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Coronaausbruch in Pflegeheim Eulachtal/Schweiz

Coronaausbruch in Pflegeheim Eulachtal/Schweiz

Lauch1

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Die Bewohner gehören eigentlich durchwegs zur Hauptrisikogruppe und auch hier erkrankt keiner bedrohlich, wie schon im Zammer Kloster in Tirol. „In einem Pflegeheim kommt es zu einem der grössten Covid-19-Ausbrüche der Schweiz. Wie durch ein Wunder erkrankt niemand schwer - Experten stehen vor einem Rätsel Im Pflegeheim Eulachtal haben sich 56 Personen mit dem Coronavirus infiziert, unter ihnen auch 25 hochbetagte Bewohner. Doch niemand kam zu schaden. Die Kantonsärztin spricht von einem Wunder. Die Zürcher Kantonsärztin spricht von einem Wunder, ein Corona-Experte des Zürcher Unispitals von einem unerklärlichen Phänomen und ein Hausarzt aus Elgg von einem Fall, aus dem man unbedingt Lehren ziehen müsse. Was im Pflegezentrum Eulachtal in der kleinen Gemeinde Elgg am östlichen Rand des Kantons Zürich passiert ist, erstaunt nicht nur die Fachleute. Das Heim erlebte ab Mitte August zwei Infektionswellen. Dabei steckten sich insgesamt 56 Personen mit dem Coronavirus an, 25 von ihnen waren hochbetagte Bewohner mit entsprechenden Erkrankungen, was sie gleich in mehrfacher Hinsicht zu Mitgliedern der Risikogruppe machte. Für jede Heimleitung ist das eine beängstigende Ausgangslage, weil man damit rechnen muss, dass viele dieser Personen schwer erkranken und auch Todesfälle fast unvermeidlich sind. Doch im Pflegezentrum Eulachtal passierte nichts dergleichen. Der Grossteil der Infizierten zeigte gar keine oder nur leichte Symptome, wie die Heimdirektorin Maria Hofer-Fausch auf Anfrage der NZZ bestätigt. Bei einigen Bewohnern waren die Symptome zwar etwas schwerer, niemand musste jedoch für eine Behandlung ins Spital gebracht werden, und niemand ist aufgrund der Erkrankung verstorben. Mittlerweile seien alle Infizierten genesen und aus der Isolation entlassen worden, sagt Hofer-Fausch. «Wir sind einfach nur froh und dankbar, dass alles so glimpflich abgelaufen ist.» Was den Fall von Elgg so verblüffend macht, ist die Tatsache, dass ein derart grosser Ausbruch in anderen Heimen jeweils dramatische Konsequenzen hatte. Zum Beispiel im Pflegezentrum im freiburgischen Siviriez. Anfang September war bekanntgeworden, dass sich dort 38 Bewohnerinnen und Bewohner sowie 28 Mitglieder des Personals angesteckt haben. Davon sind bis heute 14 Personen der Krankheit erlegen. Und das ist kein Einzelfall. Die Corona-Pandemie hat in der Schweiz im letzten Frühling vor allem deshalb so viele Todesopfer gefordert, weil das Virus sich stark in der älteren Bevölkerung und namentlich auch in Alters- und Pflegeheimen verbreiten konnte. Nirgends sonst finden sich so viele vulnerable Personen an einem Ort. So überrascht es denn auch nicht, dass bei der ersten Welle im Frühling über 60 Prozent der Covid-19-Opfer im Kanton Zürich in Heimen gestorben sind. Auch schweizweit ereignete sich rund die Hälfte der Corona-Todesfälle in Alters- und Pflegeheimen. Entsprechend scharfe Massnahmen haben die Behörden denn auch ergriffen, um die Heimbewohner zu schützen. Die Heime wurden richtiggehend abgeschottet, während Wochen waren keinerlei Besuche von aussen mehr zugelassen. Und die Senioren durften die Zentren auch nicht mehr verlassen. Ein weniger aggressiver Virenstamm Warum hat die Entwicklung in Elgg eine ganz andere Wendung genommen, als man erwarten musste? Hugo Sax, Infektiologe am Universitätsspital Zürich (USZ) und Chef-Grenzarzt am Flughafen Zürich, findet die Sache äusserst erstaunlich. Zwar könnte alles ein glücklicher Zufall sein, «aber die Zahlen sind so hoch, dass sie einen stutzig machen». Aus virologischer Sicht und auch aus Sicht der öffentlichen Gesundheit wäre es sehr interessant, diesen Fall genauer unter die Lupe zu nehmen, um vielleicht eine Erklärung für dieses Phänomen zu finden, meint Sax. Auch die Zürcher Kantonsärztin Christiane Meier hat keinerlei Erklärung dafür, warum im