Nicola Bader, Rechtsanwältin

Nicola Bader, Rechtsanwältin

Rechtsanwältin, Fachanwältin für Familienrecht

Nicola Bader erhielt ihre juristische Ausbildung an der Universität Würzburg, wo sie auch das Referendariat absolvierte. Seit 1997 ist sie als Rechts­anwältin tätig - seit 2000 in ihrer eigenen Kanzlei Bader in Koblenz, wobei der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit auf den Gebiet des Familienrechtes ( Mutterschutz­gesetz, Bundes­erziehungs­geldgesetz u.a. ) und Vertragsrechtes liegt. In diesen Bereichen nimmt sie regelmäßig an Fortbildungs­lehrgängen teil. Sie ist Fachanwältin für Familienrecht und Honoraranwältin der Verbraucher­zentrale-Rheinland-Pfalz. Nicola Bader ist verheiratet und hat zwei Kinder, Emilia und Justus.

Nicola Bader, Rechtsanwältin

Darf er mich vor die Tür setzen?

Antwort von Nicola Bader, Rechtsanwältin

Frage:

Hallo zusammen, ich weiß nicht ob ich hier richtig bin aber mir brennt eine wichtige Frage auf der Seele.

Kurz zu meiner Situation:

Mein Mann und ich haben eine gemeinsame Tochter (14 Monate) ich befinde mich im zweiten Jahr Elternzeit und übernehme somit die komplette Betreuung unseres Kindes. Mein Mann geht Vollzeit arbeiten. Wir leben im Haus meines Mannes. Er hat es gekauft und auch nur er steht im Grundbuch. Wir haben einen Ehevertrag.

Im Streit hat er mir schon oft gedroht, dass er mich vor die Türe setzt oder rausschmeißen möchte. Ich solle gehen aber ohne unsere Tochter.

Sollte ich mich tatsächlich trennen wollen, darf ich meine Tochter mitnehmen oder kann er das verbieten? Kann er mich rausschmeißen ohne mein Kind?

Natürlich wünsche ich mir keine Trennung habe aber dennoch Angst, ohne mein Kind gehen zu müssen.

Danke fürs Lesen und ich hoffe jemand kann mir weiterhelfen.....

von Honig-im-Kopf am 27.09.2019, 13:48 Uhr

 

Antwort auf:

Darf er mich vor die Tür setzen?

Hallo,
locker bleiben - das ist wohl eine gängige Drohung von Männern (die wissen, womit sie ihren Frauen am besten Angst machen können).
1. Das Kind bleibt bei dem, bei dem es den lebensmittelpunkt hat. Etwas anderes kann gelten, wenn Sie ohne seine Zustimmung mit dem Kind die Stadt verlassen.
2. Auch wenn er Eigentümer ist, kann Ihnen die Ehewohnung zugewiesen werden. Lesen Sie mal hier: https://dejure.org/gesetze/BGB/1361b.html
Liebe Grüße
NB

von Nicola Bader, Rechtsanwältin am 30.09.2019

Antwort auf:

Darf er mich vor die Tür setzen?

Er kann dich nicht rauswerfen nein.

Mit Kind gehen darfst du nicht ohne Erlaubnis.

Was steht denn drin in deinem Ehevertrag bzgl. Trennung? Das wäre ja interessant zu wissen. Hoffentlich hast du nichts unterschrieben was dich schlechter stellt als die gesetzliche Regelung.

von lilly1211 am 27.09.2019

Antwort auf:

Darf er mich vor die Tür setzen?

Hallo,

ich an Deiner Stelle wäre schon längst von mir aus gegangen. Lass Dich doch nicht so unter Druck setzen...
Und natürlich "kannst Du Dein Kind mitholen", Du bist die Mutter.

Viele Grüße

von Mamamaike am 27.09.2019

Antwort auf:

Darf er mich vor die Tür setzen?

Ergänzung: Du musst ihm aber ermöglichen, euer Kind zu sehen. Also weg ja, aber dennoch so nah, dass ein Umgang nicht erschwert wird.

von Mamamaike am 27.09.2019

Antwort auf:

Darf er mich vor die Tür setzen?

Danke für eure Antworten.
Ja um ehrlich zu sein war ich damals etwas blauäugig und bin es wahrscheinlich immer noch. Was genau im Ehevertrag drin steht über Trennung weiß ich nicht. Da muss ich erst mal nachlesen. Momentan hat mein Mann Urlaub. Das mache ich wenn er mal nicht zu Hause ist...

