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Neue Wege einschlagen...?!

Neue Wege einschlagen...?!

wunderling

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Hallo, Das ist mein erster Beitrag hier. Zunächst möchte ich sagen, wir halten uns an alle Auflagen und mein Mann sowie ich auch kommen aus dem medizinischen Bereich. Wir reden sehr viel darüber, wie das Ganze hier weitergehen soll/kann. Denn für immer sind diese Beschränkungen nicht tragbar und sind wir ehrlich, wie lassen sich die Zahlen sonst klein halten? Bund und Länder haben so viel Geld in die Hand genommen, wäre es nicht sinnvoll gewesen Pflegepersonal und Ärzte die aus vielfachen Gründen aktuell nicht tätig sind mit Geld zu „locken“ und so dafür zu sorgen bestmöglich aufgestellt zu sein? Alle fürchten den totalen Kollaps der Krankenhäuser, aber hätten wir genügend Personal wäre das nicht der Fall. Genügend Betten und Beatmungsgeräte existieren, nur sind nicht genug Menschen da, die sie nutzen könnten. Also wäre der Kollaps ausgeschlossen, könnte man dann die Menschen selbstverantwortlich sich selbst überlassen? Jeder entscheidet für sich selbst, wie er sich mit anderen trifft oder wo. Denn bei allen anderen Krankheiten schützt uns ja auch keine Politik vor Tod. Das ist natürlich nur ein Gedankenspiel, aber darüber spricht man nicht. Ist es zu unrealistisch oder ethisch nicht vertretbar? Bin gespannt auf andere Meinungen und Ideen und hoffe auf keine bissigen Kommentare, denn mir ist der Ernst der Lage bewusst und ich musste selbst erfahren wie der Virus ist.


Jana287

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Antwort auf Beitrag von wunderling

Dein Beitrag liest sich nicht wie von jemandem, der aus dem medizinischen Bereich kommt. Es ist sehr wohl auch die Technik und die Betten limitiert, es ist nicht nur das Personal der begrenzende Faktor, insbesondere bei exponentiellem Wachstum, Stichwort hochansteckende Mutation. Ich halte also Deine Grundaussage für falsch und daher den Rest Deines Gedankenspiels für unrealistisch.


wunderling

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Antwort auf Beitrag von Jana287

Warum liest er sich nicht so? Auch wenn man selbst Arzt/Ärztin ist, darf man sich Gedanken zu anderen Szenarien als dem jetzigen machen, denn ehrlicherweise ist das ja keine Dauerlösung. In den Krankenhäusern ist außerhalb Corona und Entbindung gähnende Leere (in meiner Region). Menschen trauen sich selbst mit Schlaganfällen nicht in die Notaufnahme und wenn sie irgendwann kommen, ist es häufig zu spät. Das scheint mir auch nicht fair. Zunächst wissen wir nur, dass die aktuellen Mutation ansteckender sind, nicht aber ob sie tödlicher sind. Aber dazu gibt es nur Vermutungen und nichts Handfestes. Natürlich kann ich nur für unsere Region sprechen und die weitere Umgebung. Hier gibt es viele Möglichkeiten, wenn man nur Personal hätte. Aber wie schon erwähnt, es ist ein Gedankenspiel und auch die Frage danach was man anderes machen könnte. Denn ich sehe abnehmende Zustimmung der Maßnahmen und mehr Zweifel trotz höherer Zahlen. Und ein Ende der Maßnahmen ist ja eher nicht in Sicht.


Ellert

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Antwort auf Beitrag von wunderling

Hat keine leeren Betten die Intensivpatienten mit Corona sind weniger als die ohne aber deren Zahl mit ist leider sehr hoch. Noch sind Notkapazitäten vorhanden, leider versterben aktuell viele und machen dann wieder Betten für neue Patienten frei. Dass Menschen sich nicht in die Klinik und zum Arzt wagen ist ein riesen Problem und da müsste man ebenso "Werbung machen" wie fürs Impfen aber auch nicht leugnen dass für weniger dramatische Dinge gerade wenig Raum ist. Ein Bekannter über Ecken ist auch mit Verdacht auf Schlaganfall in der Klinik gelegen, Doppelzimmer, der Nachbar entwickelte dann Corona ( sprich beim Einlieferung war Test negativ, danach leider positiv) , Bekannter hat sich angesteckt aber hat man erst daheim bemerkt ( anfangs schlagen ja die Tests nicht an) dann wieder Klinik und Intensiv, ich hoffe der packt es. Dennoch war es sicher wichtig das mit dem Schlaganfall abklären zu lassen, böse Menschen würden jetzt sagen wärst Du daheim geblieben wärst Du noch gesund - weiss man leider vorher nie. Ist denn jetzt der Trend zu Hausgeburten oder mehr ambulanten Geburten ? Frei nach dem Motto man steckt sich in der Klinik doch eh nur an ?