Pflegeheim Eulachtal niemand schwer erkrankt ist. «Das grenzt eigentlich an ein Wunder.» Denn zurzeit gebe es keine Hinweise darauf, dass sich das Virus allgemein abgeschwächt habe. Der Anteil an Betagten, bei denen die Erkrankung einen schweren Verlauf nehme, sei immer noch ähnlich hoch wie im Frühling. Von Coronaviren sei im Allgemeinen bekannt, sagt Sax, dass sie nicht stark mutierten. Trotzdem sei es immer möglich, dass sich Elemente des Virus so veränderten, dass die Infektiosität abnehme oder die Krankheit weniger Schaden anrichte. «Es ist ja letztlich eine der grossen Hoffnungen, dass dieses Virus sich irgendwann abschwächt. Es wäre deshalb spannend, den Virenstamm, der im Elgger Pflegeheim grassierte, genauer zu analysieren.» Einer, der die Sache von Anfang an eng verfolgt hat, ist Beat Zürcher. Der Elgger Hausarzt ist zuständig für die Betreuung einer Abteilung im Pflegezentrum Eulachtal und hat die beiden Covid-19-Ausbrüche miterlebt. Mitte August war es zu einer ersten Welle gekommen. Man hatte die Bewohnerinnen und Bewohner daraufhin getestet und jene mit positivem Resultat isoliert. Anfang September waren dann alle gesund, im Heim konnte wieder Besuch empfangen werden, jedoch nur für ein Wochenende. Danach wurden neue Fälle entdeckt, wieder wurde getestet, wieder wurde isoliert. «Die Bewohner standen fast fünf Wochen am Stück unter Quarantäne, das war eine enorme Belastung für sie», sagt Zürcher. Angesichts der Tatsache, dass niemand ernsthaft krank geworden sei, müsse man sich fragen, ob dies verhältnismässig gewesen sei, findet er. Zürcher fordert deshalb, die Vorkommnisse in Elgg genau zu untersuchen. «Wir müssen verstehen, warum es hier keine schweren Erkrankungen gegeben hat.» Vielleicht sei ja ein weniger aggressiver Virenstamm aktiv gewesen, oder es gebe im Osten der Schweiz, wozu er Elgg zähle, eine höhere Resistenz gegen das Virus, spekuliert der Hausarzt. «Ich glaube, es wäre eine riesige Chance, wenn wir aus diesem Fall Lehren für den Herbst und den Winter ziehen und beim Testen und Isolieren differenzierter vorgehen könnten.» Aus seiner Sicht ergibt es keinen Sinn, symptomfreie Bewohner zu testen und bei positivem Ergebnis zu isolieren. Der seelische Schaden, den man damit anrichte, sei nicht gerechtfertigt, zumal die oft nicht sehr mobilen Bewohner kaum für die Verbreitung des Virus verantwortlich seien. Er plädiert vielmehr dafür, künftig mit den neuen Corona-Schnelltests vor allem die Angestellten im Heim zu testen, um eine Einschleppung des Virus zu verhindern. Heime kaum von Ausbrüchen betroffen Ganz generell kann man sagen, dass das Virus seit dem Sommer sehr viel weniger Schaden angerichtet hat als noch im Frühling – und dies trotz hohen Infektionszahlen. Das zeigt sich bei einem Blick in die Zürcher Covid-19-Statistik deutlich. Während die Fallzahlen im Kanton in den letzten Wochen nur um rund ein Drittel tiefer waren als beim grossen Peak im April, blieb die Hospitalisationsrate weit unter dem Wert vom Frühling. So schwankt diese seit Mitte Juli zwischen 20 und 30 Fällen, zu Spitzenzeiten im April waren es bis zu 200 Fälle. Auch zu Todesfällen kommt es heute nur noch sehr vereinzelt, zum Teil sind tagelang keine Opfer zu beklagen. Im April waren es im Schnitt über vier pro Tag. Die Gründe für die bessere Lage sind vielfältig. Einerseits wird deutlich mehr getestet. Das hat zu Folge, dass viele Ansteckungen diagnostiziert werden, die im Frühling aufgrund schwacher Symptome noch unerkannt geblieben wären. Ab dem Sommer war vor allem bei den 20- bis 40-Jährigen, bei denen die Krankheit häufig harmlos verläuft, wieder ein Peak zu verzeichnen. Bei der älteren Bevölkerung und vor allem bei den Hochbetagten liegen die Werte weit unter jenen des Frühlings. Auch Altersheime sind, abgesehen von einzelnen Ausnahmen wie in Elgg, kaum mehr betroffen. Da sich also die vulnerablen Personen nur selten anstecken, gibt es auch viel weniger schwere Fälle.„ https://www.nzz.ch/zuerich/coronavirus-bei-ausbruch-in-pflegeheim-kam-niemand-zu-schaden-ld.1579376


