Elternforum Coronavirus

Die Sache mit der "Angst"

Die Sache mit der "Angst"

Ludwiga

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Ich würde gerne bei Gelegenheit die Sache mit der "Angst" ansprechen, weil der Begriff hier im Forum so häufig verwendet wird. Was meint ihr. Wird Angst verbreitet oder wird Angst empfunden, weil man mit der Situation nicht umgehen kann? Es soll kein Vorwurf sein sondern ein Denkanstoß. Es steht jemand auf der einen Seite, der die Lage so wie sie ist, darstellt und auf der anderen Seite der Zuhörer, der die Nachricht empfängt. Liegt es an den Tatsachen, die nicht verkraftet werden (können) oder an der Art der Kommunikation? Und wenn ja, wie würdet ihr euch die Kommunikation wünschen? Was sollte verbessert werden? Ich persönlich finde, dass das Gefühl von Angst auch legitim ist und respektiere es bei anderen Menschen. Wir sind erwachsene Menschen und haben dennoch mit einer neuen unvertrauten Situation zu tun. Ist es verwerflich, jemandem vorzuwerfen, da Angst zu empfinden? Da stehen doch die Angst der älteren Menschen vielleicht schwer zu erkranken. Vielleicht die Sorge um die älteren Eltern, Nachbarn. Die Sorge um die wirtschaftlichen Folgen, um die eigene finanzielle Situation. Warum äußert man sich abschätzend über diese Menschen? Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, wie geht man damit um? Wie kann man sich und anderen helfen? Was sind eure Strategien? Mögt ihr darüber berichten? Ich spreche nicht von überschießenden Reaktionen wie z.B. einer Frau in unserer Stadt, die im März oder April, mit einem Elektroschocker durch die Stadt gelaufen ist und auf Menschen, die ihr scheinbar zu nahe kamen, losgegangen ist;-))))))))) Ich selber habe z.B. die Sorge, meine älter werdenden Eltern, die leider sehr weit entfernt wohnen, für längere Zeit nicht sehen zu können. Ihnen ggf. nicht vor Ort behilflich sein zu können. Ich fände es auch wirklich schlimm für meine Kinder, länger von ihren Freunden, von dem normalen Alltag mit all seinen Trubel, abgeschottet werden zu müssen. Die neue Normalität finden wir nach wie vor ungewohnt und auch nicht immer bequem aber wir leben sie so gut es geht aus. Auf ein Bett auf der Intensivstation würde ich übrigens auch verzichten wollen und es keinem Angehörigen wünschen. Ich muss mich jetzt ausklinken, bin später aber gerne dabei. Gruß, L.


cube

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"Wird Angst verbreitet oder wird Angst empfunden, weil man mit der Situation nicht umgehen kann?" So, wie du die Frage formulierst, schließt du dabei aus, dass es berechtigte Angst gibt. Du unterstellst dabei, das ein Angst empfindender Empfänger nur nicht stark (oder klug?) genug ist, mit Fakten umgehen zu können. Ich gehe aber davon aus, dass du das so nicht meinst?


Ludwiga

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Cube, ich unterstelle niemandem nicht klug zu sein. Wieso denn auch? Zum einen bezieht sich meine Frage auf die heutige Reaktion auf die Übertragung der Corona-Konferenz. Dazu wurde ja geantwortet, dass man quasi keine Lust auf die Weltuntergangstimmung und Panikmache der Regierung habe und deswegen abschaltet. Deswegen meine Frage in diesem Kontext, ob die Darstellung tatsächlich so negativ und angsteinflößend ist oder der Zuschauer es unerträglich findet und deshalb als beängstigend empfindet. Das hat nichts mit Dummheit oder Stärke zu tun - finde ich. Aber vielleicht drücke ich mich schlicht unverständlich aus;-) Zum anderen bezieht sich mein Posting auf die hier häufig verwendete Unterstellung, Angst zu haben und Panik zu verbreiten. Das mag in dem einen oder anderen Fall so sein, aber erstens finde ich z.B. die oft super unfreundliche und unsachliche Reaktion/Unverständnis darauf merkwürdig und oft werden die Begriffe (Angst) einfach so dahin geschmissen. Als wäre es völlig verwerflich diese zu empfinden.


