Elternforum Coronavirus

Corona-Angst

Corona-Angst

Anni2010

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Hallo zusammen, wahrscheinlich werden mich einige für verrückt halten, aber letztlich kennt mich hier niemand was es mir irgendwie einfacher macht. Ich bin 30 Jahre Mutter eines 1 jährigen Kindes und verheiratet. Seit 10 Jahren leide ich an einer Angststörung die therapiert wird. Ich habe Angst vor Krankheiten, für mich ist Corona eine Herausforderung. Ich weis das ist es für viele. Ich bin eigentlich gesund habe ein ganz leichte Asthma das aber nicht behandelt ( außer Bedarfsspray) wird und mein Arzt meinte auch das dies nicht zu Risikogruppe gehört und ich mich deswegen keine Sorgen machen muss. Ich bin ganz leicht übergewichtig ich habe eine Schilddrüseunterfunktion dir aber gut eingestellt ist und nie Probleme macht. Außerdem hatte ich wohl mal eine Lungenentzündung, die aufgrund einer Vernarbung auf einem Röntgenbild diagnostiziert wurde. Davon habe ich aber nichts mitbekommen. Ob das ein schlimmen Verlauf begünstigt, weis ich nicht aber in meinen Gedanken schon. Für mich ist es aktuell schwer überhaupt was zu machen, am liebsten bleibe ich zuhause oder gehe an die frische Luft mit dem kleinen oder zu meinen Eltern. Mein Mann ist selbstständig und arbeitet, hat auch Kontakt zu anderen Mitarbeiter und Kunden. Er ist von uns beiden eher der ruhigerer entspanntere Teil. Er nimmt Corona ernst aber hat trotzdem noch Kontakt zu Freunden, was mir nicht passt aber ich kann deswegen ja nicht immer ein Streit vom Zaun brechen. Er trifft sich auch nur immer mit den gleichen Freunden, ein Pärchen davon hat auch ein Kind im gleichen Alter. Auf ein Treffen habe ich mich hier oft eingelassen, da beide von zuhause aus arbeiten, aber ab morgen geht das Kind in die Kita und ab da möchte ich eigentlich kein Kontakt mehr haben, mein Mann versteht das nicht, aber ich habe einfach solche Angst an diesem Virus zu versterben das ich manchmal nachts im Bett sitze und einfach nur weine und ich solch eine Panik bekomme das ich kaum mehr atmen kann. Ich träume dann von Beatmungsgeräten und das mein Sohn bald keine Mama mehr hat und ich nicht sehen kann wie er aufwächst. Ich weis auch das mein Sohn Kontakt zu mindestem einem Kind braucht in dem Altern und jedes Mal wenn wir unterwegs waren mit den Freunden freut er sich riesig auf das andere Kind. Auf dem Spielplatz läuft er zu anderen Kindern und will mit denen spielen, mir stellt es jedes Mal den Atem ab und meistens gehe ich dann mit ihm. Sobald jemand hustet oder niest werde ich ganz starr. Das hat sich alles erst wieder in den letzen Wochen verschlimmert, ich dachte ich werde etwas ruhiger und hatte mich sogar zum Frisör getraut und Spätsommer auch wieder ins Fitnessstudio. Ich dachte ich kann diesmal besser als beim ersten Lockdown damit umgehen, aber eigentlich ist es das Gegenteil und es ist schlimmer als beim ersten Mal. Und jeden Tag lese ich Nachrichten und denke bald bist du unter den Toten und so startet jeder Tag aufs Neue. Und ich sag mir auch immer es gibt Menschen die sind so viel schlimmer dran als du, aber ja ich kann einfach nichts dagegen tun. Und ich bekomme es auch nicht hin darüber zu reden, weil es jedesmal in tränen endet und ich mich so dumm fühle und mein Mann versucht mir jedesmal die Angst zu nehmen, aber letztlich funktioniert es einfach nicht. Und ich will ihn auch nicht jedesmal damit belastet. Sorry für diesen langen Text. Vielleicht gibt es jemand der solche Ängste kennt oder vielleicht hat jemand Tipps oder vielleicht fassen sich auch einige an den Kopf denke sich ihren Teil. Lg Anne


DannaM

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Ich fühle mit dir. Ich hoffe es gibt dir die Kraft das eine Impfung in greifbarer Nähe ist. Großbritannien hat die Zulassung erteilt und wird starten mit den Impfungen. Da werden wieder neue Erkenntnisse gesammelt. Ich hoffe auch auf die Impfung und denke positiv das wir im Sommer das schlimmste überstanden haben werden, da sich dann wieder vieles im Freien abspielen wird plus laufende Impfung es hoffentlich sich alles entspannen wird. Meine Tochter hat auch einen festen Spielpartner und mein Sohn trifft sich auf dem Spielplatz mit anderen Kindern. Ich versuche immer ruhe zu bewahren und mir bewußt zu machen das die Ansteckung im Freien sehr unwahrscheinlich ist.


SybilleN

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Tipp: Hör auf, Nachrichten zu lesen / zu hören. Ganz gezielt Corona ausblenden. Halt dich an die Regeln aber beschäftige dich gezielt mit anderen Dingen.


