Helene P
Liebe Stillexpertinnen, mein zweiter Sohn ist jetzt 14 Monate alt. Wir haben mit der Beikost angefangen als er knapp 6 Monate alt wurde. Anfangs hat er sehr begeistert gegessen und sich mit dem Löffel gerne füttern lassen. Nach ca 2 Monaten (er war ca. 8 Monate) hat er von einem Tag auf den anderen das Füttern und Breiessen verweigert. Er hat den Kopf geschüttelt und den Löffel beiseite geschoben. Wollte man ihn dennoch füttern, hat er zu weinen begonnen. Da es sehr heiß war und den ganzen Sommer mehr oder weniger immer heiß war, habe ich ihn ausgiebig weiter gestillt. Ich habe ihm aber immer weiter Brei und auch andere babygerechte Speisen angeboten und er hat sie auch immer wieder angenommen aber immer nur sehr wenig und die Menge hat sich bis heute nicht steigern lassen. Auch Premilch habe ich ihm angeboten z.T. mit Obstmus oder Getreideflocken gemischt. Bis auf wenige Ausnahmen hat er dies auch nicht angenommen. Derzeit hat er 4 Schneidezähne und isst immer wieder das angebotene Essen, allerdings in sehr geringen Mengen. Am ehesten isst er, wenn er im Kinderwagen sitzt und wir unterwegs sind. Ich biete ihm alles möglich in kleinen Babygerechten Häppchen an: Brot mit Wurst und Käse, Nudeln, Reis(Bällchen), Fleischbällchen, Gemüse/Hirsebällchen, Schnitzerl, gekochtes Gemüse, Obst, Kekserl, etc. Und gelegentlich auch mal Fruchtmus oder Fruchtzwerg. Vom Löffel isst er nach wie vor nicht (gern), er versucht es schon selbst, aber das klappt noch nicht. Außerdem ist sein Interesse auch nicht so groß, dass es wirklich im Mund landet. Am besten schläft er mit Stillen ein, er schläft auch im Kinderwagerl ein oder wenn er satt ist (Busen) und getragen wird. Mittlerweile habe ich ihn auch schon ein paar mal mit Oma alleingelassen, dann isst er zwar kleine bisschen (so wie bei mir auch), aber wenn ich komme muss halt sofort Busen getrunken werden. Wenn wir unterwegs sind kann ich das Stillen mit kleinen Häppchen ganz gut rauszögern, aber spätestens zum Schlafen gehen muss dann ausgiebig gestillt werden. Und in der Nacht wacht er recht häufig auf und lässt sich dann am besten beruhigen wenn er gestillt wird. Und das mache ich auch, weil es einfach so für mich am schnellsten geht und es ist derzeit auch ok für mich. Einen Schnuller nimmt er nicht. Für mich ist es ein bisschen problematisch, dass ich dauernd verfügbar sein muss und ich habe auch schon selbst sehr wenig Gewicht, was ich auf das ausgiebige Stillen (derzeit so 3-4 Mal über den Tag verteilt, zum Einschlafen und in der Nacht ca 4 mal) zurück führe. Bisher dachte ich, er würde schon langsam mehr Essen und das Stillen dann auch immer weniger werden (so war es bei meinem ersten Sohn aber halt schon in einem viel jüngeren Alter. Dieser ließ sich aber auch mit dem Löffel füttern). Weiters mache ich mir langsam Sorgen, ob er überhaupt mal richtig zu essen anfängt. Die beiden konsultierten Kinderärztinnen haben mir geraten, ihn komplett abzustillen durch "einfach schreien lassen" oder sogar "zwei Wochen wegzufahren". Und einen Schnuller an zu gewöhnen. Nun ersuche ich um Ihre Sicht der Dinge: Ist es wirklich notwendig ihn so drastisch abzustillen oder wird er sich doch - halt langsamer als andere Kinder - mit "normalem" Essen ernähren und allmählich selbst "abstillen"? Ist es wirklich notwendig, ihn mit "Tricks" und "schreien lassen" an ein abendliches Einschlafen ohne Busen zu gewöhnen oder wird er sich mit zunehmendem Alter irgendwann auch zum Einschlafen das Stillen abgewöhnen? Ist es tatsächlich notwendig, ihm einen Schnuller anzugewöhnen? Bitte um Ihre Erfahrung und Einschätzung. Vielen Dank, liebe Grüße von Helene Payer
Liebe Helene P, wurde der Eisenwert des Kindes schon einmal kontrolliert? Kann Euer Kind eventuell einen Zinkmangel haben? Beides kann die Ursache für ein schlecht essendes und/oder schlecht gedeihendes Kind sein. Wenn das abgeklärt ist, kannst Du ganz beruhigt sein. So schwer es auch fällt, versuche die Geduld zu bewahren und mach bitte keinen Kampf ums Essen. Wenn es erst einmal so ist, dass das Essen Machtkampf bedeutet, dann sind wir Eltern sehr schnell die Verlierer und viele Essstörungen haben ihre Ursache in einem krampfhaften Machtkampf ums Essen im Baby und Kleinkindalter. Im ersten Lebensjahr IST Milch die Hauptnahrungsquelle und viele Babys essen noch nicht viel feste Kost. Dein Baby ist gerade 14 Monate alt und es isst ja, wenn auch nicht viel. Lass dich leiten von deinem Kleinen, er WEISS genau, was er braucht. Wenn er nichts oder nur wenig essen mag, dann lass ihn. Sonst erzeugst du nur einen Stress, der