Mitglied inaktiv

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also das wort angst gibt es bei mir nicht. denn es ist s ein evolutinärer schutzreflex, den man nicht steuern kann. heißt: decke übern kopf und bibbernd warten auf...ja auf was? ich nenne es respekt haben, da entscheide ich inwieweit mich eine sache triggern kann. und entschieden habe ich mich für die sorge um die menschen um mich herum und dweren miteinander, weniger sorge bereitet mir der mathos um das killervirus...


Mitglied inaktiv

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Ja, die Angst...... Ich persönlich hatte nie Angst vor Cov19, man kann aber sagen, ich habe Respekt davor. Dies allerdings auch vor anderen Krankheiten. So hatte ich 1998 das erste und bisher einzige Mal (toitoitoi) die echte Grippe und lag 3 Wochen nur im Bett. In der Zeit mußte mein Mann sogar einen Toilettenstuhl besorgen, weil ich den Weg vom Gästezimmer bis zur Toilette nicht gepackt habe. 20 kg habe ich damals abgenommen, weil nix drin blieb. Ich stand kurz vor einer Einweisung ins Krankenhaus. Seit es möglich war, lasse ich mich gegen Grippe impfen. Allerdings habe ich auch Angst...... Angst vor einem weiterem Lockdown light, so wie wir ihn schon hatten und die Auswirkung dann auf unsere Wirtschaft. Mein Mann arbeitet jetzt auch seit einigen Wochen in Kurzarbeit. 4 Tage arbeiten, ein Tag Zuhause/Woche. Wir werden jetzt sehen, was für Einbußen wir haben. Meine Tochter ist stärker betroffen, sie arbeitet 2 Tage und hat 3 Tage frei und es wurde von Seiten der Firma bereits angedroht, sollte es so weitergehen und die Aufträge wegbleiben, müssen bis März 200 Leute gehen :( Das wäre jeder Fünfte! Die anderen Kinder haben Glück und arbeiten in Branchen, die sich momentan vor Aufträgen nicht retten können. Aber was bei einem zweiten LD? Wobei der Name Lockdown hier ja falsch ist, wir hatten ja noch keinen richtigen LD. Ich habe das ja im März auch schon geschrieben, daß sich meine Angst/Panik nur auf die finanzielle Lage bezieht. Man kann ja einiges tun, um die Gefahr einer Ansteckung zu minimieren, ohne sich Zuhause unter der Bettdecke zu verkriechen. Aber kann man einem wirtschaftlichen/finanziellen Schaden abwenden? Nicht wirklich. PS: Ich sehe momentan eigentlich nur eine Personengruppe, die wirklich Panik schiebt. Und das sind jene Leute, die den ganzen Tag vor dem PC sitzen und nur darauf warten, bis jemand einen passenden Beitrag schreibt, um dann ihre "Youtube-Weisheiten" an den Mann/an die Frau zu bringen. Sehr beliebte Plattform: Nachrichtenkanäle bei FB/YT/Insta usw


Ludwiga

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Vor Kurzarbeit und der Sorge, die teure Miete nicht mehr aufbringen zu können, standen wir auch. Mein Mann hatte dann das Glück, schnell eine andere Stelle zu finden, aber nach wie vor steht eine gewisse Unsicherheit im Raum. Wie geht es weiter, wo bleiben wir, wie nehmen das die Kinder hin. Da ich im öffentlichen Dienst bis dato immer nur befristete Verträge genießen konnte, versuche ich optimistisch nach vorne zu schauen und maximal flexibel zu bleiben, z.B. ggf. Umzüge und Co. als normal hinzunehmen. Und hier und jetzt zu leben. Das ist meine Art irgendwie damit umzugehen. Das hilft aber nicht, wenn das Geld knapp ist und man auf eine Wende hoffen muss.


