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Geschrieben von AndreaL am 21.10.2006, 10:19 Uhr

'Übersteigerter' (?) Gerechtigkeitssinn...?

Hallo,

vielleicht nicht ganz passend für dieses Forum... trotzdem mal hier gefragt, da hier oft viele interessante Antworten gegeben werden.

Moritz geht in die 2. Klasse und hat ein ausgeprägtes Empfinden für richtig und falsch. Seine Klassenlehrerin hat das auch schon bemerkt und er kann es auch oft wohl im Unterricht formulieren. Es gibt da einen Jungen, der 'anders' ist in der Klasse. Die anderen ärgern ihn oft, was ihn aufregt. Er fühlt sich dann oft sehr hilflos - andererseits möchte er ihn auch nicht zum Freund haben oder ihn treffen - eben weil der Junge so ganz anders ist.

Nun kam es gestern zu einem Zwischenfall. Hier spielen viele Kinder im Alter zwischen 7 bis 13 zusammen. Die großen Kinder gehen sehr verantwortungsbewusst mit den Kleinen um... bislang zumindest.

Nun kam ein Junge dazu, der hier sonst nicht spielt. Wir kennen ihn noch aus Pekip-Zeiten und Moritz mag ihn nicht gerne, weil er ihn oft geschubst und geärgert hat, als sie kleiner waren und seine Mutter nie mit ihm schimpfte.

Der Junge eckt halt schnell mal an... immer noch...

So kam es dann zu der Szene, dass alle Kinder hier diesen Jungen mit Eicheln bewarfen. Zufällig kam ich gerade dazu und sah Moritz in furchtbarem Disput mit dem 13-Jährigen. Moritz weinte und warf ihm vor, dass er gemein wäre... Der 13-Jährige stand da ziemlich sprachlos.

Abends erzählte er dann, die anderen haben gesagt, er müsse sich entscheiden, 'zu wem' er gehört. Er mag ganz klar die anderen Kinder viel lieber, zumal er da selbst 'nichts zu befürchten hat'. Der Pekip-Junge kann auch mal ganz gemein sein... trotzdem nimmt ihn die Situation sehr mit...

Wie helfe ich ihm da? Er kann doch nicht jedes Problem der Welt selbst lösen... *seufz*

Gerade gestern wünschte er sich, Fleisch würde an Bäumen wachsen, damit keine Tiere getötet werden.

Manchmal mache ich mir Sorgen, dass er zu empfindlich ist.

Wer kann mir etwas dazu sagen?

LG

Andrea

 
7 Antworten:

Re: 'Übersteigerter' (?) Gerechtigkeitssinn...?

Antwort von Bonniebee am 21.10.2006, 11:52 Uhr

Hallo Andrea,

Dein Posting kommt mir bekannt vor, hast Du nicht vor einigen Jahren schon einmal zum ausgeprägten Gerechtigkeitssinn Deines Sohnes gepostet? Er scheint sich jedenfalls treu geblieben zu sein. Die meisten Kinder haben ja einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, und fordern daher auch von anderen Kinder, aber auch von uns Erwachsenen sehr viel.

Mir geht es zum Beispiel so, dass ich merke, wie ich bemüht bin, die hohen Erwartungen unserer älteren Tochter (7) zu erfüllen. Sie erwartet von mir, immer gerecht, immer geduldig und immer lieb zu sein - z.B. mit ihrem jüngeren Bruder, auf den sie sehr achtet. Wehe, ich ermahne ihn mal oder reagiere ungeduldig, wenn er was anstellt - dann kriege ich gleich eine Standpauke von ihr ("MAMA!!! Der ist doch noch so klein!!!") Ich finde das sehr gut, weil es mir zeigt, dass ich bei ihrer Erziehung doch zumindest das Meiste (hoffentlich) richtig gemacht habe.

Ich find's also gut, wenn ein Kind ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsbewusstsein hat. Denn das zeigt, dass die Eltern es nicht allzu oft enttäuscht haben darin. So dass es das jetzt auch von anderen Menschen erwartet. Dein Sohn ist außerdem offenbar sehr sensibel und intelligent. Du kannst ihm helfen, indem Du ihm sagst, dass es oft mehr Lösungswege gibt als man auf den ersten Blick sieht. Wenn Kinder einen vor eine Entscheidung stellen (Wir oder der), dann braucht man auf diese Forderung nicht einzugehen. Man kann sagen: Das brauche ich nicht zu entscheiden! Oder auch: Ich entscheide mich für beides. Denn die anderen Kinder sagen viel, wenn der Tag lang ist. Was sie heute wichtig finden, ist morgen schon vergessen. Man kann also auch abwarten und sagen: Ich überlege mir das Ganze erstmal. So gewinnt man Zeit und die Spannung geht von selbst aus der Sache raus.

Du wirst natürlich Deinen Sohn nicht ändern können. Du kannst ihm aber helfen, nicht zweigleisig zu denken, es gibt im Leben immer mehr als nur entweder-oder. Du könntest ihm auch vermitteln, dass Menschen nicht immer perfekt sein können, sondern auch Fehler machen dürfen - auch er selbst.

Was das Fleischessen angeht, könntet Ihr ihm sagen, dass es wirklich nicht okay ist, dass dafür Tiere sterben müssen. Denn das ist ja wahr. Ein Kompromiss bei uns: Wir kaufen nur argentinisches Rindfleisch (freilaufende Angus-Rinder), Bio-Schwein und Bio-Huhn sowie Wild. Diese Tiere haben in Freiheit gelebt. Wenn er ganz auf Fleisch verzichten möchte, würde ich das auch akzeptieren. Es gibt Broschüren darüber, wie man Kinder vegetarisch ernährt, ohne dass sie Mangelerscheinungen bekommen.