keinem von Euch gut tut. Der beste Weg, ein Kind zu einem "schwierigen Esser" zu machen besteht darin, es zum Essen zu zwingen! Ein Kind darf essen, aber es muss nicht essen und eine sehr bewährte Methode lautet "Die Mutter bietet an, was es gibt, das Kind entscheidet wie viel oder wenige es davon isst". Sei getrost, dass er solange du weiter stillst bekommt was er braucht. Ganz sicher ist auch für dich das Buch "Mein Kind will nicht essen" von dem spanischen Kinderarzt Dr. Carlos Gonzales eine interessante (und beruhigende) Lektüre. Das Buch ist im Buchhandel (ISBN 3 932022 12 2) bei der La Leche Liga oder auch im Stillshop hier auf der Seite erhältlich. Dr. Gonzales hat eine Aufstellung gemacht, wie viel Muttermilch (MM) ein Baby im Alter zwischen neun und zwölf Monaten benötigt, um den empfohlenen Bedarf an verschiedenen Nährstoffen zu decken: Energie: 830 kcal = 1185 ml MM Eiweiss: 9,6 g = 910 ml MM Vitamin A: 350 µg = 700 ml MM Vitamin B: 0,4 µg = 412 ml MM Vitamin C: 25 mg = 625 ml MM Diese Angaben zeigen, dass Muttermilch den Bedarf des Kindes an vielen Nährstoffen lange zu decken vermag und nicht unbedingt Eile geboten ist, das Kind zum Essen zu zwingen. Ich zitiere dir noch aus einem Artikel, den Denise Both IBCLC geschrieben hat: "Das am heißesten gehandelte Thema, wenn es um Mangelerscheinungen bei gestillten Kindern ist das Eisen. Stillende Frauen dürfen sich immer wieder anhören, dass Muttermilch ja nur wenig Eisen enthält und dass die Eisenspeicher des Kindes nur bis etwa sechs Monate ausreichen und dann sei es unabdingbar Beikost einzuführen, um einen Eisenmangel abzuwenden. Es stimmt, dass Muttermilch im Verhältnis zu Kuhmilch oder künstlicher Säuglingsnahrung nur wenig Eisen enthält, demgegenüber steht jedoch die bessere Bioverfügbarkeit des Muttermilcheisens für das Kind. Dennoch kann es zu einem Eisenmangel bei gestillten Kindern kommen. Besonders gefährdet dafür sind Frühgeborene, Kinder deren Mütter in der Schwangerschaft einen Eisenmangel hatten und Kinder, deutlich länger als sechs Monate jegliche feste Nahrung ablehnen. Man muss zwischen Eisenmangel und einer Eisenmangelanämie unterscheiden. Eisenmangel lässt sich nicht unbedingt an einem niedrigen Hämoglobinwert (Hb) erkennen. Es reicht also nicht, beim Kind regelmäßig den Hb zu bestimmen, um einen Eisenmangel auszuschließen, sondern es muss zusätzlich auch noch der Serum Ferritin Wert bestimmt werden. Ein Eisenmangel im Kindesalter kann wirklich schwer wiegende und vor allem nicht immer wieder behebbare Folgen für die geistige und körperliche Entwicklung haben und sollte deshalb nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Dazu kommt, dass sich ein unguter Kreislauf entwickeln kann, wenn das Kind erst mal in eine Mangelsituation geraten ist: Der Eisenmangel macht das Kind appetitlos, das Kind mag erst recht keine Beikost essen, der Eisenmangel verschärft sich. Deshalb ist es sinnvoll, dass bei einem Kind, das lange jegliche Beikost verweigert, Hämoglobin und Ferritin bestimmt werden, um rechtzeitig eingreifen zu können, falls sich ein Mangel bestätigt. Der Pieks für die Blutuntersuchung ist weniger traumatisch für das Kind, als ein unentdeckter Eisenmangel. Eine vegetarische Ernährung ist übrigens nicht gleichzusetzen mit einer zu geringen Eisenzufuhr. Vegetarisch lebende Familien sollten jedoch unbedingt auf eine bewusste Zusammenstellung ihrer Ernährung achten, denn das Eisen aus pflanzlichen Nahrungsmitteln wird nur zu 3 bis 8 Prozent verwertet, also deutlich weniger als das hämgebundene Eisen aus Fleisch, dessen Verwertbarkeit bei etwa 23 % liegt." Es gibt Babys, die es geradezu hassen und hysterisch reagieren, wenn man ihnen etwas in den Mund stecken will. Diese Kinder essen aber recht gut, wenn sie selber essen dürfen. Das Geschmiere, das es dabei gibt, ist weniger schlimm, als das Theater mit einem Kind, das sich mit allen Kräften wehrt und außerdem lernen die Kinder recht schnell gut zu essen. Es gibt eine ganze Menge, was als fingergerechte Nahrung angeboten werden kann. Banane zum Beispiel kann ein Kind gut in die Hand nehmen, sie ist weich und es kann sie alleine essen. Auch ein Stück von einer gekochten Kartoffel geht gut. Gekochte Erbsen können einzeln aufgepickt werden (ist gleichzeitig eine gute Übung für die Feinmotorik), alle Gemüse und Obstarten, die einigermaßen weich sind und dann in kleine Stücke geschnitten werden, können gegeben werden. Probier es einfach weiterhin immer wieder aus und gib deinem Kind noch etwas Zeit. LLLiebe Grüße, Biggi
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