Leewja

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insofern kann ich zur Angstverbreitung wirklich nicht all zu viel sagen. Mir fällt im Radio (DLF) auf, dass oft von dem "tödlichen Virus" gesprochen wird oder irgendwie der Eindruck entsteht, man müsse auf jeden Fall vermeiden, dass sich Leute anstecken - das finde ich falsch, denn zum einen ist es kein sehr tödliches Virus, viele überstehen die Erkrankung mit wenig bis keinen Symptomen. Ich bin weiterhin der Meinung, dass wir eine Überlastung des Gesundheitssystems nach Möglichkeit vermieden sollten. Bislang ist das gut gelungen. ich weiß, das manche hier das total bescheuert finden, ich glaube aber, dass eben jene im Falle überlasteter Kliniken und Intensivstationen 1. davon persönlich kaum betroffen wären und 2. es dann doch nicht so geil fänden. Ich persönlich habe, so sehr mir das hier auch schon unterstellt wurde, wenig Angst vor der Infektion an sich. Also, ich MÖCHTE die jetzt auch nicht haben, aber alles spräche dafür, dass ich es verhältnismäßig gut überstehen würde. ich habe wirklich Sorge, dass meine kranken Eltern sich anstecken könnten. Ich hätte vermutlich auch (bewusst irrationale!) Ängste, wenn mein Kind sich anstecken würde, da bin ich eher mal panisch, dass was schlimmes passieren könnte, das wäre aber bei Influenza auch so. Ich bin im Moment oft traurig, weil meine Elternihren Enkel fast gar nicht mehr sehen, auf eigenen Wunsch, aber auch aus meiner Vorsicht heraus. Die beiden haben Angst. Aber er vermisst sie und sie vermissen ihn, er war jedes Wochenende dort, seit er ein Jahr alt ist. Und es macht mich auch traurig, dass ich in näherer Zukunft keine normale Jugend für mein Kind sehe, es ist eine andere Welt, als die, in die ich gedacht hatte, ihn zu gebären. Das trifft aber auch auf die politisch Weltlage und das Klima zu. Da war ich vor 14 Jahren vielleicht blauäugig. Finanziell und beruflich werden wir eher kein Problem bekommen, deshalb kann ich diese Sorgen zwar sehr verstehen, durchlebe sie aber (zumindest absehbar) selber nicht. Sorge und bedenken habe ich weiterhin vor erneuten Schulschließungen und Verlust von Bildung und Chancen für mein Kind. hauptsächlich, merke ich gerade, sorge ich mich eben um die Zukunft meines Kindes und die Gesundheit meiner Eltern. Ist das nun übertriebene Angst und Panik?


Ludwiga

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Das finde ich nicht Leewja, denn wie geschrieben, geht es mir/uns ähnlich.


Caot

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... bin vielleicht ein wenig zu animalisch veranlagt, aber meine einzige Angst ist die Sorge um die Zukunft meiner Kinder. In vielerlei Hinsicht. Aktuell betreffend Bildung (Schule muss wieder schließen) und Ausbildung. Meine Eltern können sich selber schützen und tun das auch konsequent. Da habe ich - aktueller Stand - weder Sorge noch Angst. Diese negativen Pressekonferenzen kann ich nicht mehr sehen. Die erinnern mich an meine Ausbildung. Da war das erste was wir Studenten zu hören bekamen, dass die Hälfte durchfällt und der Rest mindestens mal auf dem Zahnfleisch kriecht. Da kam dann verstört ein gutes Drittel nicht mehr zum nächsten Termin. Die restlichen 2/3 machten alle ihren Abschluss ohne auf dem Zahnfleisch zu gehen.


cube

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Zustimmung


Bonnie

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Ich denke, dass die Sache tiefergeht und nicht nur eine Sache der Kommunikation oder Information ist. Hinter fast jeder Angst steckt in letzter Konsequenz ja eine ganz existentielle Angst, die jeder hat: die Todesangst. Es gibt heute eine große Verdrängung dieses Themas. Im Alltag klappt das normalerweise prima: Kriege gibt‘s nur anderswo, Hunger ebenfalls, und gegen die meisten Krankheiten kann unser tolles Gesundheitssystem etwas tun. Wenn jemand in unserer Umgebung MS bekommt oder an Krebs stirbt, dann bricht die Kruste aus Verdrängung zwar öfters mal auf, wir beruhigen uns aber meistens bald selbst wieder. Naja, und dann kommt eine neue Krankheit, die sich schnell verbreitet, keine Länder- und Standesgrenzen kennt und alt ebenso wie jung hinraffen kann. Unsere schöne Selbstlüge vom sicheren Leben, in dem wir das Meiste kontrollieren oder vermeiden können, funktioniert auf einmal nicht mehr. Der kopflastige Verstand ist hilflos, er kann die existentielle Angst nicht beruhigen. Dabei hat sich eigentlich nicht viel geändert: Nach wie vor sind wir jeden Tag von Unfällen, Krankheit, psychopathischen Menschen bedroht, jeden Tag können wir sterben. Es wird vielen lediglich jetzt das erste Mal bewusst, wie fragil ihr Leben und wie beliebig der Tod ist, der jeden Tag jeden erwischen kann. Die ganzen Abwehrmechanismen (u. a. die Idee, mit dem Verstand und guten Argumenten könne man jedes Problem lösen) und das falsche Gefühl von Sicherheit kriegen Risse. Dazu kommt, dass gerade wir in der westlichen Welt – mit unserer Selbstüberschätzung, unserer Kopflastigkeit, unserem Reichtum und technologischen Vorsprung – es einfach nicht fassen können, dass so ein kleines Virus sich von alledem überhaupt nicht beeindrucken lässt. Auch nicht von unserer gefühlten eigenen Wichtigkeit. Und das tut vielleicht am allermeisten weh. Eine Lösung gibt es dafür nicht. Denn zwar wird Corona vorbeigehen. Es könnte aber bald das nächste Virus kommen, und vielleicht eines, das deutlich aggressiver und tödlicher ist als Corona (es gibt Viren, wie Ebola, die locker 80 Prozent der Betroffenen killen). Ich finde, was wir tun können: wieder anfangen, äußere Dinge nicht so wichtig zu nehmen, uns selbst nicht so wichtig zu nehmen, anderen zu helfen, lieb zueinander zu sein, jeden Tag etwas zu entdecken, worüber man sich freuen kann. Denn klar kann alles plötzlich zu Ende sein, und nicht nur für die alten Leute. Aber das war schon immer so. LG


