Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Wichtig, kann nicht mehr!

Frage: Wichtig, kann nicht mehr!

xXAbendsternXx

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Guten Abend zusammen, ich weiß momentan nicht weiter und kann auch nicht mehr :-( Meine 17 Monate alte Tochter ist zurzeit extrem anhänglich, ich kann sie nichtmal auf den Boden setzen, dann weint sie (kann sie nicht mehr tragen, ist mir körperlich zu schwer) und sie isst auch kaum was zu den Hauptmahlzeiten, außer zwischendurch (zahnt auch nicht) und stille sie mittags zum einschlafen, genauso abends zum einschlafen, geht auch nicht anders, sie verlangt regelrecht danach, ansonsten dreht sie sich rum, sitzt und weint, schreit, lässt sich nicht beruhigen, will nicht angefasst werden auch nicht vom Papa und nachts ist Dauerstillen angesagt, alle paar Minuten möchte sie die Brust und ich kann und möchte auch nicht mehr stillen. Haben seit 17 Monaten kein einziges Mal durchgeschlafen. Schnuller nimmt sie nicht und Flasche (allgemein Milch trinkt sie nicht, außer Muttermilch und möchte auch nicht abpumpen). Meine Frage ist, was das bedeutet von ihrer Seite aus und ob es normal ist in dem Alter so auf die Brust fixiert zu sein und wie ich sie zum einschlafen bringen kann (ohne Brust), sie schläft mit im Ehebett und sie mag nicht kuscheln, sondern nur noch Brust. Vielen Dank schonmal :-)


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe xXAbendsternXx, für viele von uns ist es sehr ungewohnt zu sehen, wie begeistert und mit wie viel Freude ein Kleinkind stillt. Deine Tochter verhält sich gar nicht so „brustversessen" wir Du glaubst, viele langzeitgestillte Kinder zeigen sehr deutlich wie viel ihnen das Stillen bedeutet. Deine Tochter ist auch nicht abhängiger von dir als ein nicht gestilltes Kind, denn die Abhängigkeit zur Mutter besteht immer, gleich ob gestillt oder nicht, nur zeigt sie sich bei einem nicht gestillten Kind nicht so eindeutig und offen. Auch gibt es bei nicht gestillten Kindern Phasen, in denen der Vater nur eine Nebenrolle spielt und die Mutter eindeutig bevorzugt wird. Wird es dem Kind überlassen, wann es sich selbst abstillt, dann stillen sich die meisten Kinder irgendwann zwischen dem zweiten und dem vierten Geburtstag ab. Ein Abstillen deutlich vor dem zweiten Geburtstag auf Initiative des Kindes hin ist eher unwahrscheinlich. All diese theoretischen Überlegungen helfen dir jedoch nicht weiter, denn Du fühlst dich in der derzeitigen Situation unwohl. Wenn sich in einer Stillbeziehung ein Partner nicht mehr wohl fühlt, dann ist es an der Zeit zu überlegen, was geändert werden kann. Sicher ist ein 17 Monate altes Kind noch nicht in der Lage alles Gesprochene bis ins letzte Detail zu verstehen, doch ich denke, dass der erste Schritt für dich sein sollte, dass Du mit deiner Tochter darüber sprichst, wie es dir geht und was Du nicht mehr möchtest. Dann könnt ihr als Eltern eine Art Plan machen, wie ihr vorgehen wollt, um das Stillen etwas einzuschränken. Stillen nach Bedarf ist bei einem Kind über einem Jahr nicht mehr ein so eng gefasster Begriff wie bei einem kleinen Baby und liebevoller Konsequenz lassen sich auch bei einem Kind in diesem Alter in einem gewissen Rahmen Regeln aufstellen. Selbstverständlich wird sich nicht von heute auf morgen eine plötzliche Änderung ergeben, das geschieht in kleinen Schritten und selbstverständlich wirst Du mit Rückschritten rechnen müssen, doch mit viel Liebe und Beharrlichkeit, kannst Du einen Weg finden, dass ihr wieder zu einer harmonischen Stillbeziehung finden werdet. Falls Du feststellst, dass das punktuelle Abstillen (also eine Art eingeschränktes Stillen) für dich immer noch nicht der Weg ist, den Du gehen willst, dann solltest Du dich in einem ruhigen Moment mit dir selbst auseinander setzen, was Du willst und dann entsprechend dieser Entscheidung und ohne Zweifel handeln. Wichtig ist dabei, das Du dir deiner Entscheidung ganz sicher bist, denn jedweden Zweifel wird dein Kind sofort spüren und entsprechend handeln. Ich möchte Dir nun noch ein paar nicht so drastische Methoden ein Kind abzustillen beschreiben. Vielleicht findest Du etwas, was Dir zusagt. Eine Methode, die sich beim allmählichen Abstillen bewährt hat heißt „biete nicht an, lehne nicht ab". Das bedeutet, dass Du Deinem Kind die Brust nicht von Dir aus anbietest, aber auch nicht ablehnst, wenn es danach verlangt. Viele Kinder wurden auf diese Weise abgestillt. Eine weitere Möglichkeit heißt Ablenkung. Durch Ablenkung abzustillen bedeutet, Deine Gewohnheiten von Tag zu Tag erheblich zu verändern. Du musst die vertrauten Stillsituationen vermeiden und neue Betätigungsfelder schaffen. Für das eine Kind kann das bedeuten, dass Ihr viel häufiger Ausflüge zu Orten unternehmt, die Deinem Kind gefallen und wo es viele Menschen und viel Trubel gibt. Für ein anderes Kind bedeutet dies vielleicht, das Leben erheblich ruhiger zu gestalten, um Situationen, die es als bedrohlich empfindet, zu verringern. Es kann auch ablenkend wirken, wenn Du Dein übliches Verhalten in bestimmten Situationen veränderst. Wenn Du zum Beispiel sitzen bleibst anstatt Dich hinzulegen, wenn Du Dein Kind zum einschlafen bringst. Andere Möglichkeiten sind Vorlesen, Singen oder vielleicht ein neues Spielzeug. Manchmal bringt es Dich auch weiter, wenn du das Stillen immer dann, wenn Dein Kind diesen Aufschub verkraften kann, für eine Weile verschiebst. Das kannst Du flexibler handhaben als den Vorsatz eine bestimmte Stillmahlzeit ausfallen zu lassen. Du kannst auch versuchen die Stillzeiten zu verkürzen. Viele Mütter haben festgestellt, dass es wirksam und relativ wenig belastend ist, ein Kind so oft anzulegen, wie es möchte, aber es nicht so lange zu stillen. Du kannst Dein Kind eine kleine Weile anlegen und es dann ablenken oder ihm etwas zu essen anbieten. Außerdem möchte ich dir das Buch „Wir stillen noch - über das Leben mit gestillten Kleinkindern" von Norma J. Bumgarner empfehlen. Dort findest Du viele Tipps für das Stillen von älteren Babys und Kleinkindern. Das Buch ist im Buchhandel, bei der La Leche Liga und bei jeder LLL-Stillberaterin (auch bei uns) erhältlich. Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du bald schlafen kannst, ich weiß, wie schlimm Schlafentzug ist :-(. LLLiebe Grüße Bigg


