Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Wie gewöhne ich meinem Kind "Beruhigungsstillen" ab?

Frage: Wie gewöhne ich meinem Kind "Beruhigungsstillen" ab?

kleineRose

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Hallo liebes Stillberatungsteam, ich bin Mutter von zwei Jungs. Der erste ist schon 5 1/2 und der zweite ist nun 21 Monate. Den Großen hab ich damals gestillt, jedoch (auf Anraten meiner altmodischen Hebamme) nur alle vier Std. Er hat dann mit 4 Monaten schon Beikost bekommen und diese so begeistert angenommen, dass ich die Mahlzeiten nach und nach ersetzen konnte. Er hat nie eine Flasche genommen, jedoch einen Schnuller. Der Schnuller und meine ständige Gegenwart haben ihm scheinbar gereicht, sein Stillbedürfnis auszugleichen. Denn mit ca 12 Monaten war er tagsüber komplett abgestillt und trank nur noch nachts 1-2 mal. Bei ihm reichte es immer, wenn ich ihm die Brust einfach nicht mehr angeboten habe, er hat nie danach verlangt. So war er dann mit 15 Monaten abgestillt. Beim Zweiten (Max) nun ist ALLES anders!! Ihn hab ich von Anfang an nach Bedarf gestillt. Alles andere ähnlich wie bei dem Großen. Viel getragen, viel geschmust, viel Aufmerksamkeit und Liebe, schlafen im Familienbett. Trotz tragen usw hat Max von Anfang an alle 1 1/2 - 2 Std getrunken! Mit etwas Glück hat er nachts eine Pause von 4-5 Std gemacht, dafür abends 18-23 Uhr Dauernuckeln! Beikost war auch mit 6 Monaten noch zu früh für ihn und bis ca 14 Monate hat er sofort gewürgt, sobald nur etwas stückiges im Brei war. Mit ca 20 Monaten fing er nun an, sowas ähnliches wie Mahlzeiten z sich zu nehmen. Also mehr als zwei Löffel am Stück zu essen. Er isst immer noch recht wenig. Ist aber super entwickelt, groß und kräftig, sodass ich mir da eigentlich keine Sorgen mache. Im Normalfall trinkt er immer noch morgens vor dem Aufstehen, mittags vor dem Mittagschlaf und abends zum Einschlafen, nachts einmal. Wenn er jedoch einen Schub hat (wie im Moment scheinbar) zeigt er tagsüber alle 3 Std ca sein Stillbedüfnis, wo ich ihn aber teilweise mit Aktivitäten abgelenkt kriege...nachts jedoch werde ich wahnsinnig. Letzte Nacht z.B. hat er erst um 21 Uhr geschlafen und wurde dann zwischen 23 Uhr und 3 Uhr stündlich (!!!) wach zum Stillen. Danach wurde es ruhiger, aber nach solchen Nächten momentan frage ich mich immer, wie lange das noch so gehen kann. Er wird nun bald zwei und trinkt in solchen Phasen stündlich!?!? :-( Ich kriege ihn aber auch leider nicht mit Schmusen alleine beruhigt, weil er wohl nuckeln will. Leider nuckelt er an nix anderem. Ich brauche wirklich mal Zuspruch von Müttern und einer Stillberaterin. Im Moment zweifel ich, ob mein Weg der richtige ist. LG und Danke schon mal für alle Kommentare!