Mitglied inaktiv

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Ich wollte gerade auch anfangen, etwas zu schreiben, aber dann habe ich zuerst deinen Beitrag gelesen. Jetzt spare ich mir mein Geschreibsel. Das ist wirklich toll geschrieben, danke.


Mibu

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Antwort auf Beitrag von Bonnie

Das ist der beste Beitrag zu dem Thema, den ich in den letzten Monaten hier gelesen habe.


Ludwiga

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Danke Bonnie. Den letzten Absatz nehme ich mir zu Herzen.


As

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Bonnie, das hast du sehr schön geschrieben.


Caot

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Antwort auf Beitrag von Bonnie

...... nur vor dem dahin vegetieren. Aber Angst vor dem Tod selber - nein. Im Zusammenhang mit dem Virus stellt die sich für mich auch nicht. Anders wäre es natürlich, wenn ich in einem Kriegsgebiet leben würde. Dann hätte ich sicherlich Todesangst. Angst im Zusammenhang mit Corona? Nein! Sorge? Ja! Angst lähmt, Sorge lässt mich handeln. Im besten Fall so, dass ich mich nicht sorgen muss. Das man bewusster mit sich und seiner Umwelt umgehen sollte, da gehe ich vollkommen mit. Aber bekanntlich ist das ja schon hier im Forum nicht so einfach, obwohl das hier wohl jeder so unterschreiben würde.


Leewja

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Antwort auf Beitrag von Caot

Es geht hier ja nicht um Todes Angst wegen Corona oder Angst vor dem Tod durch Corona, sondern um Todes Angst als vor Angst jedes Menschen. Nenn es bei dir halt Angst vor dem Sterben/vor dem Leidensprozess, aber ich glaube, komplett zu negieren, dass Menschen den Tod fürchten und nach Möglichkeit den Gedanken daran verdrängen, kann man wohl kaum.


Caot

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Antwort auf Beitrag von Leewja

Ich sprach deswegen auch von „ich“ also von mir und hab nichts „komplett negiert“. Ich stimme Dir aber zu, dass der Tod verdrängt wird. Das ist kein gutes Thema. Wobei er mit zunehmenden Alter immer mehr Thema wird.


Leewja

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Antwort auf Beitrag von Caot

ich glaube, die hat wirklich absolut jeder Mensch auf der ganzen weiten Welt, bei manchen eben sehr im Hintergrund und überlagert, bei anderen sehr präsent. Und dass du dich da komplett von frei siehst, überrascht mich zumindest etwas :)


Korya

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Unterschreibe ich.


Shanalou

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Ich glaube, so richtig Angst haben die wenigsten. Aber auch das ist ok und nicht übertrieben. Mir ist das zu abstrakt als das ich wirklich Angst haben könnte. Eine Ärztin sagte mir, sie hat Angst davor, triagieren zu müssen. Kann ich gut verstehen. Was ich merke ist, dass einem Corona bei allem was man tut, irgendwie im Nacken sitzt. Das ist, glaube ich, auch das, weshalb manche nicht gut mit unerfreulichen Fakten umgehen können. Es nervt einfach und im Grunde ist man doch hilflos. Planbar ist im Grunde auch nix. Das finde ich eigentlich in vielen Dingen gar nicht so schlecht in unserer durchgeplanten und geradezu choreographierten Welt, aber manchmal wäre es schon schön, wieder etwas verbindlicher planen zu können.