Karob

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Ich drück dich mal unbekannter weise aus der Ferne!!! Das ist so mega anstrengend! Ich kenne das zu gut. Mir geht es ganz genauso, nur das mein kleiner erst 9 Monate alt ist. Ist das bei euch schon immer so mit dem dauerstillen? Was mich total interessieren würde ist ob deine Tochter schon läuft und wenn ja seit wann?!? Viele sagen ja das es dann besser werden soll. Leider kann ich dir so gar keinen guten Tipp geben da ich selber auch in der Luft hänge und keinen Rat weiß. Ich hoffe dein Partner unterstützt dich wo er kann und ihr übersteht diese anstrengende Zeit. Die wird sicher irgendwann vorbei gehen. Halte durch!


xXAbendsternXx

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Liebe Karob, also mit dem nächtlichen Dauerstillen ist neu, sonst waren es 1 - 2 Mal die Nacht, aber letzte Nacht der Horror, bestimmt 20 x Mal :-( Ja sie läuft, seit 2 - 3 Wochen sicher und allein. Hoffe wirklich, dass es nur eine Phase ist und nicht zur Gewohnheit wird :-(


Karob

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Ich denke schon das es nur eine Phase ist. Bei vielen von meinen Freunden hat es so ein zwei Monate nachdem sie laufen konnten aufgehört. Es ist ja auch was neues und aufregendes und sie kann nun ganz alleine die Welt erkunden. Da sind die kleinen Mäuse sehr anhänglich. Ich drück dir die Daumen und hoffe ihr könnt euch bald wieder entspannen. Wenn nicht dann müsst ihr wohl Biggis Rat mal ausprobieren. Kannst mich ja mal auf dem laufenden halten. :) viel Glück und Trau dich auch mal neun zu sagen wenn du dich damit nicht gut fühlst. Damit hilfst du dir und deinem Kind mehr als es stillschweigend zu ertragen :)


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