Dr. Almut Dorn

Dr. phil. Dipl-Psych. Almut Dorn

Psychologische Psychotherapeutin

Frau Dr. phil. Almut Dorn ist als Psychotherapeutin seit über 20 Jahren im Bereich der Gynäkologischen Psychosomatik tätig. Sie studierte Psychologie in Bielefeld, Paris und Mannheim. Nach ihrer Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Psychotherapeutin in der Gynäkologischen Psychosomatik des Universitätsklinikums Bonn leitete sie die Gynäkologische Psychosomatik im Endokrinologikum in Hamburg. Seit 2010 ist sie in eigener Privatpraxis in Hamburg tätig und ist neben der Patientenversorgung als Dozentin und Supervisorin tätig.

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Dr. Almut Dorn

Ständige Angst in der Schwangerschaft

Antwort von Dr. phil. Dipl-Psych. Almut Dorn, Psychologische Psychotherapeutin

Frage:

Sehr geehrte Frau Dr. Dorn,

ich bin nach langem Kinderwunsch, vielen Versuchen und zwei frühen Fehlgeburten (8. SSW) nun endlich nach künstl. Befruchtung in der 22. Woche schwanger. Es ist ein absolutes Wunschkind, aber nach der Vorgeschichte und da ich inzwischen über 40 bin, weiß ich, dass diese Schwangerschaft meine einzige und letzte Chance auf ein Kind ist.

Das Problem ist, dass ich mich trotz oder gerade wegen dieser Vorgeschichte meine Schwangerschaft überhaupt nicht genießen kann, sondern ständig große Angst habe, dass das Kind nicht überlebt oder irgendeine (geistige) Beeinträchtigung haben könnte bzw. ich irgendetwas falsch mache, was dem Kind schadet, sei es die Ernährung oder irgendwelche Infektionen, die man sich einfangen könnte. Ich versuche eigentlich nur Tag um Tag zu überstehen und die Zeit bis zur Geburt irgendwie rumzukriegen. Alles Tests und Untersuchungen bisher waren absolut unauffällig und ich habe gehofft, dass sich damit und mit Fortschreiten der Schwangerschaft die Angst irgendwann legt, aber dem ist leider nicht so. Meiner Familie geht so langsam das Verständnis aus, auf welcher Basis ich ständig in Angst lebe, mein Gynäkologe ist sehr verständnisvoll und macht auch gerne mal einen Ultraschall mehr, wenn ich dann beruhigt bin, aber ich bemühe mich auch, ihm gegenüber nicht total paranoid zu erscheinen. Sollte ich mir in der Situation schon profesionelle Hilfe suchen oder ist das der "ganz normale Wahnsinn"? Ich bin schon etwas besorgt, dass mein Kind mal das totale Nervenbündel wird, weil ich permanent unentspannt bin...

Vielen Dank!

von Eleanor78 am 22.04.2020, 15:23 Uhr

 

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Ständige Angst in der Schwangerschaft

Durch Ihre starken Ängste zeigt sich, dass Sie ständig die Katastrophe eines weiteren Verlusts vor Augen haben (also gedanklich in der Zukunft leben und nicht im hier und jetzt), so befinden sich Ihr Körper und Ihre Psyche in ständiger Alarmbereitschaft. Tatsächlich können Sie ja gar nicht so viel verkehrt machen und das "Programm Schwangerschaft" läuft ganz ohne Ihren Einfluss ab - übrigens zum Teil ja auch unabhängig von Ihren Ängsten. Den Einfluss von Ängsten auf Ihr Ungeborenes will ich nicht ganz ausschließen, wie sich Ängste auswirken, wissen wir aber immer noch nicht genau - wir kennen sehr ängstliche Frauen, die sehr entspannte Kinder entbunden haben. Aber Sie und Ihr Kind haben einen Zustand "Guter Hoffnung sein" verdient, Vorfreude und Zuversicht sollten bei all den nachvollziehbaren Befürchtungen nicht fehlen. Um dafür Strategien zu finden, würde vielleicht doch eine professionelle Beratung z.B. in einer Schwangerenberatungsstelle helfen. Warum probieren Sie es nicht einfach aus?

von Dr. Almut Dorn am 22.04.2020

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Ständige Angst in der Schwangerschaft

Liebe Eleanor,

ich war 39 in der ersten Schwangerschaft. Mit Vorerkrankungen, konnte auch lange nur liegen.
Mein Mann hatte mir für diese Zeit Netflix besorgt und ich muss sagen, das war gut so.
Schau dir doch was Lustiges an, da kann man sich echt mal eine Weile gut entspannen und den Gedankenkreisel abstellen.
Mir hat es wirklich geholfen.

