Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Wann ist es "besser" abzustillen?

Frage: Wann ist es "besser" abzustillen?

Verena8790

Beitrag melden

Hallo, mein Sohn Tom wird diese Woche 15 Wochen alt und wird bislang voll gestillt. Seit seiner 8. Lebenswoche schreit er sehr häufig an der Brust (täglich aber nicht bei jedem Stillen). Wir waren bereits beim Osteopathen wo ein Halswirbel wieder eingerenkt wurde und auch eine Stillberaterin war bereits da die die Stillposition ein wenig korrigiert hat. Aber das Schreien an der Brust bleibt. Meist trinkt er ein paar Schlucke und fängt dann an bitterlich zu schreien. Er lässt sich meist erst wieder beruhigen wenn ich ihn auf den Arm nehme. ICh frag mich einfach ob es in diesem Fall wirklich noch das beste fürs Kind ist. Natürlich strapaziert es auch meine Nerven aber ihm zuliebe würde ich das Stillen weiter durchziehen. Ich habe mir so sehr eine schöne Stillzeit gewünscht aber leider ist es meistens eher ein Krampf... Ich weiß dass mir niemand die Entscheidung abnehmen kann aber wenn ich allein ans Fläschchen geben denke bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Weil ich das Gefühl habe künstliche Flaschennahrung wäre nicht gut für ihn. Natürlich könnte man auch abpumpen aber er lässt sich kaum ablegen sodass ich selten die Hände frei hätte. Zudem habe ich auch seit Anfang des Stillens immer wieder Schmerzen an der Brust die durchs Abpumpen noch verschlimmert werden... Tja, jetzt stehe ich da, nach einem Tag der aufgrund des Stillens wieder sehr nervenaufreibend war, und weiß einfach nicht mehr was ich tun soll. Ich möchte ja eigentlich nur alles richtig machen für mein Kind. Vielleicht können Sie mir noch einen Rat geben (oder das schlechte Gewissen nehmen)?


Biggi Welter

Biggi Welter

Beitrag melden

Liebe Verena8790, Stillen ist eine Zweierbeziehung und wenn es dazu kommt, dass sich ein Partner dabei nicht wohl fühlt, dann müssen Lösungswege gefunden werden. Du musst ganz sicher kein schlechtes Gewissen haben, denn DU hast deinem Baby den bestmöglichen Start ins Leben geschenkt. Trotzdem solltest Du dir kompetente Hilfe holen, denn Ihr könnt das schaffen! Auf Anhieb gibt es mehrere mögliche Ursachen für das Verhalten deines Babys. Zum einen erlebt dein Kind jetzt seine Umwelt immer bewusster und muss daher die Ereignisse des Tages verarbeiten. Das bedeutet für manche der kleinen Menschlein, dass sie sehr unruhig sind, weinen und an der Brust ebenfalls unruhig sind. Hier hilft es, die Tage möglichst ruhig verlaufen zu lassen, den Abend sanft ausklingen zu lassen und dem Kind Nähe, Ruhe und Halt zu geben. Keine hektischen Versuche mit immer neuen Ideen das Kind zur Ruhe zu bringen, sondern so wenig „Action" wie möglich. Den Raum abdunkeln, beruhigend mit dem Baby sprechen oder ihm etwas leise vorsingen. Besonders unruhige Babys, die sich an der Brust steif machen und nach hinten überstrecken, können auch gebündelt werden. Beim Bündeln wird das Baby gut in eine Decke eingewickelt, so dass seine Schultern nach vorne geneigt und die Arme unterhalb der Brust gekreuzt sind. So kann es den Kopf nicht zurückwerfen. Bei manchen Babys bewährt es sich, wenn die Decke unten offen bleibt, so dass die Füße frei bleiben. Wenn ein Kind auf diese Weise eingepackt ist, sieht es wie ein „C" aus, mit dem Kinn auf der Brust und angezogenen Beinchen. Häufig reicht diese Maßnahme aus, das Baby zu beruhigen und es trinkt dann besser an der Brust. Manche Babys brauchen Halt im wahrsten Sinne des Wortes um weniger zappelig zu sein. Eine andere Ursache kann der Schnuller oder die Flasche sein. Schnuller können wie alle künstlichen Sauger zu einer Saugverwirrung führen. Ist das Kind dann auch noch erregt oder besonders müde, dann „erinnert" es sich unter Umständen nicht mehr an die korrekte Trinktechnik für die Brust. In diesem Fall hilft nur konsequentes Verzichten auf alle künstlichen Sauger. Eine Saugverwirrung entsteht, wenn ein Kind mit dem Wechsel zwischen den Trinktechniken an Brust und künstlichem Sauger (dazu gehören Flaschensauger, Schnuller und Stillhütchen) nicht zurecht kommt und dann die Brust schlussendlich sogar verweigern kann. Das ist ein ernsthaftes Stillproblem, das schon viele Sorgen und Tränen bei Müttern und Kindern verursacht hat. Doch eine Saugverwirrung kann überwunden werden. Dabei ist es die erste Maßnahme, dass sämtliche künstlichen Sauger weggelassen werden. In leichteren Fällen kann dies schon ausreichen. Am besten besprichst Du mit einer Stillberaterin in deiner Nähe, wie Du vorgehen kannst. Adressen von Stillberaterinnen findest Du im Internet unter: http://wwwlalecheliga.de (Stillberaterinnen der La Leche Liga), http://www.afs-stillen.de (Stillberaterinnen der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl-stillen.de (Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC). LLLiebe Grüße Biggi


Bei individuellen Markenempfehlungen von Expert:Innen handelt es sich nicht um finanzierte Werbung, sondern ausschließlich um die jeweilige Empfehlung des Experten/der Expertin. Selbstverständlich stehen weitere Marken anderer Hersteller zur Auswahl.