Stillen beim 2. Kind

 Kristina Wrede Frage an Kristina Wrede Stillberaterin

Frage: Stillen beim 2. Kind

Hallo liebes Stillexpertenteam, mein erstes Kind kam aufgrund von Komplikationen in der 33.SSW per geplantem Kaiserschnitt zur Welt. Leider hatte ich in den ersten Tagen nach der Sektio nicht einmal Kolostrum gehabt, geschweige denn Milch. Erst nach 4 Tagen kam tröpfchenweise Kolostrum. Auch aufgrund der Frühgeburtlichkeit und eines stillunfreundlichen Krankenhauses habe ich mein Kind knapp 4 Wochen nicht stillen können. In der Zeit habe ich minimale Mengen an Mumi per Pumpe abgepumpt und per Flasche/Magensonde zugefüttert. Es hat dennoch funktioniert, dass ich mein Kind dann nach einigen Wochen an die Brust bekam, aber habe leider auch mit der Flasche weiterhin zufüttern müssen. Nun bin ich mit dem 2. Kind schwanger und hoffe, dass ich das Kind komplett austragen kann und natürlich auch spontan gebären kann (was einigen Ärzten nicht so gefällt, wegen des Rupturrisikos). Nun habe ich natürlich große Sorge, dass ich wieder kein Kolostrum die ersten Tage habe und wieder zufüttern muss. Ist die Produktion von Kolostrum bei einer Frühgeburt und einer Reifgeburt unterschiedlich? Gibt es Unterschiede zwischen den Entbindungsarten (Spontan oder Sektio)? Was kann ich alles tun, damit ich mein nächstes Kind vollständig stillen kann und nicht zufüttern muss? Ich danke für Ihre Tipps