Ok, ich musste vor lauter Hormonen bei dem Trickfilm weinen, in dem sich die Gartenzwerge lieben... Also Vorsicht bei der Auswahl. ;)

Alles Gute.

von Esmeralda am 23.04.2020

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Ständige Angst in der Schwangerschaft

Hallo, hier exakt dasselbe. War 40 bei der Geburt und nach 7 ICSI, 1 FG ss geworden. Ich kann Dich so gut verstehen. Ich kann Dir kein Rezept geben. Es gibt keines. Ich legte mir auch nie einen Doppler zu, obwohl ich das eigentlich wollte. Was ich machte: ich suchte mir eine Hebamme, die mir anbot vermehrt zur Kontrolle zu kommen. Schon nur das Wissen darum, entlastete etwas. Dennoch dachte ich sehr oft ans Ende der SS, was alles passieren könnte. Vielleicht und das tönt jetzt wirklich fatal,half mir einen Plan B zu haben. Ich wusste, es könnte in jeder SS-Woche sein, das Kind zu verlieren, natürlich immer mit kleinerer Wahrscheinlichkeit aber genau ich könnte davon betroffen sein. Ich akzeptierte diese Angst und sagte mir, falls es so wäre, tja dann müsste ich mit diesem Schmerz leben. Viele Menschen tragen ein Schicksal. Ich halt dieses...so kam ich über die Runden. Neben mir schläft eine 1-jährige bezaubernde Tochter. Glaub mir, die Ängste werden nicht weniger. Sie ist agil und neugierig-was da alles passieren kann. Ich glaube, daran müssen wir arbeiten. Vertrauen gewinnen und dass es für nichts eine Garantie gibt !
Sei gedrückt und ich wünsche Dir ganz viel Kraft. Die Zeit vergeht, zu Deinen Gunsten.

von Nora11 am 04.05.2020

Antwort auf:

Ständige Angst in der Schwangerschaft

Hi, ich hoffe, es geht dir und deinem Baby nach wie vor gut!

Ich habe mich in deiner Geschichte sehr wiedergefunden (war 39 bei der Geburt, davor eine Eileiterschwangerschaft und drei FG, schlussendlich ICSI).

Ich hatte auch tausend Ängste, jeden Tag, vor allem, insbesondere vor fast jedem Lebensmittel, und dachte immer, er stirbt doch noch... habe auf einem KS bestanden, weil ich das Risiko bei einer Spontangeburt einfach nicht ausgehalten hätte... tja, was soll ich sagen? Mein Sohn, der kerngesund zur Welt kam - nicht am geplanten KS-Termin, sondern nach vorzeitigem Blasensprung in der 38. Ssw (Kopf noch nicht im Becken, also liegend in die Klinik - genau das, was man braucht, wenn man ohnehin schon 34 Wochen vor Panik schlottert), war als Baby absolut tiefenentspannt und ist inzwischen, 13 Monate alt, ein echter Draufgänger ;-)

Aber dennoch würde ich dir empfehlen: such dir Hilfe. Vielleicht kannst du die letzten Wochen entspannter genießen als ich. Vor allem aber hat es zumindest bei mir nicht mit der Entbindung aufgehört. Überall habe ich in, um und an mir Bedrohungen gesehen, habe sogar Pickel in Herpes umgedeutet, der für Neugeborene ja gefährlich ist. Da erst habe ich mir psychologische Hilfe gesucht - das lief beim Psychiater unter postpartale Angstproblematik und ging ganz fix mit einem Termin -, und ich wünsche mir oft, ich hätte es um meinet- und meines Sohnes Willen früher getan. Denn es wurde sehr schnell besser und ich kann mein wunderbares Kind, das von der ganzen Panik hoffentlich tatsächlich nichts abbekommen hat (ich kann nur hoffen), ganz anders genießen und inzwischen sogar ein ganz klein bisschen schmunzeln, wenn er beim Laufenlernen über die Katze in die Spülmaschine fällt, statt sofort mit einem fröhlich glucksenden Kind in der Notaufnahme zu stehen. Alles Gute für euch beide!!

von Maibaby2019 am 05.06.2020

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