Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Nächtliches Dauerstillen

Frage: Nächtliches Dauerstillen

Mitglied inaktiv

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Liebe Biggi, heute möchte ich gerne deine tollen Tipps in Anspruch nehmen, da ich langsam mit den Nerven am Ende bin. Meine Tochter ist nun 6,5 Monate alt. Gut geschlafen hat sie noch nie wirklich. Nachts habe ich sie schon immer meist alle 2 Stunden gestillt. Bis vor ca. 1,5 Monaten war es auch so, dass man tatsächlich gemerkt hat, dass sie hungrig ist. Das ist nun seit einiger Zeit nicht mehr so. Momentan schläft sie an der Brust ein (Manchmal dauert das bis zu einer Stunde) ab diesem Moment ist der Tag für mich gelaufen. An aufstehen ist absolut nicht mehr zu denken. Sobald sie die Brust verliert, ist das Theater groß. Selbst der Gang zur Toilette ist nachts ein Kampf und diesen "gewinne" ich nur selten. Sie ist totmüde, aber schläft dann einfach nicht wieder ein. Sie nuckelt kurz, dreht sich dann weg, nuckelt wieder kurz, dreht sich auf den Bauch, nuckelt ..... und das geht stundenlang. Wenn Sie dann mal eingeschlafen ist und ich es schaffe, doch mal aufzustehen, ist sie nach 10 Minuten wieder wach. Ich kann gar nichts mehr machen. Weder essen noch duschen oder einfach mal 5 Minuten ausspannen. Heute war es so schlimm, dass ich zu meinem Mann sagte er solle aufpassen auf die Maus und ich sitze nun im Wohnzimmer um mich wenigstens mal 5 Minuten "abzuregen". Leider bekommt er sie auch nicht in den Schlaf .... Ich weiß wirklich nicht mehr weiter. Ist das denn normal? Natürlich stille ich sie sehr gerne und alleine schlafen brauch sie auch nicht ... Aber die ganze Nacht? Alle Babys in meinem Umfeld schlafen problemlos, nur meins komischerweise nicht. Mache ich vielleicht irgendwas falsch? Mein ganzer Körper schmerzt schon vom stundenlangen in einer Position verharren. Gerade bin ich einfach nur verzweifelt. Gibt es gesundheitliche Aspekte die ausgeschlossen werden müssen? Ich mache mir wirklich Sorgen, ob das noch normal ist. Vielleicht hast Du ja einen guten Tipp für mich.... Ich würde mich freuen. Viele Grüße


Biggi Welter

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Liebe mamiundjamie, ja, es IST normal! Für viele Menschen unserer Kultur wird "guter Schlaf" mit "ununterbrochenem Schlaf" gleichgesetzt und für junge Eltern ist es dann eine große Herausforderung mit dem Schlaf in "Häppchen" zurecht zu kommen. Genau zu diesem Thema habe ich eine interessante Stellungnahme eines Gynäkologen gehört, der über das Thema "rooming in und Müdigkeit der Mutter" gesprochen hat: Er hat dargelegt, dass er aufgrund seiner Dienste und seiner Arbeit im Krankenhaus extrem selten mehr als drei bis vier Stunden am Stück schlafen kann und fünf Stunden ununterbrochener Schlaf sind für ihn bereits der Inbegriff des Luxus. Dennoch und obwohl dies schon seit mehr als zehn Jahren für ihn so ist fühlt er sich nicht unausgeschlafen oder empfindet seinen Schlaf als qualitativ beeinträchtig. Ich will damit sagen, dass unterbrochener Schlaf nicht mit Schlafmangel gleichgesetzt werden kann und dir deshalb das Abstillen in der Nacht nicht zwingend einen Vorteil bringen wird. Zumal es auch keine Garantie dafür gibt, dass dein Kind dann nicht mehr aufwachen wird, nur weil es nachts nicht mehr gestillt werden wird. Muttersein ist einer der härtesten und anstrengendsten Berufe der Welt ist, der sieben Tage die Woche und 52 Wochen im Jahr einen 24 Stunden Dienst ohne Urlaubsanspruch und Krankschreiben bedeutet. Und an dieser Tatsache ändert sich nichts, ob frau nun stillt oder nicht. Als Eltern glauben und hoffen wir immer auf eine lineare Weiterentwicklung der Fähigkeiten unserer Kinder. Beim Schlafverhalten können wir jedoch nicht davon ausgehen, dass die Entwicklung kontinuierlich verläuft, im Gegenteil, relativ viele Babys schlafen mit zwei Monaten deutlich länger und anhaltender als mit vier oder sechs Monaten. Das Schlafverhalten hängt nicht unbedingt oder nur in extrem geringem Maße von der Ernährung ab. Gerade in der Zeit ab etwa vier bis sechs Monate wachen viele Babys (wieder) vermehrt auf. Dies liegt nicht an der Ernährung des Kindes, sondern ist entwicklungsbedingt. Deshalb ist die Einführung von fester Nahrung oder künstlicher Säuglingsnahrung auch keine Garantie für angenehmere Nächte. Die Kinder beginnen um diesen Zeitraum die Welt sehr konkret zu erleben, sie müssen das am Tag Erlebte in der Nacht verarbeiten, sie lernen neue Fähigkeiten (umdrehen, robben, krabbeln, gezieltes Greifen ...), sie beginnen den Unterschied zwischen fremd und bekannt zu erkennen. All dies ist ungeheuer aufregend und auch anstrengend. Dazu kommt, dass sich die Zähne verstärkt bemerkbar machen, dass vielleicht die erste Erkältung kommt und, und, und ... Der scheinbare Rückschritt im Schlafverhalten ist eigentlich ein Fortschritt, denn er zeigt, dass die Entwicklung des Kindes voranschreitet. Außerdem möchte ich dir empfehlen (sofern du nicht privat versichert bist), dich von deinem Hausarzt krank schreiben und dir eine Haushaltshilfe verschreiben zu lassen (dazu musst du erklären, dass dein Mann nicht zuhause bleiben kann und auch sonst niemand in der Familie da ist, der sich um die Versorgung deines Kindes [das ist der erforderliche Wortlaut!] kümmern kann. Wenn du erst einmal Entlastung im Alltag hast, hast du etwas mehr Luft um durchzuschnaufen. Und um dich jedes Mal, wenn auch dein Kind ruht, selbst (mit) ins Bett zu legen! Ehrlich gesagt ist DIESER Schritt meist auch recht schnell in Angriff genommen, ein Termin beim Hausarzt reicht, dann ein Anruf bei der Nachbarschaftshilfe, Sozialstation oder Kinderbüro (je nachdem, wer sich bei euch um das Thema "Haushaltshilfe im Krankheitsfall" kümmert). Das "Problem Kind" braucht meist mehr Zeit... Überlege dir auch einmal zu einem Stillgruppentreffen zu gehen und tausch dich dort mit den anderen Müttern aus. Vielleicht hast Du sogar das Glück so wie ich vor Jahren, dass Du dort Mütter oder eine Stillberaterin kennen lernst, die bereits ältere Kinder haben und Du kannst miterleben, dass es sich lohnt noch etwas durchzuhalten. Eine Stillberaterin in deiner Nähe findest Du im Internet unter http://wwwlalecheliga.de (La Leche Liga), http://www.afs stillen.de (Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl stillen.de (Still und Laktationsberaterinnen IBCLC). LLLiebe Grüße Biggi


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Noch als Ergänzung: Den Tipp mit dem Finger unter dem Kinn habe ich ausprobiert, funktioniert leider nicht bei uns. Und ein nuckel wird verweigert.


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