Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Stillen

Frage: Stillen

Mimi-98

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Hallo, ich bin mit meinem Latein am Ende. Unser Sohn ist jetzt 2,5 Wochen alt. Es war eine schwere Geburt. Saugglocke, Nabelschnur um den Hals und der Kleine war 5 Tage auf der Intensivstation. Dort wurde er erst durch eine Magensonde gefüttert und dann mit Fläschchen versorgt bis ich dann anfangen konnte zu stillen. Ihm geht es jetzt wieder gut. Seit wir dann zuhause sind, klappt gar nichts mehr. Der Kleine kommt alle 5 min, 15 min oder 2 Stunden etc. Dann hängt er mir teilweise 2-3 Stunden an der Brust. Teilweise auch nur mal 5 min. Einschlafen tut er auch teilweise an der Brust. Und wecken kann ich ihn dann auch nicht. Der Kleine schreit sehr oft und ist beim Trinken teilweise sehr aggressiv und haut mit seinem Kopf um sich und verweigert die Brust bzw. zieht meine Brustwarze lang. Deswegen habe ich auch Schmerzen in den Brustwarzen. Pupsen tut er auch sehr oft und beim Trinken gluckst er richtig. Meine Hebamme meinte, dass sich alles einspielen wird. Aber ist es "normal", dass der Kleine 2-3 Stunden an der Brust ist? Wird sich das noch einspielen? Entweder der Kleine schläft oder ist wach und schreit. Ruhig ist er nie. Ich zweifle langsam, ob er Hunger hat oder Schmerzen (Blähungen). Grundsätzlich habe ich ihn immer angelegt, wenn er geschrien hat. Haben ihm bisher immer noch Sab Simplex gegeben. Aber das hat bisher nichts geholfen. Die Gewichtszunahme war bisher sehr gut lt. Hebamme. Könnten Sie mir etwas raten? Vielen Dank für Ihre Antwort. Mimi


Biggi Welter

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Liebe Mimi, das von Ihnen beschriebene Verhalten entspricht schon fast „lehrbuchmäßig" dem eines wenige Tage oder Wochen alten Babys, das eben nicht zehn bis 15 Minuten an der Brust trinkt und danach zufrieden einschläft (Baby, die sich so verhalten, sind so schwierig zu finden, wie eine Nadel im Heuhaufen). Babys haben ein über das reine Ernährungssaugen hinausgehendes Saugbedürfnis und diesem „non nutritiven" Saugen kommt eine sehr große Bedeutung zu. Nun werden viele Menschen sagen: „Dafür gibt es ja einen Schnuller". Doch das ist eine sehr zweifelhafte Antwort. Der Schnuller ist eine Brustattrappe und von der Natur ist vorgesehen, dass das non nutritive Saugen an der Brust stattfindet. Wird der Schnuller eingesetzt, kann es nicht nur zu Saugproblemen kommen, er kann auch dazu führen, dass das Kind zu wenig Zeit an der Brust verbringt, so dass die Brust nicht ausreichend stimuliert wird und das Kind nicht die Milch bekommt, die es braucht. Der Gebrauch des Schnullers ist sehr kritisch zu sehen. Ich denke, dass Ihr Sohn sowieso durch die Flasche schon saugverwirrt ist und deshalb so weint an der Brust. Eine Saugverwirrung entsteht, wenn ein Kind mit dem Wechsel zwischen den Trinktechniken an Brust und künstlichem Sauger (dazu gehören Flaschensauger, Schnuller und Stillhütchen) nicht zurecht kommt und dann die Brust schlussendlich sogar verweigern kann. Das ist ein ernsthaftes Stillproblem, das schon viele Sorgen und Tränen bei Müttern und Kindern verursacht hat. Doch eine Saugverwirrung kann überwunden werden. Dabei ist es die erste Maßnahme, dass sämtliche künstlichen Sauger weggelassen werden. In leichteren Fällen kann dies schon ausreichen. Am besten besprechen Sie mit einer Stillberaterin in Ihrer Nähe, wie Sie vorgehen können. Die Kollegin kann Ihnen dann im persönlichen Kontakt gezielte Tipps und Hinweise geben, auch zum Thema Steigerung der Milchmenge und Wachstumsschübe. So kleine Babys wollen im Schnitt zwischen acht und zwölf Mal innerhalb von 24 Stunden gestillt werden. Im Schnitt heißt, es gibt Babys die seltener nach der Brust verlangen (eher wenige Babys) und es gibt Babys, die häufiger an die Brust wollen (die Mehrzahl). Nun ist es jedoch nicht so, dass ein Kind zügig zwanzig Minuten trinkt und sich dann nach drei Stunden das nächste Mal rührt, sondern es kommt immer wieder zu Stillepisoden, die so ablaufen: das Kind trinkt eine kurze Weile, hört auf, döst vielleicht sogar weg und beginnt erneut kurz zu trinken usw. Dieses Verhalten heißt Clusterfeeding und ist absolut normal für kleine Babys (und keinesfalls ein Einschlafproblem). Besonders gehäuft treten diese Stillepisoden am Nachmittag und Abend auf, wie überhaupt die Abstände zwischen den Stillzeiten im Verlauf des Tages immer kürzer werden. Dazu kommt, dass in bestimmten Alterstufen Wachstumsschübe zu erwarten sind, in denen die Baby manchmal schier ununterbrochen an die Brust wollen. Ein Wachstumsschub ist mit etwa drei Wochen zu erwarten. Ich kann Ihnen nur dringend empfehlen, einmal ein Stillgruppentreffen zu besuchen oder zumindest einmal mit einer Stillberaterin in ihrer Nähe ein direktes Gespräch (auch am Telefon) zu führen. Viele Unsicherheiten lassen sich im direkten Gespräch sehr viel besser ausräumen und der Austausch mit anderen stillenden Müttern kann sehr ermutigend sein und vor allem werden Sie sehen und erleben, dass sich andere Babys genau so verhalten wie Ihr kleines Menschlein. Am besten wenden Sie sich einmal an eine Kollegin vor Ort und besprechen Ihre Situation in aller Ruhe mit ihr. Adressen von Stillberaterinnen finden Sie im Internet unter: http://wwwlalecheliga.de (Stillberaterinnen der La Leche Liga), http://www.afs-stillen.de (Stillberaterinnen der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl-stillen.de (Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC). LLLiebe Grüße Biggi


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