Sommerzeit2010

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Antwort auf Beitrag von Lauch1

Beim Anklicken des Beitrages rechnete ich mit dem Schlimmsten.. am Ende des Textes hatte ich ein Lächeln auf dem Gesicht.. der Mensch braucht auch mal gute Nachrichten. Es freut mich für diese Menschen so sehr..


Lauch1

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Antwort auf Beitrag von Sommerzeit2010

Und irgendetwas muss es ja sein, dass die Verläufe, oft in abgelegenen Tälern, so mild macht. Jetzt müssen nur noch kluge Köpfe herausfinden was es ist.


Mitglied inaktiv

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Antwort auf Beitrag von Lauch1

Das ist ja mal eine gute Meldung. So etwas ähnliches gab es doch auch mal in einem Kloster. Damals gingen sie davon aus, dass bereits ähnliche Coronaviren im Umlauf waren und es eine Art Grundimmunisierung gab. Hoffe, es setzt sich ein kompetentes Team an die Aufgabe, den Grund für dieses "Wunder" herauszufinden.


Zwergenalarm

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Schöner Beitrag, Lauch! Wär schon, wenn auch so etwas bei den „Tod und Teufel“ Vertretern ankommen würde. Es wäre hoch an der Zeit.......


Lauch1

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Was sind denn „Tod und Teufel“ Vertreter?


Zwergenalarm

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Antwort auf Beitrag von Lauch1

Flapsige Formulierung nach einem langen Tag.........sorry. Aber grundsätzlich hoffe ich, dass der Pandemie künftig nicht mehr alles, wirklich alles untergeordnet wird, weil die Krankheit für viele (und offensichtlich sogar stellenweise für Angehörige von Risikogruppen) tatsächlich überlebbar ist, und das auch ganz ohne KH-Aufenthalt. Für mich stimmt die Relation einfach nicht mehr...im Namen der Gesundheit einer vergleichsweise kleinen Gruppe (ich spreche hier von unseren Breitengraden), eine deutlich höhere Gruppe wirtschaftlich gnadenlos über die Klinge springen zu lassen. Covid wird nicht mehr weggehen, mit einer Impfung wird es leichter werden, aber sie ist kein Allheilmittel. Was mich mittlerweile viel mehr erschüttert ist, was in der kurzen Zeit mit unserer Gesellschaft passiert ist => sh. Trump Diskussion im aktuell. Was in den nächsten Jahren auf uns zukommt, darüber will ich überhaupt nicht nachdenken. Und in diesem Zusammenhang finde ich solche Berichte sehr aufmunternd und hoffe wirklich, dass dem objektiv nachgegangen wird und das Ergebnis, wenn verwertbar, dann auch bei den aktuellen Entscheidungsträgern ankommt. Bis dahin mach ich mit bei MNS und Abstand und hoffe........auch, dass mir hier nicht gleich wieder ein „geschwurbelter Aluhut“ hinterhergeworfen wird.


Zwergenalarm

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Antwort auf Beitrag von Zwergenalarm

Meine unqualifizierte Theorie zu den abgelegenen Tälern ist übrigens die berühmte Fuhre Mist, die man als Kind gegessen haben muß um später gewisse Resistenzen zu entwickeln. Und ein gewisser Pragmatismus dem Leben gegenüber, der aus meiner Wahrnehmung eher in den ländlichen Gegenden zu finden ist.


Korya

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Antwort auf Beitrag von Zwergenalarm

Die Theorie mag ich grundsätzlich auch, und Südafrika rühmt sich ja auch damit. Obwohl sie am schlimmsten im Vergleich zum restlichen Kontinent dastehen, sind sie doch im weltweiten Vergleich gar nicht so schlecht. Aber es passt leider einfach nicht - warum bleiben in den Favelas Südafrikas die Raten niedrig, in den Favelas Brasilien oder in Indien explodieren sie? Ist der Mist in einem so viel besser als der im nächsten?