Ludwiga

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Antwort auf Beitrag von Shanalou

Ja, die Planbarkeit. Planen und realisieren würde ich gerne z.B. das Krippenspiel der Kinder dieses Jahr, Weihnachten mit family. Mal sehen was sich realisieren lässt. Man muss sich an kleinen Dingen erfreuen. Vielleicht hat die Krise ja auch etwas Positives.


Mitglied inaktiv

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Angst - oder Respekt... nein, ich denk ich hab wirklich ein Stück weit Angst. Gar nicht so sehr vor dem Tod, auch wenn ich die letzten Jahre einige Familienmitgieder gehen lassen musste. Aber der Tod an sich tut weh, aber das Leben für die anderen geht weiter Anders hingegen sind gravierende Schädigungen. Vermutlich hab ich zuviel Zeit in Lungenfachkliniken verbracht , Menschen, die am Sauerstoff hängen im wahrsten Sinn des Wortes. Dazu jahrelange die Sorgen um die Lungenwerte meines Sohnes. Was passiert, wenn er bleibende Schäden zuruckbehält? Was, wenn ich als Asthmatikerin eine richtig muese Lungenfunktion zurückbehalte? Das verändert das Leben schon. Was ist mit der Schwägerin? Ihr geht es extrem schlecht körperlich, was passiert mit meinem Neffen, wenn sie nicht mehr kann und wieder gefühlt jahrelang in der Klinik liegt? "Angst" habe ich auch um die noch übrig gebliebenen Großmütter, beides Risikopatienten. Was, wenn sie jetzt schon zu Pflegefällen werden? Alle Geschwister wohnen weit weg, egal was kommt, wir werden erster Ansprechpartner sein, in der Verantwortung. Für beide. Klar, wenn es nicht mehr geht, kommt das Heim. Aber der Weg dorthin ist lang. Ich bin 15 Jahre mit zu pflegenden Großeltern aufgewachsen, dann war jetzt viele Jahre lang Sorge um die sehr kranken Opas. Ich würde die aktuelle Freiheit nur sehr ungern wieder hergeben. Also ja, Angst/Sorge ist da. Durchaus auch berechtigt, wenn man die Krankenakten der Familienmitglieder kennt . Bzw durch die Häufung der Problemfälle ist die Wahrscheinlichkeit da, dass wir es nicht so locker wegstecken. Aber wir haben jetzt ja Regeneron . Gottes Segen. Vielleicht gibt Trump uns ja was ab


Ludwiga

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Danke Anna3Mama. Mein Sohn hatte im April zum ersten Mal in seinen Leben eine (atypische) Lungenentzündung. Zuvor hatte er in seinen 10 Jahren noch nicht mal eine Bronchitis gehabt. Da er kein Fieber hatte, habe ich ihm anfangs sogar Faulheit unterstellt, als er meinte nicht mit uns rausgehen zu wollen etc, da er sich schlapp fühle. Irgendwann begann er zunehmen zu schwitzen, über Stechen in der Brust zu klagen und zunehmend zu husten, so dass wir beim Arzt gelandet sind. Das war natürlich in der "laufenden" Corona-Zeit eine Krux und wir dachten schon, dass der Rest der Familie irgendwie asymptomatisch an Corona erkrankt ist...wobei wir dann auch plötzlich meinten hier und da Symptome zu verspüren. Naja, Corona wurde letztendlich ausgeschlossen (zumindest haben wir beide keine AK, die darauf hinweisen würden), Sohnemann hat sich nach ein paar Wochen erholt, was auch immer ihn plagte. Aber das ist mit einer chronischen Erkrankung nicht vergleichbar. Ich hoffe, ihr habt einen gute ärztliche Anlaufstelle, wo ihr euch sicher und gut beraten und aufgehoben fühlt.


cube

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Antwort auf Beitrag von Ludwiga

