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Fleisch ist das neue Nikotin... ;-)

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Fleisch ist das neue Nikotin... ;-)

Lillimax

All die Fleischskandale und vielleicht jetzt auch die Corona-Ausbreitung in der Fleischverarbeitung zeigen eigentlich deutlich, dass die ganze Fleischindustrie so nicht mehr funktioniert. Es sind alles Warnschüsse - die aber die überzeugten Billigfleischliebhaber nicht hören wollen. Klar hat Corona nicht direkt mit Fleisch zu tun, aber über das Massenzerlegen von Tierkörpern eben indirekt doch. Ich glaube deshalb, es geht bei den ununterbrochenen Problemen in der Fleischherstellung auch ums Aufwachen: Das große Fleischfressen ist von gestern, angesichts dessen, dass Viehhaltung dem Klima schadet, unendliche Ressourcen an Äckern (für Futterpflanzen) verbraucht, ungesund ist und bei Tieren, die weitaus klüger sind als Hunde (nämlich Schweine) absolut nicht vertretbar ist (bei anderen natürlich auch nicht). Das Ding ist doch: Die meisten von uns leben ein Paradox: Sie mögen Tiere, mögen aber auch gern Fleisch und verdrängen deshalb das Leid der Tiere bereitwillig. Probleme bei der Fleischerzeugung - egal welche - sind ALLE Weckrufe: doch mal in den Spiegel zu sehen und zuzugeben, dass Güte, Empathie, Tierliebe sich damit nicht vereinbaren lassen. Vegetarismus ist ja nicht umsonst ein riesiger Trend, dem sich sogar Wursthersteller wie Rügenwalder etc. nicht entziehen können, die inzwischen alle auch Ersatzprodukte herstellen, weil sie nicht mehr drum herumkommen. Billigfleisch wird meiner Meinung nach vom Image her in wenigen Jahrzehnten das neue Nikotin sein. (Übrigens stuft die WHO Wurst bereits jetzt in dieselbe Kategorie krebserregender Stoffe ein wie Nikotin, kein Witz, sondern eine Tatsache). Ich finde, Fleisch darf ruhig sehr teuer werden, dann wird es ein selten gekaufter Genussartikel, und die Tierhaltung wird extensiver und wenigstens etwas (!) weniger leidvoll. LG, Lilly (die sehr gern grillt und genießt, auch ohne Fleisch)


lilly1211

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Ich finde es nur absolut widerlich und schlimm wenn ich diese Bilder sehe. Habe bereits mehrmals gegoogelt was Tonnies herstellt und wo das verkauft wird und hoffe sehr dass ich diesen Irrsinn nicht unterstützt habe. 850 Tonnen pro Tag!!!!! Ekelhaft. Und die armen Tiere! Ich kaufe sehr selten Wurst, einmal im Monat ist schon übertrieben. Immer nur bio. Und Fleisch genauso selten, bei unserem Metzger. Der schlachtet selbst. Höchstens im Restaurant könnte mir sowas mal vorgesetzt worden sein. Igitt!


Mädl81

Antwort auf Beitrag von lilly1211

Naja, wir sind Fleischesser. Mal mehr, mal weniger. Aber ich achte darauf, das ich beim Metzger kaufe, der selber schlachtet. Aber das ist in den letzten fünf Jahren immer schwieriger geworden, einen zu finden, der das tut. Da keiner mehr diesen Beruf lernen will, verschwinden diese Metzgereien. Die örtlichen Metzgereien bei uns, beziehen das ganze Fleisch vom Schlachthof, dann kann ichs auch im Supermarkt kaufen, ist auch nix anderes. Ich finde es furchtbar, und schaue immer, was und wo ich kaufe. Aber ja, ich esse auch 4x im Jahr bei Mc, Nuggets, ich esse auch beim Chinesen net nur Vegetarisch. Ich zahle gern pro Kilo mehr Geld, wenn es den Tieren und dann auch den Arbeitern in der Fleischindustrie besser gehen würde. Jetzt ist der Aufschrei groß, aber sobald der Kunde am Regal steht, wird wieder das billige gekauft. Leider... Aber Hauptsache er kann sagen, mein Haus, mein Auto, mein Pool ectr. Hauptsache das Fleisch ist billig.


