Birgit Neumann

Birgit Neumann

Dipl. Ökotrophologin

Birgit Neumann studierte Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Beratung und schloss ihr Studium mit dem Titel Diplom Ökotrophologin (Dipl.oec.troph.) ab. Seit dem Studium ist sie als Ernährungs­beraterin und Kursleiterin tätig. Mit regelmäßigen Fortbildungen hält sie ihr Wissen zur Baby- und Kinder­ernährung auf dem aktuellen Stand.

Birgit Neumann

Umstellung Familienkost

Antwort von Birgit Neumann

Frage:

Hallo,meine Tochter wird bald 10 Monate alt. Ich bin mir unsicher wie ich die Umstellung andie Familienkost gestalten kann. Gerne haette ich ein paar Anregungen und Rezepte von Ihnen. Gekochte Nudeln wie Spaghetti und Kartoffeln habe ich ihr schon angeboten. Bei rohen Gemuese/Obst war ich noch unsicher. Was bietet sich da an? Haetten Sie noch ein Porridge/Haferflocken-Rezept? Ich danke Ihnen im Voraus.

von Franzi196 am 16.09.2020, 19:48 Uhr

 

Antwort auf:

Umstellung Familienkost

Hallo Franzi196
schau einmal wie gut deine Tochter die Sachen annimmt, die du ihr anbietest. Es ist jetzt fast alles erlaubt, was ungefährlich ist. Setze deine Tochter ganz selbstverständlich zu euren Mahlzeiten mit an den Tisch, so dass sie euch gut sehen und beobachten kann. Richte ihr einen rundum sicheren und festen Essplatz samit Geschirr. Lege ihr auf ihren Teller/Brettchen,/Matte alle Speisen so hin, dass sie diese gut sehen und greifen kann. Richte zunächst kleine und überschaubare Portionen aber biete durchaus eine Auswahl an Verschiedenem. Lass sie das Essen mit ihren Händen untersuchen. Lass sie die Speisen sehen und anfassen, zermatschen, zerdrücken, zerpflücken, darauf beissen, wieder ausspucken....
Biete ihr eine rundum sichere Kostpalette, welche sie stets gefahrenfrei essen/schlucken kann. Biete Geschmack. Eure übliche Familienkost darf leicht gewürzt sein, nur nicht zu salzig - auch wegen der Geschmacksprägung.
Lass sie, während ihr Eltern auch esst, einfach mitessen. Lass sie ihre eigenen Erfahrungen mit den verschiedenen Speisen und Lebensmitteln machen.
Bereite die Speisenangebote so zu, dass sie diese gefahrenfrei essen kann. Das bedeutet bspw im Falle eines harten Apfels : rohe Äpfel sind am Stück noch ungeeignet, weil sie zu hart sind und noch nicht optimal zerkleinert/gekaut werden können. Das kann beim Schlucken größere Probleme bereiten. Es ist nun bspw möglich, einen rohen Apfel ganz fein zu reiben.
Eine Birne ist, wenn reif, ganz weich und eignet sich als Rohkost-Fingerfood schon gut. Ebenso Melone oder anderes.
Du kannst Familienspeisen welche in ihrer Konsistenz noch nicht optimal geeignet (zu groß, zu unförmig etc) sind vor den Augen deines Kindes einfach klein schneiden. Du kannst manche Speise mit der Gabel zerdrücken. Lass deine Tochter aber unbedingt selbständig essen und lass sie dabei viel Handkontakt mit den Speisen erleben. Der haptische Eindruck verschafft deinem Kind einen ersten einer Speise und gibt deinem Kind damit wichtige Impulse zum Handeln.Sie lernt auf diese spielerische Art neue Konsistenzen kennen - und wird sie langfristig akzeptieren lernen.
Der Mund ist in einer weiteren Instanz schließlich die Eintrittspforte für das Essen. Im Mund wird das Essen weiterhin auf Eignung geprüft. Mit den Geschmacksknospen und dem Tastsinn im Mundraum - was gefällt wird auch geschluckt. Alle Kinder mögen eine weiche, samtige Textur. Sie mögen lauwarm und süß. Diese Speisen wie bspw ein Grießbrei ist darum eine ideale Kost für Essanfänger. Damit dein Kind aber auch lernt andere Konsistenzen und Aromen, andere Temperaturen, anderen Geschmack zu mögen, sollte sie andere Speisen in den Mund nehmen können und bewerten. Bei Nichtgefallen wird die Speise ausgespuckt. Aber: beim nächsten Mal gefällt die Speise häufig schon viel besser - es sind sogar bis zu 10 dieser Kontakte nötig, um Kinder an Neues zu gewöhnen. Bereits kleine Mengen von neuen Speisen sind für den Anfang aber schon ganz prima.
Biete deiner Tochter auch Geschmack, biete verschiedene Konsistenzen, biete gemeinsame Esserlebnisse -
mach den Esstisch zum Abenteuerspielplatz für alle Sinne.
Mit einer verantwortungsbewussten Lebensmittelauswahl deinerseits, mit babygeeigneten und ungefährlichen Speisen wird dein Kind künftig viel Freude am Esstisch erleben und Essen ganzheitlich und spielerisch kennelernen können, sich auch ausreichend satt essen. Achte auf einen sicheren, festen und bequemen Sitz bei Tisch. Hab deineTochter beim Essen immer gut im Blick.