wunderling

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Antwort auf Beitrag von Ellert

Ich musste am Ende schmunzeln, tatsächlich haben wir uns letzten Juni für eine Hausgeburt entschieden, wegen Corona und der Situation im Kreißsaal. :D Hoffe euer Bekannter schafft es!!


Ellert

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Antwort auf Beitrag von wunderling

huhu ich finde den Ansatz nicht doof zu sagen man nimmt Geld in die Hand und lockt somit Kräfte allerdings nur wenn es auch die bereits eingestellten bekommen alles andere wäre höchst ungerecht. In meinem beruflichen Umfeld gibt es immer wieder Fälle bereits Berentete zurückzuholen und am Ende des Monats haben diese mehr raus als die die noch regulär in Arbeit sind, den Unmut kannst Du Dir vorstellen. Und - das Geld muss erstmal vorhanden sein ! Den Ansatz jeden sich treffen zu lassen kannst Du selbst ad absurdum führen ausser Du schaffst all denen einen geschützten Raum in dem sie sich bewegen ähnlich einer Glaskugel um niemand anders zu gefährden. Und Ihnen einen Stempel aufdrücken - bei Gefahr nicht behandeln - war leichtsinnig. Meinst DU sowas klappt im echten Leben ?


Meyla

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Antwort auf Beitrag von wunderling

Die Idee finde ich gut. Mit mehr Personal wäre die Arbeit auch wieder schön..... so wie sie derzeit ist kehre ich ihr bewusst den Rücken zu (= eine Schwester weniger). Invasion Beatmungen habe ich zwar zuletzt 2017 durchgeführt und nur mit Unterstützung der erfahrenen Kollegen, ist aber grundsätzlich kein Neuland. Mit dem nötigen Kollegium und ein paar Euro mehr würde ich es gerne wieder versuchen. Aber so wie es jetzt läuft? Never. Habe zu große Angst mich zu infizieren und meine Familie krank zu machen (Geiz sei dank). Hier wurde grade erst wieder eine ganze Klinik abgeriegelt. Zu viele erkrankte Angestellte und Patienten .... Nee nee. Ohne mich. Kann sich klein Jens für das Ersparte noch ne schöne Villa kaufen, ich gönn ihm das mal.


wunderling

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Antwort auf Beitrag von Meyla

Ja so geht es mir selbst eben auch, da kam mir eben der Gedanke, würde man dafür mehr Geld springen lassen gäbe es sicher mehr Menschen wie uns. Ich kenne viele die der Pflege den Rücken gekehrt haben, obwohl sie den Job lieben.


Finale

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Antwort auf Beitrag von wunderling

Das Problem, das ich immer sehe, ist dass man bei ansteckenden Krankheiten mit seinem Verhalten immer für andere mitentscheidet. Du hast natürlich Recht, dass das die Politik sonst auch nicht interessiert. Ein großes Problem wäre auch, dass so viele gleichzeitig krank sind und dann gewisse Bereiche nicht mehr aufrecht erhalten werden können. Wenn im medizinischen Bereich genügend Leute da sind aber davon mehr als die Hälfte ausfällt, was dann? Oder bei der Polizei? Ich verwalte die Krankmeldungen und habe schon manche Grippewelle miterlebt, aber so extrem war es noch nie. Fast alle waren nicht schwer erkrankt aber doch oft 3 Wochen zuhause. Wie kann man das auffangen?


wunderling

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Antwort auf Beitrag von Finale

Da hast du Recht. War auch wie gesagt ein Gedanke und keine ausgereifte Idee. :D Ich frag mich einfach nur wie es wohl weitergehen wird.