Ich glaube, viele haben keine Angst, sondern Sorge vor irgendetwas. Diese Sorge wird aber gerne als unbegründete Angst interpretiert und damit abgewertet. Wessen Sorgen nicht ernst genommen werden, wird entweder sich von der scheinbar allgemeinen Ablehnung seiner persönlichen Besorgnis abwenden und sich Anti verhalten. Oder aber wird noch besorgter, weil ihn ja keiner Ernst nimmt. Was dann zu Angst führen kann. Bezogen auf die PK finde ich nach wie vor, dass hier eher Sorgen zu Ängsten gefüttert werden oder aber bisher scheinbar zu unängstlichen Bürgern eben ein bisschen mehr Angst eingeflößt werden soll. Zumindest wirkt es so, wenn kaum davon geredet wird, was an positiven Effekten eintreten würde, wenn man sich wie schon im Lockdown noch mal zusammen reißt und wirklich Maske trägt, Massenveranstaltungen meidet oder Feste klein hält/verschiebt etc. Auch ein Ernst nehmen der Verärgerung/Enttäuschung über zB ausfallende Urlaube wäre hilfreich. Warum nicht einfach sagen "ja Leute, das ist echt Scheiße mit dem Urlaub. Wir verstehen das. Bitte glaubt nicht, uns wäre das egal - aber leider müssen wir etc" Ja, tatsächlich - Ausdruck von Verständnis würde viel helfen. Davon hört man aber so gar nichts. Nur Mahnungen, "erschreckened Zahlen" etc. Meiner Meinung nach füttert das die Befüchtungen oder auch Ärger der Menschen, dass ihr Wunsch nach relativer Normalität noch lange nicht eintreten wird. Nicht gerade ermutigend und eher dazu geeignet, dass viele das eben übertrieben finden und erst recht keinen Bock mehr haben oder eben so richtig Angst bekommen und verlangen, das gefälligst alle anderen genau so Angst haben sollten.


Petra28

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Antwort auf Beitrag von cube

Ich habe mir extra die ersten 10 min nochmal angeschaut. Ich fand das sehr positiv und motivierend formuliert - das heißt, es ist äußerst subjektiv, wie das empfunden wird. Als würden wir von 2 verschiedenen PK reden... Das nur nochmal als Feedback.


Ludwiga

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Antwort auf Beitrag von Petra28

Mein Mann möchte sich heute Abend die PK auch anschauen. Ich bin gespannt...


Zwergenalarm

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Antwort auf Beitrag von cube

Cube, nach dem Durchlesen aller Beiträge finde ich mich in deinem am meisten wieder. In meiner Wahrnehmung ist es auch der erhobene Zeigefinger, der suggeriert, dass bei Einhaltung aller Maßnahmen durch jeden Einzelnen das Virus „planbar“ wird. Das wird es aber nicht, also muss ein Schuldiger her. Siehe Urlauber, Partymäuse, renitente Pensionisten etc.......wer halt immer aktuell gerade herhalten musste. Und diese Haltung ist es, die mich zunehmend erschreckt.


Ludwiga

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Antwort auf Beitrag von Zwergenalarm

Zwergenalarm, das Virus wird nicht "planbar" und es verschwindet auch nicht, aber bei Einhaltung der seit nun Monaten immer wieder wiederholten und immer noch geltenden Regeln, die Ausbreitung durchaus gedämpft, sprich im Endeffekt der allgemeine Schaden zugunsten aller gemindert. Und selbstverständlich gibt es Verhaltensweisen, die das Infektionsgeschehen treiben und deswegen nicht nur leichtsinnig sondern schlicht unsozial sind.


Zwergenalarm

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Antwort auf Beitrag von Ludwiga

Natürlich gibt es die absolut asozialen Egoisten, aber m.E. wird diese Haltung viel zu schnell und viel zu vielen unterstellt. Am liebsten mit dem Hinweis auf die Tödlichkeit. Wir haben es mit einem für gewisse Gruppen sicher gefährlichen, aber eben nicht absolut tödlichem Virus zu tun. Wie bei vielen anderen Erkrankungen auch, mögliche Impfung hin oder her. Nur wird dort nicht so schnell danach gefragt wer‘s übertragen hat.


Ludwiga

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Antwort auf Beitrag von Zwergenalarm

Sicherlich nicht absolut tödlich. Aber Zustände wie z.B. im Frühjahr in Norditalien oder im Elsass möchte man doch vermeiden. Eine andere Erkrankung, die aktuell die Weltbevölkerung im gleichen Ausmaß betreffen würde, kenne ich jetzt nicht.


