fritzi3
Ich bin über ein, wie ich finde, sehr interessantes Interview mit Christian Drosten zum Thema "Coronavirus und Medien" gestolpert. https://www.deutschlandfunk.de/coronavirus-und-medien-christian-drosten-bei-formate20.740.de.html?dram:article_id=486042 Drosten wird darin von mehreren Medienvertretern zu seiner Rolle in der Corona-Medienberichterstattung befragt und zeichnet nach, wie er in seine mediale Rolle hineingeraten ist, was es bedeutet, in dem Podcast-Format als Wissenschaftsvermittler tätig zu werden, wie - oft ohne inhaltlichen Hintergrund - medial (z.B. über extreme Verkürzungen) eine gewisse Polarität zwischen verschiedenen Wissenschaftleräußerungen aufgebaut wurde, .... Vielleicht interessiert es ja den oder die eine(n) oder andere(n). Nur nebenbei: In dem Gespräch wird mehrmals ein Problem berührt, das nach meinem Eindruck auch stark mit den Diskussionen hier im Forum zu tun hat und viele Kontroversen erst entstehen lässt: Es geht um das Problem, dass die Sphären der Wissenschaft, der Medien und der Politik unterschiedliche sind, dass man ihre "Betätigungsfelder" immer scharf trennen muss, und sich auch bei den Berührungspunkten und Überschneidungsbereichen immer fragen muss, welcher Akteur eigentlich für welchen Bereich zuständig ist.
Danke dafür. Ich bin übrigens generell ziemlich beeindruckt von seinen kommunikativen Fähigkeiten, ich war auch von seiner Schillerrede in Marbach sehr angetan (obwohl auch mein erster Reflex war "Wieso muss ausgerechnet Drosten die Schilerrede halten?"). Das übrigens nicht, weil ich eine "Drosten-Jüngerin" wäre, sondern weil ich es bemerkenswert finde, wenn jemand in seiner Position und Verantwortung es schafft, out of the box zu denken und erstens außerhalb seines Fachzirkels so zu kommunizieren, dass ihn auch Laien verstehen und zweitens sehr genau zu beobachten und zu analysieren, wie Kommunikationsmechanismen auf den verschiedenen Ebenen funktionieren. Dafür braucht man nicht nur einen klugen Kopf, sondern auch ein gutes Gespür, Menschenkenntnis und Selbstreflexion.
Mein Mann meinte auch zuerst: "Wieso muss man einen Naturwissenschaftler die Schillerrede halten lassen"? (Begründet hat man das in der Einführung wohl damit, dass Schiller am Anfang seiner Tätigkeit auch ein bisschen Naturwissenschaft gemacht hätte ....) Aber er war dann trotzdem recht angetan von der Rede. Ich will sie auch noch anhören, wenn ich dazu komme. Was mir bei Drosten - schon seit den Anfängen seines Podcasts - auch besonders positiv auffällt, ist, dass er zwar über den Tellerrand seiner Wissenschaft hinausschaut in andere Wissenschaftsbereiche oder in die Politik, aber immer die Grenze genau im Auge behält, sprachlich markiert und auch klarmacht, wo seine Kompetenzen enden. Das hätte man sich doch von anderen auch gewünscht.
"aber immer die Grenze genau im Auge behält, sprachlich markiert und auch klarmacht, wo seine Kompetenzen enden. Das hätte man sich doch von anderen auch gewünscht." Das ist aber eben auch typisch für einen Wissenschaftler, das sagt er ja auch in dem DLF-Interview. Es steht natürlich im diametralen Gegensatz zu dem, was der Zuschauer oder Zeitungsleser in der öffentlichen Kommunikation gewöhnt ist, wo eher Schaumschlägerei und Platzhirschgebaren an der Tagesordnung ist, weil das Einräumen von Nichtwissen oder Unsicherheit als Schwäche ausgelegt wird. Du kannst die Schillerrede übrigens auch in der Zeit Online nachlesen - geht unter Umständen schneller "mal zwischendurch", als die Zeit zum Hören eines Podcasts zu finden.
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