SybilleN

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Ich verstehe sehr gut, was du meinst. Man hat Jahre lang Bildung, Pflege und Gesundheit kaputt gespart und setzt auch jetzt das Geld wieder an ganz anderer Stelle ein. So schnell bekommt man auch mit besserer Bezahlung kein Personal. Man könnte vielleicht die halten, die sonst abwandern (würden). Ganz ohne LD käme man momentan nicht aus. Der zweite Punkt: Es ist leider immer noch ein großes gesellschaftliches Tabu, dass Menschen auch sterben wollen können oder können wollen. Nicht jeder will um allen Preis überleben. Ich gehöre dazu, habe deshalb eine Patientenverfügung und Vollmacht. Ich kenne viele Menschen, die ähnlich denken, aber noch mehr, die sagen: "Wie kannst du nur!" Indem man die Covid19 Patienten vorzieht, triagiert man doch auch! Andere bekommen keine OP, keine Therapie und sterben dann daran. Darüber darf man nicht sprechen?! Ich denke, wir brauchen da eine größere gesellschaftliche Diskussion.


wunderling

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Antwort auf Beitrag von SybilleN

Das Thema wollte ich hier garnicht anschneiden. Hier wird aktuell keine Verfügung beachtet, wenn jemand Corona hat. Aber schon immer wurde triagiert...eine 86 jährige mit Schlaganfall, die dann nur noch an Maschinen leben würde legt auch keiner mehr auf ITS, aber eine 86 jährige mit Voerkrankungen und Corona eben schon. Aber die breite Bevölkerung sieht eben auch nicht was in Krankenhäusern sonst so passiert.


Ellert

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Antwort auf Beitrag von wunderling

Wenn Frau Müller mit 86 eine Patientenverfügung hat und will nicht beatmet wird sie zwangsbeatmet nur weil sie Corona hat ?


wunderling

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Antwort auf Beitrag von Ellert

Tatsächlich ja! Wobei man ehrlicherweise sagen muss, dass diese Verfügungen oft so formuliert sind, dass sie viel Spielraum lassen. Auch in Zeiten vor Corona. In einem Pflegeheim hier, musste die Oma meines Schwagers dafür kämpfen NICHT ins Krankenhaus gebracht zu werden, falls sie positiv ist.


Finale

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Antwort auf Beitrag von SybilleN

Ich will auf keinen Fall, dass ich oder jemand aus meiner Familie stirbt, weil kein Beatmungsgeraet frei ist oder kein Rettungswagen kommt. Wir sind alle keine dahinsichenden Schwerstkranke. Wahrscheinlich haetten mein nicht vorerkrankter 70-jähriger Vater wenn alles aus dem Ruder läuft das Nachsehen gegenüber jüngeren Leuten. Er hat aber definitiv noch nicht mit dem Leben abgeschlossen und hat auch keine Todessehnsucht, er will, wenn der ganze Mist vorbei ist, endlich wieder reisen. Du schreibst "Indem man die Covid19 Patienten vorzieht, triagiert man doch auch! Andere bekommen keine OP, keine Therapie und sterben dann daran" Damit ist alles gesagt. Wenn es zu viele Corona Kranke gibt, funktioniert nichts mehr und Menschen sterben an banalen Sachen, die man eigentlich behandeln könnte. Oder willst du Corona Kranke nicht mehr behandeln und einfach zuhause ersticken lassen?


SybilleN

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Antwort auf Beitrag von Finale

Falsch! Da hast du mich falsch verstanden. Ich will weder, dass jemand ersticken muss ( da durfte ich meiner Oma bei zusehen und das war nicht schön!), noch dass irgendwer anders sterben muss, weil Plätze mit Leuten belegt sind, die eigentlich gar nicht mehr behandelt werden wollten. Und vor allem will ich, dass nicht so getan wird, als werde nie triagiert. Man nennt es nur anders.


SybilleN

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Antwort auf Beitrag von wunderling

Ich weiß nicht, wie die Situation da aktuell ist. Aber wir haben es in der Familie auch schon sehr dramatisch und mit Auswirkungen auf uns alle inkl.der Kinder erlebt, dass korrekt geschriebene Patientenverfügungen nicht akzeptiert wurden.


Ellert

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Antwort auf Beitrag von SybilleN

Menschen zu behandeln die es nicht wollen sollte man nicht machen man sollte den Willen akzeptieren ob er nun Corona hat oder Krebs oder was auch immer


SybilleN

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Antwort auf Beitrag von Ellert

Stimmt.