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe kleineRose, es scheint, dass dein Kind viel Nähe braucht, wenn du nun abstillst, wird dein Kind deswegen sicherlich nicht weniger anhänglich sein und genau so oft aufwachen wie bisher. Du musst dir bewusst sein, dass sich durch das Wenigerstillen dein Leben keineswegs auf wundersame Weise positiv verändern wird. Falls Du diese Vorstellung haben solltest, könntest Du eine herbe Enttäuschung nach dem Abstillen erleben. Trotzdem kann dein Kleiner langsam lernen, dass auch Mama Bedürfnisse hat ;-). Eine Möglichkeit ist, dass Du mit deinem Kind darüber sprichst, dass Du das Stillen als unangenehm empfindest und dass Du denkst, dass es nun an der Zeit ist, eure gemeinsame Stillzeit zu beenden oder zumindest das viele Stillen in der Nacht einzuschränken. Überlegt gemeinsam, wie ihr nun zu einem harmonischen Ende finden könnt. Vielleicht indem ihr auf ein bestimmtes Datum hinarbeitet oder aber auch durch ganz klare Regeln, die auch lauten können „Es wird nur noch gestillt, wenn es dunkel ist“ oder „wir stillen nur noch am Morgen“. So lange DU nicht ABSOLUT sicher bist, dass Du weniger stillen möchtest, wird dein Kind das spüren. Ist die Mutter innerlich nicht davon überzeugt, dass sie ihr Kind ab- oder weniger stillen will, dann ist dieser Zweifel für das Kind sehr deutlich fühlbar und es reagiert in fast allen Fällen so, dass es eher noch häufiger gestillt werden mag. Zweifel und Unsicherheit sind für ein Kind unerträglich, Kinder brauchen Klarheit. Dein Kind spürt jetzt deinen Zwiespalt und da es sich nicht hinsetzen und sagen kann „Mama, ich spüre, dass Du dir nicht sicher bist, was jetzt das Richtige ist, deshalb werde ich dir jetzt bei deiner Entscheidungsfindung helfen" reagiert es auf deine Zweifel mit Unruhe, Weinen und Verunsicherung. Es hat keine anderen Ausdrucksmöglichkeiten als Weinen und (vermehrte) Anhänglichkeit. Kinder sind für „geordnete Verhältnisse", Unsicherheit und Zweifel bringen sie aus dem Gleichgewicht. Wichtig ist nun, dass ihr zum einen wirklich miteinander redet und Du deinem Kind klar erklärst und sagst, was Du willst und was Du nicht mehr willst. Zum anderen muss für dein Kind deutlich erkennbar sein, wo deine Grenzen gesetzt sind. Liebevolle Konsequenz ist das Zaubermittel in der Erziehung. Erkläre deinem Kind schon bei Tag, was sich in der Nacht ändern wird, und versuche, Signale zu definieren, die es wieder erkennen kann (z.B. "erst wenn der Radiowecker angeht, dann darfst Du trinken") und die sich eventuell anpassen lassen (den Radiowecker kann man etwa jeden 2. Tag eine viertel Stunde nach hinten programmieren, so dass die Pause immer länger wird). So wird die Nacht allmählich stillfrei. Wenn sich dein Kind dann in der Nacht beschwert, dass es nicht trinken darf (und das kann es natürlich nur durch weinen oder schreien), dann tröste es und sprich liebevoll-beruhigend mit ihm, und gestehe es ihm auch wirklich zu, sauer zu sein, aber bleib konsequent beim "Nein", bis der vereinbarte Zeitpunkt (z.B. der Radiowecker geht an) für das Stillen gekommen ist. Dann jedoch solltest Du auch von dir aus deinem Kind die Brust anbieten - so lernt es, dass es sich auf dein Wort verlassen kann. Natürlich kannst Du während der Nacht einen Schluck Wasser oder auch einen Schnuller anbieten, doch sei nicht allzu überrascht, wenn das anfangs mit Wut abgewiesen wird. Ehrlicherweise muss ich dazu sagen, dass die ersten Nächte zwangsläufig sehr unruhig sein werden. Doch in der Regel akzeptieren Kinder relativ schnell die neuen "Spielregeln", und je älter sie sind, desto einfacher. Einen "Knacks" beim Kind brauchst du nicht befürchten, wenn du ihm wirklich beistehst und ihn nicht "strafst" für seine natürliche Reaktion auf diese Veränderung. Dein Kleiner wird vermutlich schreien, toben, treten oder dich schlagen wollen. Ist das schlimm? Nein, es ist völlig normal, denn es ist die einzige Art, wie er in diesem zarten Alter seinen Frust ausdrücken kann. Wie kannst du damit umgehen? Lass es zu. Lass dich nicht verunsichern, denn es geht deinem Kind ja trotzdem gut, es bekommt kein Trauma fürs Leben, wird nicht an deiner Liebe zweifeln. Dein Baby ist sauer, und das wird auch wieder vergehen. Bleibe bei ihm und sei du ruhig und klar, so dass er sich an dir orientieren kann. Vielleicht wirst du ihn ein wenig ablenken wollen (falls er sich ablenken lässt), vielleicht bleibst du auch einfach nur in seiner Nähe und versicherst ihm, dass alles ok ist, und dass ihr weiter stillen könnt (oder kuscheln), sobald er sich etwas beruhigt hat. Wenn du konsequent bleibst, wird es klappen. Nur davon hängt es ab: Schaffst DU es... LLLiebe Grüße, Biggi


kleineRose

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Danke für die schnelle Antwort. Ich habe uns daraufhin nochmal mit etwas anderen Augen betrachtet. Diese Idee, mit meinem Sohn darüber zu sprechen hatte ich auch schon, werde nun aber warten, bis ich mich besser mit ihm unterhalten kann. Er akzeptiert aber langsam scheinbar bestimmte Orte als "Stillorte" und ich werde das für tagsüber auf jeden Fall verfestigen, damit er nicht zum "mal kurz nuckeln" kommt. Nachts ist es Gott sei Dank wieder auf 2-3 Stillmahlzeiten zurückgegangen. Wir bleiben dran. Vielen Dank für Eure geduldige und liebevolle Arbeit!!


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