Ja stimmt ich lasse mich unter Druck setzen. Wahrscheinlich resultiert das aus der Angst, ich müsse tatsächlich mein Kind bei ihm lassen bei einem eventuellen Auszug...
Sollte ich ausziehen, würde ich mir eine Wohnung in der gleichen Stadt suchen, denn hier hab ich noch Familie und Freunde.

von Honig-im-Kopf am 27.09.2019

Antwort auf:

Darf er mich vor die Tür setzen?

Hallo Honig-im-Kopf,

zum Glück leben wir im 20. Jahrhundert, und Frauen sind hierzulande (normalerweise) keine Halbsklavinnen und Leibeigene mehr. Sie können selbst entscheiden, wohin sie gehen und was sie tun, auch in der Ehe. Theoretisch. Zu diesem Zwecke gibt es auch eine sehr wirksame Gesetzgebung, die jeden Ehepartner bei Trennung vor unbilligen Nachteilen schützt. Einen Ehevertrag schließt nur jemand ab, der eine Firma hat und das vom neuen Partner trennen möchte oder der den Partner von vornherein benachteiligen möchte bzw. als der andere Partner sehr unbedarft und naiv ist, sagst Du ja selbst. Eheverträge sind fast immer von Nachteil für die Frauen, es sei denn, es geht dabei wirklich um zu schützendes Firmenkapital, Mitarbeiteren usw. So manch ein Ehepartner hat nach Trennung im Kampf, so viel wie möglich zu bekommen, ganze Familienunternehmen in den Ruin gebracht. Für solche Fälle gibt es die Möglichkeit des Ehevertrags.

Du musst Dich selbst fragen, weshalb Ihr einen Ehevertrag habt. Ist keine Firma vorhanden, hat er Dich von vornherein übervorteilt. Für mich wäre das der erste Grund, mich zu trennen, denn jedes weitere Jahr mit ihm verhindert, dass Du Dir eine eigene dauerhafte, gute Existenz aufbauen kannst, die Du auch BEHÄLTST. (Vorausgesetzt, der Ehevertrag enthält nicht nur den Schutz eines Unternehmens gegen eventuelle Trennungsansprüche einer später mal Expartnerin.)

Schau Dir Euren Ehevertrag genau an. Was steht drin? Mach Dir eine persönliche Kopie! Sollte ggf. ein Passus sein, der rechtlich nicht in Ordnung wäre, hättest Du eine Möglichkeit, den Vertrag nachträglich anzufechten, was, falls Du Erfolg hättest, bedeuten würde, dass Du in den Genuss der "normalen Gesetzgebung" für den Trennungsfall kämest: Zugewinngemeinschaft bedeutet dann, dass jede/r mitbekommt, was er/sie eingebracht hat und die Hälfte dessen, was während der Ehe dazugewonnen wurde (ausgeschlossen Geerbtes, das gehört dem Erben/der Erbin allein). Dann hättest Du natürlich auch Ansprüche auf Rentenausgleich für die Zeit, die Du zu Hause warst, aus den Rentenpunkten/Pensionsansprüchen Deines Mannes. Das wissen andere genauer als ich, auch mit den entsprechenden Fachbegriffen. Auch Hausrat, Dinge, die im und ums Haus aufgewertet wurden, das alles wird aufgeteilt, wenn es während Eurer Ehe dazugekommen ist. Es gibt in der ersten Zeit nach der Ehe Unterhalt für den kindbetreuenden Partner und natürlich ohnehin für das Kind, abhängig vom Gehalt des anderen. Mit anderen Worten, Du musst nicht mit nichts anfangen, und es ist toll, dass Du Freunde im Ort hast!

Kinder werden gewöhnlich der Person zugesprochen, die sie bisher als Hauptbezugsperson betreut hat. Das ist im Sinne der Kinder. Gewöhnlich, weil es natürlich auch Gründe dagegen geben kann. ER kann Dir gar nichts verbieten. Du bist ein freier Mensch, und wenn Du Dein Kind mitnehmen willst, tu es einfach. Offensichtlich hast Du gute Gründe.

Danach erst geht es darum, wie Vater und Mutter miteinander zusammenarbeiten, damit jede/r das Kind sehen, mit ihm zusammen sein kann, und - viel wichtiger, damit das Kind BEIDE Eltern behalten kann. Erst einmal hast Du das Sorgerecht, Dein Mann kann es aber auch beantragen, dann hättet Ihr beide das Sorgerecht. Hier gibt es andere Frauen, die Dir genauer darüber Auskunft erteilen können.