Mitglied inaktiv

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Antwort auf Beitrag von wunderling

Ich sehe das Problem darin, dass ca. 30% der Menschen, die intensivmedizinisch behandelt werden müssen, sterben. Und viele tragen nach intensivmedizinischer Behandlung Langzeitfolgen davon. Von daher ist es aus meiner Sicht besser, die Zahlen insgesamt zu reduzieren, damit gar nicht so viele Menschen intensivmedizinisch behandelt werden müssen, anstatt die Zahl der Intensivbetten zu erhöhen.


memory

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Hier unterschreibe ich . Jeder der solche Patienten auf der ITS gesehen hat, sagt sich ..." ich pass lieber 3x auf , denn niemals will ich dort und so enden"...anstatt..."ach was soll,s , da sind ja noch 2 freie Betten und ne freie ECMO "....NIEMAND! ( mit Verstand)


wunderling

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Antwort auf Beitrag von memory

Ja, das verstehe ich voll und ganz. Aber wann ist der Punkt an dem man abwägen muss...wie lange kann man solche Maßnahmen mit Zustimmung halten? Da wäre mir wohler,es würde sich um mehr Personal bemüht, dass dann auch eine Versorgung gewährleistet in (noch) schlechteren Zeiten.


memory

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Antwort auf Beitrag von wunderling

Natürlich wäre mehr Personal in dem Bereich ( schon lange) wünschenswert . Aber ich würde auch bei der besten Versorgung in Sachen Fettleber oder AIDS niemals dazu raten , ab nun unbeschwert und ungeschützt zu poppen und saufen. Genauso empfinde ich , kann eine gute Versorgung auf der ITS kein Kriterium sein , für " wir lassen es laufen , die die es dann schlimm erwischt, sterben wenigstens gut versorgt "!


Monroe

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Antwort auf Beitrag von wunderling

Ich finde den Gedanken toll und er wäre sicher umsetzbar gewesen. Genau wie ganz ganz viele andere Ideen, die hier schon so zusammenkamen.


Muts

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Antwort auf Beitrag von wunderling

Ich frage mich, ob Personal ,dass aus welchen Gründen auch immer derzeit nicht in den Berufen arbeitet, in der Lage wäre, da wirklich Entlastung zu bringen. Man ist nicht so von jetzt auf Nachher in der Lage, in der Intensivstation zu arbeiten. Was ich selbst aber nicht verstehe, warum man für die Impfzentren nur medizinisches Personal sucht. Könnten da nicht z.B. Menschen arbeiten, die mit administrativen Aufgaben vertraut sind- und jetzt in Kuzrarbeit sind. ( Hotelangestellte von Rezeptionen....) Die würden es doch auch schaffen, Daten auf zu nehmen, Impfpässe zu stempeln oder Menschen in den Wartebereichen zu begleiten. Es wäre uns schon viel geholfen, wenn Menschen sich im Privatbereich an Kontaktbeschränkungen halten würden......


wunderling

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Antwort auf Beitrag von Muts

Natürlich kann nicht jeder gleich auf ITS anfangen, aber ich kenne einige die noch nicht so lange raus sind. Ich bin in Elternzeit und bei einem guten Angebot hätte ich Tageweise sicher ausgeholfen. Stattdessen lockt man Ärzte für mega Stundenlöhne in Impfzentren ohne Impfdosen


cube

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Antwort auf Beitrag von wunderling

Wer gerade in EZ ist, wird einfach nicht können. Wer sich beruflich umorientiert hat, wird das nicht nur aus Geldgründen getan haben - wird also im Umkehrschluss auch nicht wegen mehr Geld plötzlich wieder zurück kommen wollen. Ich frage mich halt, wieviele Pflegekräfte das überhaupt nur sein könnten, die man mit Geld locken könnte?


Sabri

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Antwort auf Beitrag von wunderling

Wo soll das medizinische Personal denn herkommen? Ich denke nicht, dass sich das mit Geld anlocken lässt. Im Schulbereich fehlt auch Personal. Und es ist nicht so einfach, welches anzulocken. Entweder sind Lehrkräfte in Elternzeit oder arbeiten wegen Kinderbetreuung reduziert und diese Gruppe wird gerade zur Zeit kaum Kapazitäten haben, ihre Arbeitszeit aufzustocken. Der Versuch, Menschen im Ruhestand zu gewinnen, funktioniert in der Corona-Situation auch nur begrenzt. Fachfremdes Personal ist in der Schule schon schwierig, im OP möchte ich noch weniger fachfremd behandelt werden. Es bleibt einzig die Anordnung von Mehrarbeit, was insbesondere bei der Gruppe, die zur Zeit durch Kinderbetreuung eh schon belastet ist, zu Kündigungen führen wird.


