Fieber messen bei Babys und Kindern

Fieber messen bei Babys und Kindern
Dr. Andreas Busse

Fieber ist das häufigste Begleitsymptom, wenn Kinder krank sind.
Ob grippaler Infekt oder Kinderkrankheit, fast alle Infektionen gehen bei ihnen mit einer erhöhten Körpertemperatur einher. Dabei sollten Eltern von kleinen "Glühwürmchen" wissen: Das Fieber an sich ist nichts Bedrohliches, sondern ganz im Gegenteil eine sehr gesunde Körperreaktion

Ihr Kinderarzt Dr. Busse

 

Panik ist also im Normalfall nicht angebracht, selbst wenn das Fieber mal höher steigt. Trotzdem fragen sich natürlich viele Eltern, wann sie zu fiebersenkenden Maßnahmen greifen sollten und wann sie dringend zum Kinderarzt oder Kindernotdienst gehen müssen. Die Höhe der Körpertemperatur ist dafür erst einmal gar nicht so entscheidend, sondern viel eher das Allgemeinbefinden Ihres Kindes. Zudem stellt sich die Frage, wie und wo denn das Fieber gemessen werden soll. Je nach Alter ist das unterschiedlich:

Von der Geburt bis zum 3.Lebensmonat – die "klassische Messung im Po"

Die beste Methode, bei jungen Säuglingen die Körpertemperatur zu messen, ist immer noch rektal - also im Po - mit dem klassischen, heutzutage elektronischen und damit quecksilberfreien Fieberthermometer. Sie dürfen Ihr Kind dabei aber nicht sich selber überlassen, sondern müssen es z.B. auf dem Wickeltisch oder im Bettchen festhalten. Ansonsten besteht die Gefahr, dass es sich am empfindlichen Darmausgang verletzten könnte. Um eben dies zu vermeiden, gibt es inzwischen auch digitale Fieberthermometer extra für Kinder - mit einer weichen, biegsamen Spitze. Geben Sie ein wenig Creme auf die Spitze und führen Sie es vorsichtig etwa zwei Zentimeter in den Po ein. Die modernen Thermometer messen sehr rasch und zeigen das Ergebnis mit einem Piepston an.

Das Stirnthermometer - eine gute Alternative für jedes Alter

Eine gute und natürlich sehr bequeme Alternative ist das Stirnthermometer. Es kann auch beim schlafenden Kind angewandt werden und neuere Studien weisen darauf hin, dass die Messung an der Stirn selbst schon bei Neugeborenen genaue Werte erbringt. Ein digitales Stirnthermometer ist nicht ganz billig, aber dennoch für einen Haushalt mit Kindern eine praktische und sinnvolle Anschaffung.

Das Ohrthermometer – ab 6 Monaten geeignet

Eine weitere sehr beliebte Methode ist die Messung der Körpertemperatur im Gehörgang. Dabei wird der Fühler nur kurz in den Gehörgang des Kindes gehalten und ergibt trotzdem einen ziemlich exakten Wert. Allerdings funktioniert das bei sehr kleinen Babys mit entsprechend engem Gehörgang oft noch nicht richtig. Die Messung ist sehr genau, erfordert aber ein wenig Übung, den Messfühler genau im Gehörgang zu platzieren. Am besten lassen Sie sich einmal in Ihrer Kinderarztpraxis zeigen, wie man das Ohrthermometer richtig einsetzt. Seit kurzem bietet ein Hersteller auch ein kombiniertes Stirn-/Ohrthermometer an, was natürlich sehr praktisch je nach Situation eingesetzt werden kann.

Schnuller-Thermometer fürs Babys?

Ein Schnuller mit integriertem Temperaturfühler klingt nach einer immens praktischen Alternative für fiebernde, quengelnde Babys und Kleinkinder. Allerdings ist diese Methode nicht besonders zuverlässig. Sie sollten darauf nur im Notfall für einen kurzen Zwischencheck zurückgreifen und die Temperatur anschließend möglichst bald mit einer exakteren Methode überprüfen. Das Gleiche gilt für Teststreifen, die Sie auf die Stirn legen können.

