das hat auch mit der Anonymität von Großstädten zu tun. Regelverstöße werden da eher übersehen bzw. toleriert als auf dem Lande. Illegale Clubs oder Tanzveranstaltungen gibt es hier bei uns gar nicht. Dafür stehen die Leute gegenseitig zu sehr unter Beobachtung. Das würde der Dorfsheriff sofort mitbekommen. Hier gibt es noch Scheunen- oder Kellerparties, die Gastgeber halten sich aber an die vorgeschriebenen maximalen Teilnehmerzahlen. Darüber hinaus steht auch mehr Platz zur Verfügung, man hängt auch auf einer Party oder Feier nicht so eng aufeinander, einfach weil hier Häuser/Keller/Garagen größer sind. Jugendliche feiern auch viel in Scheunen. Da zieht es eh an allen Ecken und Enden, für Durchlüftung ist immer gesorgt. Großhochzeiten haben wir hier nicht, da es bei uns kaum türkischstämmige Migranten gibt. Die paar, die hier leben, sind aufgrund ihrer geringen Zahl soweit integriert, dass sie sich an die Spielregeln halten. Silvia


Loretta1

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Hallo, ich finde nicht, dass hier auf dem Land "viel gefeiert wird". Im Gegenteil ! Sind doch alle Feste abgesagt, bzw. gar nicht erst angesagt worden - mag doch kein Verein jetzt veranstalten. Auch die Sportvereine etc. laufen hier erst langsam wieder an, manche sind noch in der Corona-Pause. Wenn ich unsere Familie ansehe: es hat sich um mehr als 50% reduziert, was wir und die Kinder sonst in normalen Zeiten gemacht haben. Kein Verein derzeit, nur eine Reitstunde pro Woche - weil sonst auch nichts angeboten wird. Essen gehen, private Feiern - da bin ich lange nicht mehr gewesen. Und hab auch keine große Lust dazu... Größte, gefährlichste Kontakte derzeit: die Arbeit, da geht es eigentlich zu wie immer sonst auch... Schule sehe ich auch nicht als gefährlich an, deren Hygienekonzept ist unglaublich gut. Lg, Lore


Ellert

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Ich glaube nicht dass Bewohner mit Mogrationshintergrund weniger gut informiert sind sie leben aber eben manchmal eher nach eigenen Regeln feiern große Hochzeiten weil es der Höhepunkt an sich ist. Die freien Kirchengemeinden machen Ihre großen Gottesdienste auch mit hinterher Küsschen hin und her die heimlichen Großpartys sind auch eher in Großstädten. ich glaube nicht dass die Ausbrüche mit "haben wir nicht gewusst" in verbindung zu bringen sind nach einem halbenJahr weiss das wirklich jeder nur hat es viele die sich einen feuchten Mist um andere scheren und die halt keine Rücksicht nehmen, weil alles nicht so schlimm ist alles sie selbst sicher nicht schlimm treffen wird alles gelogen... Reisende verteilen das weit weniger, alle Reisenden die ich kenne leben beim Reisen vorsichtig wie zu Hause


Mitglied inaktiv

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Antwort auf Beitrag von Ellert

"Reisende verteilen das weit weniger" Viele Reisende wurden ja auch bei der Wiedereinreise getestet und waren dann bei positivem Ergebnis unter Quarantäne. So hat man zumindest schon mal einen Teil erfasst. Bei einem Großevent (hier in der größeren Umgebung gab es bei Lahr, das ist eher eine Kleinstadt, eine große kurdische Hochzeit mit Coronafolgen) wird ja erst getestet, unter Quarantäne gestellt und kontaktverfolgt, wenn Leute symptomatisch werden. Und dann dauert es, bis alle Kontakte nachverfolgt sind. Es ist vor allem diese Verzögerung, die problematisch ist, weil Sars CoV 2 doch recht infektiös ist. Bis man alle erfasst hat, haben die schon einen Teil ihres Lebensumfelds angesteckt. Heute in der PK war schon auch wieder von den Feiern die Rede. Und ich finde auch nicht, dass das - zumindest, wenn es von Behördenseite geäußert wird - primär eine Schuldzuweisung ist. Aber man muss ja Ursachenforschung betreiben, genau wie bei den Reiserückkehrern auch. Hundertprozentig ist das nie, aber wenn man zum Beispiel jetzt die meisten Infizierten plötzlich in der Alterskohorte der 20-30jährigen und 30-40jährigen hat, dann gibt es dafür ja Gründe. Und diese Altersgruppe korreliert nun mal statistisch mit den Partypeople, auch wenn natürlich nicht jeder 20-40jährige illegale Ravepartys feiert. Viele in dieser Altersgruppe leben aber in Großstädten auch in WGs und haben häufiger wechselnde soziale Kontakte.