Babsi2

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Antwort auf Beitrag von wunderling

Ich denke, das Problem ist, dass Du die Kapazitäten mit viel Aufwand zwar erhöhen könntest, aber Dir das bei einem exponentiellen Wachstum, z.B. bedingt durch die englische Variante, auch nichts mehr nützt. Dann bist Du ganz schnell in der gleichen Situation, dass die Kapazitäten auch nicht reichen. Gleiche Situation nur auf höherem Niveau und zeitlich etwas verzögert.


luna8

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Antwort auf Beitrag von wunderling

Ja, du hast nicht Unrecht, aber das Problem gab es schon vorher - nämlich die schlechten Arbeitsbedingungen. Das ist aber etwas Langfristiges, und derzeit brauchen wir Sofort - Lösungen. Wenn der ganze Sch.. vorbei ist, dann interessiert sich wahrscheinlich ( wieder) kaum jmd dafür. Leider! Aber nochmal ja, es geht nur über s Geld.


Loretta1

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Antwort auf Beitrag von luna8

... zuerst hoch motiviert, mithelfen zu können. Die rosarote Brille auf. Nichts mit höherer Lohnklasse, ganz normaler Lohn.. ... die Wochen und Monate vergehen.... die Realität ist längst angekommen... ... ich fühle mich täglich überfordert, ich schaffe meine Arbeit nicht..... die Arbeitsdichte ist so hoch.. man fängt an, wird unterbrochen, arbeitet weiter, wird unterbrochen, hat noch dies und das zu erledigen.... es klingelt, man arbeitet und arbeitet, wird unterbrochen... hat noch dies und das zu tun... 18 Patienten pro Schicht zu versorgen, davon 12 die nicht alleine aus dem Bett aufstehen können, also großen pflegerischen Bedarf haben... und auch die anderen sind alle "krank", sonst wären sie ja nicht hier.... wir rennen und rennen durch den Flur in die Zimmer... ich könnte heulen, weil ich meiner Arbeit nicht gerecht werde. Habe das Gefühl ohne Pause zu arbeiten (Pause mache ich ganz, ganz selten wirklich mal) und trotzdem nicht mal die Hälfte zu schaffen - und das auch nicht ordentlich genug. Ich habe meinen mir anvertrauten Patienten gegenüber ein schlechtes Gewissen. Weil ich einmal gelernt habe, wie es gut geht, wie man es macht. Und selbst auch ein Mensch bin und weiß, wie man behandelt werden möchte. Und ich mag andere Menschen und kann sie nur menschlich betrachten, es sind keine "gefühllosen Maschinen". Ich bin täglich unzufrieden... .. Somit ist dieser Wiedereinstieg leider gescheitert - auf längere Zeit halte ich nicht durch. Ich mag auch gar nicht noch schneller, unordentlicher, arbeiten. Bei der Arbeit sind der Kopf und die Hände gleichermaßen 100% immer am Arbeiten - 100% konzentriert ! Nach acht Stunden bin ich fertig... Leider nicht mehr der Job, den ich mal gelernt habe.... und ich kann auch keinem Berufsanfänger empfehlen, es zu lernen - und genauso wenig einer Mama oder anderer Wiedereinsteigerin es empfehlen... ihr macht euch kaputt, die Familie merkt euren Stress und eure Unzufriedenheit, denn das nimmt man leider doch mit nach Hause... Eine Schwester weniger demnächst... Lg, Lore


Nina677

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Antwort auf Beitrag von wunderling