von Bonita80 am 19.07.2013, 21:20



Antwort auf: Stillen beim 2. Kind

Liebe Bonita80, es tut mir leid, dass deine erste Stillerfahrung nicht so war, wie Du es dir gewünscht hast und finde es toll, wie du trotz des erschwerten Starts trotzdem noch gestillt hast!!. Die "schlechte Erfahrung" muss sich beim zweiten Kind aber nicht zwangsläufig wiederholen. Die wichtigste Vorbereitung für eine erfolgreiche Stillzeit ist, sich bestmöglichst zu informieren (was du ja hiermit tust) und sollte es nach der Geburt zu Stillproblemen kommen, hast Du mit uns auch gleich kompetente Ansprechpartnerinnen an der Hand. :-) Ganz kurz kann man die wichtigsten Punkte für den Grundstein einer erfolgreichen Stillbeziehung auf die folgenden Schlagworte zusammenfassen: Bald stillen oft stillen uneingeschränkt stillen keine Flüssigkeit oder andere Nahrung dazugeben außer bei medizinisch begründeten Fällen. Das Baby sollte so bald wie möglich nach der Geburt zum ersten Mal angelegt werden und dann jederzeit und ohne zeitliche Einschränkung an die Brust dürfen, wenn es das will. Bei eher schläfrigen Kindern oder Babys mit verstärkter Neugeborenengelbsucht muss die Mutter unter Umständen den Takt angeben und dafür sorgen, dass das Kind mindestens acht bis zwölf Mal innerhalb von 24 Stunden an der Brust trinkt. Tee, Glukoselösung oder Wasser sind überflüssig und vor allem bei einer eventuell verstärkten Neugeborenengelbsucht sogar kontraproduktiv. Das Bilirubin (der gelbe Farbstoff, der für die Gelbfärbung der Haut bei der Neugeborenengelbsucht verantwortlich ist) wird nur zu zwei Prozent über den Urin ausgeschieden, der Rest wird durch den Darm ausgeschieden. Daher ist es unsinnig, die Gelbsucht "ausschwemmen" zu wollen. Wichtig ist, dass der Darm mit Nahrung versorgt wird und die Verdauung angeregt wird, das Mekonium möglichst rasch ausgeschieden wird. Das Kolostrum, die wichtige erste Milch wirkt abführend und begünstigt damit die Ausscheidung des Bilirubins. Der Organismus eines Neugeborenen ist auf viele, kleine Mahlzeiten eingestellt. Sein Magen hat etwa die Größe eines Teebeutels. Kleine Mengen an Muttermilch sind also absolut richtig und in Ordnung. Wichtig ist, dass dein Baby ab dem zweiten, dritten Tag mindestens drei bis vier Darmentleerungen hat und ausreichend Urin ausscheidet. Eine Gewichtsabnahme von etwa sieben Prozent des Geburtsgewichtes innerhalb der ersten Tage ist normal, bis zehn Prozent sind bei einem ansonsten gesunden Kind tolerierbar. Spätestens mit drei Wochen sollte das Baby sein Geburtsgewicht wieder erreicht haben. Milchbildungstee ist nicht notwendig und es hat keinen Sinn ihn bereits während der Schwangerschaft zu trinken. Wenn überhaupt Milchbildungstee getrunken wird, dann bitte auch nicht mehr als höchstens zwei bis drei Tassen täglich, da mehr zu Bauchproblemen beim Kind führen kann. Wunden Brustwarzen und anderen Stillproblemen kannst Du am besten dadurch vorbeugen, dass Du dich informierst. Wunde Brustwarzen entstehen in über 80 % der Fälle durch falsches Anlegen oder Ansaugen. Es ist extrem wichtig, korrekt anzulegen, nicht nur um wunde Brustwarzen zu vermeiden, sondern auch, damit die Brust gut stimuliert und richtig entleert wird und so die Milchbildung gut in Gang kommt bzw. aufrecht erhalten wird. Deshalb ist es entscheidend, dass Du dich möglichst gut über das Stillen und die grundlegenden Dinge wie korrektes Anlegen und Ansaugen, das Prinzip von Angebot und Nachfrage, Stillen nach Bedarf usw. informierst. Nochmals: Ganz wichtig ist dass Du weißt, wie korrekt angelegt ist und woran Du erkennst, dass das Baby richtig ansaugt und effektiv an der Brust trinkt. Hierzu bietet sich neben dem Lesen der entsprechenden Literatur (z.B. "Stillen" Marta Guoth Gumberger und Elizabeth Hormann, "Das Handbuch für die stillende Mutter" von der La Leche Liga, "Stillen einfach nur stillen" von Gwen Gotsch) der Besuch einer Stillgruppe an. In einer Stillgruppe triffst Du nicht nur andere stillende Mütter, sondern Du lernst auch gleich eine kompetente Ansprechpartnerin kennen, für den Fall, dass es nach der Geburt zu Stillproblemen kommen sollte. Eine Stillberaterin in deiner Nähe findest Du im Internet unter http://wwwlalecheliga.de (La Leche Liga), http://www.afs stillen.de (Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl stillen.de (Still und Laktationsberaterinnen IBCLC). Erkundige dich auch einmal, vielleicht gibt es in deiner Nähe ein stillfreundliches Krankenhaus, dort verläuft der Start der Stillbeziehung oft sehr viel besser und es gibt echte und gute Unterstützung nach der Geburt. Ich wünsche dir schöne restliche Schwangerschaftswochen, eine gute Geburt und diesmal eine problemlose und schöne Stillzeit. Solltest Du noch Fragen haben, sind wir gerne für dich da! Lieben Gruß, Kristina

von Kristina Wrede am 19.07.2013



Antwort auf: Stillen beim 2. Kind

Vielen Dank für den informativen Text. Beim ersten Kind konnten wir ja auch sehr lange stillen und all diese Informationen habe ich auch umgesetzt. Mache mir nur Sorgen, ob es normal ist, da am Anfang gar kein Kolostrum fließt oder ob es mit der Frühgeburt zusammenhängt? Danke nochmals!

von Bonita80 am 20.07.2013, 01:00



Antwort auf: Stillen beim 2. Kind

Liebe Bonita80, ja, es hängt ganz sicher mit dem Geburtstermin zusammen, und mit dem Stress. Beides hat ja mit der Hormonausschüttung in deinem Körper zu tun, die für die Bildung von Kolostrum benötigt wurden. Mach dir keine Sorge, es wird dieses Mal ganz anders laufen :-) Lieben Gruß, Kristina

von Kristina Wrede am 20.07.2013