Masern - warum die Impfung wirklich wichtig ist

Masern - warum die Impfung wirklich wichtig ist

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Lange Zeit galten die Masern als harmlose Kinderkrankheit, doch inzwischen weiß man es besser: Masern bringen relativ häufig gefährliche, ja sogar lebensgefährliche Komplikationen mit sich.

Komplikationen, die Sie Ihrem Kind mit zwei kleinen Pieksern ersparen können. Leider führen viele Falschinformationen in den Medien immer wieder dazu, dass sich Eltern bewusst gegen eine Impfung entscheiden. Dadurch kam es in den letzten Jahren immer wieder zu kleinen Masernepidemien in Kindergärten und Schulen, vor allem im ausklingenden Winter und beginnenden Frühjahr. Ich möchte versuchen, Sie im Folgenden so gut und objektiv wie möglich über die tatsächlichen Gefahren dieser Krankheit und die möglichen Nebenwirkungen einer Impfung aufzuklären.

Warum sollte man gegen Masern impfen?

Die Risiken einer Maserninfektion werden oft unterschätzt. Bei etwa 10 bis 20 Prozent der Kinder kommt es zu Komplikationen wie Lungenentzündung, Mittelohrentzündung und Hirn- oder Hirnhautentzündung. Besonders gefährlich ist eine Enzephalitis (Hirnentzündung). Viele tragen hier bleibende Schäden wie Blindheit, Taubheit oder eine geistige Behinderung davon, bei fast jedem dritten Kind verläuft eine Enzephalitis sogar tödlich. Glücklicherweie sehr selten aber umso tragischer ist eine Panenzephalitis (SSPE), die noch Jahre nach der Erkrankung auftreten kann und immer tödlich verläuft.

Abgesehen von diesen Gefahren sind die Masern aber auch - im Vergleich zu anderen typischen Kinderkrankheiten - ausgesprochen unangenehm. Die Kinder leiden unter hohem Fieber, ausgeprägtem Krankheitsgefühl, Husten, Lichtempfindlichkeit und schmerzhafter Bindehautentzündung. Oft müssen sie tagelang in einem abgedunkelten Raum liegen - allein das können Sie Ihrem Kind mit der Impfung ersparen.

Welche Nebenwirkungen kann die Impfung haben?

Zugegeben auch die Masern-Impfung, die ja meist in einer Dosis mit der Impfung gegen Mumps, Röteln und oft auch Windpocken gegeben wird (MMRV) hat gelegentlich kleinere Nebenwirkungen. Dennoch stehen diese im Vergleich zu den wirklich gefährlichen Komplikationen, die eine tatsächliche Infektion mit sich bringen kann, in überhaupt keinem Verhältnis! Neben möglichen typischen Impfreaktionen wie Rötungen, Schwellungen und Schmerzen an der Einstichstelle machen etwa 0,5% die Krankheit nach der Impfung in abgeschwächter Form durch. Diese sogenannten "Impfmasern" mit Fieber oder erhöhter Temperatur und leichtem Ausschlag treten oft nach 7 bis 10 Tagen auf, sind aber nicht ansteckend und völlig ungefährlich! Deshalb sollten Sie nur die Impfung nicht unbedingt vor eine Reise, den Kitabeginn oder andere wichtige Termine legen. Bei Kindern, die zu Fieberkrämpfen neigen, kann auch die Masernimpfung manchmal einen solchen auslösen.

Wie häufig sind Impfschäden?

Wirklich schwere Komplikationen und bleibende Impfschäden, die tatsächlich auf die Impfung zurückzuführen sind, gibt es in den letzten Jahren praktisch keine mehr, seit die Pockenimpfung abgeschafft wurde und es insgesamt wesentlich verbesserte Impfstoffe gibt. Der in Deutschland übliche Impfstoff ist wirklich bewährt und - bis auf die genannten Nebenwirkungen - gut verträglich. Dennoch hält sich das Gerücht von Impfschäden leider hartnäckig und wird von den Impfgegnern immer wieder hervorgeholt.

Typische Falschmeldungen und Irrtümer

Besonders häufig hört man, dass die Risiken der Impfung höher wären als bei der eigentlichen Masernerkrankung. Das ist falsch! Das Risiko einer Enzephalitis/Meningitis ist bei den in Deutschland verwendeten Impfstoffen nicht erhöht. Das Risiko einer Enzephalitis infolge von Masern liegt hingegen bei 1:1000! Viele Eltern gehen dabei fälschlicher Weise davon aus, dass Ihr Kind vermutlich nie Masern bekommen wird. Nachdem Masern aber derart hochinfektiös sind, ist eine Ansteckung gar nicht so unwahrscheinlich - vor allem bei Reisen ins Ausland.

Ein Irrtum ist auch die Annahme, eine tatsächlich durchgemachte Masernerkrankung würde das Immunsystem stärken. Genaugenommen ist es sogar umgekehrt: Die Krankheit schwächt das Immunsystem für einige Wochen, dadurch werden viele Folgeerkrankungen wie Lungen- oder Mittelohrentzündung ja erst möglich. Jede Impfung stellt hingegen eine Übung fürs Immunsystem dar und stärkt die Abwehrkräfte.

Völliger Blödsinn sind Gerüchte, durchgemachte Masern würden langfristig vor Krebs und anderen schweren Krankheiten schützen. Falsch ist außerdem, dass Masern zu einem Entwicklungsschub führen, der ohne die Krankheit ausblieben würde. Hier ist eher andersherum: Gerade während eines Entwicklungsschubes werden Kinder oft krank, weil die Abwehr leicht geschwächt ist und sie anfälliger sind. Der Entwicklungsschub erfolgt so oder so - mit oder ohne Masern!

Natürlich wollen Sie für Ihr Kind nur das Beste und so wenig Risiken wie möglich eingehen. Umso schlimmer, dass es viele schlecht Informierte gibt, die hartnäckig falsche Gerüchte streuen. Vertrauen Sie in so einem wichtigen Fall bitte dem Rat Ihres Kinderarztes, der auch die aktuellsten Empfehlungen der STIKO (Ständige Impfkommission des Robert-Koch Instituts) kennt.

Außerdem bedenken Sie bei so einer Entscheidung bitte auch Folgendes: Ihr geimpftes Kind schützt auch andere, z.B. Babys, die noch zu klein für die Impfung sind, und viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die aufgrund von Immundefekten nicht geimpft werden können.

Mein Kind hat sich vielleicht angesteckt. Was soll ich jetzt tun?

Falls Ihr Kind nicht geimpft ist und mit einem kranken Kind Kontakt hatte, ist eine Ansteckung ziemlich wahrscheinlich. In diesem Fall können Sie die Impfung noch kurzfristig nachholen. Das verhindert den Ausbruch der Krankheit dann zwar nicht mehr hundertprozentig, kann aber die Krankheit wesentlich abschwächen. Woran man eine Maserninfektion erkennt und wie Sie Ihrem Kind nun am besten helfen können, lesen Sie in unserem Special über Infektionskrankheiten.

Hier geht’s zum Impfkalender mit einer Übersicht aller empfohlenen Impfungen...

Mehr über das Thema Impfen lesen Sie in unserem ausführlichen Impf-Special...

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