Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Bauchweh - Stillen immer komplizierter - kann ich die "Spirale" durchbrechen?

Biggi Welter

 Biggi Welter
Stillberaterin der La Leche Liga Deutschland e.V.

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Frage: Bauchweh - Stillen immer komplizierter - kann ich die "Spirale" durchbrechen?

skjelli

Hallo Frau Welter, meine Kleine wird heute 12 Wochen alt. Ich stille sie voll, auch wenn dies nur selten etwas von einer „glücklichen Stillbeziehung“ hat. Da sie ihre Unterlippe am Anfang gar nicht ausstülpte (saugt sie immer noch gerne ein; zusätzlich leicht zurückliegendes Kinn) und schon beim Anlegen einschlief, mussten wir ihr das Trinken quasi beibringen, und besonders der erste Monat war sehr schmerzhaft. Danach bekam sie beim Trinken Bauchweh, wodurch das Stillen zu einer wahren Geduldsprobe wurde (wand sich und ließ oft schon nach kurzer Zeit los, weinte, musste beruhigt werden, manchmal eine ganze Stunde lang, bis genügend Milch „drin“ war). Auch wenn sie dann teilweise weder Ober- noch Unterlippe ausstülpte, habe ich sie oft gewähren lassen, weil ich froh war, wenn sie überhaupt trank. Gegen das Bauchweh haben wir alles mögliche versucht (Fliegergriff, Wärme, Massage, Kümmelzäpfchen, Sab Simplex, Windsalbe); lediglich Fahrradfahren und Kreisen mit den Beinen bringt für den Moment Entspannung. Aber die Luft, die man deutlich fühlen und perkutieren kann, bleibt drin. Nur beim Schreien pupst sie manchmal, aber da stelle ich mir vor, dass sie die gleiche Menge auch schon wieder schluckt... Geschlafen hat sie im ersten Monat noch viel, aber seitdem wurden die Schlafphasen tagsüber immer kürzer, nachts dafür länger. Sie schläft nur auf dem Arm ein; dann kann man sie aber erst nach ca. 20 min woanders hinlegen, wenn ihre REM-Schlaf-Phase vorbei ist. In dem Zeitraum stößt auch immer noch ein wenig auf, auch wenn sie vorher Bäuerchen gemacht hat. Zu Beginn haben wir sie fast immer gepuckt, da sie sehr schreckhaft war, wild mit den Armen ruderte und sich oft selbst aufweckte. Mittlerweile schläft sie durch das Pucken nicht unbedingt länger, da sie versucht, sich die Hände in den Mund zu stecken, sodass wir tagsüber kaum noch pucken. Wenn sie wach ist, fühlt sie sich nur auf dem Arm wohl, erst seit kurzem hält sie es auch ein paar Minuten auf dem Boden (mit mir daneben) oder unter dem Mobile aus. Ihre Umgebung nimmt sie seit ca. 2 Wochen sichtbar wahr, wirklich interessant sind aber nach wie vor nur Mamas und Papas Gesicht. Spielzeug (außer Mobile) wird nicht beachtet. In fremden und v.a. lauten Umgebungen fühlt sie sich unwohl und schreit. Ebenso schreit sie im Kinderwagen und im Autokindersitz. Seit ca. 2 Wochen ist sie in allen Bereichen (Trinken, Schlafen, Wachsein) anstrengender geworden. Aktuell sieht es bei uns tagsüber so aus: beim Stillen trinkt sie max. 10 min, dann merkt man, dass sie irgendetwas stört (meist verkrampft sie den Bauch dabei), sie lässt los, und ich nehme sie erstmal zum Bäuerchen hoch (meist kommt aber nichts). Im Anschluss möchte sie nicht weitertrinken, sodass ich sie wickle und etwas bespaße. Dann fängt sie langsam an zu quengeln, und ich biete ihr wieder die Brust an. Meist sucht sie zwar und versucht anzudocken, aber wieder stört sie irgendetwas, und sie fängt an zu schreien. Dann trage ich sie herum, und man sieht, dass sie müde wird. Zwischendurch biete ich noch mehrmals die Brust an. Oft nimmt sie sie dann irgendwann und trinkt weitaus länger als zu Beginn. Meist schläft sie dabei schon ein, und ich docke sie ab, versuche noch ein Bäuerchen und warte, bis sie in Tiefschlaf gefallen ist. Dann wacht sie aber spätestens nach 5 Minuten wieder auf, und nach ein wenig Bespaßen meldet sich der Hunger wieder. Oft schläft sie wegen Bauchweh aber auch gar nicht richtig ein. Längere Zeit am Stück schläft sie nur im Tragetuch. Gegen Nachmittag/Abend fängt sie an zu clustern und sucht gegen Ende hin auch immer wieder zum Nuckeln die Brust (und NUR die Brust), bis sie gegen 22h einschläft und ich sie ca. 20 min später ins Bett lege. Dann möchte sie 2x trinken (ca. 1h und 4h), bis wir um ca. 7h aufstehen. Nachts brauchte sie bisher keine Pause beim Stillen, und Bauchweh war auch nur selten, aber seit Neuestem läuft es nach gleichem Schema ab wie tagsüber. Vorgestern hat sie ihre erste Impfung bekommen; an dem Tag hatte sie Temperatur und war sehr weinerlich, dies war gestern aber vorüber. Ich weiß, dass all das für ein Baby in ihrem Alter nichts ungewöhnliches ist. Das Problem dabei bin ich, denn ich leide seit meiner Kindheit unter Migräne. Die ist während der Schwangerschaft praktisch verschwunden, und auch nach der Geburt brauchte ich nur so alle 1-2 Wochen Paracetamol, doch nun werden die Abstände immer kürzer. Ich bekomme nachts nicht genug Schlaf und habe tagsüber keine Möglichkeit mehr, ihn nachzuholen. Der Papa nimmt sie zwar abends ins Tuch, aber das hält nicht lange vor, da sie um die Zeit mit dem clustern anfängt. Die Großeltern wohnen zu weit weg, um sie mir tagsüber mal abzunehmen. Zu meinen Rückenübungen, die vorbeugend gut geholfen haben, komme ich auch nicht mehr. Ich mache mir Sorgen, dass ich irgendwann wieder Sumatriptan nehmen muss, denn dann muss ich die in der Zeit produzierte Muttermilch verwerfen. Meine Frage ist: Haben Sie irgendeinen Tipp, wie ich diese „Spirale“ durchbrechen kann? Habe ich irgendetwas noch nicht bedacht? Vielen Dank schonmal und Gruß!


