Töpfchen - Tipps ...

Junge auf dem Toepfchen

© fotolia, Nichizhenova Elena

"Was'n das ..?" würde das Baby verwundert fragen, wenn es schon könnte - angesichts dieses runden, meist bunten Dings mit dem Loch in der Mitte, das Mami und Papi ihm da hinstellen. 

"AA" sagt Papi immer wieder und zeigt bedeutungsvoll in das Loch - aber es ist doch gar nichts drin?!? Und überhaupt - was ist "AA"? Für das Baby war das "Windelgeschäft" bis zu diesem bedeutsamen Tag die natürlichste Sache der Welt - schließlich kannte es kein anderes. Aber nun müssen die Erwachsenen wieder einmal alles kompliziert machen ...

... indem sie versuchen, diese Sache zu beeinflussen. Mädchen werden heute im Schnitt mit zweieinhalb, Jungen mit etwa drei Jahren "trocken". Die Möglichkeit einer Einflussnahme der Eltern sollte man aber keinesfalls dahingehend missdeuten, man könne den Reifungsprozess des Kindes abkürzen - die Möglichkeit einer Einflussnahme besteht lediglich darin, den Prozess zu unterstützen, indem man die Entwicklung des Kindes aufmerksam beobachtet und sein eigenes Verhalten danach richtet. Die Missdeutung bringt die Gefahr mit sich, dass Eltern es mit den "Anleitungen zum Sauberwerden" schnell übertreiben, weil ja auch ein gewisses Prestige damit verbunden ist - und man nicht möchte, dass sich der eigene Nachwuchs anderen Kindern "hinterherentwickelt".

Im folgenden ein paar Tipps rund um das Ding mit dem Loch drin:

Das Baby hat nicht die leiseste Ahnung ...

... was Sie von ihm wollen. Das sollte man sich selbst unbedingt klarmachen, wenn man das Töpfchen zum ersten Mal in die Hand nimmt. Den weitaus überwiegenden Zeitraum der "Windelgeschäfte" hat das Baby überhaupt keine Ahnung von seinen "Produkten". Bis zu einem Alter von etwa eineinhalb Jahren wird der Vorgang des großen wie des kleinen Geschäftes nicht - oder so gut wie nicht - bewusst, da es eine Kontrolle über die Ausscheidungsorgane gibt und das Baby weder merkt, dass es muss, noch dass es in die Windel macht. Auch wenn es beginnt, seine Ausscheidungen zu registrieren, dauert es noch eine ganze Weile, bis es eine Verbindung herstellen kann - zwischen dem Drang, den es gespürt hat, und dem, was es "gemacht" hat. Erst von dem Zeitpunkt an, da dem Kind seine Kontrollmuskulatur, bzw. die Möglichkeit eines gesteuerten Spannens und Entspannens überhaupt bewusst wird - bei dem einen Kind im Alter von zwei Jahren, bei einem anderen Kind im Alter von zweieinhalb Jahren - kann es Sinn machen, ihm den Sinn des Töpfchens zu erklären. Und auch dann sollte man sich und dem Kind viel Zeit lassen - auch "Töpfchenmeister" fallen nicht vom Himmel und schaffen die Umstellung im allergünstigsten Fall innerhalb von sechs bis acht Wochen.

Kein einfacher Reflex

Die Kontrolle über die Geschäfte sind für das Kind keine einfache Sache. Sie ist kein Reflex, der ab einem bestimmten Alter einfach "da" sein sollte, wie man vielleicht vermuten könnte. Vielmehr handelt es sich um eine komplexe Verhaltensweise, die das Kind erst mit zunehmender Reife erlernen kann - und die keine Frage von gutem Willen oder gar häufigem Üben ist. Körper und Geist müssen vielmehr erst langsam lernen, diese vormals automatischen Abläufe nun mehr und mehr zu kontrollieren, um sie letztlich ganz unter einen willentlichen Einfluss bringen zu können.
Da dieser körperliche und psychische Reifungsprozess so gut wie nicht beeinflussbar ist, sind alle Versuche, ein Kind zum "Sauberwerden" zwingen zu wollen, aussichtslos. Was man mit "Nachdruck" erreichen kann, sind vielleicht der eine oder andere "Zufallstreffer" - ganz sicher aber Trotzreaktionen und eine erhöhte "Rückfallquote".