Zwergenalarm

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Antwort auf Beitrag von Ludwiga

Die norditalienischen und elsässischen und sonstige Zustände haben wir doch erfolgreich vermieden. Sogar ziemlich gut angesichts der Tatsache, dass sich das Virus vermutlich schon deutlich länger in unseren Breitengraden befindet, als ursprünglich angenommen. Nun sind wir in unserer Erfahrung um einiges weiter, so dass aktuell die damaligen Zustände dank besserer Behandlungsmöglichkeiten auch nicht erwartbar und schon gar nicht befürchtbar sind. Das Virus wird nicht mehr weggehen, je eher wir anfangen damit und nicht mehr dagegen zu leben, desto gut.


Ludwiga

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Antwort auf Beitrag von Zwergenalarm

Es geht aber primär um die Kapazitäten der Behandlungsmöglichkeiten, sprich die Auslastung der Intensivstationen. Was meinst du mit "dagegen leben"?


Zwergenalarm

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Antwort auf Beitrag von Ludwiga

Mit „dagegen“leben meine ich davon auszugehen, dass, wenn nur alle alles richtig machen, sich keiner nie mehr nie nicht ansteckt. Und dem wird alles untergeordnet. Mit „damit“ leben meine ich, dass man sich selbst (und seine Umgebung) im Rahmen der Möglichkeiten schützt, eine Infektion aber trotzdem möglich ist. Wie bei allen anderen ansteckenden Krankheiten eben auch, die eine vergleichbare Mortalitätsrate haben. Aber nicht im Rahmen des Dauervollkaskoschutzes ganze Lebenszweige in unregelmäßigen Abständen auf unabsehbare Zeit immer wieder zu schließen und anschließend die „anderen“ dafür verantwortlich machen. Btw in der Betrachtung bei uns fehlt mir noch immer der Bezug auf unser Gesundheitssystem und nicht das französische, oder italienische.......oder gar amerikanische, wo du erst mal richtig löhnen musst, bevor du in eine annähernd vergleichbare Grundversorgung hineinrutschst.


Mitglied inaktiv

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Antwort auf Beitrag von Zwergenalarm

Bei der Betrachtung unseres Gesundheitssystems haben wir gegenüber Nachbarländern wie Italien vermutlich den Vorteil der "stufenweisen" Gesundheitsversorgung - es müssen also nicht alle in eine zentrale Gesundheitseinrichtung begeben, um behandelt zu werden, sondern es kann von den spezialisierten Zentren schon einiges im Vorfeld "abgehalten" werden. Das ist ein wichtiger Vorteil, und die Tatsache, dass hier fast jeder krankenversichert ist, kommt natürlich noch hinzu. Ein bekanntes und sehr drängendes Problem ist aber die Versorgung mit spezialisiertem Personal sowohl auf den Intensivstationen auf Behandlungsseite als auch in den Gesundheitsämtern auf behördlicher Seite. Es fehlt schlichtweg an Leuten, die die Arbeit erledigen können. Gegenüber Frankreich sind die Unterschiede im Gesundheitssystem m. W. nicht so gewaltig.


Ludwiga

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Genau. Bezogen auf die Intensivmedizin, versorgt z.B. die Uniklinik Freiburg die schwer erkrankten Fälle, weil hier die ECMO zum Einsatz kommt. Dafür braucht man aber speziell geschultes Personal. Wir haben vor wenigen Wochen einen interessanten Vortrag von einem der dort beteiligten Intensivmediziner gehört: "From bed to bench side" Unglaublich, was die Intensivmedizin, nicht nur bezogen auf Corona, leistet. Völlig unvoreingenommen hat der Arzt von seiner Arbeit und von den Erfahrungen der Uniklinik im März/April gesprochen - wir waren baff;-) Die Versorgung konnte nach Ansicht der Mediziner qualitativ gewährleistet werden, weil wir den Vorteil hatten, schnell genug zu reagieren. Die Betten waren alle nicht ausgelastet, das Personal durchaus. Für eine Drehung eines Patienten in die Bauchlage benötigt man z.B. mind. 5 Personen. die Drehung dauert im Schnitt ca. 30 Minuten. Demnächst müsste eine Publikation erscheinen: https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.07.22.20160127v1


Zwergenalarm

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Antwort auf Beitrag von Ludwiga

Dem wiederum kann ich nicht widersprechen....ich weiß von allen meinen Freunden im medizinischen Bereich, dass gerade das Pflegepersonal, aber auch die Ärzte im KH teilweise echt am Zahnfleisch gehen, ganz abseits von Corona. Im Gegenteil, die waren teilweise "froh" auf den Covid ausgewiesenen Stationen zu arbeiten, weil dort der Dienst überschaubarer war, auch in der Hochphase. Von drohender Auslastung habe ich bei uns in keinem Krankenhaus gehört. Stress war am Anfang, weil die entsprechenden Stationen erst eingerichtet werden mussten und keiner genau über den Bedarf Bescheid wusste. Wäre ein guter Punkt um anzusetzen. Statt an Betten mal an Personal nachzulegen.