Was ich an Deiner Stelle jetzt machen würde, ist, dass ich zunächst alle wichtigen Papiere sammele, mindestens aber Kopien davon anfertige, etwas Geld beiseite lege (für die erste Zeit, Du hast ja kein Einkommen), Beweise sammele, wenn Dein Mann sich Dir gegenüber unlauter verhält (auch Protokolle von Gesprächen usw.), Buch führe über alle Drohungen etc. und ich würde mich bei ProFamilia anmelden, zu einem Beratungsgespräch. Das geht auch bei kirchlichen Institutionen. Die haben z.B. psychologische Familienberatungsstellen, und die sind diskret und sehr gut. Hier kannst Du Hilfe bekommen, auch sachliche Hilfe.

Wenn Du ausziehst, solltest Du Dich rechtzeitig mit dem Jugendamt in Verbindung setzen, die Situation schildern und um Unterstützung bitten. Auch hier hilft man gern.

Es ist schlimm, wenn man solche Entscheidungen im Eifer des Gefechts so unbedarft trifft. Aber das heißt nicht, dass Du nun ein Leben lang abhängig und leibeigen sein musst, erst Recht nicht Dich demütigen lassen musst!

Kopf hoch, und Nase nicht unterkriegen lassen!

Alles Gute!

Viele Grüße

Sileick

von Schniesenase am 27.09.2019

Antwort auf:

Darf er mich vor die Tür setzen?

Hallo Schniesenase,

Zunächst vielen lieben Dank für deine ausführliche Antwort.

Ja wie ich schon zugegeben habe war bzw. bin ich blauäugig und mir über so etwas noch nie Gedanken gemacht. Zum Ehevertrag: Er hatte damals ein kleines Sümmchen Geld angespart von dem er das Haus gekauft hat. Er wollte quasi sein Eigentum damit schützen, bei dem ich grundsätzlich kein Problem hatte. Nur wenn ich jetzt so darüber nachdenke, muss ich ehrlich zugeben, ich hab keinen Dunst was da noch so drin steht. Ich muss unbedingt diesen Vertrag kopieren und mich schlau machen, was drin steht. Warum ich das überhaupt unterschrieben habe, weiß ich nicht mehr. Und so langsam kommt die Erkenntnis, dass das mehr als Dumm war.

Du hast natürlich Recht, ich möchte auf keinen Fall irgendetwas überstürzen. Denn ich kann niemanden mit "Nichtwissen" die Stirn bieten. Ich möchte gut vorbereitet sein und diesmal keine Fehler machen.

Momentan geht es in meinem Kopf drunter und drüber. Aber ich bin froh, mich hier einmal aussprechen zu können....

von Honig-im-Kopf am 27.09.2019

Antwort auf:

Darf er mich vor die Tür setzen?

Also bitte! Du hast einen Ehevertrag unterschrieben ohne ihn zu lesen?

Hast du doch denn nicht ausführlich beraten lassen vorher? Normalerweise hält man da als Frau doch fest wieviel Geld man bekommt nach so und soviel zeit und Kindern. Was man eben aushandelt.

von lilly1211 am 28.09.2019

Antwort auf:

Darf er mich vor die Tür setzen?

Ein besonders hilfreicher Kommentar.

von Schniesenase am 28.09.2019

Antwort auf:

Darf er mich vor die Tür setzen?

Hallo Honig-im-Kopf,

Einsicht ist der erste Schritt zur Veränderung. Ich finde es mutig, dass Du hier so offen schreibst, wie klar Du Deine eigenen Fehler siehst.

Dein Mann brauchte sein eingebrachtes Kapital nicht zu schützen, da er es am Ende ohnehin behalten hätte. Wie schon gesagt, nur der Zugewinn in der Ehe wird aufgeteilt, und das ist nur fair. Das bedeutet auch, dass ggf. ein Teil des Hauses Dir gehört, nämlich der Teil, der abzüglich des eingebrachten Kapitals und möglicher Belastung noch an Mehrwert übrig bleibt. All das, falls der Ehevertrag nicht rechtens wäre.

Diese Tatsache wissen aber viele Leute nicht, weshalb "man" meint, einen Ehevertrag machen zu müssen. Wir haben uns seinerzeit selbst deswegen anwaltlich beraten lassen, um zu schauen, ob das für uns wichtig wäre. Ich wusste diese Zusammenhänge auch nicht.

Egal wie dumm - mach das Beste draus! Du kannst da rauskommen, und Du kannst Dir auch ein gutes, neues Leben aufbauen. Such Dir fachliche Unterstützung!

Alles Gute!

VG Sileick

von Schniesenase am 29.09.2019

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