Prof. Dr. med. Gerhard Jorch

Verlauf von Frühchen mit Infektion (siehe unten)

Antwort von Prof. Dr. med. Gerhard Jorch

Frage:

Lieber Herr Dr. Jorch,
vielen Dank für Ihre Antwort von letzter Woche auf meine Frage zum Thema "Frühchen mit Infektion".
Sie schrieben, dass sich die Infektion am ehesten nach einer Listeriose anhört. So wie wir informiert sind ist der Verlauf bei einer konnatalen Listeriose meist fatal, oftmals tödlich.
Leider wurde das Blut nach der Geburt nicht auf Listerien getestet, es war auch keine Probe mehr da. Es ist immer noch unklar was nun tatsächlich der Erreger war.
Glücklicherweise ging es bei der Kleinen bisher verhältnismäßig gut weiter. Es gab keine weiteren Komplikationen, der Zustand verbesserte sich von Tag zu Tag. Nach 5 Tagen Beatmung konnte auf CPAP Atemhilfe umgestellt werden. CRP ist bereits seit Ende letzter Woche negativ. Auch sonst ist sie stabil und macht einen gzten Eindruck. Nach anfänglicher Gewichtsabnahme nimmt sie nun auch gut zu.
Nun meine Fragen:
1. Macht dieser Verlauf eine Listeriose nun unwahrscheinlich? Oder gibt es hier auch mildere Verläufe?
2. Als Antibiotika bekommt sie Ampicillin+ Tombramycin. Wären dies auch bei Listeriose die Mittel der Wahl?
3. Leukozyten sind etwas zurückgegangen, aber noch immer deutlich erhöht. Da der Infekt laut der Ärzte bekäpft scheint und auch keine bösartigen Zellen beim Blutaustrich gefunden wurden geht man nun von einer leukämoide Reaktion aus. Kommt dieses Phänomen öfters vor bei Frühchen mit Infektion?
Vielen Dank für Ihre Antwort!

von JohannaK am 25.08.2010, 09:55 Uhr

 

Antwort:

Verlauf von "Frühchen mit Infektion" (siehe unten)

Ich freue mich, dass es Ihrem Kleinen besser geht. Zu ihren 3 Fragen:

1. Nur die schwere Form der Listeriose zeigt sich als Vollbild der sogenannten Granulomatosis infantoseptica, wie sie im Lehrbuch dargestellt wird. Man muß davon ausgehen, dass Listeriosen ohne dieses Vollbild wegen der erforderlichen spezifischen Diagnostik nicht erkannt, aber richtig therapiert werden, weil die üblichen Antibiotika, insbesondere das Ampicillin gegen Listerien wirksam sind.

Damit ist auch die 2. Frage schon beantwortet.

3. "Leukämoide Reaktion" ist keine Diagnose, sondern nur die medizinische Bezeichnung dafür, dass die Leukozyten so hoch sind wie bei vielen Leukämien, diese aber ausgeschlossen ist. Leukämoide Reaktionen sind untypisch für eine neonatale Infektion mit den üblichen Bakterien, die meistens der Darmflora entstammen, aber u.a. typisch für Listeriose, Pertussis (Keuchhusten), Eitererreger.....

von Prof. Dr. med. Gerhard Jorch am 26.08.2010

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