Biggi Welter

Biggi Welter

Liebe skjelli, wie Sie schon selbst schreiben, ist das Verhalten Ihres Kindes nicht ungewöhnlich und wird sich so leicht nicht ändern lassen. Babys sind von Geburt an (bzw. bereits im Mutterleib) eigene, individuelle Persönlichkeiten mit eigenem Charakter, Temperament und auch mit eigener Stimmungslage. Ob eine Mutter ein ruhiges, zufriedenes, (fast) immer lächelndes Baby hat oder ein Kind, das als „Schreibaby" bezeichnet wird, das hängt nicht zwingend von ihren Fähigkeiten als Mutter ab. Vieles ist einfach angeboren. Wenn Ihr Kind viel quengelt und weint, dann kann es sein, dass es ein Baby mit erhöhten Bedürfnissen ist, ein High Need Baby, wie diese Kinder von dem amerikanischen Kinderarzt Dr. William Sears genannt werden. Ein High Need Baby braucht sehr viel mehr Einsatz von seiner Mutter/Eltern. Es ist kein „pflegeleichtes" Kind. Oft zeigen sich die Erfolge der Bemühungen der Mutter erst nach längerer Zeit und die Mutter zweifelt an sich selbst. Deshalb ist es so wichtig, dass Mütter/Eltern wissen, dass es High Need Babys gibt und wissen, dass sie keine „Schuld" haben. Sehr gut beschrieben sind High Need Babys in dem Buch „Das 24 Stunden Baby" von Dr. William Sears und Dr. Sears gibt auch Anregungen und Erklärungen, was Eltern tun können, um zu einem einfacheren Alltag mit ihren Kindern zu kommen. Das Buch ist im Buchhandel, bei der LLL, jeder LLL Stillberaterin und im Stillshop auf dieser Seite erhältlich. Wo schläft Ihr Baby denn? Die Nächte können sehr viel einfacher werden, wenn das Baby in unmittelbarer Nähe der Mutter schlafen kann. Für die Mutter ist es sehr viel praktischer, wenn das Baby mit im eigenen Bett liegt (was weltweit bei Mehrzahl aller Kinder und in unserer Kultur sehr viel mehr als von den Eltern zugegeben wird der Fall ist) oder auf einer Matratze oder in einem Kinderbett direkt neben ihrem Bett. Die Mutter muss nachts nicht aufstehen, muss nicht erst richtig wach werden, sondern kann im Liegen stillen und unmittelbar danach weiterschlafen. Auch das Kind muss gar nicht erst richtig wach werden und zu schreien beginnen und kann somit auch schneller wieder einschlafen. Auf diese Weise kann viel Kraft gespart werden und die Nächte verlaufen für alle Beteiligten ruhiger. Eventuell können Sie auch die „Nachtschicht" etwas verteilen, so dass Ihr Mann zwischendurch getrennt von Ihnen schläft oder eben z.B. am Wochenende die Nachtschicht mit dem Kind übernimmt. Auch tagsüber sollten Sie versuchen, sich selbst Nischen zu schaffen, die Sie ganz gezielt für Ihre Erholung nutzen. Gönnen Sie sich selbst in dieser anstrengenden Zeit so viel Ruhe wie möglich. Jetzt ist nicht die Zeit für blitzende Fußböden und spiegelnde Fenster. Lassen Sie den Haushalt auf Sparflamme laufen. Wenn die Fenster erst in einem halben Jahr wieder geputzt werden, dann schadet das niemandem und Tiefkühlgemüse ist nicht so schlecht und muss nicht geputzt werden. Nicht alles muss gebügelt werden. Machen Sie den Tragetest. Bügeln Sie etwas und tragen Sie es für zehn Minuten. Das nächste Mal bügeln Sie es nicht und tragen es für zehn Minuten. Dann vergleichen Sie ist der Unterschied nach der kurzen Tragezeit wirklich so deutlich, dass das Bügeln sich gelohnt hat? Viel Bügelarbeit lässt sich sparen, wenn die Wäsche sorgfältig