Biggi Welter

Biggi Welter

Stillberaterin

Biggi Welter absolvierte ab 1996 ihre Ausbildung zur Stillberaterin bei der La Leche Liga Deutschland e.V., einer Organisation in 78 Ländern in offizieller Beziehung zur Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Schwangeren und stillenden Mütter in Fragen rund um das Stillen Beratung anbietet. Danach leitete Biggi Welter viele Jahre lang eigene Stillgruppen mit intensiver Betreuung. Ab 1999 übernahm sie zudem die Online-Stillberatung von Rund-ums-Baby.de, die sie heute noch leitet. Ihre Beratungen bei Rund-ums-Baby.de werden jeden Monat hunderttausendfach weltweit von stillenden Müttern gelesen. Ein achtsamer und wertschätzender Umgang mit Kindern liegt ihr am Herzen.

Biggi Welter

Abstillen ohne Schreien!

Antwort von Biggi Welter, Stillberaterin

Frage:

Liebe Biggi,

ich hoffe, dass es Dir gesundheitlich wieder etwas besser geht und ich Dir nicht all zu viel Zeit mit meiner Fragerei stehle.

David ist jetzt bereits 13, 5 Monate alt und ich bin sehr stolz darauf, dass wir immer noch ein super Stillverhältnis haben und es bis hierher so gut geklappt hat, obwohl im Umkreis viel negativ auf mich eingeredet wurde (was auch Deinem Forum zu verdanken ist).

Trotzdem mache ich mir Gedanken darüber, ob David überhaupt genug bekommt. Er verweigert von Zeit zu Zeit regelrecht die feste Kost und möchte nur noch gestillt werden!!

Um es Dir vielleicht anschaulicher zu machen, hier der momentane "Tagesplan":

7.50 Uhr: STILLEN
8.50 Uhr: Brot oder Cornflakes mit Reismilch oder STILLEN
12.00 Uhr: Gemüse-Kartoffel-Brei
15.00 Uhr: STILLEN
Dazwischen biete ich ihm oft Obst an, was er verweigert; ansonsten ißt er 2 - 3 Dinkelbrezeln oder Dinkelstangen
18.30 Uhr: Haferflocken mit Reismilch und Obstmus oder STILLEN
19.30 Uhr: STILLEN
23.30 Uhr: STILLEN
02.00 Uhr: STILLEN
04.30 Uhr: STILLEN

Es glingt jetzt vielleicht egoistisch, aber im Moment wird mir besonders das nächtliche Stillen ein wenig zu viel und ich habe Zweifel, ob David auch genug feste Nahrung bekommt. Was ich aber auf jeden Fall vermeiden möchte ist, das ich David schreien lasse und ihm die Brust verweigere... das möchte ich nicht. Alternativen wie z.B. Trinkbecher mit Wasser oder Apfelsaftschorle oder Reismilch nimmt er nicht an.

Mein Mann und ich haben zudem jetzt auch noch den Wunsch nach einem zweiten Baby.
Ich habe zwar bereits gehört, dass man auch beide Kinder (Tandemstillen) weiterhin stillen kann, sehe dem aber mit negativen Gefühlen entgegen.

Hast Du nicht ein paar Tipps, wie ich weiterhin mit David umgehen sollte?
Wie hast Du Deine Kinder abgestillt?

Vielen Dank für Deine Zeit

Tanja mit David

von Tanja mit David am 17.07.2001, 22:18 Uhr

 

Antwort auf:

Abstillen ohne Schreien!

?




Liebe Tanja,

die Antwort auf deine letzte Frage gleich vorneweg: Nicht ich habe meine Kinder abgestillt, sondern meine Kinder haben sich selbst abgestillt. Doch es ist die persönliche Entscheidung einer jeden Frau, ob sie den Zeitpunkt des Abstillens ihrer Kinder den Kindern überlassen will oder selbst aktiv abstillt. Andererseits gibt es sehr viele Frauen, die überhaupt noch nie davon gehört haben, dass es so etwas wie natürliches und kindbestimmtes Abstillen gibt und deshalb auch gar nicht auf den Gedanken kommen so vorzugehen.

Mangelerscheinungen brauchst Du bei David sicher nicht zu befürchten und wenn Du jetzt den Zeitpunkt für gekommen hältst, zu dem Du die Stillbeziehung beenden willst, dann ist dies auch ohne Geschrei möglich, wenn auch nicht von jetzt auf gleich. Allerdings solltest Du dir bewusst sein, dass Abstillen nicht mit Durchschlafen gleichzusetzen sein wird.

Ich möchte Dir nun noch ein paar nicht so drastische Methoden ein Kind abzustillen beschreiben. Vielleicht findest Du etwas, was Dir zusagt.

Eine Methode, die sich beim allmählichen Abstillen bewährt hat heißt „biete nicht an, lehne nicht ab". Das bedeutet, dass Du Deinem Kind die Brust nicht von Dir aus anbietest, aber auch nicht ablehnst, wenn es danach verlangt. Viele Kinder wurden auf diese Weise abgestillt.

Eine weitere Möglichkeit heißt Ablenkung. Durch Ablenkung abzustillen bedeutet, Deine Gewohnheiten von Tag zu Tag erheblich zu verändern. Du musst die vertrauten Stillsituationen vermeiden und neue Betätigungsfelder schaffen. Für das eine Kind kann das bedeuten, dass Ihr viel häufiger Ausflüge zu Orten unternehmt, die Deinem Kind gefallen und wo es viele Menschen und viel Trubel gibt. Für ein anderes Kind bedeutet dies vielleicht, das Leben erheblich ruhiger zu gestalten, um Situationen, die es als bedrohlich empfindet, zu verringern.

Es kann auch ablenkend wirken, wenn Du Dein übliches Verhalten in bestimmten Situationen veränderst. Wenn Du zum Beispiel sitzen bleibst anstatt Dich hinzulegen, wenn Du Dein Kind zum einschlafen bringst. Andere Möglichkeiten sind Vorlesen, Singen oder vielleicht ein neues Spielzeug.

Manchmal bringt es Dich auch weiter, wenn du das Stillen immer dann, wenn Dein Kind diesen Aufschub verkraften kann, für eine Weile verschiebst. Das kannst Du flexibler handhaben als den Vorsatz eine bestimmte Stillmahlzeit ausfallen zu lassen.

Du kannst auch versuchen die Stillzeiten zu verkürzen. Viele Mütter haben festgestellt, dass es wirksam und relativ wenig belastend ist, ein Kind so oft anzulegen, wie es möchte, aber es nicht so lange zu stillen. Du kannst Deinen Sohn eine kleine Weile anlegen und ihn dann ablenken oder ihm etwas zu essen anbieten.

Außerdem möchte ich dir das Buch „Wir stillen noch - über das Leben mit gestillten Kleinkindern" von Norma J. Bumgarner empfehlen, das bei La Leche Liga und jeder La Leche Liga-Stillberaterin (also auch bei uns) und im Buchhandel erhältlich ist.

Zum Schluss noch etwas, was unter Umständen paradox klingt: einige Kinder stillen sich von alleine ab, sobald ihre Mutter die Abstillbemühungen aufgibt

LLLiebe Grüße
Biggi

von Biggi Welter, Stillberaterin am 18.07.2001

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