Mitglied inaktiv

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Jein. Dass die industrielle Massentierhaltung nicht gut ist, ist wohl recht eindeutig. Allerdings habe ich nach Jahren der Sympathie mit Vegetarismus und Veganismus doch wieder Abstand dazu genommen. Das Krebserregende sind z.B. v.a. die verarbeiteten Wurstwaren und rotes Fleisch in der Veggieszene wird es aber oft über einen Kamm geschoren. Selbiges gilt für Milch, die im Übermaß wachstumsfördernd wirkt und damit auch Krebs fördert. Fermentierte Milchprodukte haben da wieder ganz andere Eigenschaften. Eine gute Übersicht über die Studienlage und solche - auch oft vereinfachendem Journalismus geschuldeten - Verzerrungen bietet Bas Kast in seinem Ernährungskompass. Das ist quasi eine Metastudie zu Ernährungsstudien und hat für mich viele Fragezeichen und Widersprüche aufgeklärt. Solche Beispiele lassen sich viele nennen, die Veggieszene ist da eben auch oft selbstreferentiell und zitiert die eigene Blase. Ebenso gibt es mit dem Anti-Carnismus (gegen die von Dir angesprochene paradoxe Trennung in essbare und liebenswerte Tiere) oder antropomorphen Gedanken (Vermenschlichung von Tieren) auch eigene Philosophien, die teils sehr extrem werden Wenn Massentierhaltung bspw. mit dem Holocaust verglichen wird. Und die grüne Szene entwickelte zuletzt über "natürlich" auch immer mehr Anleihen an "völkisches" Gedankengut. Ebenso wie bei Paleo wird oft von einem Naturzustand ausgegangen, der so in der Anthropologie, der Archäologie oder Geschichtswissenschaft nicht nachweisbar sind. Oder es werden einmalige historische Lebensumstände oder einzelne indigen lebende Gruppen als Naturzustand definiert und alles andere ist nicht relevant. Nun muss man nicht jede gesellschaftliche Gruppe an ihren Extremen messen, aber sie zeigen sehr deutlich die Probleme einer Sichtweise oder Argumentation. Das sind nicht alle Aspekte, die mich dieser Szene wieder entfremdet haben, aber ein paar ausgewählte Beispiele. Wer Tiere und Tierprodukte aus Mitempfinden nicht essen will, kann das natürlich lassen. Aber aufgrund der teils schiefen Prämissen, ist das alles einfach so auch nicht die Antwort. Qualität statt Quantität ist ein guter Ansatz, aber das gilt ja eigentlich für alles, was irgendwie mit Konsum zu tun hat. Wer der Unwelt helfen will, tut halt mit Kartoffeleintopf mit regionalem Gemüse und einem kleinen Mettendchen aus guter Haltung auch mülltechnisch mehr als jemand, der sein eingeschweißtes Sojaschnitzel aus industrieller Produktion mit importierter Avocado aus Südamerika garniert. Nur leider ist es so, dass ja inzwischen der Schaden für die Avocado-Wirtschaft an der Umwelt zwar ohne Verzehr von Avocados noch wohl gut rückgängig gemacht werden könnte, die Menschen, die davon leben, aber dann teilweise massiv leiden. Das hat man mit der Coronakrise im Bereich Billigklamotten gesehen. Die Näher mussten hungern. Das sind alles keine Argumente, es nicht zu versuchen, aber was meine Message ist: Die Lage ist komplexer als es gemeinhin in der Veggie-Szene dargestellt wird.


Berlin!

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Was ist die häufigste Antwort, wenn jemand sagt "Ich bin Vegetarier"? Wir essen auch ganz wenig Fleisch! Ich esse gerne Fleisch. Aber eben selten. Mein Mann ist schon immer Vegetarier gewesen, ich habe auch eine Zeit lang keins Fleisch gegessen. Ab und zu habe ich Appetit drauf, aber eigentlich brauche ich das nicht. Meine Kinder haben auch beide kein Fleisch gegessen, bevor sie in die Kita kamen. Wenn sich jetzt jemand ekelt, weil er von Tönnies gegessen hat, geht mein Mitleid gen Null. Ebenso wie damals, als Pferdefleisch in Lasagne war und sich alle aufgeregt haben. Nicht etwa über Billigfleisch, sondern weil man ja NIIIIE Pferd essen würde, die sind doch so niedlich. Würde Fleisch deuticj teurer werden, ich würde es gar nicht merken. Denn ich kaufe eh nur Bio oder Neuland, das war nie günstig. Wie auch.


Ellert

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Das ist wie mit den Eiern, Bioeier sind teuer, notfalls Freilandeier aber was kaufen die Leute, Bodenhaltung, weil das ja gut ist - Käfig gibt es nichtmehr aber warum verbietet man auch nicht die Bodenhaltung ? Bio Fleisch gibt es zwischenzeitlich überall im Lidl und co ob nun gut oder nicht gut sei dahingestellt aber die Leute kaufen dennoch das deutlich mit 1 auf der Ampel gekennzeichnete Fleisch. Der Verbraucher will das leider so - ich hätte mir gewünscht seit der Ampel stellen sich die Leute um, passiert aber nicht. Wir essen keine Wurst, aber Fleisch zumindest zwei im Haushalt, ich finde es albern chemische Wurst zu kaufen die aussieht wie Wurst aber vegetarisch ist dann doch gleich Käse aufs Brot, der ist noch Käse. Oder Grünkernküchle statt vegetarische Fleischküchle. Wenn ich meinem Mann Bolognese aus Sojahack koche wird mir übel, ich kann das nicht reichen, noch weniger essen, dann lieber ganz ohne Fleisch dagmar


Felica

Antwort auf Beitrag von Ellert

Vegane Wurst und Käse ist ein Hohn. Vor Jahren gab es ein Skandal wegen analogkäse. Aber die Veganer essen es freiwillig. Wir essen auch wenig Wurst und Fleisch. Wenn aber bio. Wie eh fast alles was wir einkaufen bio ist. Oder aus dem eigenen Garten.