Hodenhochstand frühzeitig behandeln!

Hodenhochstand frühzeitig behandeln!

© fotolia, Alexandr Vasilyev

Bis etwa zwei Monate vor der Geburt liegen die Hoden eines kleinen Jungen noch verborgen in seinem Bauch. Erst wenn es langsam Richtung Geburt geht, machen sie sich auf den Weg hinunter in den Hodensack.

Ist diese "Wanderung" zum Zeitpunkt der Geburt oder auch danach noch nicht abgeschlossen und die Hoden noch immer in der Leiste oder im Bauchraum versteckt, bezeichnet man das als "Hodenhochstand". In den ersten Lebenswochen ist das überhaupt noch kein Problem und für Ihr Baby auch nicht unangenehm. Bis zum Alter von etwa 9 Monaten sollten die Hoden allerdings im Hodensack sein und auch dort bleiben, sonst kann sich das negativ auf die Zeugungsfähigkeit auswirken.

Samenzellen mögen es kühl

Im Hoden befinden sich die Keimdrüsen zur Entwicklung der Samenzellen, die später einmal für die Fortpflanzung entscheidend sind. Diese Zellen mögen es aber nicht körperwarm, sondern bevorzugen es etwas kühler. Deshalb werden sie praktischer Weise außerhalb des Körpers im Hodensack bei etwa 33 bis 35 Grad gelagert. Bleiben sie zu lange Zeit im Bauchraum, wird es ihnen auf die Dauer zu warm, worunter die Fruchtbarkeit leiden kann. Je später hier eine Behandlung erfolgt, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass die Zeugungsfähigkeit beeinträchtigt ist. Ein unbehandelter Hodenhochstand bringt obendrein ein erhöhtes Risiko mit sich, später an Hodenkrebs zu erkranken. Ein weiterer Grund, warum man die Behandlung nicht unnötig hinauszögern sollte!

Wie entsteht ein Hodenhochstand?

Bei einem Hodenhochstand befinden sich die Hoden - oder oft auch nur einer von beiden - außerhalb des Hodensacks im Bauchraum (Bauchhoden) oder in der Leistengegend (Leistenhoden). Der Hodensack selber ist leer. Die Ursache kann entweder hormonell bedingt sein oder anatomisch, wenn beispielsweise die Samenstränge zu kurz sind. Oft ist es auch einfach ein Zeichen von Unreife, das besonders häufig bei zu früh geborenen Babys vorkommt. Also erst mal keine Sorge: bei vielen kleinen Buben wandern die Hoden in den folgenden Wochen noch von selber an die richtige Stelle.

Wie erkennt man einen Hodenhochstand?

Im Normalfall werden bereits bei den ersten U-Vorsorgeuntersuchungen auch immer die Hoden mit abgetastet. Falls Ihr Kinderarzt dabei einen Hodenhochstand feststellt, sollte das in den nächsten Monaten unbedingt kontrolliert werden und gegebenenfalls behandelt werden. Ob beide Hoden da sind, wo sie hingehören, können Sie auch selber vorsichtig ertasten, wenn Ihr Baby es warm und entspannt hat - zum Beispiel in der Badewanne.

Die Hoden sind immer auch beweglich und werden durch Reize wie Kälte oder Berührung nach oben gezogen. In diesem Fall spricht man von Pendelhoden. Das ist normalerweise kein Grund zur Sorge, sollte aber beobachtet werden. Ob die Hoden richtig liegen, erkennt man bei einem größeren Jungen am besten, wenn er in warmer Umgebung im Schneidersitz sitzt. Bei einem sogenannten Gleithoden hingegen kann man die Hoden zwar vorsichtig nach unten ziehen, sie rutschen dann aber sofort wieder zurück. Das muss behandelt werden.

Wie und wann wird behandelt?

Nach dem 6. Lebensmonat ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Hoden sich ganz von alleine nach unten begeben, nur noch sehr gering. Deshalb sollte nun eine Behandlung erfolgen, die spätestens um den ersten Geburtstag herum abgeschlossen sein sollte. Zunächst bekommt Ihr Sohn in den meisten Fällen Hormone, die mit Hilfe eines Nasensprays und/oder per Spritze verabreicht werden. Gerade wenn die Hoden bereits im Leistenkanal tastbar sind, reicht das oft aus. In jedem Fall helfen die Hormone, das Gewebe aufzulockern und zu durchbluten, so dass auch ein operativer Eingriff erleichtert wird. Bringt die hormonelle Behandlung nicht den gewünschten Erfolg, müssen die Hoden mit Hilfe einer kleinen Operation nach unten geholt werden.

Was passiert bei der OP?

Bei diesem Eingriff wird der Hoden vorsichtig durch den Leistenkanal in den Hodensack gezogen und dort vernäht, dass er nicht wieder zurück gleiten kann. In den meisten Kliniken kann diese OP ambulant durchgeführt werden. Das heißt, Ihr Kind darf nach dem Eingriff normalerweise am selben Tag wieder mit nach Hause.

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