Und hier sind noch ein paar Rezeptanregungen:
Kartoffelwolken:
160g gekochte (Salz-)Kartoffeln
30 ml Öl
2 Eier
100g Schmand (oder saure Sahne/Creme Fraiche)
80g Mehl
1 Msp Backpulver
aus den Zutaten einen Teig (mit dem Handrührgerät) mixen.
Den Teig in kleinen Klecksen auf ein Backblech (Backpapier/Backmatte) geben uund bei 180° ca 20 min bis sie gar sind, backen.

Herzoginkartoffeln
750g geschälte Kartoffeln in Salzwasser kochen. Wasser abschütten, Kartoffeln stampfen, zu Kartoffelbrei. Etwas auskühlen lassen.
mit
1 Ei, 1 Eigelb, Salz, 1 EL Butter vermengen, Hauch Muskat nach Belieben.
Alles gut vermischen und mit dem Spritzbeutel Rosetten auf eine Backblech spritzen.
Wenn das zu mühselig ist, also für die Alltagsküche, kann man den Teig auch mit Hilfe von zwei TL als Nocken auf ein Backblech setzen.
Die Dinger werden noch mit einer Eigelb/Milch-Mischung bepinselt und ca 15 min im Ofen bei 190° gebacken. Auch Sahne reicht zum Bepinseln aus. Sie werden dann nur nicht so schön leuchtend gelb.


Hafer-Bananen-Cookies:
1 große, reife, gelbe Banane (oder Apfelmus)
ca 100-120g feine Haferflocken
viel weniger als 1 Msp Bourbonvanille
zerkleiner die Haferflocken in einem Blitzhacker zu "Mehl". Zermuse oder püriere die Banane, vermische sie mit der Vanille.
Gib das Hafermehl dazu und bereite aus allen Zutaten einen Brei
Heize den Ofen auf 175° hoch und bereite ein Backblech mit Backpapier vor. Mit Hilfe von 2 TL und deinen Händen kannst du jetzt aus dem Teig kleine Kekse formen, etwas flach drücken und ca 10-12, ggf länger, im Ofen backen. Anschliessend auf einem Kuchengitter auskühlen lassen.
Diese Kekse sind bei vielen Müttern beliebt. Ggf musst du etwas experimentieren, bis du nach dem Backen die richtige Konsistenz erhältst.

Süßkartoffelfingerfood:
150g Süßkartoffel
1 mittelgroße Zwiebel
2 TL getrocknete Petersilie
1 EL Margarine/Öl
Öl
50g Haferflocken, zerkleinert
Zwiebel fein schneiden, in der Margarine weich dünsten. Die Süßkartoffel dämpfen, mit der Gabel zerdrücken. Zwiebel und Gewürze untermischen, Hafer dazu geben. Ca 20 min quellen lassen.
Aus der Masse kleine Patties formen. Mit feuchten Händen, anschließend in Semmelbröseln wälzen, und vorsichtig und sanft leicht anbraten

Grundrezept für Grießschnitten:
200g Kuhmiilch (oder Pflanzendrink, z.B. Haferdrink plus 1 TL Butter
40g Grieß
Grieß in der Milch gut 3 min aufkochen, Grieß ausquellen lassen, auf einen Teller streichen, stehen lassen, in Stücke schneiden, plus Obst.

Zubereitung babygerechte Gemüsesticks:
Schneide aus rohen Gemüsesorten (bspw Möhre, Pastinake, Kohlrabi, Zucchini, Kürbis, Süßkartoffel, Kartoffeln, auch: Brokkoliröschen, Blumenkohlröschen) oder Obstsorten wie Apfel, Birne fingerdicke ca 8-10cm lange Stücke. Gare sie (dampfgaren oder in wenig Wasser dünsten) ohne Zusätze in einem Topf mit etwas Wasser einfach sehr weich.
Fertig ist das Fingerfood.
Im Alter deines Sohnes kannst du das Gemüse in Butter/Öl schwenken und leicht würzen.
wenn dein Kind bereits den Pinzettengriff gut beherrscht (bestimmt!), kannst du dias weich gegarte Gemüse auch würfeln und zum Aufpicken auslegen.

So kannst du das auch mit den Brotwürfeln machen. Schneide kleine Butterbrotstückchen und arrangiere diese übersichtlich auf dem Teller.
Lass dein Kind alles mitessen, was möglich und geeignet ist.

Rezepttipps und Rezeptvorschläge:
Haferwaffeln: mahle Haferflocken mehlfein und ersetze in den gängigen Rezepten ca 1/3 Mehl durch das Hafermehl.

Quellmüsli:
40g feine Haferflocken, 100 ml Wasser
die feinen Haferflocken in einem hitzefesten Gefäß mit etwa 100 ml kochendem Wasser übergießen, ca 20 min (oder über Nacht = overnight Oats) quellen lassen.
dazu nach Gefallen: 25g Datteln kleiner schneiden und in ein hitzefestes Gefäß geben. Dann ebenfalls mit ca 100 ml kochendem Wasser übergießen, kurz quellen lassen, und pürieren, einen Klecks auf das Quellmüsli geben plus 1 TL Öl.

Grüße
Birgit Neumann

von Birgit Neumann am 18.09.2020

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