Zwergenalarm

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Antwort auf Beitrag von Korya

Keine Ahnung....vielleicht? Zumindest scheint der Eulachtaler Mist über gewisse Grundqualitäten zu verfügen


Sternchen52538

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Ich halte diese Theorie für Quatsch! In den Dörfern im Kreis Heinsberg, wo im Februar die erste Welle begann, gab es viele Tote und schwer erkrankte Menschen. Da ich da so einige von kenne, kann ich sagen, dass da viele Erkrankte und Tote auf dem Bauernhof aufgewachsen sind oder zumindest bei der Feldarbeit geholfen haben. Meine schwer erkrankte Freundin kommt aus der tiefsten Eifel; ihre Familie hat früher Schafe gehalten und draußen war ihr zweites Zuhause. Trotzdem leidet sie immer noch unter schweren Spätfolgen und sie ist nicht arbeitsfähig.


Zwergenalarm

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Antwort auf Beitrag von Sternchen52538

In dem Dorf, wo ich aufgewachsen bin, gab es genau eine Erkrankung. Die Bäuerin hat sich auf dem Feld auskuriert und hat auch keine Folgeerscheinungen zu beklagen. Und jetzt? Ich sagte doch, dass es eine unqualifizierte Theorie ist. Aber manche reden sich auch gern kränker als sie sind. So ganz allgemein und nicht coronaspezifisch.


Muts

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Schön, auch mal gute Nachrichten zu hören. Vielleicht sind die Senioren jetzt nach dem Sommer auch stärker im Immunsystem, und erkranken deswegen nicht so schwer. Im Frühling lag die Grippewelle nicht lang zurück und hatte vielleicht manchen Senior vorher schon geschwächt. Hier weiß ich auch von ein paar hoch betagten Damen, die zwar den Virus nachweislich hatten, aber keine Symptome zeigten. (im März)


Lauch1

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Antwort auf Beitrag von Muts

Das wäre dann wieder die Vitamin D Theorie. Aber warum sollten Nonnen in Tirol im Feber/März einen höheren Spiegel haben, als Senioren in Madrid. (In der Lombardei soll es wegen des Smogs so sein und Schweden reichert eigentlich diverse Lebensmittel an). Also eigentlich auch verwirrend.


fritzi3

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Vielleicht sind die Tiroler Nonnen hellhäutiger als die spanischen und können deshalb besser Vitamin D bilden? Oder vielleicht war das in Spanien ein strengerer Orden als der in Tirol, wo die Nonnen kaum das Haus verlassen und wenn dann nur mit größtmöglicher Hautbedeckung? Oder die Tiroler Nonnen haben einen ans Kloster assoziierten Hausarzt, der ihnen sowieso Vitamin D empfohlen oder verschrieben hat. (Das ist ja z.B. auch in vielen Seniorenheimen üblich. Wäre interessant da mal einen systematischen Vergleich zu machen)


Lauch1

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Antwort auf Beitrag von fritzi3

Klingt spannend. Und gerade der Vitamin D Spiegel ist ja leicht zu messen.


fritzi3

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Antwort auf Beitrag von Lauch1

Ich habe gerade hier https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7513835/ drin gefunden, dass gerade Spanien und Italien eine hohe Rate an Vitamin-D-Mangel, v.a. in der älteren Bevölkerung, haben. Bis jetzt habe ich aber noch keine systematische Vergleichsstudie gefunden.


Lauch1

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Antwort auf Beitrag von fritzi3

Ist die Frage, ob das in der Schweiz so dramatisch anders ist. Vitamin D Supplementation für Risikopatienten wäre doch spottbillig.


fritzi3

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Antwort auf Beitrag von Lauch1

Ich glaube, das dauert noch, bis die Erkenntnis in der Breite angekommen ist. Lange hatte man ja große Angst, dass eine Dosis über 400 I.E. zu Arterienverkalkung und sonstigen größeren Schäden führen würde. Immerhin habe ich erfahren, dass in den zwei Seniorenheime, in denen Verwandte von mir leben, die Ärzte routinemäßig den Vitamin D-Spiegel prüfen und ggf. supplementieren. Dafür musste meine Schwiegermutter mit Osteoporose und Cortisoneinnahme erst ihren Hausarzt gezielt darauf ansprechen.