Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Stillversuche: fast am ende...

Frage: Stillversuche: fast am ende...

bebe24

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Guten Tag, meine Tochter ist Anfang April im St. Joseph Krankenhaus in Berlin geboren. Dort wurde mir gesagt, dass ich zu wenig Milch hätte und das Kind mit einem Schlauch zugefüttert werden müsste, weil es zu viel abgenommen hatte (10% Grenze). Mir wurde die Pumpe zur Stimulierung der Milchbildung empfohlen, was mir beim ersten Versuch nur Ärger bereitet und mich verstimmt hat. Aus diesem Grund habe ich das Pumpen nach dem 3. Tag aufgegeben. Das Mädchen wurde dann ab der 2. Woche mit der Flasche ernährt. Mein Freund und ich haben aber bemerkt, dass sie dadurch etwas unglücklich und frustriert war: sie hat schlecht geschlafen und viel gequengelt. Mein Freund hat zuerst eine Habermannflasche, dann einen BES geholt und seitdem machen wir die Fütterung mit dem letzteren. Vor etwa einer Woche blieb sie aber länger ohne den Schläuchen an meiner Brust und saugte mehrmals über 2 Stunden lang, was sie glücklich und müde machte. Sie schlief dann bis morgens früh durch. Letzte Woche haben wir auf Empfehlung einer Stillberaterin wieder eine Pumpe geholt. Es kommen aber nur Tröpfchen raus. Das Mädchen ist seit Mittwoch wieder unruhig und bleibt wieder nur ein paar Minuten lang an meiner Brust. Sie ist solange unruhig bis sie die Zufütterung bekommt. Meine Motivation ist dadurch auch gesunken, pumpe nur ein paar mal unregelmäßig. Sobald ich aber sehe, dass sich einige Milchtröpfchen gebildet haben, lege ich sie an und der Unterschied zur Zufütterung ist eindeutig. Sie lächelt und scheint zufrieden, dennoch leider noch nicht satt zu sein. Momentan zweifle ich wieder daran, dass es überhaupt noch zu einem Milcheinschuss kommt, pumpe aber wieder regelmäßig und achte auf eine kalorien- und vitaminreiche Ernährung. Ohne die Hilfe meiner Stillberaterin in Frage stellen zu wollen, wende ich mich an Ihnen, mit der Bitte um weitere Tipps, Ideen und natürlich auch inwiefern diese lange Odyssee noch Erfolge bringen kann. Sowohl mein Freund und ich sind teilweise verärgert über den damaligen Einsatz des Krankenhauses, stellen uns immerwieder die Frage, worauf dieses Problem zurückzuführen ist (Stress? Psychische Belastung? Falsche Ernährung?) und spekulieren auch über die Folgen der Zufütterung für unsere Tochter. Es ist mittlerweile eindeutig, dass die Kleine die künstliche Milch nicht mehr so annimmt wie am Anfang, langsamer saugt und teilweise nur noch trinkt, statt eben zu nuckeln. Falls sich eine andere Lösung anbietet, wären wir sehr dankbar für Ihren Rat. Wir beide drehen schon langsam am Rad. Vielen Dank für Ihre Rückmeldung!