Richtig Fieber messen im Mund und unter der Achsel

Solange Kinder klein sind und die Gefahr besteht, dass sie auf das Thermometer beißen, ist die an sich sehr verlässliche Messung im Mund noch keine Option. Größere Kindern und Erwachsene können aber durchaus auch im Mund mit einem klassischen Fieberthermometer messen. Dabei muss man nur beachten, dass die Messwerte etwa 0,6 Grad unter den rektal gemessenen liegen. Die Messung im Mund sollte 10 Minuten dauern. Das Thermometer wird seitlich in eine der Taschen unter der Zunge geschoben und der Mund sollte geschlossen bleiben. Beim Fiebermessen unter der Achsel – ab 3 Monaten möglich - sollten Sie wissen, dass diese Werte ebenfalls deutlich unter den rektal gemessenen liegen. Sie müssen bis zu einem Grad obendrauf schlagen. 37,5 ist dann also eigentlich schon 38,5 Grad. Wenn Sie ihr Kind dabei bis zum "Pieps" eng im Arm halten, klappt das Messen unter der Achsel ganz gut.

Fieber - nicht so dramatisch wie es klingt

Fieber ist einer der Hauptgründe, warum Eltern mit ihrem Kind die Kinderarztpraxis aufsuchen. Dabei genießt hohes Fieber völlig zu Unrecht einen "schlechten Ruf". Durch die ansteigende Körpertemperatur wird das Wachstum von Viren und anderen Krankheitserregern im Körper gelähmt. So arbeiten z.B. die "Fresszellen", die Virenbekämpfer im Körper, am effektivsten bei einer Temperatur von 39 Grad. Manche Abwehrfunktionen verbessern sich sogar noch bei 40 bis 41 Grad. Wenn man das Fieber unnötiger Weise senkt, beraubt man also den Körper seiner besten Abwehrwaffe. Vor allem kleine Kinder bekommen sehr schnell sehr hohes Fieber. Das ist an sich noch nichts Schlimmes, denn hohes Fieber allein verursacht erst mal keine Schäden im Körper. Dennoch sollten Sie mit Babys ab einer Temperatur von 38,5 Grad sicherheitshalber immer den Kinderarzt anrufen.

Wichtiger als die Höhe des Fiebers ist immer die Frage: Wie fühlt sich das Kind dabei. Ist es trotz hohen Fiebers einigermaßen wohlauf und trinkt vor allem genügend, müssen Sie sich keine Sorgen machen. Anders sieht es aus, wenn der Allgemeinzustand schlecht ist und das Kind über Kopf- oder Gliederschmerzen klagt. Dann kommen fiebersenkende Maßnahmen wie Zäpfchen oder Säfte mit den für Kinder gut verträglichen Wirkstoffen Paracetamol oder Ibuprofen zum Einsatz. Wadenwickel und andere kühlende Maßnahmen sollten Sie nur dann anwenden, wenn Ihr Kind nicht fröstelt und wenn sich auch Arme und Beine warm anfühlen.

Im Zweifelsfall - bei Säuglingen unter 6 Monaten immer! - sollten Sie natürlich mit Ihrem Kind zum Arzt gehen. Lieber einmal zu früh als zu spät, ist hier die Devise. Und: je jünger das Kind ist, umso früher. Im Lauf der Zeit werden Sie aber sicher ein gutes Gespür dafür bekommen, ob Ihr Kind mit dem Fieber - beziehungsweise mit der dahintersteckenden Krankheit - noch gut klarkommt oder ob Sie lieber den Arzt zu Rate ziehen sollten.

von Kinderarzt Dr. Andreas Busse

Zuletzt überarbeitet: Oktober 2018

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