fritzi3

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Das war auch die Idee meines Mannes: dass die Alters- und Haushaltsstruktur in (Groß-)Städten wesentlich dazu beitragen spielen könnte, dass dort die Zahlen meist am höchsten sind. Das müssen vielleicht gar nicht nur die WG- Bewohner sein. Auch die Ein-Personen-Haushalt-Singles dieser Altersgruppe dürften - lebensphasenbedingt - im Schnitt pro Woche wahrscheinlich wesentlich mehr verschiedene Kontakte als der deutsche Durchschnittsbürger haben.


Ellert

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Ich denke halt auch dass in der Ortenau der Grenzverkehr dazukommt oder dürfen die Fraosen nicht zum Einkaufen rüber ? ich hab mir die Zahlen vorher angeschaut weil auch Goldlocke wegen Europapark fragte sie riesig ist der Landkreis nicht, da fallen die Infizierten schon ins Gewicht wenn da ne Hochzeit streut In meinen Augen gehört dringend eine Höchstgrenze für Feiern her zu appellieren hilft ja nicht wie man sieht und das ist nicht Dummheit das sind kulturelle Unterschiede die da sind dann muss man es halt verbieten. In meinem Bundesland hier war alles über 75 verboten auf Hochzeiten etc ich frag mich warum 10 km daneben Berlin die 10-fache Grenze hatte. Mich ärgert es einfach, dannmachen Schulenw ieder zu, meinebekam gerade ne Mail , Uni jetzt zu 100% online, auchbei den Erstsemsetern Pendler aus Berlin dürfen nichtmehr aufs Gelände, da sind auch einige Professoren dabei Die sind sicher kein Partyvolk... dagmar


Mitglied inaktiv

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Antwort auf Beitrag von fritzi3

Du kriegst von mir übrigens noch ne PN, bin nur noch nicht dazu gekommen...


kuestenkind68

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Antwort auf Beitrag von Ellert

In unserer Region ist der Anstieg deutlich auf mehrere Groß-Hochzeiten zurückzuführen. Die Reiserückkehrer nach den Sommerferien haben nicht zu solchen Zahlen geführt.... Trotzdem werden zuerst wieder die Schulen eingeschränkt, Feiern sind hier absurderweise immer noch mit 50 Personen erlaubt. Ich kann das nciht verstehen...


Felica

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Antwort auf Beitrag von Ellert

Nützt doch nichts. Hier war die Höchstgrenze 150, trotzdem waren deutlich mehr da. oder die kommen den ganzen Tag kleckerweise. Dann gehen da mehrere hundert durch, zu keinem Zeitpunkt sind es aber mehr als 150. Wäre dann auch erlaubt. In Bielefeld war der eine Ausbruch mit mehreren hundert in Quarantäne übrigens auf eine Feier zurück zu führen wo es nur 30 Leute waren. Es waren aber eben die richtigen 30, alle mit Kindern in irgendwelchen Einrichtungen oder Schulen. Schön verteilt. 30 ist keine Massenveranstaltung. Wir wären in den engen Familie, also wirklich nur alle Großeltern, alle Kinder, alle Ehepartner, alle Enkel schon fast bei der Zahl. Da darunter auch Lehrer und Erzieher in der Familie sind, hätte das fatale Auswirkungen. Alle sind in verschiedenen Einrichtungen und Schulen. Ein ganzer Teil der anderen in sensiblen Bereichen wo eine Infektion auch richtig übel ausgehen könnte. Da rede ich jetzt nur von den Arbeitskontakten.


Felica

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Antwort auf Beitrag von kuestenkind68

Und wo haben sich die Feiernden vorher angesteckt? Den irgendwo haben die, welche es in die Familienfeiern getragen haben, ja her. Das sind dann fast immer nämlich Reiserückkehrer welche durchgerutscht sind.


ImvPP

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Antwort auf Beitrag von Felica

Eine Höchstgrenze bewirkt schon bei einigen, dass sie sich auch dran halten (hofft man). Und auch insgesamt 100 in Gruppen von 25 Personen verringert ja das Risiko der Ansteckung - da man ja nicht direkt selbst nach Kontakt einer infektiösen Person auch infektiös ist. Ungünstig ist es, wenn zB das Brautpaar infektiös ist oder die infektiöse Person in der ersten Gruppe Gäste und keinerlei Luftaustausch stattfindet. 100 % Schutz bietet natürlich diese Maßnahme nicht, Risikominimierung aber schon - wie bei den meisten Maßnahmen.