Liebe Grüße,

Bonnie-B

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Re: 'Übersteigerter' (?) Gerechtigkeitssinn...?

Antwort von bigwusch am 21.10.2006, 12:04 Uhr

Hallo :o)

Mir kommt es auch sehr bekannt vor, weil unsere Tochter (7) ist fast genauso :o/

Sie ist sogar schon einen Schritt weiter gegangen. Und hat ihre Freunde vor die Entscheidung gestellt: Entweder ihr lasst anderer in Ruhe weil das macht man nicht, oder wir können keine Freunde mehr sein.

Sie hat aus so einer ähnlichen Situation heraus, wie bei deinem Sohn. Freunschaften gekündigt weils ihr zu weit ging zu was ihre "freunde" fähig wahren.

Lg Mel

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@ Bonnie

Antwort von AndreaL am 21.10.2006, 12:09 Uhr

Liebe Bonnie,

danke für Deinen lange ausführliche Antwort.

Es beruhigt mich, dass auch andere Kinder soooo auf Gerechtigkeit achten. Schön bei Euch ;-)... da würde ich gerne mal Mäuschen spielen!

Ja, letztlich habe ich 'so' gehandelt, es ihn gestern erzählen lassen und erst einmal nichts kommentiert. Ihm gesagt, dass sich Spiele mit vielen Kindern ändern können, dass man als Einzelner nicht unbedingt immer Einfluss darauf hat.

Und innerlich gedacht, morgen kann schon alles anders aussehen.

Nachhaltig beeindruckt hat mich aber das Bild des weinenden Siebenjährigen vor dem schuldbewusst dreinblickenden Dreizehnjährigen 'WARUM machst DU DAS???'...

Und dann noch mit dem Wissen, dass er eigentlich selbst oftmals dem Pekipfreund Abfuhren erteilt oder gar das Weite sucht...

Dein Hinweis mehrgleisig zu denken und ihn dahin zu führen, bringt mich weiter. Das ist ein guter Ansatz für zukünftige Gespräche!

Außerdem hatte ich ihm auch gestern erzählt, dass er 7 (!) Stunden mit seinen Freunden draußen gespielt hatte und einfach kaputt war... wie wahrscheinlich alle (zumal sie das seit BEginn der Ferien machen, ein 'Hoch' auf das Wetter!). Und diese Erschöpfungserscheinungen äußern sich dann halt mal in Stress und Ärger und dass das Spielen nicht mehr so 'rund' läuft...

Ich frage mich ernsthaft, wie er sich später entwickeln wird *seufz*..., er leidet manchmal so...

Andererseits freue ich mich doch auch sehr über diese Charaktereigenschaft.

Danke Dir noch einmal!

LG

Andrea

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Wie die Mutter, so der Sohn???

Antwort von chrispi am 21.10.2006, 12:15 Uhr

Hi Andrea,

aus deinem posting spricht eine Mutter, die sehr genau hinschaut, sich Gedanken macht und differenziert urteilt.

Wahrscheinlich ist dein Sohn da dir einfach ein wenig ähnlich.

Lass ihn so, wie er ist. Da er viel nachdenkt, wird er sich das Leben wahrscheinlich nicht gerade einfach machen - davor kannst du ihn nicht bewahren. Dafür ist er aber auch sensibel und fair. Und das ist doch schön!

Einen schönen Tag wünsche ich dir noch!

Chrispi

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@ Chrispi

Antwort von AndreaL am 21.10.2006, 12:19 Uhr

*lach*...

Im Spaß sagt sein Papa manchmal, dass er bestimmt Sozialpädagoge wird ;-)...

Ich selbst bin ja Förderschullehrerin, was ihn (seitdem ich ihn um die Besonderheiten der Schule aufgeklärt habe) sehr beeindruckt *seufz*...

Wenigstens ist er dabei recht selbstbewusst und auch recht fordernd - als Ausgleich sozusagen :-)...

LG

Andrea

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Re: 'Übersteigerter' (?) Gerechtigkeitssinn...?

Antwort von sun1024 am 22.10.2006, 20:51 Uhr

*g* ich musste spontan daran denken, dass ich als Kindergartenkind "hauen ist keine Lösung" propagiert habe und als Grunschulkind meinen Mitschülern den Nestlé-Boykott erklärt habe...

Natürlich macht er es sich damit nicht immer leicht... andererseits kann man ihm nur wünschen, diese Charakterstärke beizubehalten und später bei Mutproben, Klauen, Rauchen, Drogen etc. genauso vehement dagegen zu wettern, auch wenn es seine Freunde sind...

LG sun

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Re: ich finde es eine positive Stärke!

Antwort von mini99 am 23.10.2006, 10:23 Uhr

Hallo!
Ich finde es gut, wenn auch Kinder ihre eigene Meinung haben und auch den Mut, diese zu vertreten. Das wird deinem Sohn zwar jetzt einige Steine in den Weg legen, aber im späteren Leben stärken und er lernt jetzt schon "nein" zu sagen, wenn er etwas nicht o.k. findet.
Mein Sohn gehört auch zu den Kindern, die sich um andere Kinder kümmern und sie verteidigen. Ein Schulkollege hat z.B. starke Neurodermitis und wurde von Kinder deshalb gehänselt. Mein Sohn und ein weiterer Freund haben diesen Jungen ganz stark verteidigt und den anderen Kindern vermittelt, dass er nichts dafür kann und es nicht o.k. ist wenn sie ihn auslachen. Es ist gut, klipp und klar zu sagen, was einem nicht passt, und umso früher es Kinder lernen, umso besser!
Liebe Grüße
Traude

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