Zwergenalarm

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Der größte Unterschied zu Frankreich sind die deutlich höheren Selbstbehalte (25% m.W.), weshalb man für eine zu Deutschland vergleichbare Versorgung tunlichst eine private Zusatzversicherung abschließen sollte. Womit man wieder beim Geld ist, bevor man behandelt wird. Die einzigen Länder in MItteleuropa, die allen die gleiche Versorgung zukommen lassen (egal, ob arbeitend oder nicht) sind Österreich und Deutschland. Schweiz und Skandinavien weiß ich nicht, vielleicht auch. Und da trennt sich die Spreu vom Weizen. Deshalb sind für mich die Bilder aus Frankreich, Italien, Spanien und schon gar nicht Übersee kein Maßstab. Zusammenfassend würde ich eine Solidarität begrüßen, die dieses Gesundheitssystem am Leben erhält und dazu zählt auch eine aufrecht zu erhaltende Wirtschaftsleistung.


Felica

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Für mich ist daa eibe Sache der persönlichen Einstellung. Man hört halt nur das was man hören will. Oder hier eben das was man lesen will. Alles andere wird ausgeblendet. Muss nicht mal bewusst so erwählt sein.


Ruto

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Ich habe da erst vor wenigen Tagen ein schönes Meme gefunden, über das ich durchaus schmunzeln musste. Die Ausgangsfrage war, ob das Gegenüber denn Angst vor Corona hätte und von Schafen war die Rede. Das zweite Bild zeigte die Angst des Fragestellers vor 5G, Bill Gates, Antifa, Impfungen, Black Lives Matter usw. (war offensichtlich an Amerikaner gerichtet). Ich weiß auch nicht wieso so gern mit dem Begriff Angst gearbeitet wird. Vielleicht eine Masche einer bestimmten Gruppe an Leuten? Wie du ansprichst, muss man das nämlich ausdifferenzieren. Man kann Existenznöte empfinden wegen der Coronalage (weil tatsächlich Angst vor Arbeitslosigkeit oder bereits ohne Job), Sorge um die eigene und die Gesundheit der Liebsten haben, die Gefahr erkennen, die gesellschaftlich entstehen kann, etc. "Angst" ist da zu einfach, zumal der Begriff in dem Kontext ja gerne verwendet wird, um Andersdenkende (eben Leute, die Respekt vor Corona haben und lieber vorsichtig sind) zu verhöhnen. Das fällt mir zu deiner Fragestellung ein, Auch wenn es deine Fragen nicht beantwortet. Denn die sind aus meiner Sicht so nicht zu beantworten, da ich nicht der Meinung bin, dass "Angst" verbreitet wird. Die Sorgen, die mit einer Pandemie entstehen, sind sehr unterschiedlich und jede einzelne - auch die eines Impfgegners vor verpflichtenden Impfungen (nicht vor Bill Gates;)) - berechtigt. Wichtig wäre, so viele - echte - Informationen wie möglich herauszusuchen, die diese Sorgen in ein realistisches Bild rücken und Lösungsangebote anbieten (z.B. bei Angst vor Vereinsamung und Depression bestimmte Hotlines und Links zu Online-Selbsthilfegruppen). Das ist meiner Meinung nach Aufgabe der seriösen Medien aktuell. Wobei natürlich jeder selbst recherchieren kann, nur kann man nicht von jedem erwarten, Wissenschaft und speziell Virologie und zu verstehen. Deshalb sind ja Medien gefordert, die Informationen entsprechend darzubieten, wobei man schon verstehen muss, dass auch nicht jeder Journalist Experte zu den genannten Themen ist und man auch Fehler verzeihen darf. Wir leben einfach in besonderen Zeiten und da muss man die unterschiedlichen Sorgen usw einfach mal stehen lassen können, wenn man schon keine Hilfe anbieten kann. Ein höhnisches "Du hast ja nur Angst" bringt jedenfalls nichts.