Dr. med. Ludger Nohr

Unzufriedenes Kind - ein Nachtrag

Antwort von Dr. med. Ludger Nohr

   

 

Unzufriedenes Kind - ein Nachtrag

Ich danke Ihnen sehr für Ihre Antwort.Ich denke viel darüber nach.Könnte es evzl sein,daß sein Verhalten ein Zeichen von Überforderung ist?Er lag jetzt ja wirklich sehr lange im Krankenhaus,in dieser Zeit sind wir umgezogen,er ist mit der Entlassung in eine neue Umgebung eingezogen,auch wenn er das Haus kennt (sind zu den Großeltern ins Haus gezogen).Dazu die Veränderung die die Schule betrifft.Und ich nehme an,daß ich ihn zusätzlich verunsichert habe,da er nach der Entlassung noch mit Krampfanfällen zu kämpfen hatte und ich keine "Ausflüge" zb zum einkaufen mit ihm unternehmen wollte,aus Angst.Hat ihm natürlich gar nicht gefallen.Generell gefällt es ihm nicht,daß er die meiste Zeit zuhause ist.Meine 16jährige Tochter hat natürlich ganz andere Freiheiten,was er mitkriegt und ihn auch sehr ärgert.Er baut sehr gern Lego,aber mit dem gelähmten linken Arm ist es nicht grade einfach und gelingt nicht.Nicht selten hört man,daß aus Frust eine Kiste Lego vom Tisch gefegt wird.Ich liebe meinen Sohn sehr und wünsche mir,daß es ihm seelisch gut geht.Er ist ein wirklich schlauer Kerl und wünscht sich Dinoforscher zu werden.Er kennt den Film "das Schicksal ist ein mieser Verräter", hat ihn sehr bewegt.Vor kurzem hat er das Buch "Wunder" gelesen,was ihn gut gefiel.Viele Grüße aus Australien, Caroline&Riley

von Homeland am 06.09.2018, 09:35 Uhr

 

Antwort:

Unzufriedenes Kind - ein Nachtrag

Liebe Caroline,(ich finde es angenehm, Sie mit Namen ansprechen zu können)
die Überforderung ist sicher ein weiterer Baustein zu seinem Erleben, aber ich habe mehr den Eindruck, dass er unter diesen körperlichen Einschränkungen leidet. Dass er sich immer wieder im Vergleich zu Schwester oder Gleichaltrigen sieht und dann deprimiert und/oder unzufrieden ist. An dieser Stelle würde ich gerne den Gedanken an eine externe Person einführen, jemand, der emotional nicht so verwickelt ist, wie es eine Mutter immer ist, und mit dem er reden könnte. Ich glaube nämlich, dass er Sie nicht belasten möchte, aber es niemand anderen gibt, mit dem er sich austauschen kann und möchte. Das kann ein/e TherapeutIn sein, oder jemand vom Palliativteam, den er mag. Es scheint mir wichtig, die Beziehung von Ihnen beiden zu entlasten, mehr Raum für angenehmes Miteinander zu schaffen, was schwer ist, wenn Sie die einzige Klagemauer sind. Das gleiche gilt auch für Sie, jemanden zu finden, mit dem Sie ihr Leid teilen können. Es hilft, sich woanders entlasten zu können, auch ihnen Beiden.(Was eine Ergänzung zu unserem Austausch sein kann)
Zum Thema Nahtod glaube ich, dass Ihr Sohn aus seiner Geschichte und aus seiner Sensibilität ganz andere Wahrnehmungsformen hat, als die meisten. Ich kenne einige Menschen mit diesen Fähigkeiten und akzeptiere das, auch wenn ich es nicht kann. Und er entscheidet, ob er darüber spricht oder nicht.
Herzlichen Gruß aus Deutschland
Dr.Ludger Nohr

von Dr. med. Ludger Nohr am 07.09.2018

Antwort:

Unzufriedenes Kind - ein Nachtrag

Hallo nochmal. Ich habe nochmals einen Nachtrag. Ich weiß, daß man sich nur auf ein Posting beschränken soll. Mir liegt allerdings aktuell noch etwas auf dem Herzen, zumal die letzte Nacht sehr anstrengend war.

Mein Sohn wurde im Januar 2017 am Herzen operiert. Post -OP mit schweren Komplikationen, Reanimation und Not-OP. Seither besteht auch die Lähmung des linken Armes. Dieses Ereignis beschäftigt ihn noch immer sehr, sei es das er fragt, erzählt oder es ihn in seinen Träumen einholt und er klatschnass wach wird. Das erschreckende ist, daß er über dieses Ereignis detailgenau berichten kann. Er beschreibt es, daß er die Situation von oben herab gesehen hat. Und eben mit Details, die er eigentlich nicht wissen kann. Er beschreibt beispielsweise, daß er mich mit einer Schwester vor dem Zimmer gesehen hat und kann auch genau beschreiben, welche Kleidung ich trug (was übrigens haargenau stimmte). Ich habe mich zu dem Thema "Nahtod Ereignis" etwas belesen, stehe diesem Thema aber sehr gespalten gegenüber. Da dieses Thema bei meinem Sohn aber immer wieder eine Rolle spielt, überlege ich, wie man am besten damit umgehen sollte. Immer und immer wieder darüber reden oder übergehen?

Entschuldigen Sie bitte den 2ten längeren Text. Ich bin Ihnen allerdings sehr dankbar für Ihre Ratschläge, die mir recht gut weiterhelfen.

Viele Grüße nach Deutschland

von Homeland am 07.09.2018

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