Biggi Welter

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Liebe bebe24, Ihr Kind trinkt schon an der Brust und es kommt auch Milch, Sie sind auf dem richtigen Weg! Es kann allerdings lange dauern, bis wirklich ausreichend Milch gebildet wird und Sie sollten weiterhin zusätzlich pumpen. Es hat sich bewährt, nach dem Schema 7 Minuten pumpen unterbrechen zum Massieren der Brust 5 Minuten pumpen massieren der Brust 3 Minuten pumpen, vorzugehen. Eine Brustmassage kann auch dazu beitragen den Fettgehalt der abgepumpten Milch erhöhen. Die besten Erfahrungen habe ich mit vollautomatischen, elektrischen Pumpen mit Doppelpumpset gemacht. Diese Pumpen sind von den Firmen Medela und Ardo erhältlich und können auch in Apotheken und Sanitätshäusern ausgeliehen werden. Da eine Pumpe nicht die gleichen Gefühle auslöst wie ein Baby, müssen Sie vor allem anfangs Ihren Milchspendereflex anregen. Dazu können Sie einige der folgenden Methoden der physischen und psychischen Stimulation einsetzen: Abpumpen in einer vertrauten und angenehmen Umgebung, vielleicht immer am gleichen Platz, im gleichen bequemen Sessel (ideal wäre ein Stuhl, der ihre Arme in einer bequemen Haltung stützt und es Ihnen ermöglicht den ganzen Körper zu entspannen). Störungen so gering wie möglich halten. Sie sollten z.B. das Telefon aushängen, etwas entspannende Musik anschalten und alles was Sie brauchen könnten bei der Hand haben. Dazu können ein Glas Wasser oder Saft, ein gesunder Imbiss oder etwas zu lesen gehören. Einhalten eines Rituals vor dem Abpumpen. Das Einhalten eines bestimmten Ablaufs vor dem Abpumpen, kann ihren Milchspendereflex anregen und auch als psychologischer Auslöser dafür wirken. Einige der folgenden Vorschläge können eventuell auch Ihnen helfen: • Wärmeanwendungen auf den Brüsten, entweder trocken oder feucht. Dazu können feuchte, warme Kompressen oder ein Heizkissen verwendet werden, oder aber Sie duschen warm. • Da Wärme entspannend wirkt, sollte Sie sich eine Decke oder eine Jacke über die Schultern legen, oder sich in die Nähe einer Heizquelle setzen. • Sanfte Brustmassage, entweder in der Dusche oder direkt vor dem Abpumpen. Das hilft besonders dann, wenn Sie angespannt sind. • Brustwarzenstimulation, durch sanftes Reiben oder Rollen der Brustwarzen. • Fünf Minuten Entspannung. Die Anwendung der Atemübungen aus der Geburtsvorbereitung oder einfach nur ruhiges Dasitzen und sich dabei etwas Angenehmes vorstellen (einen warmen Sandstrand mit Wellen, die ans Ufer plätschern, ein Gebirgsbach oder eine tropische Brise). Das Abpumpen mehrmals unterbrechen um die Brust zu massieren. Es sollte möglich sein, den Milchspendereflex mehrfach stimulieren, indem Sie das Abpumpen nach etwa zehn Minuten unterbrechen, ihre Brust massieren und dann wieder pumpen. (Bei der La Leche Liga Deutschland können Sie das Infoblatt „Die Marmet Methode" über das Handausstreichen und Massieren der Brust bestellen) Rhythmische Bewegungen beim Abpumpen um das Saugverhalten des Babys nachzuahmen. Beim Saugen übt das Baby einen sanften, rhythmischen Druck auf die Milchseen aus während es einen Sog aufbaut. Um Ihren Milchspendereflex möglichst wirkungsvoll anzuregen, sollte Sie versuchen, das Saugverhalten ihres Babys an der Brust nachzuahmen. Um die Milchproduktion richtig in Gang zu bekommen, sollten Sie häufiger als fünf Mal pro Tag pumpen. Ihr Baby würde anfangs mindestens acht bis zwölf Mal innerhalb von 24 Stunden an Ihrer Brust trinken. Versuchen Sie etwa ebenso oft zu pumpen, wie ein Baby trinken würde, also etwa alle zwei bis drei Stunden. Ob Sie nachts eine längere Pause einlegen (etwa sechs Stunden) oder nicht, müssen Sie ausprobieren. Manche Mütter bevorzugen eine Nachtpause, andere kommen besser zurecht, wenn sie auch in der Nacht regelmäßig weiter pumpen. Insgesamt sollten Sie auf eine Pumpzeit von mindestens 100 Minuten innerhalb von 24 Stunden kommen. Es ist sinnvoller häufiger kürzer abzupumpen als seltener und länger. Essen Sie genügend und ausgewogen (ausreichend kohlenhydrathaltige Nahrung) und trinken Sie entsprechend Ihrem Durstgefühl. Eine zu hohe Flüssigkeitsaufnahme wirkt sich nicht positiv auf die Milchmenge aus. Viel trinken mach NICHT viel Milch, im Gegenteil. Solange Sie sich nicht ausgedörrt fühlen, ihr Urin hell ist und Sie keine Verstopfung bekommen, trinken Sie genug. Es gibt keinen wirklichen Beweis für die Wirksamkeit von Milchbildungstees. Wenn Sie Milchbildungstee trinken wollen, dann bitte nicht mehr als zwei bis drei Tassen täglich, mehr kann Bauchprobleme beim Kind verursachen. Auch ist es wichtig, dass Ihr Baby keinen Schnuller bekommt, damit es lernt, die Brust wirklich zu akzeptieren. Wenn Sie möchten, können wir auch gerne miteinander telefonieren und in Ruhe miteinander sprechen. LLLiebe Grüße Biggi


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