Was man tun kann

  • Um festzustellen, wann sich das Kind des Zusammenhangs zwischen Drang und "Ergebnis" bewusst zu werden beginnt, kann man aufmerksam beobachten, zu welchen Zeiten es gewöhnlich "muss". In einem Alter, in dem es sich der Vorgänge bewusst zu werden beginnt, sieht man es ihm häufig an, dass es jetzt bald soweit ist. Wenn man es jetzt auf das Töpfchen setzt, erlernt es leichter den Zusammenhang zwischen "Geschäft" und Töpfchen. Nehmen Sie aber nicht irrtümlich an, das Kind könne - wie ein Erwachsener einfach "loslassen", wenn es auf dem Töpfchen sitzt. Entspannen fällt in diesem Alter schwerer als Zurückhalten und will gelernt sein. Da das Zurückhalten als "einfachere Übung" dem Kind als erstes gelingt, wird es ganz natürlich auch als erstes diese neu erlernte Fähigkeit üben, wenn es auf dem Töpfchen sitzt (daher die längeren Sitzungen). Gelingt die Übung des "Loslassens" ausgerechnet dann, wenn man es resignierend vom Töpfchen hebt, seien Sie nachsichtig - so etwas ist niemals böser Wille.
  • Wenn man relativ "feste Zeiten" registriert, zu denen das Kind "muss" (z. B. nach dem Aufwachen oder nach den Mahlzeiten), kann es hilfreich sein, es jeweils zu diesen Zeiten auf`s Töpfchen zu setzen - auch wenn man ihm den Drang noch nicht ansieht.
  • Man sollte dem Kind von Anfang an erklären, worum es überhaupt geht. Zeigen Sie ihm sein Produkt in der Windel, benennen es - z. B. mit "AA" - und erläutern ihm, dass es ins Töpfchen gehört.
  • Geben sie dem Kind die Möglichkeit, sich solche Bezeichnungen einzuprägen, um sich später melden zu können, wenn es "muss", indem Sie Bezeichnungen wie "AA" oder "Pipi" regelmäßig mit seinen Produkten in Zusammenhang bringen. Die Sprache spielt eine ganz wichtige Rolle beim Verstehen.
  • Rümpfen Sie nicht die Nase, wenn Sie "drüber" sprechen. Kinder können recht gut in Gesichtern lesen und reagieren mit Verunsicherung und Zurückhalten, wenn man ihnen zu verstehen gibt, dass sie etwas "Übles" produzieren. Der Gang aufs Töpfchen sollte als eine ganz normale, neue Fähigkeit angesehen werden, die sie erlernen - nicht mehr und nicht weniger.
  • Schimpfen Sie nicht oder zeigen sich sehr enttäuscht, wenn eine Sitzung keinen Erfolg gebracht hat - ihr Kind versteht diese Reaktionen überhaupt nicht und weiß mit seiner Verunsicherung nicht wohin.
  • Zuviel Lob über einen "Treffer" macht aus dem Töpfchengang etwa Besonderes, zu wenig kann dagegen entmutigen - bewegt man sich dazwischen, liegt man sicher richtig. Geben Sie ihrem Kind bei einem Erfolgserlebnis vor allem das Gefühl, etwas richtig gemacht zu haben und loben, ohne zu übertreiben. Aus einer vollen Hose sollte man während der ganzen Lernzeit keine Affäre machen, sondern vielmehr ruhig darauf hinweisen, dass das Produkt ja eigentlich ins Töpfchen gehört.
  • Vermeiden sie Sitzungen, die länger als einige Minuten dauern. Dem Kind geht sonst das Verständnis des Zusammenhangs zwischen "Geschäft" und Sitzung verloren.

Last but not least - verlieren Sie Ihren Humor nicht! Schließlich bleibt der Trost, dass wir es bisher noch alle gelernt haben!

Zuletzt überarbeitet: Februar 2019

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