Hallo, ich finde deine / eure Gedanken keineswegs abwegig, im Gegenteil! Wir haben im Freundes-/ Arbeitskollegenkreis (ich komme auch aus der Medizin) auch schon darüber diskutiert. Jahrelang hat man die Pflege und Krankenhäuser kaputt gespart, die wenigsten Medizinstudenten wollen später mal in die Allgemeinmedizin, weil es sich mit einer Hausarztpraxis aufm Land wirtschaftlich einfach nicht rechnet, ich selbst habe zu "Spitzenzeiten" für 4,50 Euro / Stunde (selbstverständlich ohne Schichtzulage) nebenbei im Rettungsdienst gearbeitet ... Und jetzt? Merkt man auf einmal, wie "systemrelevant" plötzlich alle sind?! Jetzt steht man auf den Balkonen und klatscht dem Personal (natürlich ist das eine tolle Form der Anerkennung, keine Frage und der Normalbürger kann ja auch nichts für die marode Krankenhauspolitik) und von den versprochenen Sonderzulagen ist vielerorts nichts angekommen, gar nichts. Das ist einfach nur beschämend. Fast alle aus meinem Freundes/Arbeitskollegenkreis haben ihre Jobs aus "Berufung" gewählt, aber viele orientieren sich mittlerweile auch um, Freundinnen, die in Elternzeit waren / sind, gehen später nicht wieder zurück. Ich weiß nicht, wieviel mehr Geld man bieten müsste, um die Berufe wieder schmackhaft zu machen. Die Bezahlung ist ja das eine, die Arbeits- und Schichtzeiten das andere. Es hakt an vielen Ecken und Enden... Ob es ethisch vertretbar wäre, die Menschen in einer Pandemie einfach "laufen zu lassen", weiß ich nicht. Aber ja natürlich, wenn es genügend Betten, Geräte und vor allen Dingen auch Personal geben würde, dann könnte man tatsächlich sagen "Schaut her Leute, das kann das Virus mit Euch anstellen, ihr seid alt und erwachsen genug selbst zu überlegen, ob es euch das wert ist - viel Spaß bei Ausprobieren" ... Wie du sagst, bei allen anderen Erkrankungen gibt es Hinweise und Ratschläge, aber schlußendlich muss der Mensch selbst entscheiden... Ich habe mal ein Interview eines schweizer Gesundheitsökonoms gelesen der gesagt hat, jeder, der das Virus leugnet oder verharmlost sollte im Falle eines Falles den Anspruch auf ein Intensivbett verwehren. Fand ich auch einen spannenden Ansatz, wohlwissentlich, dass das schwer zu kontrollieren und schon gar nicht umzusetzen ist. Viele Grüße


wunderling

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Antwort auf Beitrag von Nina677

Schwieriges Thema...aber mir hilft es einfach nicht alles hinzunehmen und darüber nachzudenken. Ich bin auch einfach wütend auf die Politik. Das Gesundheitssystem erst tot sparen und dann nichts als nette/dankende leere Worte. Eine Frau Merkel oder ein Herr Spahn haben doch keinen blassen Schimmer was Pflegekräfte und Ärzte jeden Tag (auch vor Corona) leisten, diese Worte fühlen sich dann an wie ne extra Backpfeife oben drauf! Geld ist nicht alles, aber ein Anfang und wenn dadurch mehr Leute zurückkommen, dann würde es irgendwann besser werden. Ich denke nichtmal ans Grundgehalt, denn das ist zumindest in tariflich geregelten Verträgen für einen Ausbildungsberuf nicht schlecht. Aber bei den Dienstzeiten und vorallem Zuschlägen für Nächte/Feiertage etc sind echt ein Witz! Liebe Grüße an dich :)


Nina677

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Antwort auf Beitrag von wunderling

Ich verstehe dich vollkommen und es tut gut, verschiedene Wege zu diskutieren, auch wenn man persönlich leider nichts dran ändern kann. Das schlimme ist ja nicht nur, dass weder Frau Merkel noch Herr Spahn wissen, was Ärzte und Pflegepersonal leisten, sondern dass es auch in der Allgemeinbevölkerung kaum jemanden interessiert. Krankenschwester? Das sind doch diejenigen, die die Nachtöpfe ausleeren und Ärzte? Ja mei, die bekommen halt viel Geld und sind die Götter in Weiß. Rettungsdienst? Ach so, du meinst, die Krankenwagenfahrer... ich könnt mich totärgern bei solchem Dummgeschwafel. Aber genau die Leute sind es auch, die bis heute nicht kapiert haben, dass all die Maßnahmen vorrangig dazu dienen, das Gesundheitssystem vorm Kollaps zu bewahren. Mussten nicht schon die ersten Krankenhäuser triagieren? Weil sie eben nicht mehr wussten, wer jetzt das letzte ITS Bett bekommen sollte? Ich habe eine Kollegin, die eigentlich "Karriere" im Krankenhaus machen wollte... dies war aber mit dem Familienwunsch nicht kompatibel, also hat sie in die Pharmabranche gewechselt. Bekommt doppelt soviel Gehalt wie als Oberärztin, bei einer vergleichsweisen entspannten 37,5 Stunden-Woche, Gleitzeit, Homeoffice, schöne Betriebsrente, etc. Manchmal ist sie traurig über ihre berufliche Situation, sie sagt selbst, dass sie sich nicht so lange durch Studium "gequält" hat um heute nur mit Papier zu arbeiten, aber das kommt dabei raus, wenn man die Menschen in den Kliniken so derart verheizt, wie es auch schon lange vor Corona passiert ist.