aufgehängt wurde bzw. nicht lange im Trockner liegen bleibt, wenn der Trockner fertig ist. Es ist nicht viel mehr Arbeit, die doppelte Menge von zum Beispiel Nudelsauce zu kochen. Sie können dann eine Hälfte einfrieren und haben damit schnelle eine Mahlzeit, wenn ein Tag mal wieder sehr hektisch war. Nehmen Sie ALLE Hilfe an, die Sie bekommen können. Möglicherweise kann Ihnen auch Ihre Mutter, Schwiegermutter, Schwester oder eine Freundin (selbstverständlich auch das männliche Pendant dazu) etwas unter die Arme greifen. Das können ganz simple Dinge sein z.B. einmal alle Fenster putzen, den Bügelkorb leerbügeln, einige vorgekochte Mahlzeiten für die Tiefkühltruhe, ein Nachmittag Babysitten während Sie in die sich hinlegen, spazierengehen oder sonst etwas für sich tun ... Vielleicht finden Sie einen verantwortungsbewussten Teenager, der gegen geringes Entgelt bereit ist, mit dem älteren Kind oder dem Baby zu spielen oder spazieren zu gehen. In dieser Zeit sollten Sie dann aber wirklich entweder schlafen (bzw. ruhen) oder sich mit dem größerem Kind beschäftigen oder SICH etwas Gutes tun. Achten Sie darauf, dass Sie genügend essen und trinken. Sie müssen keine perfekten Menus kochen und essen, einigermaßen ausgewogen reicht und es darf auch Tiefkühlgemüse statt frischem Gemüse sein (dann sparen Sie sich auch das Schälen und Putzen). Eine hungrige Mutter ist nicht so belastbar. Schauen Sie nach vorne. Die anstrengende Zeit wird vorübergehen. Auch Ihre beiden werden älter und reifer werden und nicht mehr soooo viel Aufmerksamkeit brauchen. Kurz: beschränken Sie viel Dinge auf das absolut Notwendige, so dass Sie auf diese Weise mehr Zeit für sich bekommen. Diese „gewonnene" Zeit können Sie dann dazu nutzen, sich wieder zu erholen, neue Energie zu tanken. Vergessen Sie sich selbst nicht: Gönnen SIE SICH etwas Gutes, dann lassen sich so anstrengende Phasen leichter überstehen. Wenn es mit der Migräne nicht besser wird, kann ich Sie beruhigen: http://www.embryotox.de/sumatriptan.html Ich wünsche Ihnen bald wieder ruhigere Zeiten. LLLiebe Grüße Biggi Welter


skjelli

Liebe Frau Welter, danke für diese ausführliche Antwort! Und vielen Dank für den Migräne-Link! Die dort vertretene Einschätzung habe ich schon häufiger gehört, aber noch nie von so offizieller Seite. Das beruhigt. Der Begriff High Need Baby kommt mir sehr zutreffend vor. Das von Ihnen empfohlene Buch werde ich bestellen. Unsere Kleine schläft im Beistellbett. Im Liegen Stillen haben wir sehr lange nicht gemacht, da ich so ihre Trinktechnik nicht gut kontrollieren bzw. korrigieren kann. Wir fangen gerade wieder damit an, aber gerade nachts schafft sie das Andocken noch nicht. Ich neige dazu, alles selbst schaffen zu wollen, aber in den letzten Nächten, wenn sie nach dem Stillen hellwach war, habe ich auch schonmal den Papa rangelassen. Im Haushalt mache ich schon seit längerem kaum noch etwas, aber einige Ihrer Tipps werde ich noch ausprobieren. Nur das mit den Nischen - ich glaube, das wird echt schwierig... Sie haben mir wieder etwas Mut gemacht. Ich weiß ja aus den diversen Internetforen, dass es viele solcher Babys gibt, aber im echten Leben treffe ich irgendwie nur die Mütter von den Pflegeleichten... Danke dafür und Gruß Skjelli


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