melyanmarmelyanmar
Liebe Biggi, meine Kleine ist jetzt 16 Monate alt und bisher habe ich sie zum Einschlafen fast immer gestillt. Lange fand ich das vollkommen ok, aber momentan wacht sie nachts ständig auf und klammert sich regelrecht an die Brust. Sobald ich versuche ihr die Brust weg zu nehmen, meckert sie und ist durch nichts zu beruhigen. Wenn ich versuche sie zu streicheln, hoch zu nehmen oder zu kuscheln schlägt und tritt sie wild um sich und streckt sich durch, sodass es fast unmöglich ist sie auf dem Arm zu halten. Schnuller und Kuscheltiere werden durch die Gegend geschleudert und Fläschchen wollte sie noch nie. Jegliches andere Getränk wird auch rigoros abgelehnt. Ich habe mir schon das Buch "Schlafen statt Schreien" besorgt aber auch die Tipps darin helfen nicht. Wenn ich versuche ihr die Brust weg zu nehmen bevor sie schläft schreit sie los. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass sie noch wirklich trinkt, sie hängt einfach nur an der Brust und nuckelt ab und zu ein wenig. Ich bin kurz davor die von meinem Mann und den Omas vorgeschlagene "Vorschlaghammer"-Methode anzuwenden und ihr die Brust komplett zu verwehren, aber eigentlich möchte ich das nicht. Es tut mir schon in der Seele weh, wenn sie so schreit und wütend wird. Natürlich wird es nicht ganz ohne Gemecker gehen, dazu ist sie noch viel zu fixiert auf die Brust. Meine idealisierte Vorstellung war immer, dass sie irgendwann auch nicht mehr möchte und sich das Stillen langsam im Sande verläuft, aber ich muss wohl einsehen, dass das bei ihr nicht klappt und so langsam möchte ich nicht mehr. Ich könnte hier wohl noch Seitenweise weiter schreiben aber ich denke das Wichtigste ist gesagt. Ich hoffe du kannst mir mit ein paar Tipps helfen, wie ich meine kleine Nachts ohne Brust beruhigen kann. Vielen Dank schon mal für die Antwort und lieeeebe Grüße Melina
Liebe Melina, so lange DU nicht ABSOLUT sicher bist, dass Du weniger stillen möchtest, wird dein Kind das spüren. Ist die Mutter innerlich nicht davon überzeugt, dass sie ihr Kind ab- oder weniger stillen will, dann ist dieser Zweifel für das Kind sehr deutlich fühlbar und es reagiert in fast allen Fällen so, dass es eher noch häufiger gestillt werden mag. Zweifel und Unsicherheit sind für ein Kind unerträglich, Kinder brauchen Klarheit. Dein Kind spürt jetzt deinen Zwiespalt und da es sich nicht hinsetzen und sagen kann „Mama, ich spüre, dass Du dir nicht sicher bist, was jetzt das Richtige ist, deshalb werde ich dir jetzt bei deiner Entscheidungsfindung helfen" reagiert es auf deine Zweifel mit Unruhe, Weinen und Verunsicherung. Es hat keine anderen Ausdrucksmöglichkeiten als Weinen und (vermehrte) Anhänglichkeit. Kinder sind für „geordnete Verhältnisse", Unsicherheit und Zweifel bringen sie aus dem Gleichgewicht. Wichtig ist nun, dass ihr zum einen wirklich miteinander redet und Du deinem Kind klar erklärst und sagst, was Du willst und was Du nicht mehr willst. Zum anderen muss für dein Kind deutlich erkennbar sein, wo deine Grenzen gesetzt sind. Liebevolle Konsequenz ist das Zaubermittel in der Erziehung. Erkläre deinem Kind schon bei Tag, was sich ändern wird, und versuche, Signale zu definieren, die es wieder erkennen kann (z.B. "erst wenn der Radiowecker angeht, dann darfst Du trinken") und die sich eventuell anpassen lassen (den Radiowecker kann man etwa jeden 2. Tag eine viertel Stunde nach hinten programmieren, so dass die Pause immer länger wird). So wird die Nacht allmählich stillfrei. Ehrlicherweise muss ich dazu sagen, dass die ersten Abende und Nächte zwangsläufig sehr unruhig sein werden. Doch in der Regel akzeptieren Kinder relativ schnell die neuen "Spielregeln", und je älter sie sind, desto einfacher. Einen "Knacks" beim Kind brauchst du nicht befürchten, wenn du ihr wirklich beistehst und sie nicht "strafst" für ihre natürliche