Mit dem Frühchen nach Hause - die ersten Tage

Mama mit Baby im Schaukelstuhl

© fotolia, famveldman

Wie lange ein Frühchen in der Klinik unter medizinischer Betreuung bleiben muss, ist von Kind zu Kind vollkommen unterschiedlich. Doch irgendwann darf es nach Hause.

Es ist soweit: die aufregenden und sorgenvollen Wochen nach der Frühgeburt sind überstanden und es geht endlich heim. Damit die ersten Tage mit ihrem Frühchen gut verlaufen, sollten Sie ein paar Vorbereitungen treffen.

Voraussetzungen für die Entlassung eines Frühchens

Wann ein Frühchen nach Hause darf, entscheiden die Ärzte in Absprache mit den Eltern. Entscheidend ist der Allgemeinzustand des Kindes, wie schwer es ist und wie seine allgemeine "Reife" beurteilt wird. Die Reife eines Babys ist durch unterschiedliche Merkmale gekennzeichnet:

  • Das Baby kann seine Körpertemperatur selbständig ohne Wärmebettchen halten.
  • Es atmet allein und regelmäßig ohne Atemhilfe.
  • Es trinkt ausreichend aus der Flasche oder an der Brust.
  • Die Blutwerte müssen nicht mehr täglich kontrolliert werden.
  • Es braucht keine Infusionen mehr und kann Medikamente selbst schlucken.

Manchmal werden auch Ausnahmen gemacht: Wenn Ihr Kind in einem sehr guten Allgemeinzustand ist, kann es unter Umständen auch mit Magensonde oder Atemhilfe entlassen werden. Manchmal ist auch ein mobiler Überwachungsmonitor für zuhause nötig. Der dient in erster Linie als reine Vorsichtmaßnahme, damit sich die Eltern nicht zu große Sorgen machen.

Rooming-In zur Vorbereitung

Wenn Ihr Baby entlassen wird, sollten Sie sich in der Lage fühlen, es rund um die Uhr versorgen zu können. Das Stillen oder Füttern mit dem Fläschchen sollte so gut eingespielt sein, dass Sie zuhause nicht in Stress geraten. Außerdem ist es wichtig, dass Sie mit allen Pflegemaßnahmen vertraut sind, die Ihr frühgeborenes Baby braucht.

Beim Entlassungsgespräch am Tag vor der Entlassung können Sie alle Fragen und Probleme mit dem zuständigen Arzt und den Schwestern besprechen. Ideal ist es, wenn Sie die letzten Tage vor der Entlassung im 24-Stunden-Rooming-In mit Ihrem Kind verbringen können. Dadurch sind Sie schon etwas mit seinem Rhythmus und seinen besonderen Bedürfnissen vertraut. Fragen Sie in der Klinik nach, ob diese Möglichkeit besteht. Ansonsten sollten Sie die letzten Tage vor der Entlassung möglichst von morgens bis abends bei Ihrem Frühchen verbringen, um so viel wie möglich vom Alltagsablauf mitzubekommen.

Fürs Frühchen alles vorbereiten

Es ist eine große Hilfe, wenn zuhause alles gut vorbereitet ist, damit Sie in den ersten, aufregenden Tagen daheim das Haus so wenig wie möglich verlassen müssen. Legen Sie am besten ein paar Vorräte an, damit Sie nicht einkaufen gehen müssen.

Nachdem Ihr Baby seinen Geburtstermin um einige Wochen nach vorne verlegt hat, ist wahrscheinlich noch nicht alles fertig eingerichtet. Keine Angst, Sie müssen jetzt nicht noch schnell das Kinderzimmer tapezieren. Wirklich wichtig sind ein Schlafplatz mit Bettchen, Wiege oder Stubenwagen, eine Wickelkommode mit Wärmestrahler darüber und eine Babyschale für den Transport im Auto.

Außerdem sollten Sie alle Utensilien, die Sie für die Versorgung des Babys brauchen, ausreichend zuhause haben: Fläschchen und Sauger, Milchpumpe, genügend Windeln, Babykleidung, Pflegeprodukte und alle Medikamente, die Ihr Baby nehmen muss. Die Milchpumpe können Sie in der Apotheke ausleihen. Die Kosten dafür übernimmt die Krankenkasse, wenn der Arzt ein Rezept ausgestellt hat.