Mitglied inaktiv

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Hallo, vorab, es gibt gerade sehr viele Menschen, die auch Ängste haben. Manche um ihre Gesundheit oder um die Gesundheit ihrer Verwandten und Freunde. Manche haben Angst um ihren Arbeitsplatz, ihr Einkommen. Manche haben auch Angst um die Wirtschafts- und Weltpolitik der nächsten Jahre. Wo führt uns die Pandemie hin? Weltweit gesehen, Deutschlandweit gesehen, wie trifft es mich ganz persönlich ? Manche verdrängen das alles und halten sich an Verschwörungstheorien fest, bestimmt flüchten auch einige in ihren religiösen Glauben. Du scheinst Dich in dich selbst und Deine vier Wände zu flüchten. Das ist aber auch nicht gesund. Weder für Dich noch für Dein Kind, noch für die Beziehung zu Deinem Mann oder zu Freunden. Eine Verhaltenstherapie machst Du ja. Was sagt die Therapeutin/der Therapeut dazu? Erzählst Du von der Panik in der Nacht? Hat er Dir schon Tipps gegeben? Mein Tipp: Hör auf, Nachrichten zu lesen. Lies ein gutes Buch, hör gute Musik, mach irgendetwas, was Dir Spass macht und geh vor die Tür. Vielleicht mal mit dem Auto durch weihnachtlich verzierte leuchtende Strassen, mit Menschen auf der Strasse, ein Spaziergang auch dort, wo Du Menschen -mit etwas Abstand- beobachten kannst. Sehen, fühlen, hören... wie andere damit umgehen. Die Krise ist schlimm. Für viele. Aber ihr habt ganz viel Glück. Auf der Sonnenseite sozusagen. Jung, gesund, festes Einkommen. Alles gut. Ich würde auch mit Deinem Hazsarzt reden, ob er Dir nicht übergangsweise bis März oder so zusätzlich irgendetwas mild Angstlösendes verschreibt. Normalerweise würde ich sagen, fangst mal mit was pflanzlichem an (oder auch Zuckerkügelchen, geht ja um die Psyche) in Deinem Fall denk ich, wär aber etwas "richtiges" übergangsweise angebracht. Sieh es als Krücken nach einem Beinbruch. Langsam laufen mit Krücken... Schritt für Schritt bis Du wieder losrennen kannst. Viel Glück auf Deinem Weg


Holzkohle

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Hi, ich halte Dich nicht für verrückt. Das Problem bei einer Angst, wie Du sie hast, ist, dass man den Auslöser nicht einfach ausschalten kann. Es würde vielleicht ein wenig was bringen, wirklich keine Nachrichten mehr zu hören, den TV aus zu lassen, aber das Thema Corona und die bei Dir damit verbundene Angst vor dem Tod ist nun mal allgegenwärtig. Das geht ja schon damit los, dass Dein Mann arbeitet und eventuelle Keime einschleppen oder Dein Sohn sich bei jemandem anstecken KÖNNTE. Ich denke, dass es wichtig wäre, dass Du erstmal noch einmal einen Arzt aufsuchst und hier ein Gespräch führst, also bezogen auf Deinen aktuellen Gesundheitszustand. Vielleicht beruhigt Dich das erstmal. Du BIST gesund, Du hast leichtes Asthma, aber nicht "therapiewürdig" (ich übrigens auch), Du HATTEST mal eine Lungenentzündung (ich auch), aber die hast Du nicht einmal mitbekommen. Leichtes Übergewicht und eine SD-Unterfunktion (letztere habe ich auch *ggg*) ist nicht lebensbedrohlich und auch nicht ausschlaggebend für einen schweren Corona-Verlauf. Ich denke, an erster Stelle steht bei Dir die Angst, geliebte Familienmitglieder, allen voran das Kind, zurück zu lassen. Nicht die Angst vor Corona. Sie im Stich zu lassen, sie alleine zu lassen. Ich kenne diese Ängste aus der Zeit nach einem traumatischen Erlebnis. Ich bin alleinerziehend und allein der Gedanke, meinen (damals noch) 13 jährigen Sohn alleine zurück zu lassen, hat mir die Tränen in die Augen getrieben. Meine Therapeutin hat hier damals sehr massiv angesetzt, wir haben stundenlang das Thema besprochen - ich denke, das müsste Dein Therapeut auch tun. Mir hat damals geholfen, ein Tagebuch zu führen mit all den positiven Sachen, die gerade passieren oder passiert sind (und nicht im Kopf weiter zu spinnen, dass ich aber z.B. bei meiner Fahrt mit meinem Sohn in einem 60 m hohen Kettenkarussel auch hätte abstürzen können - NEIN, ich habe aufgeschrieben, was es für ein geiles Gefühl war so weit oben über der Stadt, der Ausblick, mein Sohn neben mir, der sich Hölle gefreut hat, dass wir sowas zusammen machen, der Gedanke, dass ICH mir das zugetraut habe und die anderen "Schisser" da unten stehen und nur zugucken, jetzt mal übertrieben gesagt) Ich habe auch Vorkehrungen getroffen, die meinen Sohn absichern im Todesfall. Du weißt selbst, dass Deine Ängste dem Leben (Deinem, dem des Kindes) im Weg stehen. Dass DEINE Ängste das Leben Deines Kindes beeinflussen. Du möchtest das nicht, das ist ja auch klar zu lesen. Das ist schon mal SEHR GUT, und dafür darfst Du Dich auch selbst loben. Denn Du könntest Dich auch wirklich in der Wohnung verbarrikadieren, und den Rest der Familie gleich mit. Ich könnte Dir jetzt sagen, selbst wenn Dein Kind sich ansteckt, musst Du Dich nicht auch automatisch anstecken. Dein Mann ist auch öfter mal draußen, bisher ist alles gut gegangen. Er könnte sich anstecken, Du nicht. Gab es alles schon. Aber ich weiß auch, dass allein mit rationalen Fakten solche Ängste nicht zu besiegen sind. Wie gesagt, ich würde diese ganz konkrete Todes/Verlustangst, die ja nicht mal DICH betrifft sondern Angehörige, mit dem Therapeuten ganz gezielt besprechen. Alles Gute.