Reaktion auf diese Veränderung. Dieser Vorschlag stammt von Elizabeth Pantley, Autorin des Buchs "Schlafen statt Schreien: Das liebevolle Einschlafbuch: Das 10-Schritte-Progamm für ruhige Nächte", das ich wärmstens empfehlen kann. Pantley hat ein Programm entwickelt, mit dem man älteren Babys, auch Stillkinder, dabei helfen kann, auch ohne Brust oder ständiges Stillen die Nacht zu schaffen. Auch wenn man nicht alle ihre Schritte anwendet haben viele Mütter doch gute Erfahrungen mit diesem Buch gemacht. Deine Kleine wird vermutlich schreien, toben, treten oder dich schlagen wollen. Ist das schlimm? Nein, es ist völlig normal, denn es ist die einzige Art, wie sie in diesem zarten Alter ihren Frust ausdrücken kann. Wie kannst du damit umgehen? Lass es zu. Lass dich nicht verunsichern, denn es geht deinem Kind ja trotzdem gut, es bekommt kein Trauma fürs Leben, wird nicht an deiner Liebe zweifeln. Dein Baby ist sauer, und das wird auch wieder vergehen. Bleibe bei ihm und sei du ruhig und klar, so dass deine Kleine sich an dir orientieren kann. Vielleicht wirst du sie ein wenig ablenken wollen (falls sie sich ablenken lässt), vielleicht bleibst du auch einfach nur in ihrer Nähe und versicherst ihr, dass alles ok ist, und dass ihr weiter stillen könnt (oder kuscheln), sobald sie sich etwas beruhigt hat. Wenn du konsequent bleibst, wird es klappen. Nur davon hängt es ab: Schaffst DU es... LLLiebe Grüße, Biggi
melyanmarmelyanmar
Vielen Vielen Dank für die schnelle und umfangreiche Antwort! Wie so oft sind nicht die Kinder sondern die Eltern das "Problem" ;-) . Anscheinend hat schon das Schreiben geholfen mir selbst klarer zu werden was ich wirklich will denn heute hat meine kleine Maus nur kurz getrunken und die Brust dann selbst los gelassen. Dann haben wir noch ein bisschen gekuschelt und ich hab unser Einschlaflied gesungen und siehe da, es ging auch ohne Brust im Mund :-) Herzliche Grüße Melina P.s.: Ich finde du machst deinen Job super liebe Biggi :-)
Liebe Melina, wie lieb Deine Rückmeldung ist - ich danke Dir sehr. Ich freue mich darüber, denn oft frage ich mich, ob meine Antworten so verstanden werden, wie ich sie meine und ich nicht arrogant wirken. Ganz liebe Grüße Biggi
Ähnliche Fragen
Liebe Biggi, liebe Kristina, ich stille zwar nicht mehr, denke aber dass ich bei Euch trotzdem richtig sein könnte. Ich habe eine 22 Monate alte Tochter, die ich bis vor drei, vier Monaten noch zum Einschlafen gestillt habe. Sie fasst meinen Busen noch immer sehr gerne an, vor allen in Situationen, in denen sie sich beruhigen möchte, was auch vo ...
Liebe Biggi, DANKE! Deine Antwort hat mir - einmal mehr - unheimlich geholfen und mich beruhigt. Ich selbst finde das Kuschelbedürfnis meiner Tochter auch schön und Du hast mich bestärkt. Liebe Grüße Mimi
Hallo, meine Frage ist vlt etwas ungewöhnlich, aber dennoch beschäftigt sie mich sehr: bei meinem 1. Kind habe ich versucht zu stillen, das hat aus mehreren Gründen aber nicht funktioniert, ich habe dann 6 Wochen abgepumpt bis ich keine Milch mehr hatte. Einer dieser Gründe war, dass mich die kleinste Berührung an meinen Brustwarzen total ag ...
Ich muss etwas weiter ausholen um mein Problem zu beschreiben. Ich habe zwei Söhne, 3,5 Jahre und 5 Monate. Den großen habe ich bis ca 3 Monate vor Geburt des Kleinen gestillt, wobei es sich auf ein bisschen Nuckeln vorm Einschlafen und beim Aufwachen beschränkt hatte. Ich habe dann abgestillt und der Große durfte die Brust noch zum einschlafen un ...
Die letzten 10 Beiträge
- Zusätzliche Stillmahlzeit einmalig durch Brei ersetzen
- Baby 9 Monate nachts abstillen
- Zu viel Milch linke Brust
- Weiterstillen trotz Zähnen
- Stillen und neue Brille
- Stillprobleme, Stillhütchen, Zungenbändchen
- Erneute Rückfrage Wildfleisch
- Wildfleisch in der Stillzeit
- Zahnreinigung in der Stillzeit
- Abstillen nach 3 Monaten