Die ersten Tage mit dem Frühchen zu Hause

Die erste Zeit werden Sie vermutlich rund um die Uhr mit Ihrem Baby beschäftigt sein. Sie werden es alle zwei bis drei Stunden füttern, mehrmals täglich wickeln, viel schmusen und herumtragen. Nehmen Sie sich diese Zeit - es gibt jetzt nichts wichtigeres. Sie ist für Sie und Ihr Kind sehr bedeutend, um den Schock der Frühgeburt zu überwinden und eine feste Bindung aufzubauen. Auch jetzt braucht Ihr Baby noch viel Hautkontakt, deshalb "känguruhen" Sie am besten weiter.

Gönnen Sie sich und Ihrem Kind in den ersten Tagen viel Ruhe. Natürlich wollen Großeltern, Freunde und Nachbarn das Baby sehen. Vertrösten Sie Gäste noch ein bisschen. Damit Sie und Ihr Baby Ihren Rhythmus finden, brauchen Sie jetzt unbedingt Zeit für sich. Frühchen haben darüber hinaus eine weitaus niedrigere Reizschwelle als termingerecht geborene Babys und reagieren irritiert auf ungewohnte Geräusche und Trubel.

Hygiene und Händewaschen

Weil Frühchen besonders empfindlich auf Erkältungs- und Kinderkrankheiten reagieren, sollten Sie zu Hause noch einige Wochen sorgfältig auf Hygiene achten und alle Flaschen, Sauger, Schnuller, etc. gründlich auskochen oder mit Wasserdampf desinfizieren. Häufiges Händewaschen ist der beste Schutz, damit Sie keine Erreger ins Haus bringen. Halten Sie auch alle Besucher zum Händewaschen an und lassen Sie niemanden zu Ihrem Kind, der nicht völlig gesund ist.

Hilfe organisieren

Mobilisieren Sie Ihr Netzwerk und scheuen Sie sich nicht nach Hilfe zu fragen. Die meisten Menschen helfen gerne, wenn man ihnen konkret sagt, was Sie tun können. Fragen Sie Freunde oder Nachbarn, ob sie für Sie einkaufen können. Vielleicht kann die Oma für die größeren Geschwisterkinder mittags kochen oder auch mal kurz aufpassen. Optimal ist es natürlich, wenn der Vater Urlaub oder Elternzeit nehmen kann. Zu zweit ist man viel entspannter, weil man sich mit der Versorgung des Babys abwechseln kann.

Falls der Vater unbezahlten Urlaub nimmt, übernehmen die Krankenkassen eine Ausgleichszahlung. Haushaltshilfen werden in der Regel nur für die Zeit gezahlt, in der die Mutter in der Klinik ist. Der Mutterschutz erhöht sich übrigens bei einer Frühgeburt von acht auf 12 Wochen.

Hebamme und Kinderarzt

Der wichtigste Ansprechpartner bei allen gesundheitlichen Fragen, die Ihr Kind betreffen, ist in den nächsten Wochen Ihr Kinderarzt. Falls nicht schon geschehen, sollten Sie sich einen niedergelassenen Arzt in Ihrer Nähe aussuchen, der über genügend Erfahrung mit Frühchen verfügt. Es ist sehr wichtig, dass Ihr Kind in den nächsten Wochen und Monaten engmaschig untersucht wird, damit man eventuelle Defizite rechtzeitig erkennt und frühzeitig Fördermaßnahmen einleiten kann.

Außerdem steht Ihnen die Hilfe einer Hebamme zu. Sie kommt in den ersten Tagen zu Ihnen nach Hause und kümmert sich um Sie und Ihr Kind. Die Kosten für 10 Besuche übernimmt die Krankenkasse, weitere Besuche kann der Kinderarzt verordnen. Falls die Beratung zum Stillen nicht von der Hebamme übernommen wird, sollten Sie sich um eine gute Laktationsberaterin bemühen.

Wenn Ihr Baby mit Magensonde oder Beatmungsgerät entlassen wird, hilft Ihnen ein ambulanter Kinderpflegedienst bei der Versorgung.

Weitere Informationen z.B. zu Selbsthilfegruppen, Elterninitiativen, psychologischer Hilfe oder dergleichen erhalten Sie über den Bundesverband "Das frühgeborene Kind" e.V.

Zuletzt überarbeitet: Juni 2020

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