exalt
Hallo, ich habe eine Frage. Ich habe eine 4 Monate alte Tochter, die noch voll gestillt wird. Ich hatte letzte Woche eine Mittelohrentzündung, die mit einem 10-tägigen Antiobiotikum bekämpft wurde. Ich habe weitergestillt. Jetzt ist sie leider nicht besser geworden und ich muss morgen in die Klinik, wo sie mir das Trommelfell aufschneiden werden. Voraussichtlich muss ich dann noch ein Antibiotikum nehmen. Kann ich dann noch weiterstillen? Ich will meine Maus auch nicht zuviel zu muten, da sie ja einmal schon Antibiotikum über mich abbekommen hat. Wie ist Ihr Rat? Vielen Dank für Ihre Antwort! Mit freundlichen Grüßen
Liebe exalt, wie schön, dass ich gleich Entwarnung geben darf :-). Aus dem Buch „Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit“ (7. Auflage 2006), das von Dr Schaefer, dem Leiter der Embyotox, herausgegeben wird, zitiere ich dir zum Thema: Antibiotika allgemein Bei vielen Antibiotika erhält ein gestilltes Kind unter Behandlung der Mutter weniger als 1 % der auf das Körpergewicht bezogenen therapeutischen Dosis. Damit werden allenfalls minimale, in keinem Fall Bakterien hemmende Konzentrationen im Säuglingsplasma erreicht. In der Literatur werden immer wieder folgende Risiken diskutiert: Beeinflussung der Darmflora (ggf. „dünnere" Stuhlkonsistenz, selten Durchfall), Beeinflussung bakteriologischer Untersuchungen, die im Fall einer Erkrankung des Säuglings erforderlich werden könnten, Entwicklung resistenter Keime, Sensibilisierung. Als klinisch relevant oder gar therapiebedürftig haben sich alle diese Nebenwirkungen bisher nicht erwiesen. Am ehesten ist mit einer vorübergehenden Auswirkung auf die Stuhlkonsistenz zu rechnen (Ito 1993). Penicilline, Cephalosporine und andere ß Lactam Antibiotika Erfahrungen. Bei allen gängigen Penicillinderivaten (z.B. Isocillin®, Amoxypen®) liegt der M/P Quotient unter 1. Der voll gestillte Säugling erhält in der Regel deutlich weniger als 1 % einer therapeutischen Dosis (Übersicht in Bennett 1996). Ähnliches gilt für Cephalosporine, die zum Teil im Darm des Säuglings inaktiviert werden (Übersicht in Bennett 1996). Benyamini und Mitarbeiter (2005) haben 67 Mütter mit Amoxicillin plus dem Enzyminhibitor Clavulansäure (in Augmentan®) sowie 38 mit Cefuroxim nach Nebenwirkungen bei ihren gestillten Kindern gefragt. Bei der ersten Gruppe wurden mit 22 % häufiger Symptome berichtet als bei Amoxicillin alleine. Die Symptome waren dosisabhängig, bedurften aber keinerlei Intervention. Bei Cefuroxim wurden in knapp 3% der Fälle leichte Nebenwirkungen berichtet, die im Vergleich zu einer Kontrollgruppe mit Cefalexin nicht häufiger auftraten. Bei Aztreonam (Azactam®) sind nach einer Einzeldosis an die Mutter 0,2 % als relative Dosis für das Kind in der auf die Applikation folgenden Stillmahlzeit ermittelt worden (Ito 1990). Bei lmipenem (Zienam®) wurden in einer japanischen Untersuchung durchschnittlich 0,8 % einer gewichtsbezogenen, i.v. verabreichten Dosis in der Tagesmilchmenge gemessen (Ito 1988). Von Sulbactam (z.B. Unacid®) beträgt die relative pro Tag übergehende Dosis maximal 1 % (Foulds 1985). Enteral werden die zuletzt genannten Substanzen kaum resorbiert. Dies spricht zusätzlich für eine geringe biologische Verfügbarkeit beim gestillten Kind. Zu anderen ß Lactam Antibiotika liegen keine ausreichenden Daten vor. Bisher gibt es keinen Anhalt für toxische Effekte beim gestillten Kind. Empfehlung für die Praxis: Penicillinderivate und Cephalosporine gehören zu den Antibiotika der Wahl in der Stillzeit. Soweit möglich, sollten länger eingeführte Substanzen bevorzugt werden, d. h. im Fall der Cephalosporine solche der 2. Generation. Wenn erforderlich, können auch andere ß Lactam Antibiotika und Clavulansäure verwendet werden." LLLiebe Grüße und gute Besserung! Biggi
Hadriana
ich hatte 3 MOE im ersten Jahr mit meinem ersten Kind (davor und danach nicht eine einzige). Mein HNO-Arzt hat mir jedesmal einen Stoffstreifen mit Antibiotika-Salbe ins Ohr gelegt, der dort 3 Tage lang liegen blieb. So wirkte das AB lokal und ich konnte ohne schlechtes Gewissen weiterstillen (und für meinen eigenen Organismus war es sowieso besser so). Vielleicht wäre das für deinen behandelnden Arzt auch eine Option? Aber offenbar geht es ja auch so...! Jetzt, bei meinem zweiten Kind, musste ich mir einen entzündeten Weisheitszahn zuerst mit AB behandeln und anschließend ziehen lassen, danach gab es auch wieder AB prophylaktisch. Trotzdem konnte ich weiterstillen... LG und Alles Gute!