Mitglied inaktiv
liebe biggi, mein 6 monate alter sohn will seit 4 wochen nachts alle 3 stunden heißhungrig an die brust- schläft dann aber weiter. früher schlief er immer 8 stunden durch. fast zeitgleich habe ich mittags brei eingeführt (isst er alles sehr gut und viel!).morgens, vormittags, nachmittags und vor dem schlafengehen wird gestillt, abends immer eine grosse flasche pre-milch, weil da meine brüste fast leer sind. also zu essen bekommt er genug und trotzdem scheint mir, dass er wirklich aus hunger aufwacht (läßt sich auch nicht anderweitig beruhigen). mittlerweile bin ich ganz schön geschlaucht durch diese nächtlichen unterbrechungen. was rätst du mir? danke für deine geschätzte antwort- verenka
? Liebe Verenka, Schlafverhalten und Essen sind nicht so miteinander verknüpft wie es viele Menschen denken. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass ein Baby am Abend nur ausreichend „abgefüllt" werden müsse, um ruhigere Nächte zu erreichen. Stillen ist halt mehr als nur Ernährung. Wer auch immer das Gerücht in die Welt gesetzt hat, dass Beikost oder künstliche Säuglingsnahrung besonders lange „vorhalten" und Kinder dann länger schlafen, der hat vielleicht ein Ausnahmekind gehabt oder eventuell sogar gar keines. Ich will nicht behaupten, dass es nicht manchmal tatsächlich so ist, dass ein Baby länger schläft, wenn es am Abend einen Brei oder eine Flasche mit künstlicher Säuglingsnahrung bekommt, aber es ist keinesfalls die Regel (und vielleicht sogar einfach nur Zufall) und nicht wenige Kinder schlafen nach einer „Reichhaltigen Abendmahlzeit" sogar noch schlechter. Die Fähigkeit länger zu schlafen, hängt nicht von der Art der Nahrung und auch nicht von der Menge der Nahrung ab. Das wurde inzwischen in Studien hinlänglich festgestellt und haben auch schon viele Eltern erkennen und erleben müssen. Es ist ein Reifungsprozess beim Kind, der von Kind zu Kind unterschiedlich schnell verläuft. Es ist geradezu klassisch, dass ein Baby in diesem Alter anfängt nachts (wieder) häufiger aufzuwachen und auch wieder häufiger nach der Brust zu verlangen. Das liegt jedoch nicht daran, dass die Milch nicht mehr ausreicht, sondern ist entwicklungsbedingt. Die Kinder beginnen um diesen Zeitraum die Welt sehr konkret zu erleben, sie müssen das am Tag Erlebte in der Nacht verarbeiten, sie lernen neue Fähigkeiten (umdrehen, robben, krabbeln, gezieltes Greifen ...), sie beginnen den Unterschied zwischen fremd und bekannt zu erkennen. All dies ist ungeheuer aufregend und auch anstrengend. Dazu kommt, dass sich die Zähne verstärkt bemerkbar machen, dass vielleicht die erste Erkältung kommt und, und, und ... Es gibt jedenfalls genügend Gründe dafür, dass das Kind unausgeglichen ist und nachts häufiger aufwacht. Für die Mütter ist es meist schwer, diesen „Rückschritt" zu akzeptieren. Doch in Wirklichkeit ist es ein Fortschritt, denn dein Kind hat wichtige neue Entwicklungsschritte gemeistert und ist dabei noch weitere anzugehen. Wo schläft dein Baby denn? Für die Mutter ist es sehr viel praktischer, wenn das Baby mit im eigenen Bett liegt (was weltweit bei Mehrzahl aller Kinder und in unserer Kultur sehr viel mehr als von den Eltern zugegeben wird der Fall ist) oder auf einer Matratze oder in einem Kinderbett direkt neben ihrem Bett. Die Mutter muss nachts nicht aufstehen, muss nicht erst richtig wach werden, sondern kann im Liegen stillen und unmittelbar danach weiterschlafen. Auch das Kind muss gar nicht erst richtig wach werden und zu schreien beginnen und kann somit auch schneller wieder einschlafen. Auf diese Weise kann viel Kraft gespart werden und die Nächte verlaufen für alle Beteiligten ruhiger. Als stillende Mutter hast Du den ungeheuren Vorteil, dass Du dein Kind durch diese für alle anstrengende Zeit begleiten kannst, ohne dass Du richtig wach werden und aufstehen musst. Genieße dieses Privileg, dich einfach nur umdrehen zu müssen, so dass dein Kind an deine Brust kann und dann, wenn schon nicht sofort weiterschlafen zu können, so doch zumindest ruhen kannst. Du machst nichts falsch, wenn Du dein Baby dann stillst, denn Stillen ist ja nicht nur Ernährung, sondern gibt deinem Kind auch Nähe, Geborgenheit und Sicherheit. Wenn Du gerne liest und ein Buch lesen möchtest, das sich mit dem Thema Schlaf auseinandersetzt und dessen Autor beim Thema Schlaf auch Achtung vor dem Baby zeigt und dessen Bedürfnisse ernst nimmt, kann ich dir wärmstens „Schlafen und Wachen - ein Elternbuch für Kindernächte" von Dr. William Sears empfehlen, das Du im Buchhandel, bei der La Leche Liga und jeder LLL-Stillberaterin bekommen kannst. LLLiebe Grüße Biggi
Mitglied inaktiv
Hallo, unser Sohn ist jetzt auch 6 Monate, hatte schon 6-8 Stunden durchgeschlafen und seit ein paar Wochen ist es damit vorbei. Er will mehrmals nachts an die Brust zum Trinken (nuckelt sich dann wieder in den Schlaf). Ich lasse ihn dann bei mir im Bett, dann kann ich auch gleich weiterschlafen. So kommen wir ganz gut klar. Ich lasse ihm einfach sein Phase und denke, es schon wird besser. Annett
Mitglied inaktiv
liebe biggi, danke für deine schöne antwort, die mir sehr hilft!obgleich ich mich für eine mutter halte, die sich sehr auf ihr gefühl und instinkt verläßt, dass sie optimal weiß, was für ihr kind richtig ist, anstatt in blöden büchern zu lesen und sich komplett verwirren zu lassen, habe ich doch in den letzten wochen gemerkt, wie der druck von außen zunahm- ("was, du stillst noch?"- "der kleine saugt dich doch ganz aus"- "da gib ihm doch einen ordentlichen brei am abend" etc.pp). nun weiß ich wieder, wo es langgeht, danke! liebe grüße von verenka (und schlafendem antonin)